Review: Ferals 3 (Graphic Novel)

Und schon ist es wieder Zeit für ein paar Comic-Alben und der Fortführung zweier laufender Reihen, die sich bei mir unterschiedlicher Beliebtheit erfreuen. Und wir beginnen mit:

Ferals 3

Ferals #13-18, USA 2013, 148 Seiten

Ferals 3 | © Panini
© Panini

Autor:
David Lapham
Zeichner:
Gabriel Andrade

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
keine ISBN

Genre:
Horror | Mystery | Thriller

 

Inhalt:

Noch immer befindet sich Dale Chesnutt auf seinem Rachefeldzug, um den Mord an Pia zu rächen und so entgeht ihm zunächst auch, was das FBI längst geahnt hat, nämlich, dass die Werwölfe nicht annähernd so selten sind wie gedacht und sich mitnichten lediglich in kleinen Bergdörfern wie Bergen oder Green Gorge aufhalten, sondern selbst in den höchsten Regierungskreisen zu finden sind. Während die FBI-Agenten Craine und Shoenfeld beschließen, dass es unabdingbar ist, Chesnutt aufzuspüren, kommt langsam Bewegung in die Rudel der Werwölfe, zumal sie vom FBI und Militär bedrängt und unter Druck gesetzt werden.

Diese Entwicklungen wiederum rufen den König der Werwölfe auf den Plan, der seinerseits beschließt, dass es Zeit ist, aus dem Schatten zu treten und sich den Menschen offen entgegenzustellen. Hierzu bedient er sich eines perfiden Plans und der Machtgier der Menschen, um eine ganze Horde der übernatürlichen Wesen zu erschaffen und sich so seine persönliche Armee aufzubauen.

Rezension:

Konnte mich der Serienauftakt von Ferals ja noch nicht so richtig überzeugen, habe ich doch zumindest dem zweiten Band unterstellen können, sich ein wenig zielgerichteter zu präsentieren und mehr Augenmerk auf die Geschichte und zumindest ein wenig Kohärenz zu legen, muss ich diesen Eindruck leider Gottes auch prompt bei Ferals 3 widerrufen und ich kann nicht gerade behaupten, jeder Handlung habe folgen zu können, weil David Lapham für meinen Geschmack doch zu wild durch die verschiedenen Genres mäandert und dabei immer wieder Überraschungen und/oder Figuren aus der Versenkung zaubert, während er die Geschichte zwar einerseits gnadenlos vorantreibt, andererseits aber auch den Eindruck verstärkt, selbst er wüsste nicht so recht, wohin sich das alles entwickeln würde und eines ist klar: Das Ausmaß der Bedrohung durch die Werwölfe und was sie speziell in diesem Band anzurichten imstande sind, hätte man sich bei dem ersten Trade nicht einmal träumen lassen.

Hinzu kommt, dass Hauptfigur Dale Chesnutt gewohnt blass und unsympathisch bleibt, so dass ich sein Handeln kaum in jeder dritten Szene nachvollziehen kann, zumal manchmal tatsächlich so etwas wie Barmherzigkeit oder Einfühlungsvermögen durchschimmert, bevor er wieder zum wirbelnden Derwisch wird. Mag sein, dass das den immer wieder hervorbrechenden tierischen Instinkten geschuldet ist, aber mich als Leser irritiert es doch zusehends. Immerhin gibt es auch hier ein Widersehen mit den beiden FBI-Agenten, die mir doch zumindest ein wenig ans Herz gewachsen sind. Die beiden sind im Grunde aber auch exemplarisch dafür, was bei Ferals falsch läuft, denn hier wird wirklich Klischee auf Klischee getürmt und der Splatter-Anteil nimmt ebenfalls noch einmal merklich zu, so dass man – zusammen mit den nackten Tatsachen, die sich einem immer wieder entgegenwerfen – schon das Gefühl hat, ein ausgemachtes Schundheft zu lesen.

Man muss aber auch zugeben, dass der Reiz des Animalischen durchaus immer wieder hervorblitzt und Ferals 3 durchaus Spaß macht, vielleicht auch gerade, weil nicht alles Sinn zu ergeben scheint oder vermeintlich feststehende Gesetzmäßigkeiten über den Haufen geworfen werden, wenn es der Geschichte dienlich zu sein scheint. Das ist natürlich schon irgendwo Schund, keine anspruchsvolle Unterhaltung und auch nichts, womit man sich brüsten würde, es gelesen zu haben, aber es ist unterhaltsam, meistens zumindest, es ist wild und ungebändigt, es bedient niedere Instinkte und macht gerade dann am meisten Spaß, wenn die Geschichte nicht so sehr darum bemüht ist, sich allzu ernst zu nehmen oder gerade ein dramatisches Ambiente zu verbreiten, denn das liegt wahrlich weder Lapham noch Zeichner Andrade.

Dem gegenüber steht aber der mutmaßliche Anspruch, den Werwölfen eine glaubhafte Hierarchie angedeihen zu lassen und das hinterwäldlerische Verhalten auch auf die Rudelmitglieder zu übertragen und damit klare Geschlechterrollen zu schaffen. Das wäre beinahe ein netter Ansatz, doch zudem ist die Geschichte voller Verschwörungen und doppelbödiger Absichten, wo jeder ein Verräter zu sein scheint und niemand das ist, was er vorgibt zu sein, während ständig neue Gruppierungen und Interessengemeinschaften auf den Plan treten und die ganze Chose in einem alles hinwegfegenden letzten Kapitel kulminiert, dass längst schon den Anspruch aufgegeben zu haben scheint, auch noch eine tiefergehende Geschichte erzählen zu wollen. Ja, speziell das Finale ist eindrucksvoll geraten und vor allem unerwartet, aber wie soll das alles weitergehen? So zeigt sich deutlich, dass Ferals längst vom intimen Noir-Horror zum exaltierten Action-Splatter geworden ist, dem der Effekt um des Effektes wegen wichtiger geworden ist als Subtext oder Kohärenz.

Fazit & Wertung:

Die Mischung aus Thriller, Horror, Survival, Splatter und Action in Ferals 3 vereint sich nur selten zu einem stimmigen Ganzen und vermag es vor allem nicht, die immer weiter ausufernde Handlung zu bändigen, die immer wildere Kapriolen schlägt und langsam aber sicher ins Hintertreffen gerät.

6 von 10 ausgerissenen Gliedmaßen

Ferals 3

  • Ausgerissene Gliedmaßen - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Die Mischung aus Thriller, Horror, Survival, Splatter und Action in Ferals 3 vereint sich nur selten zu einem stimmigen Ganzen und vermag es vor allem nicht, die immer weiter ausufernde Handlung zu bändigen, die immer wildere Kapriolen schlägt und langsam aber sicher ins Hintertreffen gerät.

6.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tofu Nerdpunk: 6,7/10 Punkte

Ferals 3 ist am 20.05.14 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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