Review: Fresh (Film)

Kommen wir heute zu meinem Überraschungs-Hit des Monats April, denn ich hätte nicht ahnen können, was mich erwartet. Entsprechend rate ich aber auch hier dazu, nur sparsam Details zum Film zu konsumieren, wobei nachfolgende Rezension natürlich gewohnt spoilerfrei ist.

Fresh

Fresh, USA 2022, 114 Min.

Fresh | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseurin:
Mimi Cave
Autorin:
Lauryn Kahn

Main-Cast:
Daisy Edgar-Jones (Noa)
Sebastian Stan (Steve)
in weiteren Rollen:
Jojo T. Gibbs (Mollie)
Charlotte Le Bon (Ann)
Andrea Bang (Penny)
Dayo Okeniyi (Paul)

Genre:
Horror | Komödie | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Fresh | © Walt Disney
© Walt Disney

Spätestens seit ihrem letzten Tinder-Date mit einem reichlich egozentrischen Hipster hat Noa die Schnauze gestrichen voll vom Dating und ist daher umso überraschter, als sie ausgerechnet in der Gemüseabteilung im Supermarkt einem durchaus charmanten und attraktiven Arzt namens Steve begegnet, der sie ein wenig linkisch nach ihrer Nummer fragt. Bereits das erste Date gibt ihrem Gefühl recht und die beiden verstehen sich blendend, fühlen sich sichtlich und merklich zueinander hingezogen. Noas beste Freundin Mollie ist da schon skeptischer, aber dank rosaroter Brille auf der Nase schlägt die frisch Verknallte alle guten Ratschläge in den Wind und ist durchaus angetan, als Steve sie zu einem gemeinsamen Wochenende auf dem Land einlädt. Dumm nur, dass schon die Anreise sich verzögert und auch der Vorabend längst nicht so läuft, wie sich Noa das erwartet hätte. Schwacher Trost: Nach ihrem Erwachen dürfte sie gänzlich andere Sorgen haben…

Rezension:

Der jüngst bei Disney+ gestartete Fresh ist wieder einer dieser Filme, an die man bestmöglich gänzlich unvorbereitet und bar jeder Information herangeht, wozu ich auch allen eindringlich raten mag, derweil es lobenswert ist, dass dann doch selbst der Trailer verhältnismäßig wenig wirklich verrät. Okay, dass es nicht bei der anfänglichen RomCom bleibt, das darf verraten und als bekannt vorausgesetzt werden, wobei es dennoch perfide ist, was einen dann nach der überlangen, rund dreißigminütigen Exposition erwartet, denn ausgerechnet bei Disney hätte man das so bis vor kurzem noch nicht erwartet. Gut, also man weiß, dass alles mit der klassischen Mädchen-trifft-Junge-Geschichte startet und zudem, dass es zu einem erzählerischen Bruch, einem Paradigmenwechsel kommt, der das Ganze in Richtung Horror-Thriller kippen lässt. Alles andere aber sollte man dann schon dem Film selbst überlassen, es zu erzählen. Wer jetzt übrigens schon zu wissen meint, in welche Richtung der Hase läuft, wird sicherlich in vielen Punkten recht behalten, aber beinahe ebenso oft falsch liegen, denn Drehbuchautorin Lauryn Kahn versteht es trefflich, mit Erwartungshaltungen und Genre-Klischees zu spielen.

Szenenbild aus Fresh | © Walt Disney
© Walt Disney

Und während man sich also anfänglich noch in einem Liebesfilm wähnt, ist allein schon der nach dreiunddreißig (!) Minuten einsetzende Vorspann bestens geeignet, auf das dann folgende Grindhouse-Genre-Flick einzustimmen. Dabei sollte man zwar nicht allzu zartbesaitet sein, braucht dafür aber wenig klassischen Horror mit Jumpscares und dergleichen zu fürchten, denn sowas sucht man bei Fresh vergebens. Bei der Vorbereitung auf diesen Artikel musste ich dann aber gleich noch einmal stutzen, dass der Film in der IMDb unter anderem auch als Komödie deklariert worden ist, wobei ich dem im Nachgang zustimmen möchte, denn so derb und abgefuckt die Geschichte sein mag, kommt sie doch auch mehrfach mit wirklich tiefschwarzem Humor daher, einem Humor, mit dem man sich nicht auf die Straße trauen würde, der aber perfide viel Spaß macht, wenn man dem hier inszenierten, abgründigen Treiben nicht gänzlich ablehnend gegenübersteht.

