Review: Schlechtes Chili | Joe R. Lansdale (Buch)

Eigentlich ist es ja viel zu warm zum Schreiben, aber was tut man nicht alles für die liebe Leserschaft. Wobei, wenn ich ehrlich sein soll, bin ich ganz froh über einen Vorwand, wenigstens ein gutes Stündchen an einem schattigen Platz zubringen zu können, denn die Sonne brennt mir doch ganz schön auf den Pelz. Aber nichts läge mir ferner, als mich über gutes Wetter zu beschweren!

Schlechtes Chili

Bad Chili, USA 1997, 318 Seiten

Schlechtes Chili von Joe R. Lansdale
© DuMont Buchverlag

Autor:
Joe R. Lansdale

Verlag (D):
DuMont Buchverlag
ISBN:
978-3-832-16183-5

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

 

Inhalt:

Hap Collins ist gerade erst von einem Job auf einer Bohrinsel nach Texas zurückgekehrt und wird prompt von einem tollwütigen Eichhörnchen attackiert. Doch damit nicht genug, verschwindet während seines Krankenhausaufenthaltes sein bester Freund Leonard Pine und Hap macht sich aller Warnungen der Ärzte zum Trotz auf die Suche nach ihm. Schnell stellt sich heraus, dass die Polizei vermutet, Leonard sei in den Mord an einem Biker vermittelt, doch dies traut Hap seinem Kumpel nun beileibe nicht zu und bald findet sich dieser auch in Haps Wohnung ein und beteuert seine Unschuld.

Leonard erzählt, er habe tatsächlich die Biker-Bar aufgemischt, weil er herausgefunden hat, dass der tote Biker ein Verhältnis mit seinem Freund Raul hatte, doch für dessen Tod sei er nicht verantwortlich, weil er zu fraglicher Zeit auf der Flucht vor den aufgebrachten Bikern war. Doch mit ihrem unsagbaren Talent Probleme anzusehen und Geheimnisse aufzudecken kommen die beiden Hobby-Ermittler nach und nach dahinter, dass auch illegaler Fetthandel, heimliche Videoaufnahmen, Schwulenfilme, ein verdeckter Ermittler und ein Mann namens Big Man Mike eine Rolle in der Sache zu spielen scheinen.

Rezension:

Joe R. Lansdales Schlechtes Chili bietet einen rasanten Einstieg in die Geschichte und nimmt den Leser recht schnell für sich ein, werden schließlich die Erwartungen, eine raue, schwarzhumorige und trockene Hardboiled-Story im Südstaatengewand vorgesetzt zu bekommen voll und ganz erfüllt. Die Freunde Hap und Leaonard, so unterschiedlich sie anfänglich auch wirken mögen, bilden ein perfektes Duo für das im weiteren Verlauf immer abstruser werdende Abenteuer, dass sich freilich auch zahlreicher Klischees bedient und sich diese augenzwinkernd zunutze macht.

Seien es eine in kriminelle Machenschaften verwickelte Biker-Gang, ein Schwulen-Mord, der mit der sexuellen Orientierung des Mordopfers herzlich wenig gemein hat, korrupte Polizisten, stereotype und dümmliche Schläger oder die unausweichliche Folter-Befragung nebst abartiger Einfälle zum Quälen des Gefangenen. Das alles mag man in der einen oder anderen Form immer mal wieder irgendwo gelesen haben, doch Lansdale nutzt sie geschickt, eine zwar manchmal etwas überladen wirkende, dafür aber extrem rasante, stets überraschende und niemals langweilig werdende Geschichte abzuliefern und gerade diese Sammlung von Versatzstücken macht Schlechtes Chili lesenswert.

Daneben bedient sich der Autor eines knappen, lakonischen und bitterbösen Sprachstils und entsprechend der handelnden Akteure wird auch an Kraftausdrücken nicht gespart, so dass Feingeistern definitiv von dem Roman abzuraten ist. Ansonsten passt die Ausdrucksweise der Figuren aber genau ins Metier und zur restlichen Atmosphäre, wenngleich Landsdale sich auch hier den Vorwurf der Stereotypisierung gefallen lassen muss. Das soll aber gar nicht weiter ins Gewicht fallen, weil seine Geschichte vor Esprit sprüht und gekonnt Krimi- und Thriller-Elemente miteinander verbindet und sogar eine kleine Romanze offeriert, die glaubhaft ist, gleichzeitig abgedreht und sich wohltuend in die Handlung einfügt, ohne diese jemals zu dominieren.

Einziger Wermutstropfen war für mich, dass ich im Laufe der Letüre gewahr wurde, dass es sich bei Schlechtes Chili bereits um den vierten Roman einer ganzen Reihe um die Protagonisten handelt. Warum man hier mit der Veröffentlichung begonnen hat und nicht bei Band 1 erschließt sich mir nicht recht, zumal an keiner Stelle darauf hingewiesen wird, dass das Buch Bestandteil einer Reihe ist. Immerhin tut dies dem Roman selbst keinen Abbruch und es werden keine Vorkenntnisse vorausgesetzt, er funktioniert also auch als alleinstehendes Werk. Trotzdem wäre es sicherlich schöner gewesen mit dem Anfang zu beginnen und nicht mittendrin einzusteigen. Der hier präsentierte Band macht aber definitiv Lust darauf, auch die weiteren Abenteuer um Hap und Leonard zu lesen.

Fazit & Wertung:

Schlechtes Chili ist ein rasantes Hardboiled-Abenteuer um ein extrem ungleiches Duo und glänzt mit lakonischen Dialogen und verrückten Einfällen, die in ihrer Absurdität eine Menge Spaß versprechen. Bitte mehr von Hap und Leonard!

8 von 10 unter dem Ladentisch gehandelten Videos

Schlechtes Chili

  • Unter dem Ladentisch gehandelte Videos - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Schlechtes Chili ist ein rasantes Hardboiled-Abenteuer um ein extrem ungleiches Duo und glänzt mit lakonischen Dialogen und verrückten Einfällen, die in ihrer Absurdität eine Menge Spaß versprechen. Bitte mehr von Hap und Leonard!

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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des DuMont Buchverlages. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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  • Sonja | Zeilenkino

    Joe R. Landsdale ist einer der Autoren, die ich in diesem Jahr für mich entdeckt habe. Allerdings habe ich mit „Ein feiner dunkler Riss“ (ich bin so frei: http://zeilenkino.de/krimi-kritik-ein-feiner-dunkler-riss-joe-r-lansdale ) angefangen und dann im Urlaub die „Wälder am Fluss“ gelesen. Kann ich beide empfehlen, gerade da Du ja hardboiled zu mögen scheinst.

    Mit der Hap & Leonard-Reihe liebäugele ich, seit ich über dieses Duo gelesen habe – und zudem irgendwo mitbekommen habe, dass sie verfilmt werden soll. Aber ich fange dann mal mit dem ersten Band an. 😉 

    • Ja, mit dem ersten Band hätte ich wohl auch lieber begonnen, wenn ich denn im Vorfeld davon gewusst hätte. Aber gut, es ist wie es ist und „Wälder am Fluss“ war sowieso schon vorgemerkt, „Ein feiner dunkler Riss“ jetzt aber auch.

      Verfilmungen solcher Reihen scheinen ja schwer im Kommen zu sein, freue ich mich schließlich schon auf die Jack-Taylor-Verfilmungen der Romane von Ken Bruen – und das geht ja definitiv in dieselbe Ecke! Und ja, hardboiled scheine ich zu mögen 😉

  • Pingback: Review: Die Wälder am Fluss (Buch) - Medienjournal()

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