Review: Prisoners (Film) inkl. Gewinnspiel

Immer noch verzweifelt darum bemüht, meine beim Umzug angefallenen Altlasten abzuarbeiten präsentiere ich euch heute mit reichlich Verspätung (gemessen am Veröffentlichungstermin) meine Kritik zu dem großartigen Thriller Prisoners. Dafür allerdings rufe ich auch nach langer Zeit einmal wieder ein Gewinnspiel aus und verlose unter allen fleißigen KommentatorInnen eine DVD von Prisoners. Einzig euren Gewinnwunsch solltet ihr klar kommunizieren und nach Ablauf der üblichen Wochenfrist, sprich nach dem 18.03.13; 23:59 Uhr wird das gewohnt unparteiische random.org eine/n GewinnerIn küren, die/der sich schon bald über diesen meiner Meinung nach großartigen Film freuen darf.

Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen, aber wem erzähle ich das!?

Prisoners

Prisoners, USA 2013, 153 Min.

Prisoners | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Denis Villeneuve
Autor:
Aaron Guzikowski

Main-Cast:

Hugh Jackman (Keller Dover)
Jake Gyllenhaal (Detective Loki)
Viola Davis (Nancy Birch)
Maria Bello (Grace Dover)
Terrence Howard (Franklin Birch)
Melissa Leo (Holly Jones)
Paul Dano (Alex Jones)

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Prisoners | © Universal Pictures
© Universal Pictures

In einer verschneiten Kleinstadt in Pennsylvania sind die Eheleute Keller und Grace Dover gemeinsam mit ihrem Sohn und ihrer Tochter auf den Weg zu der befreundeten Familie Birch, um gemeinsam Thanksgiving zu feiern. Was als gemütlicher Tag beginnt und in einen feuchtfröhlichen Abend mündet, schlägt bald in einen schieren Albtraum um, als Anna und Joy, die Töchter der Dovers und Birchs nach dem Spielen nicht aufzufinden sind. Verzweifelt suchen Keller Dover und Franklin Birch die Nachbarschaft ab und die einzige Spur scheint zu sein, dass Kellers Sohn Ralph sich zu erinnern beginnt, dass die Kinder in der Nähe eines Wohnwagens gespielt haben, der nun ebenfalls wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. Die Polizei wird eingeschaltet und findet bald den fraglichen Wohnwagen und an dessen Steuer den geistig zurückgebliebenen Alex Jones. Nachdem der sich der Festnahme zu widersetzen versucht, meint Detective Loki den Schuldigen bereits gefunden zu haben.

Die Befragung allerdings verläuft fruchtlos und aus Mangel an Beweisen sieht Loki sich gezwungen, Alex Jones nach Ablauf von achtundvierzig Stunden wieder auf freien Fuß zu setzen, wenngleich er Keller Dover versprochen hat, den mutmaßlichen Täter inhaftiert zu lassen. Keller ist verständlicherweise völlig außer sich und wartet bereits vor dem Präsidium auf den vermeintlichen Täter. Als er Alex tätlich angeht, raunt dieser ihm Worte zu, die Keller noch darin bestärken, dass Jones es sein muss, der seine Tochter entführt hat, doch die Polizei will ihm nicht glauben, woraufhin Keller in seiner Verzweiflung einen perfiden Plan schmiedet. Er entführt Alex und versucht fortan mit Folter, den Aufenthaltsort der Mädchen aus ihm herauszupressen. Gegenüber seiner Frau Grace, die sich gänzlich in ihrer Ohnmacht und Hilflosigkeit zu verlieren droht, gibt er vor, sich an den immer noch andauernden Suchaktionen zu beteiligen und fährt tagein tagaus zu seiner Geisel. Die Situation verkompliziert sich zusehends, als Keller Franklin ins Vertrauen zieht und Detective Loki während seiner Ermittlungen auf Details stößt, die ihn an der Integrität Kellers zu zweifeln beginnen lassen.

Rezension:

Das US-Debüt des kanadischen Filmemachers Denis Villeneuve war für mich eine regelrechte Überraschung, denn Prisoners gelingt es von der ersten Minute an, den Zuschauer in seinen Bann zu schlagen und mit einer schnörkellosen, knappen, elegant abgehandelten Einleitung des ganze Ausmaß der Entführung und deren Wirkung auf die befreundeten Elternpaare zu skizzieren, ohne sich dabei in emotionale Plattitüden und Klischees zu flüchten. So wirkt auch die Figurenentwicklung im weiteren Verlauf mehr als stimmig und nie aufgesetzt, was durchaus schon etwas heißen mag, wenn man berücksichtigt, zu welch rabiaten Mitteln speziell Keller Dover greift, in dessen Rolle der gewohnt charismatische Hugh Jackman gänzlich verschwindet und dessen Handeln bei aller Grausamkeit auch immer ein Stück weit nachvollziehbar, ja gar gerechtfertigt scheint, was schon zu Magenverstimmungen beim geneigten Zuschauer führen kann, da man eigentlich nicht mit derartigem Tun sympathisieren möchte.

