Review: The Captive (Film)

Nein, vergangene Woche war hier wirklich nicht viel los in punkto neuer Artikel und Rezensionen, doch ich gelobe inständig Besserung und deshalb beginnen wir heute auch frohen Mutes mit meiner Film-Kritik zu:

The Captive

The Captive, CA 2014, 112 Min.

The Captive | © Ascot Elite
©

Regisseur:
Atom Egoyan
Autoren:
Atom Egoyan
David Fraser

Main-Cast:
Ryan Reynolds (Matthew)
Scott Speedman (Jeffrey)
Rosario Dawson (Nicole)
Mireille Enos (Tina)
Kevin Durand (Mika)
in weiteren Rollen:
Alexia Fast (Cass)
Christine Horne (Vicky)
Arsinée Khanjian (Diane)
Ian Matthews (Willy)
Bruce Greenwood (Vince)

Genre:
Thriller | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Captive | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Es ist das Jahr 2012 und während Entführer Mika hinaus in den Schnee starrt, beobachtet im Inneren des Hauses, genauer in einem hermetisch abgeriegelten Wohnbereich, die junge Cassandra über versteckte Kameras ihre Mutter Tina, die auch rund sieben Jahre nach dem Verschwinden ihrer Tochter – Cassandra – ihren Verlust noch nicht annähernd überwunden und sich im Zuge der seelischen Belastung schon längst von ihrem Mann Matthew entfremdet hat, dem sie indes die Schuld an dem Verschwinden der gemeinsamen Tochter gibt. Es war das Jahr 2005 und Matthew plante nur einen kleinen Zwischenstopp einzulegen, um Kuchen zu kaufen, doch in den wenigen Minuten, die er seine auf dem Rücksitz liegende Tochter alleinließ, verschwand diese spurlos.

Aufgelöst und außer sich verständigt Matthew sofort die Behörden, doch einer der Ermittler, Jeffrey, kommt schnell auf den Trichter, Matthew habe womöglich die Entführung der eigenen Tochter initiiert und inszeniert, um sie an einen Pädophilen-Ring zu verschachern und seine Firma zu sanieren. Auch Jahre später, nachdem sich keine offenkundige Spur zu Cassandra finden ließ, gibt Matthew die Suche nach ihr nicht auf, während Tina längst resigniert hat und Jeffrey gemeinsam mit seiner Partnerin Nicole noch immer ermittelt. Noch ahnt keiner der Beteiligten, dass Cassandra nach all den Jahren tatsächlich noch am Leben ist und gänzlich unter die Fittiche ihres Entführers Mika geraten ist, dem sie gleichsam noch immer verzweifelt zu entkommen versucht.

Rezension:

Es ist schon schade um Atom Egoyans The Captive, denn was hätte man bei dem Cast und dem prekären wie emotional aufgeladenen Thema für einen Film zaubern können! Doch statt sich ganz seiner zwar altbekannten und doch stringenten Grundausrichtung zu widmen und Tiefe zu erzeugen, Mitgefühl, Spannung, emotionale Ambivalenzen, wenn die unterschiedlichen Figuren, gute wie böse, aufeinander krachen, Verdachtsmomente geäußert werden und auch nach Jahren der Vater noch nicht bereit ist, sein Kind aufzugeben, während die Mutter schon sichtlich einer allumfassenden Lethargie anheimgefallen ist und einer der Ermittler gar den Vater selbst in Verdacht hat, die Entführung nur vorgetäuscht zu haben, um das große Geld zu machen und seine Firma zu sanieren, beschließt der Regisseur, seinen Film mit einem Gros an Zeitsprüngen anzureichern, die als mitunter als einziges Alleinstellungsmerkmal des Films herhalten müssen, jedoch keinen Mehrwert bieten sondern das Geschehen nur unnötig verkomplizieren und lieber eine packende Atmosphäre suggerieren, statt sie wirklich zu erzeugen, denn durch die Sprünge wirkt das Geschehen zunächst unverständlich, dann ganz kurz vielversprechend und im auslaufenden Drittel letztlich nur noch banal und zerfasert.

Szenenbild aus The Captive | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Die Geschichte des Films beginnt also im Jahre 2012 und bereits in den ersten Szenen, also noch bevor man überhaupt etwas von der Entführung der Tochter erfährt, weiß man, dass sie noch am Leben ist, wenn einem auch noch längst nicht klar ist, wie lange sie sich schon in Gefangenschaft befindet. Von dort ausgehend springt die Story ins Jahr 2011 für eine nicht minder sinnstiftende Szene in einem Diner, dann zu 2013, um ein ebenfalls sich erst später erklärendes Verhör einzublenden und schließlich ins Jahr 2005, wo die eigentliche Entführung wird stattgefunden haben (war das der richtige Tempus?!?). Um das gleich klarzustellen, wer meint, ich spoilere hier, ist schief gewickelt, denn das allein ist der Einstieg in The Captive, die vielleicht ersten zehn Minuten und danach geht es munter weiter von 2005 zu 2012 oder 2011 und 2013 und man meint, ganz genau aufpassen zu müssen und wartet gespannt, was einem hier denn am Ende um die Ohren fliegen wird, doch all diese Erwartungshaltung verpufft mehr und mehr mit jeder zusätzlichen Szene, man kommt den Figuren nicht wirklich nahe, weil man auch immer einen Moment braucht, zu realisieren, in welchem Zeit-, also Lebensabschnitt sie sich befinden und was da gerade in der Szene vor sich gehen mag.

