Review: Logan: The Wolverine (Film)

Als ewiger Nachzügler ist es ja kaum noch verwunderlich, dass ich mich jetzt erst dem wohl letzten Film mit und über Wolverine widme, zumindest was dessen Verkörperung durch Hugh Jackman angeht. Aber wow, was für ein Film das geworden ist, hat mich schwer beeindruckt! In diesem Sinne, passend zum Wochenend-Einstand, hier eine weitere Film-Kritik zu einem echten Blockbuster!

Logan:
The Wolverine

Logan, USA 2017, 137 Min.

Logan: The Wolverine | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
James Mangold
Autoren:
Scott Frank
James Mangold
Michael Green

Main-Cast:
Hugh Jackman (Logan / X-24)
Patrick Stewart (Charles)
in weiteren Rollen:
Richard E. Grant (Dr. Rice)
Boyd Holbrook (Pierce)
Stephen Merchant (Caliban)
Dafne Keen (Laura)

Genre:
Action | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 2029 und die Geburt des letzten Mutanten liegt bereits rund zweieinhalb Dekaden zurück und die Zeit der X-Men scheint nur noch wie ein ferner Traum. Logan – sichtlich gealtert und trotz Selbstheilungskräften reichlich vernarbt – hat sich längst zurückgezogen und führt gemeinsam mit dem Albino-Mutantenaufspürer Caliban ein regelrechtes Einsiedler-Leben, während die beiden sich um Professor Charles Xavier kümmern, der an zunehmend heftiger werdenden neuralen Aussetzern leide und kaum noch Herr seiner Sinne ist. Logan will nichts weiter, als unentdeckt und unbehelligt seine letzten Tage zu verbringen, doch da erscheint die Mutter der jungen Laura und erkennt in ihm den Helden Wolverine. Sie fleht ich an, Laura zu einer geheimen Einrichtung nach North Dakota zu bringen, doch Logan weigert sich vehement. Mit dem ihm gebotenen allerdings könnte er sich und Charles einen lang gehegten Traum erfüllen und willigt schließlich doch ein, doch ein technisch verbesserter Supersoldat namens Donald Pierce und seine Schergen haben sich längst an Logans Fersen geheftet…

Szenenbild aus Logan: The Wolverine | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Rezension:

Bisher habe ich um die Wolverine-Filme ja einen großen Bogen gemacht, obwohl ich sowohl die Figur als auch Hugh Jackman in der Rolle sehr schätze, aber bei Logan: The Wolverine konnte ich nun nicht widerstehen, auch wenn es chronologisch natürlich nicht so passend ist, mit dem Abschluss der Trilogie zu starten, doch hat der nunmehr dritte Solofilm um den klingenbewehrten Helden auch vergleichsweise frenetische Kritiken bekommen, wohingegen die beiden Vorgänger ihrer Tendenz nach wohl nicht so bombastisch gewesen sein mögen. Eine der auffälligsten Differenzen bei den Filmen ist sicherlich die Altersfreigabe, die hier erstmals – wie zuvor schon bei Deadpool – mit einem R-Rating daherkommt, was dem Film enorm gut zu Gesicht steht, ohne dass man jetzt fürchten müsse, Mangold weide diese neu gewonnene Freiheit als pures Mittel zum Zwecks aus. Nachholen werde ich die beiden Vorgänger beizeiten aber freilich auch noch, was mitunter daran liegt, dass mich dieser Part der Story gehörig angefixt hat und in meinen Augen einen der überzeugendsten Superheldenfilme überhaupt darstellt, was in Anbetracht des immensen Ausstoßes an ähnlich gelagerten und nicht minder spektakulären Filmen – die ich in der Summe ja bekanntermaßen auch überwiegend sehr schätze – eine extrem hohe Ehrung darstellt.

Doch Logan macht eben einiges anders und hat absolut nichts mit den auf Hochglanz gebürsteten MCU-Blockbustern gemein, sondern versucht sich stattdessen an einer vor Tristesse triefenden Zukunftsvision, die uns einen gealterten und verhärmten, todessüchtigen Logan präsentiert, der längst nicht mehr so agil und unverwundbar ist, wie man den mit Adamatiumkrallen bewehrten aus der Vergangenheit kennt. Kunststück, spielt Mangolds Abschlussfilm der Trilogie auch etwas mehr als zehn Jahre in der Zukunft, derweil Mutanten ganz allgemein Schnee von gestern zu sein scheinen und auch Charles Xavier mittlerweile mit ausgeprägter geistiger Umnachtung zu kämpfen hat und schwer an einer Schuld trägt, über die ich mich an dieser Stelle freilich nicht auslassen möchte. So kommt der Film aber auch in beinahe sämtlichen Belangen angenehm reduziert daher, konzentriert sich auf ein kleines Figurenkonsortium und erzählt eine recht überschaubare Geschichte, deren emotionale Wucht allerdings weit größer ist, als man das anfänglich meinen würde.

