Review: Blue Valentine (Film)

Endlich Wochenende – und noch dazu extrem sommerlich, zumindest in meinen Breitengraden. Gerne hätte ich daher heute etwas beschwinglicheres präsentiert als Blue Valentine, doch Hochsaison für Filme ist im Moment ja sowieso nicht und außerdem wartet dieser hier schon viel zu lange auf seine Rezension, so dass ich mich nichtsdestotrotz freue, euch einen zwar bitteren, aber dafür extrem guten Film offerieren zu dürfen.

Blue Valentine

Blue Valentine, USA 2010, 112 Min.

Blue Valentine | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Derek Cianfrance
Autoren:
Derek Cianfrance
Joey Curtis
Cami Delavigne

Main-Cast:
Ryan Gosling (Dean)
Michelle Williams (Cindy)
in weiteren Rollen:
John Doman (Jerry)
Mike Vogel (Bobby)

Genre:
Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Sechs Jahre sind seit dem Beginn ihrer Beziehung vergangen und nun steht Cindys und Deans Verbindung vor dem Aus. Im Laufe der Jahre haben sich beide in gänzlich unterschiedliche Lebensentwürfe gestürzt und sich mehr und mehr voneinander entfremdet. Da erscheint es mehr wie ein letztes Aufbäumen, als Dean die Idee hat, man könne gemeinsam ein wenig Zeit in einem Stunden-Hotel verbringen, wo man sich vom Alltag und seinen Sorgen lossagt und wieder zueinander findet.

Denn anfänglich deutete alles auf die große Liebe hin und ließ an eine großartige Zukunft glauben, auch wenn beide mit ihren Problemen zu kämpfen hatten. Genau diese magische Zeit des Kennenlernens lässt das ungleiche Paar Revue passieren, während immer offensichtlicher wird, dass es für sie keine Chance mehr zu geben scheint.

Rezension:

Szenenbild aus Blue Valentine | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur und Drehbuchautor Derek Cianfrance hat mit Blue Valentine nicht weniger geschaffen als das exemplarische Portrait einer Beziehung, die vom Leben eingeholt worden ist. Endlich einmal keine gestelzten Dialoge und pathetischen Szenen mit großer Geste, sondern stattdessen echte Gefühle und Wutausbrüche, die einen mitfühlen und an die Substanz gehen. Cianfrance wirft einen wirklich ungeschönten Blick auf eine Beziehung am Abgrund und durchbricht diese alles durchdringende Tristesse mit wirklich romantisch anrührenden Szenen aus der Vergangenheit von Dean und Cindy, die insbesondere bei den ersten Annäherungsversuchen von Deans Seite so unbeholfen und unschuldig wirken, dass ich geneigt bin zu behaupten, ein so ehrliches Bild der klassischen Junge-trifft-Mädchen-Thematik noch nie auf der Leinwand gesehen zu haben.

Ähnlich wie bei (500) Days of Summer geschehen, bräuchte es hier im Grunde des Hinweises, dass es sich nicht um eine Liebesgeschichte handelt, da ansonsten unbedarfte Zuschauer in die Falle tippen und sich plötzlich mit dem eiskalten und bedrückenden, weil endgültigen Zusammenbruch einer Beziehung konfrontiert sehen. Während genannter Film nämlich viel leichtfüßiger und durchweg positiv daherkommt, nimmt sich Blue Valentine eher der realen Begebenheiten an und beschönigt nichts. Erträglich wird die Geschichte auch im Grunde erst durch die geschickt eingeflochtenen Rückblenden in glücklichere Zeiten, weil man ansonsten von der schieren Ausweglosigkeit und Verzweiflung erschlagen würde. Am Ende sind es dann aber doch die romantischen Momente, die beim Zuschauer haften bleiben und noch viele Tage im Gedächtnis präsent sind, beispielsweise die schon im Trailer gezeigte Szene, in der Dean Cindy ein Ukulele-Ständchen bringt zu dem sie ausgelassen tanzt.

Wie sicherlich zu vermuten war, steht und fällt ein Film wie Blue Valentine mit seinen Darstellern und hier hat Cianfrance ein wirklich glückliches Händchen bewiesen, denn die Chemie zwischen Ryan Gosling und Michelle Williams stimmt unbestreitbar und ihre Wandlungsfähigkeiten kommen bei den Sechs-Jahres-Sprüngen voll zum Tragen, sowohl was die äußerliche Erscheinung als auch die innere Einstellung anbelangt. Was habe ich ungläubig auf den Bildschirm gestarrt, als ich das erste Mal den bierbäuchigen, heruntergekommenen und verlotterten Ryan Gosling mit Geheimratsecken sehen durfte, während ich verzweifelt versuchte, den Schauspieler dahinter auszumachen, wie er mir vom Aussehen bekannt war. Doch auch Michelle Williams steht dem freilich in nichts nach und steht nicht unbegründet in dem Ruf, überwiegend in Ausnahmefilmen wie auch Ausnahmerollen aufzutreten, ein Bild übrigens, wie es sich uns hier auch bietet.

Szenenbild aus Blue Valentine | © Universum Film
© Universum Film

Während also Williams und Gosling Blue Valentine dominieren, setzt zudem noch John Doman feine Akzente als Cindys Vater Jerry, während der Film sich ansonsten beinahe ausschließlich auf seine beiden Hauptfiguren konzentriert und die verschiedenen Ebenen ihres Kennenlernens sowie des schlussendlichen Zerwürfnisses thematisiert, ohne dabei jedoch eine der Figuren als Sündenbock zu missbrauchen und stattdessen deren gänzlich differierende Lebensentwürfe und Einstellungen als Zugpferd nutzt, um die ganze Ausweglosigkeit zu zeigen, inklusive des breiten Spektrums an Irrationalität zu dem ein Mensch fähig ist, wenn er sich in einen tiefemotionalen Streit verwickelt sieht. Ja selbst optisch und akustisch geht der Film keine Kompromisse ein und gibt sich immer der Situation und Zeit entsprechend, spielt mit den Farben und Kameraperspektiven und setzt eher selten, dafür aber wohlplatziert teils von Ryan Gosling selbst geschriebene und gesungene Songs ein und greift ansonsten auf Musik der Band Grizzly Bear zurück. Zusammengenommen ergibt sich so ein äußerst stimmiges, überzeugendes, nie aufgesetzt wirkendes und dafür sehr erwachsenes Portrait einer zum Scheitern verdammten Beziehung, das man definitiv mal gesehen haben sollte.

Fazit & Wertung:

Blue Valentine verzichtet auf sämtliche Klischees und stumpfen Pathos und schafft stattdessen eine Ehrlichkeit und Natürlichkeit, die man nur selten im Film findet, was natürlich insbesondere Williams und Gosling zu verdanken ist, die hier an ihre Grenzen gehen.

9 von 10 nostalgischen Blicken zurück in eine andere Zeit

Blue Valentine

  • Nostalgische Blicke zurück in eine andere Zeit - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Blue Valentine verzichtet auf sämtliche Klischees und stumpfen Pathos und schafft stattdessen eine Ehrlichkeit und Natürlichkeit, die man nur selten im Film findet, was natürlich insbesondere Williams und Gosling zu verdanken ist, die hier an ihre Grenzen gehen.

9.0/10
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