Review: Hänsel und Gretel: Hexenjäger – Extended Cut (Film)

Pünktlich zum ausklingenden Wochenende kommt hier meine nächste und folglich neueste Rezension, bei deren Lektüre ich wie immer viel Freude wünsche!

Hänsel und Gretel: Hexenjäger
Extended Cut

Hansel & Gretel: Witch Hunters, DE/USA 2013, 101 Min.

Hänsel und Gretel | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Regisseur:
Tommy Wirkola
Autor:
Tommy Wirkola

Main-Cast:
Jeremy Renner (Hansel)
Gemma Arterton (Gretel)
in weiteren Rollen:
Famke Janssen (Muriel)
Peter Stormare (Sheriff Berringer)

Genre:
Action | Fantasy | Komödie | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald… Ach nein, halt, stopp! Also, Hänsel und Gretel werden auf Geheiß der Mutter vom Vater im Wald allein gelassen und völlig verängstigt und halb verhungert schlagen sie sich zu einem Haus durch, das gänzlich aus Süßigkeiten zu bestehen scheint. Darin allerdings lauert ihnen eine garstige Hexe auf und sperrt kurzerhand Hänsel ein, um ihn zu mästen, während Gretel angekettet für die Hausarbeit eingeteilt wird. Doch bevor die Hexe den armen Hänsel verspeisen kann, gelingt es den Kindern, sich zu befreien und die Hexe in den Ofen zu verfrachten. Jahre vergehen und aus den verängstigten Kindern werden nach und nach die berühmten Hexenjäger, deren Taten im ganzen Land bekannt sind. So verschlägt es sie auf Nachricht des Bürgermeisters eines Tages nach Augsburg, wo schon mehrere Kinder verschwunden sind.

Szenenbild aus Hänsel und Gretel | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Sheriff Berringer sieht zwar nicht gern, dass der Bürgermeister Außenstehende in seine Ermittlungen einbezieht, doch weiß er sich zumindest anfänglich nicht dagegen zu wehren. Als sich aber herausstellt, dass die Hexen aus einem ganz bestimmten Grund dermaßen viele Kinder entführen und dass ein wichtiges Ereignis für die magisch begabten Scheusale bevorsteht, spitzt sich die Lage mehr und mehr zu, während Hänsel und Gretel dahinterkommen, warum sie als Kinder ausgesetzt worden sind. Mit unerwarteter Hilfe stellen sie sich der Oberhexe Muriel zum Kampf…

Rezension:

Auch diesmal halte ich es für ratsam, darauf hinzuweisen, dass ich mir natürlich wieder den Extended Cut von Hänsel und Gretel: Hexenjäger angesehen habe, denn wenn ich mir ansehe, was da alles im Vorfeld der Schere zum Opfer gefallen ist, wage ich doch arg zu bezweifeln, ob mich der Film nur annähernd so gut hätte unterhalten können, wenn ich ihn in dieser abgeschwächten Variante geschaut hätte. Denn Wirkolas Märchen-Interpretation nimmt sich natürlich in keiner Weise ernst und zieht auch einen Großteil ihres Potentials aus dem trashigen Charme, wenn hier Köpfe und allerlei andere Körperteile durch die Gegend fliegen, Hirne herausgerissen werden und Menschen platzen. Ja, das ist ekelig und ja, das ist nicht jedermanns Sache, kann man diesem augenzwinkernden Splatter allerdings etwas abgewinnen ist der Film es durchaus wert, im Hinterkopf behalten zu werden.

Szenenbild aus Hänsel und Gretel | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Die Geschichte ist natürlich extrem vorhersehbar und schnell erzählt. Letztendlich ist sie aber auch nur das Vehikel für viele einfallsreiche Verfolgungsjagden, Kämpfe und andere Konfrontationen, gewürzt mit ein paar Charakterszenen drum herum und ansonsten einer Menge Witz und Tempo. Auf eine Exposition der Figuren verzichtet Wirkola in Hänsel und Gretel: Hexenjäger folgerichtig weitestgehend, doch gelingt es ihm trotzdem, zumindest das Band zwischen den grimmigen – äh grimmschen – Geschwistern herauszuarbeiten und glaubhaft zu machen. Außerdem hat er mit Eduard (beziehungsweise Edward im Original) den meiner Meinung nach tollsten Troll aller Zeiten geschaffen und dass nicht nur, weil er mit viel Liebe zum Detail und aufwendig zum Leben erweckt worden ist. Das allerdings muss man selbst gesehen haben. So sehr die Charaktere Tiefe vermissen lassen, sind sie doch allesamt sympathisch geraten respektive richtiggehend und unumwunden böse, wenn böse Zungen auch hier wieder davon sprechen könnten, dass die Schauspielkunst haarscharf an der Karikatur vorbeischlittert.

