Review: The Falcon and the Winter Soldier (Serie)

Das Marvel Cinematic Universe

Marvel Cinematic Universe

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Es hat zwar jetzt bis zum Abend gedauert, aber ansonsten gab es wohl sicherlich kein Vertun, welcher Serie ich mich heute widmen würde und so schildere ich nachfolgend – und gewohnt euphorisch – meine Eindrücke – natürlich spoilerfrei – zu der neuen Marvel-Show, die seit gestern im Streaming komplett verfügbar ist.

The Falcon and the Winter Soldier

The Falcon and the Winter Soldier, USA 2021, ca. 51. Min. je Folge

The Falcon and the Winter Soldier | © Disney+
© Disney+

Serienschöpfer:
Malcolm Spellman
Regisseur:
Kari Skogland

Main-Cast:

Anthony Mackie (Sam Wilson / Falcon)
Sebastian Stan (Bucky Barnes / Winter Soldier)
Daniel Brühl (Baron Zemo)
Emily VanCamp (Sharon Carter)
Wyatt Russell (John Walker / Captain America)
Clé Bennett (Lemar Hoskins / Battlestar)
Erin Kellyman (Karli Morgenthau)
Julia Louis-Dreyfus (Valentina Allegra de Fontaine)
Carl Lumbly (Isaiah Bradley)
Danny Ramirez (Joaquin Torres)
Florence Kasumba (Ayo)
Adepero Oduye (Sarah Wilson)
Georges St-Pierre (Georges Batroc)
Desmond Chiam (Dovich)
Dani Deetté (Gigi)
Indya Bussey (DeeDee)
Renes Rivera (Lennox)
Tyler Dean Flores (Diego)
Noah Mills (Nico)
Amy Aquino (Dr. Christina Raynor)
Don Cheadle (James Rhodes)

Genre:
Action | Abenteuer | Drama | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Falcon and the Winter Soldier | © Disney+
© Disney+

Sechs Monate sind vergangen, seit mit dem sogenannten "Blip" nicht nur Thanos‘ Taten ultimativ rückgängig gemacht worden sind, sondern die Weltbevölkerung sich binnen Sekunden auch schlichtweg wieder verdoppelt hat. Und nachdem Steve Rogers den Schild an den Nagel gehängt hat, stehen die Vereinigten Staaten ohne Captain America da, derweil sich Sam Wilson sträubt, das schwere Erbe anzutreten und lieber zu seiner Schwester heimkehrt. Auch der einstmals als "Winter Soldier" bekannte Bucky Barnes hat sich zurückgezogen und versucht noch immer, seiner inneren Dämonen Herr zu werden, derweil ihm die regelmäßigen Therapiesitzungen merklich gegen den Strich gehen. Während die als Terroristen gebrandmarkten Flag Smashers allerdings immer mehr an Macht und Einfluss gewinnen, präsentiert die amerikanische Regierung nun kurzerhand einen neuen Captain America, der sich der Angelegenheit annehmen soll und mit John Walker haben sie einen hochdekorierten wie fähigen Kriegsveteran in petto, auch wenn der ebenfalls daran zweifelt, die Fußstapfen von Rogers ausfüllen zu können. Da hat er einiges mit Sam und Bucky gemein, die dem neuen Helden skeptisch gegenüberstehen und dann auch lieber auf eigene Faust versuchen, den Flag Smashers auf die Spur zu kommen. Ob man sich allerdings wird zusammenraufen müssen, oder womöglich gar andere, weitaus dubiosere Gestalten hinzuziehen muss, um den vermeintlichen Terroristen die Stirn bieten zu können, wird sich erst noch zeigen müssen, zumal niemand weiß, wer hinter der Gruppierung steckt und selbst Sam zugeben muss, dass deren Ziel, die Rechte der Zurückgekehrten zu stärken, durchaus berechtigt ist, wenn es auch mit falschen Mitteln verfolgt wird…

Rezension:

