Review: Das Letzte, was er wollte (Film)

Ich hätte ja nicht gedacht, dass ein so vielversprechender Film mich so verprellen und enttäuschen könnte, aber auch ich darf mich natürlich noch manches Mal überraschen lassen, wenn auch diesmal im negativen Sinn.

Das Letzte, was er wollte

The Last Thing He Wanted, USA 2020, 115 Min.

Das Letzte, was er wollte | © Netflix
© Netflix

Regisseurin:
Dee Rees
Autoren:
Marco Villalobos (Drehbuch)
Dee Rees (Drehbuch)
Joan Didion (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Anne Hathaway (Elena McMahon)
Ben Affleck (Treat Morrison)
Rosie Perez (Alma Guerrero)
Willem Dafoe (Dick McMahon)
in weiteren Rollen:
Edi Gathegi (Jones)
Mel Rodriguez (Barry Sedlow)
Toby Jones (Paul Schuster)

Genre:
Krimi | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Das Letzte, was er wollte | © Netflix
© Netflix

Im Jahr 1984 recherchiert die Washington-Post-Journalistin Elena McMahon zu Kriegsverbrechen in Mittelamerika, ist immer dicht am Geschehen und deckt Komplotte und Verschwörungen auf. Dann aber bittet sie ihr sterbender Vater um einen letzten Gefallen, der es allerdings in sich hat, denn es gäbe da ein Waffengeschäft in Nicaragua abzuwickeln, was er sich selbst gesundheitlich nicht mehr zutraut und nun stattdessen seine Tochter schickt. Die willigt ein, zumal sich das Ganze ja eigentlich gut mit ihrem Steckenpferd deckt, Kriegsverbrechen aufzudecken und korrupte Militärs an den Pranger zu stellen. Der im Vorfeld eingefädelte Deal geht aber noch am Flughafen schief und alsbald sieht sich Elena in Costa Rica gestrandet. Nicht ahnend, wer hier mit wem unter eine Decke steckt und was eigentlich vorgeht, beginnt sie zu recherchieren und vertraut sich einem rätselhaften US-Funktionär an, der ihr Hilfe zusichert, um heil aus der Nummer herauszukommen…

Rezension:

Aus dem Umstand heraus, den immens negativen Kritiken nicht recht Glauben schenken zu wollen, habe ich mich jüngst an den bereits im Februar bei Netflix veröffentlichten Das Letzte, was er wollte begeben, um mir ein eigenes Urteil bilden zu können, zumal der Film eigentlich bereits seit Erscheinen auf meiner Watchlist gestanden hat. Leider, das kann ich schon vorwegschicken, muss ich mich dem allgemeinen Tenor anschließen und attestieren, dass es sich in weiten Teilen tatsächlich um einen Totalausfall von Film handelt, der bereits nach wenigen Minuten nicht mehr zu wissen scheint, wohin er will, worauf er hinauswill oder ganz allgemein, was es eigentlich zu erzählen gilt. Dabei fußt der von Dee Rees inszenierte Streifen – wie so oft heutzutage – auf dem gleichnamig betitelten Buch der renommierten Joan Didion, das hierzulande als Nach dem Sturm erschienen ist und sicherlich ein vielversprechender Nährboden für einen gelungenen Polit-Thriller hätte sein können.

Szenenbild aus Das Letzte, was er wollte | © Netflix
© Netflix

Dabei ist Das Letzte, was er wollte durchaus ansprechend fotografiert und gefilmt, wirkt also zunächst vielversprechend, doch ähnlich wie sich die Hauptfigur – Journalistin Elena McMahon – alsbald zu verrennen beginnt, tut es das Skript ihr nach und stapelt und türmt zusammenhanglose Szenen, die sich nie zu einem stimmigen Ganzen fügen wollen. Da werden allerorten neue Figuren eingeführt, Konflikte geschürt, Geheimnisse angedeutet, aber so richtig schlau wird man schon schnell nicht mehr draus, während die eigentlich versierte Journalistin selbst auch immer kopfloser und nur noch wenig nachvollziehbar zu agieren beginnt. Da tut es einem im Grunde direkt leid um Willem Dafoe (What Happened to Monday?), der hier den sterbenden Vater Dick der Journalistin spielt und den abstrus-konfusen Stein überhaupt erst ins Rollen bringt. Und ab diesem Moment macht sich dann auch das Gefühl des Stolperns in den Kaninchenbau breit, wenn Journalistin Elena sich als Waffenhändlerin versucht, durch den Dschungel stolpert, in Bibliotheken recherchiert und das erzählerisch abgehakte Wirrwarr um sie herum stoisch erträgt.