Ich für meinen Teil habe das Gefühl, dass das durchaus so beabsichtigt war und freue mich über einen spaßigen und vor allem blutigen Actionfilm im Fantasy-Gewand, der zuweilen ironisch, zuweilen trashig daherkommt und sich über Logik oder Kohärenz kaum Gedanken zu machen scheint. Dafür fehlt es Hänsel und Gretel: Hexenjäger aber auch gänzlich an Längen und bei einer Laufzeit von gut 100 Minuten ist das tatsächlich auch schon eine Leistung. Stattdessen prügelt der Film einem in rund fünf Minuten das klassische Märchen rein, um dann in einem ausufernden Vorspann auf den Werdegang der beiden Hexenjäger einzugehen. Ist das geschehen, darf es bereits nach wenigen Minuten ans Eingemachte gehen und da verzeiht man dann auch, dass sich die Geschwister über weite Strecken nur noch mittels markiger Oneliner zu unterhalten pflegen. Dialoge gibt es selbstredend trotzdem und diese wenigen Szenen sind auch bitter nötig, um das Geschehen ein wenig auszubremsen.

Szenenbild aus Hänsel und Gretel | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Je näher indes das Finale rückt, umso weniger gibt es noch ein Halten und schlussendlich rotzt Hänsel und Gretel: Hexenjäger noch einige schöne Einfälle dahin und begeistert mit einem über den Abspann hinweg andauernden Filmerlebnis. Kein Film fürs Hirn und der neue Feind der cineastischen Avantgarde, eignet sich Wirkolas Film dennoch für alle, die nicht ganz ernst gemeintem Splatter nicht abgeneigt sind und Spaß haben an herrlich einfallsreichen und abstrusen Märchengeschichten mit markigen Figuren, deren Darstellern man die unbändige Freude an dem Quatsch sicherlich anmerken würde, wenn sie nicht die meiste Zeit – wie es stoische Helden eben so tun – so grimmig schauen würden. Nach meinem Dafürhalten astreine Unterhaltung, perfekt besetzt und sauber produziert; so hat Edel-Trash auszusehen!

Fazit & Wertung:

Hänsel und Gretel: Hexenjäger schert sich wenig um Anspruch oder Logik und die größte Übereinstimmung, die dieser fantasievolle Film mit seiner Vorlage haben dürfte ist die überbordende Gewalt, die insbesondere im Extended Cut noch einmal eine deutliche Aufwertung erfährt, wenn man sie auch – da augenzwinkernd präsentiert – zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen kann. Schlicht ein Film, der Spaß macht, nicht mehr, nicht weniger.

7,5 von 10 geköpften, verbrannten oder zerstückelten Hexen

Hänsel und Gretel: Hexenjäger – Extended Cut

  • Geköpfte, verbrannte oder zerstückelte Hexen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Hänsel und Gretel: Hexenjäger schert sich wenig um Anspruch oder Logik und die größte Übereinstimmung, die dieser fantasievolle Film mit seiner Vorlage haben dürfte ist die überbordende Gewalt, die insbesondere im Extended Cut noch einmal eine deutliche Aufwertung erfährt, wenn man sie auch – da augenzwinkernd präsentiert – zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen kann. Schlicht ein Film, der Spaß macht, nicht mehr, nicht weniger.

7.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 7,5/10 Punkte
CineKie: 6/10 Punkte
Filmherum: 3,5/5 Punkte

Hänsel und Gretel: Hexenjäger erscheint am 22.08.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Paramount Pictures. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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