Review: Deine Juliet (Film)

Heute dann wie versprochen der Film, der von der Richtung her dem von Dienstag nicht unähnlich ist, mir aber noch eine ganze Ecke besser gefallen hat. Warum, könnt ihr ja jetzt nachfolgend ausführlich nachlesen. Und damit verabschiede ich mich ins Wochenende, bevor ich mich dann morgen wieder mit einer Serien-Kritik zu Wort melde.

Deine Juliet

The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society, USA/UK/FR 2018, 124 Min.

Deine Juliet | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Mike Newell
Autoren:
Don Roos (Drehbuch)
Kevin Hood (Drehbuch)
Thomas Bezucha (Drehbuch)
Mary Ann Shaffer (Buch-Vorlage)
Annie Barrows (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Lily James (Juliet Ashton)
Michiel Huisman (Dawsey Adams)
in weiteren Rollen:
Glen Powell (Mark Reynolds)
Jessica Brown Findlay (Elizabeth McKenna)
Katherine Parkinson (Isola Pribby)
Matthew Goode (Sidney Stark)
Tom Courtenay (Eben Ramsey)
Penelope Wilton (Amelia Maugery)

Genre:
Drama | Historie | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Deine Juliet | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Ende der 1940er gilt die junge Juliet Ashton als eine der gefragtesten Autorinnen Englands, derweil sie auch privat mit dem adretten Mark Reynolds ihr Glück gefunden zu haben scheint. Da erreicht sie eines Abends ein Brief von der abgelegen Insel Guernsey, in dem der literaturbegeisterte Farmer Dawsey Adams ihre Hilfe ersucht, ein ganz bestimmtes Buch ausfindig zu machen. Juliet kommt diese Ablenkung gerade recht, zumal sie sich zunehmend von dem Trubel um ihre Person überfordert fühlt. Sie wird bezüglich des Buches fündig, schickt noch eines ihrer eigenen Werke mit und es entspinnt sich ein reger Briefwechsel, bis sie beschließt, der Insel einen Besuch abzustatten. Dawsey nämlich ist Teil des dort ansässigen, zu Kriegszeiten gegründeten Buchclubs der "Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf". Auf Guernsey angekommen, fällt die Großstadtbewohnerin Juliet freilich auf wie ein bunter Hund und auch nicht jeder aus dem Literaturverein ist über ihr Kommen erfreut, doch freundet sie sich langsam mit dem kauzigen Haufen an. Als sie allerdings eröffnet, die Geschichte des Clubs mit dem eigenwilligen Namen der Öffentlichkeit nahebringen zu wollen, sind dessen Mitglieder davon alles andere als begeistert. Erst langsam kommt Juliet dahinter, was sich so alles zu Kriegszeiten auf der Insel zugetragen hat und deren Bewohner noch immer verfolgt…

Rezension:

Zunächst einmal Schande über die deutsche Vermarktung seitens Studiocanal – nichts für ungut –, denn dieses Werk als Deine Juliet zu vertreiben und auf dem Cover auf die durchaus vorhandene Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren zu verweisen, wird dem Thema und Inhalt nicht einmal annähernd gerecht und kann in seiner Anbiederei ans Klischeehafte auch nicht halb so viel Interesse wecken, wie es der Originaltitel vermag. Bei der Story handelt es sich nämlich um eine Buchverfilmung des Werkes von Mary Ann Shaffers und Annie Barrows, das da den deutlich interessanteren, wenn auch sperrigeren Titel The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society trägt. So handelt es sich bei der Adaption des Briefromans auch weit mehr um ein Ensemble-Stück, als uns die deutsche Aufmachung glauben lassen will, denn erzählt wird zwar auch vom Leben der im Zentrum der Ereignisse stehenden Juliet, vor allem aber die vom Moment ihrer Entstehung tragische Geschichte des ungewöhnlichen Buchclubs, dem Juliet sich hier so verbunden fühlt. Entsprechend wage ich zu behaupten, dass der Film noch ein weitaus größeres, neugieriges Publikum hätte erschließen können, wenn er sich nicht als historische Liebesgeschichte tarnen würde, die eben nur einen Teil des großen Ganzen ausmacht. Der filmischen Qualität des von Mike Newell inszenierten Werks tut das aber freilich keinen Abbruch.

Szenenbild aus Deine Juliet | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Newell vermeidet derweil großartiges inszenatorisches Brimborium und lässt den rauen Charme der Insel Guernsey für sich sprechen, während die Geschichte zunächst im stimmungsvoll in Szene gesetzten Nachkriegs-London ihren Anfang nimmt. So lernen wir – nach einem eröffnenden Einschub die Entstehung der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf betreffend – zunächst mit Juliet Ashton den aufsteigenden Stern der Londoner Literaturszene kennen. Diese wird von der wie stets bezaubernden Lily James Baby Driver verkörpert, die allerdings hier – speziell im weiteren Verlauf – weit mehr zu tun bekommt, als nur das Love-Interest für den gut betuchten Mark Reynolds (Glen Powell, Scream Queens) zu geben, zumal der alsbald Konkurrenz bekommen wird durch den mittellosen Farmer Dawsey Adams (Michiel Huisman, Für immer Adaline), der seinerseits via Brief Kontakt zu Juliet aufnimmt. Es dauert nicht lang, bis sie sich für einen Besuch auf der Insel Guernsey zu erwärmen beginnt und damit nimmt dann auch die eigentliche Geschichte ihren Anfang. Doch Deine Juliet ist auch ein Gesellschaftsporträt der damaligen Zeit, denn der Zweite Weltkrieg hat im gesamten Land seine Spuren und Wunden hinterlassen, wofür hier nun Großstadt London und das verschlafene Guernsey exemplarisch Pate stehen. Dementsprechend ist der Film zwar weit davon entfernt, ein lupenreiner Feel-Good-Movie zu sein, hält aber dennoch gekonnt die Wage zwischen Ernsthaftigkeit und Tragik gegenüber lockereren Momenten und leisem Humor.