Hinzu kommt, dass The Captive mit einem durchaus namhaften Cast aufwartet, mit dem man was hätte anfangen können, doch gibt Ryan Reynolds einen nicht gerade vielschichtigen und zuweilen jähzornigen Vater, während auch Rosario Dawson nicht einmal annähernd ihr Potential zu entfalten weiß. Da ist es schon erschreckend, dass gerade Scott Speedman, der hier die wohl undankbarste Rolle des klischeebehafteten Bullen geben darf auch gleichzeitig die überzeugendste Leistung abliefert, denn er allein muss sich im Laufe der Jahre nicht verändern und spielt seinen Ermittler Jeffrey zumindest mit der nötigen Konsequenz und Härte. Ja, auch Alexia Fast als Tochter Cass macht ihre Sache gerade im Zusammenspiel mit Kevin Durand als Entführer Mika gut, doch sind die gemeinsamen Szenen in ihrer Abgeschiedenheit auch mehr Kammerspiel als wirklich Teil des Films und der zerfahrenen Inszenierung geschuldet fügt sich das alles auch am Ende nicht zu einem stimmigen Ganzen, sondern verärgert derweil mehr und mehr mit den sich häufenden logischen Fehlern und Versäumnissen.

Szenenbild aus The Captive | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Da wäre die Mutter, die per Videoschaltung von Entführer und Tochter überwacht wird und auch nach Jahren noch Gegenstände aus Cass‘ Kindheit an den unmöglichsten Orten findet, dabei zwar regelmäßig in Tränen ausbricht, das aber dann doch nicht seltsam genug findet, um sich mit den Ermittlern zu besprechen, der Vater, dem man das Kind unter der Nase weg aus dem Auto stibitzt und in eine schneeverwehte Landschaft verschleppt, der aber nicht einmal auf die Idee kommt, nach Reifenspuren zu suchen, geschweige denn, dass man als Zuschauer ein Fahrzeug oder auch nur eine Bewegung gesehen hätte. Merkwürdige Emotionslosigkeit auf teils schockierende Offenbarungen runden den holprigen Gesamteindruck ab und auch wenn man unterstellen könnte, dass die von mir exemplarisch monierten Umstände es schlichtweg nicht in den Film geschafft haben, so muss ich doch sagen, dass man sie hätte unterbringen müssen und dabei gerne auf die eine oder andere, wirklich völlig überflüssige Szene hätte verzichten können, die den Film entweder nur künstlich in die Länge zieht oder als Füllmaterial zwischen zwei Jahreswechseln gedient haben mag, einfach nur, damit man mal wieder ein paar Jahre vor- oder zurückspringen kann und dabei so tut, als wäre das eine verdammt clevere Erzählung, die da dem Zuschauer geboten wird. Ist sie nicht. Leider nicht. Hätte es aber sein können. Das schmerzt bei dem Thema und den wenigen guten Szenen, die sich tatsächlich in den Film geschlichen haben, dann auch am meisten.

Fazit & Wertung:

Nachdem Atom Egoyans Entführungsthriller The Captive vielversprechend beginnt, wird schnell klar, dass die zahllosen Zeitsprünge innerhalb der im Grunde recht simpel gestrickten schlicht dazu dienen, die Geschichte komplizierter erscheinen zu lassen, als sie sich ansonsten darstellen würde, was zudem darin mündet, dass eine emotionale Verbindung zu den Charakteren schwerfällt, weil man viel zu sehr damit beschäftigt ist, sich immer wieder neu zu orientieren, als sich auf die unterkühlt inszenierte Geschichte wirklich einlassen zu können. In Anbetracht des eigentlich starken Themas und des fähigen Casts daher leider eine doppelte Enttäuschung.

4,5 von 10 unnötigen und verwirrenden Zeitsprüngen

The Captive

  • Unnötige und verwirrende Zeitsprünge - 4.5/10
    4.5/10

Fazit & Wertung:

Nachdem Atom Egoyans Entführungsthriller The Captive vielversprechend beginnt, wird schnell klar, dass die zahllosen Zeitsprünge innerhalb der im Grunde recht simpel gestrickten schlicht dazu dienen, die Geschichte komplizierter erscheinen zu lassen, als sie sich ansonsten darstellen würde, was zudem darin mündet, dass eine emotionale Verbindung zu den Charakteren schwerfällt, weil man viel zu sehr damit beschäftigt ist, sich immer wieder neu zu orientieren, als sich auf die unterkühlt inszenierte Geschichte wirklich einlassen zu können. In Anbetracht des eigentlich starken Themas und des fähigen Casts daher leider eine doppelte Enttäuschung.

4.5/10
Leser-Wertung 5.5/10 (4 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 3,5/10 Punkte

The Captive ist am 27.01.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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