Ich kann mich natürlich nicht davon freimachen, im Vorfeld wieder reichlich gehypt gewesen zu sein, was The Falcon and the Winter Soldier angeht und nachdem nun gestern die sechsteilige Miniserie zu Ende gegangen ist, kann ich durchaus guten Gewissens behaupten, dass der Hype gerechtfertigt gewesen ist. Denn auch wenn sich die Serie dramaturgisch weitaus konventioneller gibt als das vorangegangene WandaVision, weist sie doch alle Qualitäten eines klassischen MCU-Blockbusters auf, während das Mehr an Zeit eben nicht nur mehr Action und eine weitschweifigere Geschichte erlaubt, sondern auch, sich deutlich eingehender den handelnden Figuren zu widmen, was ihnen eine ungeahnte Tiefe verleiht. So lässt sich festhalten, dass in den zahlreichen Filmen sowohl Anthony Mackie als auch Sebastian Stan nicht unbedingt tiefgründige Figuren verkörpern durften und merkwürdig unscharf geblieben sind, was Motivation, Innenleben, Persönlichkeit, Charakterzeichnung angeht, was man hier gleich in der ersten Episode aufzuarbeiten beginnt. Die setzt rund sechs Monate nach dem sogenannten Blip an, der die Hälfte der Menschheit zurückgebracht hat und überrascht auch hier mit Ansätzen und Überlegungen, was es für die Wirtschaft und Regierungen bedeutet, wenn nun urplötzlich nach fünf langen Jahren die Erdbevölkerung prompt wieder auf das Doppelte anwächst und die frisch Zurückgekehrten oftmals mit Schrecken erkennen müssen, dass ihre früheren Wohnungen und Häuser nun anderweitig vergeben sind und sie sich letztlich als Heimatlose betrachten müssen.

Szenenbild aus The Falcon and the Winter Soldier | © Disney+
© Disney+

Die Ausgangslage ist also schon spannend, doch nach einem reißerischen Opener, der einfach nur mal die Muskeln in Sachen Spezialeffekte und Inszenierung spielen lässt, wird es zunächst privat und intim, wenn Sam zu seiner Schwester heimkehrt und Bucky weiterhin von seinen Dämonen verfolgt wird und verzweifelt darum bemüht ist, Buße zu tun für das, was er als Winter Soldier unter Hydra-Kontrolle in all den Jahren getan hat. Vor allem aber entscheidet sich Sam dafür, den Schild nicht zu tragen, was alsbald dazu führt, dass von der Regierung ein neuer Captain America präsentiert wird, um in diesen unsicheren Zeiten die Heldenlücke zu füllen, die Steve Rogers hinterlassen hat. Dem steht man nicht nur also Zuschauer völlig zu Recht skeptisch gegenüber, doch macht sich anfänglich vor allem bemerkbar, dass man es noch mit einer reichlich diffusen Ausgangslage zu tun hat, denn nicht nur ein neuer Cap ist am Start, auf der anderen Seite treiben weltweit die sogenannten "Flag Smashers" ihr Unwesen und werden als Terroristen deklariert, derweil sie sich – mit drastischen Mitteln – für die mit dem Blip zurückgekehrten stark zu machen gedenken. Und dann wären da ja auch noch die in Ungnade gefallene Agent Carter – Sharon, nicht Peggy – und der inhaftierte Zemo, von denen man ebenfalls noch zu hören bekommen wird, derweil im fiktiven Madripoor noch der sogenannte "Power Broker" im Hintergrund lauert.

Befürchtungen, dass dadurch die gerade einmal sechs Episoden umfassende Miniserie The Falcon and the Winter Soldier überfrachtet wirken könne, bewahrheiten sich letztlich zwar nicht, doch insbesondere in der Finalfolge macht sich schon bemerkbar, dass man der einen oder anderen Figur sicherlich noch mehr Raum hätte zugestehen können, denn im Spannungsfeld zwischen Flag Smashers und dem neuen Captain America kommt vieles andere dann doch zu kurz. Dafür aber dominieren und begeistern umso mehr die beiden namensgebenden Protagonisten, die auch fernab ihrer Heldenidentität als Figuren wachsen und deutlich vielschichtiger erscheinen, als dies in den Filmen der Fall war. Die Frage, wer von den beiden – und warum genau – schlussendlich der neue, neue Captain America werden würde, stellt sich dabei eher weniger, dennoch ist der Weg dorthin spannend und nicht von ungefähr wurden Anthony Mackie (Triple 9) und Sebastian Stan (The Devil All the Time) beispielsweise bei den MTV Movie & TV Awards als "Best Duo" nominiert. In der Beziehung fällt die erste Episode gegenüber dem Rest zwar ein wenig ab, weil die beiden sich keine einzige Minute Screentime teilen, doch wird das umgehend ab Folge zwei revidiert und man bekommt die beworbene und versprochene Buddy-Action zu sehen, auf die man zunächst hat warten müssen.