Szenenbild aus Logan: The Wolverine | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Vor allem aber wirkt all das so wenig wie ein Superheldenfilm, dass es eine wahre Freude ist, denn gerade dadurch, den Film einerseits gehörig zu erden und auf allzu übertriebene Bombast-Schlachten zu verzichten, dadurch, den geschundenen Logan durch Schweiß, Blut und Dreck waten zu lassen, wirkt Logan so erwachsen und grimmig wie zuletzt höchstens – und selbst das nur näherungsweise – Nolans Batman-Filme. Das kommt freilich auch Hugh Jackman (Eddie the Eagle) zupass, der in seiner langjährigen Paraderolle noch einmal sämtliche Nuancen und Facetten abdecken darf und sich so würdig von seinem Alter Ego verabschiedet, wie es überhaupt nur möglich ist. Selbiges gilt freilich auch für Patrick Stewart (Green Room) als Charles, der allein schon optisch ein erschreckendes Bild abgibt, im weiteren Verlauf seine ebenfalls langjährige Rolle noch einmal mit jeder Faser seines Körpers regelrecht atmet. Skeptisch war ich da schon eher, was die von Dafne Keen verkörperte Jung-Mutantin darstellt, denn so ein Kind als Sidekick und emotionaler Anker ist schon weitaus häufiger schiefgegangen, als dass dieser Ansatz funktioniert hätte, doch durch ihr intensives Spiel, die kompromisslose Inszenierung als in die Enge getriebenes Tier und allgemein ihre Rolle in dem Film macht man hier ausnahmsweise alles richtig.

Logan | Zeichnung von Wulf Bengsch

"Kompromisslos" ist ohnehin ein Wort, dass bei Logan auf jedem Storyboard gestanden zu haben scheint, denn wo sich andernorts prekäre Situationen meist noch mit einem schelmischen Lächeln in Wohlgefallen auflösen, braucht man sich hier gar nicht erst darauf einstellen, dass Rettung in Sicht ist oder schon alles gut werden würde, denn wenn hier eine Situation ausweglos scheint, nun, dann ist sie das in den meisten Fällen auch. Ähnlich verhält es sich mit dem Grat der Gewalt, der eben nicht über Gebühr ausgeschlachtet wird, aber doch bei dem einen oder anderen Zuschauer eine gewisse, nennen wir es mal Überraschung, hervorrufen könnte, denn obwohl Wolverine längst nicht mehr als unbesiegbarer Held durch die Lande streift, richten seine Adamantiumklingen nun plötzlich den Schaden bei seinen Widersachern an, den man bis dato immer nur vermuten konnte und entsprechend werden hier auch schon mal Gliedmaßen durchbohrt oder abgetrennt, was eine gänzlich andere Gangart darstellt als in den vorangegangenen X-Men-Filmen. So darf Logan dann aber nun – ausgerechnet bei seinem ziemlich definitiv letzten Auftritt – endlich der düstere, brutale Anti-Held sein, der er auf dem Papier – beispielsweise in den zahllosen Comics – schon immer gewesen ist.

Szenenbild aus Logan: The Wolverine | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Als dessen Widersacher glänzen derweil Richard E. Grant (Dom Hemingway) und Boyd Holbrook (Ruhet in Frieden) in ihren jeweiligen Rollen, während Stephen Merchant für die Rolle als kahlköpfiger, sonnempfindlicher Caliban zwar nicht unbedingt eine naheliegende Wahl gewesen sein mag, aber einen tollen Job erledigt, der Figur Leben einzuhauchen. Damit aber erschöpft sich das maßgebliche Figuren-Ensemble tatsächlich aber auch schon weitestgehend, was aber nur erneut den reduzierten und verdichteten Charakter des Films unterstreicht, der anfänglich wie eine Art Western mit leichtem Crime-Noir-Feeling wirkt, um sich alsbald zum Road-Movie zu wandeln, das packender und tragischer kaum sein könnte und sowohl in emotionaler als auch inszenatorischer Hinsicht begeistert und das eine oder andere Mal regelrecht die Kehle zuschnürt, denn das es sich um das Ende einer Ära, ein letztes Aufbäumen handelt, diesen Geist atmet Logan bereits ab der ersten Minute und entsprechend braucht man nicht einmal auf eine Post-Credit-Scene warten oder hoffen, denn die gibt es nicht. Überzeugender und besser hätte man die Geschichte aber auch nicht zu Ende bringen können, insofern lässt sich mit dieser Endgültigkeit durchaus gut leben.

Fazit & Wertung:

Mit Logan: The Wolverine bereitet Regisseur James Mangold dem kultigen Mutanten einen mehr als würdigen Abschied und lässt Hugh Jackman noch einmal in seiner Paraderolle brillieren. Vor allem aber veredelt die neu entdeckte Härte und Kompromisslosigkeit den ohnehin schon im besten Sinne reduzierten und verdichteten Film zu einem gleichermaßen düsteren wie emotionalen Abschied, der für sich genommen schon einen der besten Superheldenfilme überhaupt darstellt, obwohl oder gerade weil hier Logan und nicht etwa Wolverine im Fokus der Erzählung steht.

9,5 von 10 entkommenen Kindern

Logan: The Wolverine

  • Entkommene Kinder - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Logan: The Wolverine bereitet Regisseur James Mangold dem kultigen Mutanten einen mehr als würdigen Abschied und lässt Hugh Jackman noch einmal in seiner Paraderolle brillieren. Vor allem aber veredelt die neu entdeckte Härte und Kompromisslosigkeit den ohnehin schon im besten Sinne reduzierten und verdichteten Film zu einem gleichermaßen düsteren wie emotionalen Abschied, der für sich genommen schon einen der besten Superheldenfilme überhaupt darstellt, obwohl oder gerade weil hier Logan und nicht etwa Wolverine im Fokus der Erzählung steht.

9.5/10
Leser-Wertung 8/10 (2 Stimmen)
Sende

Logan: The Wolverine ist am 13.07.17 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

Hinterlasse einen Kommentar