So merkt man auch Sebastian Stan – den man zuvor noch als Helden in The Falcon and the Winter Soldier bei Disney+ sehen konnte – seine perfide Freude an der Rolle an, die einerseits seine Wandelbarkeit unterstreicht, andererseits aber auch schlicht bösartig und erschreckend gerät, wenn Steve seine Fassade fallen und den Psychopathen raushängen lässt. Entsprechend fällt der Part der "Damsel in Distress" der nicht minder großartig aufspielenden Daisy Edgar-Jones zu, deren bisheriges Schaffen leider an mir vorbeigegangen ist, die ich nun aber definitiv auch weiterhin auf dem Schirm haben werde. Auf den strahlenden Retter allerdings muss deren Figur Noa hier vergeblich warten, zumal Kahn und Regisseurin Mimi Cave – die mit Fresh ein beeindruckendes Spielfilm-Debüt gibt – genüsslich mit den Konventionen des Genres spielen und diese zu unterlaufen und brechen wissen, was den Reiz des Gezeigten – und ja, den Spaß daran – noch erhöht.

Szenenbild aus Fresh | © Walt Disney
© Walt Disney

Dabei ist Fresh natürlich gleichermaßen Kommentar und Abgesang auf modernes Dating-Gebaren, spart sich aber jeglichen erhobenen Zeigefinger oder belehrendes Getue, sondern zeigt eben auf reichlich drastische, maßlos überhöhte Art und Weise, was halt so passieren kann. Ernst nehmen kann und braucht man davon freilich nichts, aber dafür ist der Film auch nicht geschaffen worden. Durch das Übertriebene und Drastische gibt sich das Geschehen zwar auch einen dergestalt surrealen Touch, dass sich der Schrecken ein wenig in Grenzen hält, aber da spielt das Setting dann seine schwarzhumorigen Stärken wiederum voll aus, die im Übrigen einhergehen mit einem Soundtrack zum Niederknieen, dessen offensiver Pop-Charakter oft und gern genüsslich im krassen Gegensatz zum Gezeigten steht. Highlights hier sind einerseits Perfect Day von Duran Duran und das bereits im Trailer prominent platzierte Heads Will Roll von den Yeah Yeah Yeahs, aber ganz allgemein ist der Film einfach ungemein stilsicher und superb inszeniert, was ihn zu einer echten Genre-Perle macht, die mich im positivsten Sinne überrascht hat, auch und insbesondere, weil ich kaum wusste, was für ein – positiv konnotiert – kranker Film mich erwarten würde.

Fazit & Wertung:

Regisseurin Mimi Cave legt mit Fresh ein begeisterndes Spielfilm-Debüt vor, das von seinen vielen Twists und Überraschungen lebt und umso besser funktioniert, je weniger man vorher weiß. Auf alle Fälle ein bitterböser, schwarzhumoriger Genre-Beitrag mit reichlich Flair und einem bestens aufgelegten Darsteller-Duo.

8 von 10 gemeinsamen Tänzen

Fresh

  • Gemeinsame Tänze - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Regisseurin Mimi Cave legt mit Fresh ein begeisterndes Spielfilm-Debüt vor, das von seinen vielen Twists und Überraschungen lebt und umso besser funktioniert, je weniger man vorher weiß. Auf alle Fälle ein bitterböser, schwarzhumoriger Genre-Beitrag mit reichlich Flair und einem bestens aufgelegten Darsteller-Duo.

8.0/10
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Fresh ist seit dem 15.04.22 bei Disney+ verfügbar.
vgw

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Eine Reaktion

  1. Lukas 11. Mai 2022

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