Szenenbild aus Prisoners | © Universal Pictures
© Universal Pictures

In diesem Fall ist aber die emotionale Komponente, die Verzweiflung des Vaters, so deutlich spürbar, dass man versucht ist zu verstehen, was ihn zu seinem Handeln treibt. Selten habe ich erlebt, dass diese Ohnmacht, dieser Wille zum Handeln bar jeglicher Furcht vor den Konsequenzen dermaßen packend und nachvollziehbar dargestellt worden ist. Dem steht des Weiteren Jake Gyllenhaals Darstellung des Detective Loki in nichts nach, wenn auch dessen innere Zerrissenheit wie auch seine Vergangenheit stets nur angedeutet werden und man durchaus vermuten darf, dass sich hinter der Fassade noch einiges mehr verbergen mag. Während sich Kellers Frau Grace ganz in ihre Trauer zurückzieht und damit Maria Bello den undankbaren Part des zumeist passiven Gegenpols zu ihrem tatfreudigen Mann Keller zu mimen, ist es zuletzt noch das befreundete Ehepaar Franklin und Nancy Birch, kongenial verkörpert von Terrence Howard und Viola Davis, die ebenfalls ihren Teil zu den moralischen Unwägbarkeiten des Films beitragen, denn während Franklin vor Kellers Taten mehr und mehr zurückschreckt ist es hier seine Frau Nancy, die zu erkennen meint, dass verzweifelte Situationen verzweifelte Taten erfordern und unter den gegebenen Umständen tatsächlich auch Folter ein durchaus probates Mittel zu sein scheint, das Leben der Kinder zu retten.

Größter Verdienst von Prisoners – neben den durchweg formidablen Darstellerleistungen – ist es aber, dass bei über 150 Minuten Spielzeit kein einziges Mal Langeweile oder Ernüchterung aufzukommen droht, so packend und mitreißend sind die Ereignisse inszeniert, so wichtig und notwendig wirkt jede einzelne Einstellung und jede Dialogzeile. Überraschend ist diese dramaturgische Zielsicherheit dahingehend für mich gewesen, dass für das Drehbuch ein gewisser Aaron Guzikowski verantwortlich zeichnet, der bislang lediglich das Drehbuch zu Contraband, dem nur leidlich überzeugenden Remake des isländischen Thrillers Reykjavik-Rotterdam, verfasst und sich dabei nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Da verwundert es umso mehr, dass (durchaus berechtigte) zu David Finchers Thriller Zodiac (ebenfalls mit Gyllenhaal) oder den abgründigen Geschichten eines Donald Ray Pollock (Das Handwerk des Teufels) gezogen werden, denn auch in Prisoners erstreckt sich der Schrecken mitnichten allein auf die Entführung der beiden Mädchen, wenn speziell Lokis im weiteren Verlauf mehr und mehr in den Vordergrund rückende Ermittlungen immer neue, andersartige, aber nicht minder grausame Verbrechen zutage fördern.

Szenenbild aus Prisoners | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Vor allem aber sind es die drängenden moralischen Fragen, die aufgegriffen, thematisiert und behandelt werden, ohne eine abschließende Allgemeingültigkeit oder Wertung zuzulassen, sondern lediglich unterschiedliche Formen aufzeigen, wie die Elternteile mit ihrer jeweiligen Trauer und Benommenheit umzugehen versuchen. Doch selbst die Rolle des Gesetzeshüters Loki setzt sich immer wieder und immer öfter über bürokratische wie rechtliche Normen und Konventionen hinweg und lässt dabei ebenso die Frage offen, wann und unter welchen Umständen dieses eigenmächtige Handeln gerechtfertigt gewesen sein mag, zumal die Schattierungen zwischen Gut und Böse hier mehr als differenziert sind, wenn man schließlich nicht auf einen großen Widersacher verzichten wollte. Der Twist wie auch die abschließenden Szenen wissen ebenso sehr zu gefallen, auch wenn aufmerksame Zuschauer relativ schnell Lunte riechen sollten, denn die Art der Inszenierung und die Auflösung an sich sind hier – ob vorhersehbar oder nicht – über jeden Zweifel erhaben. In meinen Augen ist Prisoners folgerichtig einer der spannendsten und packendsten Thrilller der letzten Jahre geworden.

Fazit & Wertung:

Denis Villeneuves Prisoners ist ein abgründiges und eindrückliches Filmerlebnis, dass tief in die Unwägbarkeiten menschlicher Moral taucht und gänzlich auf Allgemeinplätze verzichtet und stattdessen ein emotional packendes Familiendrama inszeniert, das weit über eine simple Entführungs- oder Rachegeschichte hinausgeht.

9,5 von 10 dunklen Geheimnissen und unüberlegten Entscheidungen

Prisoners

  • Dunkle Geheimnisse und unüberlegte Entscheidungen - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Denis Villeneuves Prisoners ist ein abgründiges und eindrückliches Filmerlebnis, dass tief in die Unwägbarkeiten menschlicher Moral taucht und gänzlich auf Allgemeinplätze verzichtet und stattdessen ein emotional packendes Familiendrama inszeniert, das weit über eine simple Entführungs- oder Rachegeschichte hinausgeht.

9.5/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
ERGOThek: 5/5 DeLoreans
Filmherum: 5/5 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 9/10 Punkte

Prisoners ist am 13.02.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

Kommentare (12)

  1. Julie 11. März 2014
  2. Nadine 12. März 2014
  3. Yolanda Puschkin 12. März 2014
  4. Sabrina2608 12. März 2014
  5. Sabine K. 13. März 2014
  6. rherden1 16. März 2014
  7. Janik N. 17. März 2014
  8. Jolie 17. März 2014
  9. Stephanie 17. März 2014
  10. Annemarie 18. März 2014
    • Jolie 20. März 2014

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