Review: Abschied von Rock Harbor | Rebecca Chace (Buch)

Nach zwei ruhigen Tagen komme ich heute selbstredend mit einer neuen Review daher, bevor ich mich gleich dem nächsten Media Monday widmen werde.

Abschied von Rock Harbor

Leaving Rock Harbor, USA 2010, 288 Seiten

Abschied von Rock Harbor von Rebecca Chace
© Bloomsbury Verlag

Autorin:
Rebecca Chace

Verlag (D):
Bloomsbury Verlag
ISBN:
978-3-833-30817-8

Genre:
Historie | Romantik | Drama

 

Inhalt:

1916, Neuengland: Frankie Ross‘ Geschichte beginnt mit einem wahrhaft einschneidenden Erlebnis, denn ihr Vater schlitzt sich in seiner Verzweiflung die Pulsadern auf und nur seiner Frau ist es zu verdanken, dass er überlebt hat. Überstürzt zieht die Familie von Poughkeepsie nach Rock Harbor, die Baumwollstadt der USA, wo Frankies Vater schnell eine Anstellung als Kupferstecher findet. Frankie selbst fällt die Integration in der ungewohnten Umgebung deutlich schwerer und erst als die zwei Jungen sie zu umwerben beginnen ändert sich ihre Situation. Bei den jungen Männern handelt es sich um Winslow, den Sohn eines reichen Fabrikanten und Joe, einen portugiesischen Zuwanderer, bester Freund von Winslow.

Beide scheinen sich zu Frankie hingezogen zu fühlen und ihr ergeht es kaum anders. Die Frage, für wen der beiden sie sich entscheiden solle nimmt ihr letztendlich der in Europa wütende Krieg ab und sie wird mit dieser Entscheidung zu leben lernen müssen. So zieht sich ihre Lebensgeschichte durch ein von Um- und Aufbruch gekennzeichnetes Amerika, in dem Rock Harbor zu höchsten Höhen aufsteigen wird, nur um umso tiefer fallen zu können, während die beiden Männer in ihrem Leben über lange Jahre eine tragende Rolle in ihrer Gedankenwelt spielen werden, auch und insbesondere, als die Fabrikarbeiter zu streiken beginnen und die Gewerkschaften wichtiger denn je scheinen, um die natürliche Ordnung wiederherzustellen, während die Fabrikbesitzer derweil bereits ihre eigenen Pläne schmieden.

Rezension:

Abschied von Rock Harbor ist viel weniger eine Liebesgeschichte als man zunächst annehmen würde und vielmehr eine Momentaufnahme der damaligen Zeit am Beispiel einer aussichtsreichen Siedlung mit Namen Rock Harbor, die sich der Baumwolle verschrieben hat. Dabei werden Sitten und Gebräuche der damaligen Zeit thematisiert, kommen die herrschenden Umgangsformen zur Sprache, spielt die Einführung des Frauenwahlrechts eine Rolle, ebenso wie die Prohibition, politische Machtkämpfe, die Auswirkungen des Krieges und die beginnende Gewerkschaftsarbeit.

Dies bringt mit sich, dass wir mehrere Male um Jahre in der Handlung nach vorn springen und man beileibe nicht nur an Frankies Seite steht, während diese ihre Erlebnisse als heranwachsende junge Frau schildert. Jede Entscheidung im Leben hat Konsequenzen und eben diese Konsequenzen sind es, die teils im Zeitraffer thematisiert und abgehandelt werden. Wo also womöglich im Märchen schon längst der Schlussakkord verklungen wäre, folgen wir Frankie weiter durch ihr Leben und die Zeit der Umbrüche, nur um zu erkennen, dass längst nicht alles Gold ist was glänzt.

Abschied von Rock Harbor ist ein Roman der leisen Töne und in weiten Teilen eine zutiefst tragische Geschichte, doch nie so niederdrückend, dass man nicht versucht wäre wissen zu wollen, wie es Frankie, ihrer Familie und ihren Freunden ergehen wird. Die Geschehnisse werden dabei strikt aus ihrer Sicht geschildert, jedoch bekommt der Leser durch Dialoge einen tiefgreifenden Einblick in die damalige Zeit, so dass Rock Harbor im wahrsten Sinne des Wortes lebendig zu werden scheint.

Der Sprachstil der Autorin Rebecca Chase bewegt sich dabei am Rande der Schwülstigkeit, was aber dem zeitlichen Rahmen nur angemessen scheint und niemals negativ auffällt, wenngleich man einige Seiten braucht, um sich hineinzufinden. Dann allerdings nehmen die Ereignisse mehr und mehr an Fahrt auf und man kann sich dem Strudel der Ereignisse nicht entziehen, die eine einst wohlhabende Familie in den Ruin stürzen und auch ansonsten nicht mit persönlichen Tragödien geizen wird, bis Frankie am Ende womöglich doch noch ihr fragiles, hart erkämpftes und noch dazu fragwürdiges Glück zu finden scheint. Was aber Abschied von Rock Harbor so interessant macht ist tatsächlich, mit wie viel Sachverstand sich Rebecca Chase den damaligen Verhältnissen widmet und wie viel Wert sie auf eine akkurate zeitgeschichtliche Einordnung legt, so dass jede Begebenheit auch immer in der Geschichte Amerikas verhaftet ist, wenngleich wir uns kaum aus Rock Harbor fortbewegen.

Fazit & Wertung:

Abschied von Rock Harbor ist ein spannender, in eine mir bis dato kaum erschlossene Zeit eingebetteter Roman über die Widrigkeiten des Lebens, hier eng verknüpft mit dem persönlichen Liebesglück der Hauptprotagonistin. Einzig der Umstand, dass die Autorin sich zuweilen nicht für den Fokus ihres Romans zu entscheiden weiß, schmälert das Lesevergnügen in marginalen Maßen.

7,5 von 10 Tagen am Strand

Abschied von Rock Harbor

  • Tage am Strand - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Abschied von Rock Harbor ist ein spannender, in eine mir bis dato kaum erschlossene Zeit eingebetteter Roman über die Widrigkeiten des Lebens, hier eng verknüpft mit dem persönlichen Liebesglück der Hauptprotagonistin. Einzig der Umstand, dass die Autorin sich zuweilen nicht für den Fokus ihres Romans zu entscheiden weiß, schmälert das Lesevergnügen in marginalen Maßen.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite des Bloomsbury Verlages.

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Abschied von Rock Harbor ist am 18.08.12 als Paperback im Bloomsbury Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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