Review: Sweeney Todd (Film)

Am Dienstagabend trug es sich zu, dass ich in Ermangelung neuer, ungesehener, filmischer Alternativen einmal mehr auf meine gut sortierte Filmsammlung zurückgriff und einen von mir hochgeschätzten Film erneut in den Player legte.

Wie jeder Leser dieses Blogs sich denken kann, schaue ich Filme nun einmal aber seit geraumer Zeit nicht mehr nur des filmischen Genusses wegen, sondern auch, um euch langsam einen Einblick zu geben, welche Werke mich zu überzeugen wussten und welche nicht.

Passt aber inhaltlich ganz gut, haben wir *Ironie-an* endlich mal wieder einen Johnny Depp-Film im Portfolio *Ironie-aus*. In dem Zusammenhang noch der kurze Hinweis, dass sich die Rezension von Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten einige Tage verzögern wird, da ich es erst Anfang nächster Woche ins Kino schaffe.

Bis dahin, zur Überbrückung und zum Zeitvertreib, erst einmal folgendes:

Sweeney Todd:
Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet, USA 2007, 116 Min.

Sweeney Todd
Quelle: IMPawards.com

Regisseur:
Tim Burton
Autor:
John Logan

Main-Cast:

Johnny Depp (Sweeney Todd)
Helena Bonham Carter (Mrs. Lovett)
Alan Rickman (Richter Turpin)
Jamie Campbell Bower (Anthony)
Jayne Wisener (Johanna)

Genre:
Drama | Musical | Thriller | Horror


Trailer:

 

Inhalt:

Benjamin Barker lebt glücklich mit Frau und Tochter im London des 19. Jahrhunderts. Doch der skrupellose Richter Turpin hat sich in Barkers Frau verschossen und lässt ihn daraufhin unter einem Vorwand verhaften und außer Landes schaffen.

Fünfzehn Jahre vergehen und der Mann, der früher Barker hieß kehrt zurück. Mittlerweile nennt er sich Sweeney Tood und sinnt auf Rache. Als er dann noch in der Fleet Street auf Mrs. Lovett trifft, die ihn unterrichtet, dass seine Frau sich mit Arsen vergiftet habe und der Richter daraufhin seine Tochter Johanna adoptiert habe kennt Todd kein Halten mehr.

In seinem Hass auf die Menschheit beginnt er jeden zu töten, der seinen Barbiersalon betritt. Die praktisch veranlagte Mrs. Lovett nutzt die Menschenreste, um diese in ihre Pasteten zu packen, die schnell zu den Beliebtesten ganz Londons werden.

Währenddessen plant Todd, den Richter Turpin zu sich zu locken, um endgültig Vergeltung zu üben. Doch es werden sich noch Geheimnisse offenbaren und Dramen entfalten, bis der Schlussakt die Erlösung bringt.

Rezension:

Tim Burton hat es hier geschafft, ein kleines, fast stilles und in seiner Skurrilität und Morbidität viel zu wenig beachtetes Meisterwerk zu schaffen. Sweeney Todd kann man sich als typischen Burton-Film vorstellen, dessen Stil ja hinreichend bekannt sein sollte (Edward mit den Scherenhänden, Ed Wood, Sleepy Hollow, Alice im Wunderland – um beim Name-dropping einige der Filme unter Beteiligung Johnny Depps zu berücksichtigen). Gleichzeitig ist es auch mit eins seiner düstersten Werke.

Das London, dass Burton erschafft, wirkt so trostlos, düster, bedrohlich, finster und feindlich wie eine Stadt nur sein kann und unterstützt auf die beste Art und Weise die Tragik der Geschichte und agierenden Figuren. Außerdem ist Sweeney Todd ein Musical, allerdings eins, in dem fast nie getanzt wird und das gänzlich auf choreographierte Massenszenen oder opulenten Schnickschnack verzichtet. Stattdessen hat Burton seine Schauspieler Gesangsunterricht nehmen lassen, so dass diese in ihren kleinen, intimen Liedern eine Eindringlichkeit vermitteln, die noch jeder pompösen Bombast-Einstellung das Wasser reichen könnten und zusammen mit den Kompositionen Stephen Sondheims regelmäßig Gänsehaut verursachen.

Dabei fügen sich die Gesangsstücke nahtlos in die Geschichte, sind nicht nur blendendes Beiwerk oder Mittel zum Zweck und äußerst prägnant in ihrer Ausdruckskraft. Nicht umsonst ist das Musical von 1979, das als Vorlage für diesen Spielfilm diente und ebenfalls von Stephen Sondheim stammt ein äußerst erfolgreiches Broadwaymusical. Sweeney Todd ist aber nicht nur ein unter die Haut gehender Musikfilm, sondern auch ein Film der Kontraste. Die Geschichte des unglücklichen Barbiers Benjamin Barker wird in Rückblenden erzählt, die in ihrer farbenfrohen Pracht das exakte Gegenstück zu der fast in Schwarzweiß gehaltenen Hoffnungslosigkeit der Gegenwart bilden. Auch in einer weiteren Traumsequenz kommt plötzlich so exzessiv Farbe ins Spiel, dass es dem Zuschauer fast in den Augen brennt, nur um das Schwarz der Nacht hinterher noch intensiver fühlen zu können.

Tim Burtons Film ist eine Tragödie par excellence und zutiefst dramatisch in seiner Ausgestaltung und dem konsequenten Ende. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass niemand anders diesen Film in dieser Art hätte drehen können, denn das erprobte Gespann aus Helena Bonham Carter, Tim Burton und Johnny Depp schafft eine unglaubliche filmische Intensität und selbst die kleineren Rollen wissen ausnahmslos zu begeistern, so dass aus Sweeney Todd ein durch und durch einmaliges Filmvergnügen wird.

Zum Schluss noch eine Tatsache, die beispielsweise meiner Freundin das Filmvergnügen leider ein wenig verdorben hat: Der Film geizt nicht unbedingt mit Blut und toten Körpern, auch wenn sowohl die Tötungen als auch die Leichen meiner Meinung nach in einer solch überstilisierten Art dargestellt werden, mag es sein, dass Zartbesaitete hieran Anstoß nehmen könnten.

Fazit & Wertung:

Sweeney Todd ist eine in allen Punkten überzeugende Verquickung verschiedener Genres, versehen mit einem perfekt sitzenden Musical-Korsett und überzeugt insbesondere Tim Burton- und/oder Johnny Depp-Fans auf ganzer Linie.

9 von 10 Fleischpasteten

Sweeney Todd

  • Fleischpasteten - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Sweeney Todd ist eine in allen Punkten überzeugende Verquickung verschiedener Genres, versehen mit einem perfekt sitzenden Musical-Korsett und überzeugt insbesondere Tim Burton- und/oder Johnny Depp-Fans auf ganzer Linie.

9.0/10
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