So ist der Film für Anne Hathaway sicherlich nicht als Glanzleistung zu verbuchen und auch hier muss ich ihr vorwerfen, was mich schon an dem zwölf Jahre zuvor entstandenen Passengers gestört hat, nämlich, dass ich ihr die Figur der toughen Berichterstatterin nicht hundertprozentig abkaufe, doch immerhin emotional weiß sie zu überzeugen, wenn sich schon die Regisseurin nicht die Mühe macht, Intention und Motivation der Figur wirklich auszuloten, geschweige denn zu erklären. Man merkt richtig, wie gerne Das Letzte, was er wollte ein Verschwörungs-Thriller sein möchte, den niemand durchschaut und das gelingt ihm sogar, nur eben auf die denkbar schlechteste Art, derweil das Geschehen einerseits gehetzt und überfrachtet wirkt, andererseits aber im Detail ungemein träge daherkommt, was selbst für das vermeintlich spektakuläre, aber kaum vom Hocker reißende Finale gilt, das genretypisch noch den Erklärbären heraushängen lässt, der aber auch nicht wirklich Licht ins Dunkel bringt und dazu noch mit ziemlich miesem CGI aufwartet, was hier leider auch nicht zum ersten Mal vorkommt.

Szenenbild aus Das Letzte, was er wollte | © Netflix
© Netflix

Dieser Plan- und Richtungslosigkeit fällt dann auch der prominent beworbene Ben Affleck (The Accountant) zum Opfer, dessen Rolle hier ebenfalls als reichlich diffus, vor allem aber ziemlich klein zu betiteln ist, auch wenn er zumindest in einer Schlüsselszene federführend sein mag. Nein, abgesehen von ein paar ordentlich gefilmten Szenen fällt es schwer, Das Letzte, was er wollte etwaige Qualitäten abzuringen, denn für einen Polit-Thriller fällt das Politische viel zu offensichtlich unter den Tisch, für ein Drama hat sich Dee Rees mehr mit ihren Figuren auseinandersetzen müssen, die keinerlei Tiefe oder Profil gewinnen und selbst als Verschwörungsstreifen taugt das Ganze nicht, weil die aufgedeckte Verschwörung eben keinen Aha-Effekt hervorruft, sondern eigentlich nur den ohnehin schon omnipräsenten Hä?-Effekt unterstreicht, der diesem Werk stets innewohnt. Bleibt abschließend nur die Frage offen, ob die (auch am Drehbuch beteiligte) Dee Rees das Buch selbst nicht verstanden hat, was sie da adaptiert hat, oder schlichtweg vergessen hat, dieses Wissen an die Zuschauer weiterzugeben. Punkte gibt es folglich einzig und allein für ein paar überzeugend emotionale Momente seitens Hathaway und ein wenig 80ies-Flair, das man immerhin ganz gut hinbekommt. Der Rest sind leider konfuse Wendungen und abgedroschene Klischees, die zu einem kopflosen Irgendwas verrührt wurden, dem man selbst mit Aufopferung und Hingabe nur schwerlich längerfristig wird folgen können.

Fazit & Wertung:

Dee Rees offeriert mit Das Letzte, was er wollte eine vielversprechend wirkende Buch-Adaption, die sich leider aber nach nur wenigen Metern heillos zu verrennen beginnt und dramaturgisch kaum noch zu durchschauen ist. Da hilft dann auch die namhafte Besetzung und der optisch ordentliche Look nicht mehr, wenn man sich außerstande sieht, der Haken schlagenden Handlung in ihrer offenkundig konfusen Art überhaupt noch folgen zu können – oder schlichtweg zu wollen.

2 von 10 undurchsichtigen Verschwörungen

Das Letzte, was er wollte

  • Undurchsichtige Verschwörungen - 2/10
    2/10

Fazit & Wertung:

Dee Rees offeriert mit Das Letzte, was er wollte eine vielversprechend wirkende Buch-Adaption, die sich leider aber nach nur wenigen Metern heillos zu verrennen beginnt und dramaturgisch kaum noch zu durchschauen ist. Da hilft dann auch die namhafte Besetzung und der optisch ordentliche Look nicht mehr, wenn man sich außerstande sieht, der Haken schlagenden Handlung in ihrer offenkundig konfusen Art überhaupt noch folgen zu können – oder schlichtweg zu wollen.

2.0/10
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Das Letzte, was er wollte ist seit dem 21.02.2020 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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