Szenenbild aus The Falcon and the Winter Soldier | © Disney+
© Disney+

Und obwohl The Falcon and the Winter Soldier natürlich an die Ereignisse in Endgame anknüpft und spürbar Teil er vierten Phase des MCU ist, stützt sich das Geschehen natürlich vorrangig auf Dinge, die bereits in Civil War ins Rollen gekommen sind, zumal auch Zemo (Daniel Brühl, Rush) und Sharon Carter (Emily VanCamp) hier bereits Auftritte zu verzeichnen hatten. So sehr man sich aber auch über diese(s) Wiedersehen freuen mag, sind die ausgewiesenen Neuzugänge noch ungleich spannender, weil ambivalenter geraten, womit namentlich Wyatt Russell (Operation: Overlord) als John Walker, seines Zeichens neuer Captain America, und Erin Kellyman (Les Misérables) in der Rolle der Karli Morgenthau gemeint sind, denn endlich gelingt Marvel, was sonst ausgewiesene und bekannte Schwäche vieler Filme des Franchise gewesen ist, nämlich vielschichtige, glaubhafte und ambivalente Bösewichter zu entwickeln, die sich einer Schwarz-Weiß-Zeichnung bewusst und gekonnt entziehen und eben weit mehr an Motivation vorzuweisen haben, als wahlweise die Menschheit zu beherrschen oder zu vernichten. Auch hier macht sich also der Serien-Charakter des Gezeigten positiv bemerkbar und während man mit Querverweisen und Gastauftritten alles daran setzt, Setting und Handlung von The Falcon and the Winter Soldier mit der mehrjährigen und umfassenden Handlung des Franchise zu verknüpfen – auch optisch gelingt das in formidablem Maße, wobei da nach WandaVasion wohl keine Zweifel und Befürchtungen mehr bestanden haben dürften –, setzt die Serie doch auch eigene Akzente und liefert Nährboden für künftige Fortsetzungen, auf die man zu Recht schon heute gespannt sein darf. Denn auch wenn diese Buddy-Action mit dramatischem und gesellschaftskritischem Anstrich sich eben weitaus konventioneller gibt als noch der Sitcom-Ausflug zu Beginn des Jahres und somit wirkt wie ein ziemlich langer und wendungsreicher Captain-America-Film – wie es der Zufall will, wurde jüngst von Marvel-Mastermind Kevin Feige übrigens Captain America 4 bestätigt –, gibt sie sich auch ungewohnt ernst, nachdenklich und progressiv, ohne dabei den obligatorischen Marvel-Humor oder schnittig inszenierte Action-Einlagen unter den Tisch fallen zu lassen.

Fazit & Wertung:

Mit The Falcon and the Winter Soldier gelingt Marvel ein weiterer Serien-Hit, der sich keineswegs vor den auf der großen Leinwand beheimateten Filmen zu verstecken braucht und die längere Laufzeit eben nicht nur nutzt, um mehr Buddy-Action und charmante Oneliner in das Format zu pressen, sondern auch erzählerisch einiges zu bieten hat und nicht nur seine Protagonisten merklich differenzierter und vielschichtiger in Szene zu setzen vermag. Der Umstand, dass Aufmachung, Inszenierung und Effekte den Filmen in nichts nachstehen, ist da nur das Tüpfelchen auf dem i.

8,5 von 10 Einsätze zweier ungleicher Helden und Freunde

The Falcon and the Winter Soldier

  • Einsätze zweier ungleicher Helden und Freunde - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit The Falcon and the Winter Soldier gelingt Marvel ein weiterer Serien-Hit, der sich keineswegs vor den auf der großen Leinwand beheimateten Filmen zu verstecken braucht und die längere Laufzeit eben nicht nur nutzt, um mehr Buddy-Action und charmante Oneliner in das Format zu pressen, sondern auch erzählerisch einiges zu bieten hat und nicht nur seine Protagonisten merklich differenzierter und vielschichtiger in Szene zu setzen vermag. Der Umstand, dass Aufmachung, Inszenierung und Effekte den Filmen in nichts nachstehen, ist da nur das Tüpfelchen auf dem i.

8.5/10
Leser-Wertung 8.5/10 (2 Stimmen)
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Episodenübersicht:

01. Eine neue Welt (8/10)
02. Der Sternenbanner-Mann (8/10)
03. Power Broker (8,5/10)
04. Die gesamte Welt sieht zu (9/10)
05. Wahrheit (8,5/10)
06. Eine Welt, alle geeint (8,5/10)

 
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The Falcon and the Winter Soldier ist (komplett) seit dem 23.04.21 exklusiv bei Disney+ verfügbar.

vgw

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Eine Reaktion

  1. Greifenklaue 27. April 2021

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