Das liegt mitunter freilich auch an der Besetzung und Zusammenstellung der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf, die im Grunde so ziemlich jede Altersklasse umfassen und unterschiedlicher kaum sein könnten. Das unterstreicht derweil den Umstand, dass es sich eben auch um weit mehr als einen profanen Buchclub handelt, sondern vielmehr einen gemeinsamen Rückzugsort, eine Art von Halt, die ihnen gerade zu Kriegszeiten die nötige Kraft gegeben hat. Hiervon erfährt Juliet häppchenweise mehr und mehr und nimmt somit eine ähnliche Rolle wie der Zuschauer als außenstehender und unbedarfter Betrachter ein. Je mehr sie allerdings von den Guernseyern erfährt, droht die Stimmung auch des Öfteren in Richtung des Melodramatischen zu kippen, was aber zum Glück nie passiert, was wiederum an dem optimistischen Gegengewicht liegt, das die Dichtfreunde sich aller Widrigkeiten zum Trotz bewahrt haben. Nichtsdestotrotz wird die Stimmung getragener und beklemmender, was eben nur irritiert, wenn man sich eine gezuckerte Liebesgeschichte erwartet und stattdessen eine doch sehr zu Herzen gehende Betrachtung der Wunden geliefert bekommt, welche die Gräuel des Krieges bei den Bewohnern der Insel geschlagen hat.

Szenenbild aus Deine Juliet | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Entsprechend des Originaltitels konzentriert sich dann auch ein Großteil der Handlung auf die Insel Guernsey, was dahingehend schade ist, dass somit – logischerweise – Juliets Verleger in London verbleibt, der hier von niemand Anderem als Matthew Goode (A Discovery of Witches) verkörpert wird, der in seinen wenigen Szenen eine gewohnt charismatische und einnehmende Darstellung abliefert. Darüber hinaus sei an dieser Stelle noch Jessica Brown Findlay (Victor Frankenstein) zu erwähnen, die der resoluten wie gerechtigkeitsliebenden Elizabeth McKenna Profil verleiht, die zu Kriegszeiten in Gefangenschaft geraten und deportiert worden ist, was einen der mitunter größten Schatten auf den Guernseyer Buchclub wirft, zu dessen Gründungsmitgliedern sie gezählt hat. Aus der Natur der Sache heraus ist Deine Juliet dann auch durchzogen von zahlreichen Rückblenden, die in ihrer Unmittelbarkeit oft ganz bewusst aus dem Geschehen reißen und ebenfalls und dadurch die pittoreske Idylle der abgelegenen Insel in einem gänzlich anderen Licht erscheinen lassen. Aber auch, wer sich aufgrund der erhofften Liebesgeschichte an den Film herangewagt hat, wird freilich nicht enttäuscht und inmitten all der Geheimnisse und verdrängten Erinnerungen entspinnen sich eben auch zaghafte Bande zwischen Juliet und Dawsey, auch wenn diese Annäherung ausgerechnet zum Ende hin zuweilen ein wenig gehetzt wirkt. Das trübt den beinahe uneingeschränkt positiven Eindruck, den dieser vergleichsweise unaufgeregt geschilderte, aber zu Herzen gehende Film hinterlässt, um Glück nur unmerklich.

Fazit & Wertung:

Mögen Titel und Cover bei Deine Juliet dahingehend irreführend sein, dass die Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf hier nicht einmal Erwähnung finden, obwohl es doch im Kern um ebendiese Figuren geht, vermag der Film als solches sowohl als anrührende Liebesgeschichte wie auch feinfühlig erzähltes Drama zu funktionieren, ohne dabei den Mantel des Schweigens über die Gräuel des Krieges zu legen, die allen Charakteren noch merklich nachhängen.

8,5 von 10 Treffen der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf

Deine Juliet

  • Treffen der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mögen Titel und Cover bei Deine Juliet dahingehend irreführend sein, dass die Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf hier nicht einmal Erwähnung finden, obwohl es doch im Kern um ebendiese Figuren geht, vermag der Film als solches sowohl als anrührende Liebesgeschichte wie auch feinfühlig erzähltes Drama zu funktionieren, ohne dabei den Mantel des Schweigens über die Gräuel des Krieges zu legen, die allen Charakteren noch merklich nachhängen.

8.5/10
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Deine Juliet ist am 13.12.18 auf DVD und Blu-ray bei STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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vgw

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