Review: Northmen – A Viking Saga (Film)

So, heute ohne große Vorrede, denn ich bin gerade frisch aus der Kneipe heimgekehrt und es ist eh schon spät genug, also, heute geht’s um Wikinger, Nordmänner quasi und deshalb handelt auch die heutige Film-Kritik von Northmen – A Viking Saga – übrigens seit heute im Handel, also wie gewohnt brandaktuell!

Northmen
A Viking Saga

Northmen – A Viking Saga, CH/DE/ZA 2014, 97 Min.

Northmen - A Viking Saga | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Claudio Fäh
Autoren:
Bastian Zach
Matthias Bauer

Main-Cast:

Tom Hopper (Asbjorn)
Ryan Kwanten (Conall)
Ken Duken (Thorald)
Charlie Murphy (Inghean)
Ed Skrein (Hjorr)
Anatole Taubman (Bovarr)
Johan Hegg (Valli)

Genre:
Action | Abenteuer | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Northmen - A Viking Saga | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Als Geächtete aus dem eigenen Land geflüchtet, stranden Wikinger Asbjörn und seine Mannen nach einem Sturm an der schottischen Küste. Kaum jedoch haben sie die dem Strand nachgelagerte Steilklippe erklommen, stellt sich ihnen eine Gruppe königlicher Soldaten in den Weg und verwickelt sie in einen Kampf. Zwar gelingt es Asbjörn und Konsorten, den Feind zu bezwingen, doch gelingt einem der Soldaten die Flucht und die Nordmänner ahnen schon, dass bald Verstärkung eintreffen wird. Noch ahnen sie allerdings nicht, welchen Fang sie gemacht haben, als sie in dem von den Soldaten bewachten Wagen eine junge Frau finden, die sie – da anscheinend von edlem Geblüt – als Geisel nehmen, um sich von dem erhofften Lösegeld die Aufnahme in einer der südlichen Wikinger-Kolonien zu erkaufen.

Bei der jungen Dame handelt es sich nämlich um die Lady Inghean, Tochter des Königs Dunchaid, die noch in der darauffolgenden Nacht verheiratet werden sollte. Schnell entsendet der König das Wolfsrudel, eine skrupellose Söldnereinheit, um seine Tochter zurückzubringen, doch Hjorr, der verschlagene Anführer der Wölfe hat mitnichten vor, es darauf ankommen zu lassen und instruiert seine Meute, Lady Inghean unter allen Umständen zu töten, um die Position des Königs nachhaltig zu schwächen. Doch weder ahnt das Wolfsrudel, wie Wikinger zu kämpfen pflegen, noch rechnet es mit der Einmischung des mysteriösen Mönchs Conrall, dem die Wikinger alsbald auf ihrer Flucht begegnen.

Rezension:

Die deutsch-schweizerisch-südafrikanische Koproduktion Northmen – A Viking Saga springt gewollt und gezielt ins Fahrwasser der derzeit wieder rudimentär hypenden Wikinger-Filme und das kann man durchaus dahingehend verurteilen, dass die Story und mit ihr die Figuren mit echten – geschweige denn historisch korrekten – Wikingern herzlich wenig zu tun haben und ihre nordische Herkunft noch am ehesten mit wohlklingenden Namen wie Asbjörn oder Thorald zu untermauern versuchen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit über das gemeinsame Wiedersehen in Walhalla sinnieren. Macht aber weniger etwas aus, wenn man bereit ist, sich auf ein herrlich unorthodoxes Abenteuerfilmchen einzulassen, das kaum den Eindruck erweckt, als schere es sich um derlei Aspekte, denn dafür wirkt das Geschehen trotz bodenständiger Inszenierung und überwiegendem Verzicht auf Spezialeffekte dann doch zu sehr over-the-top und wenig glaubhaft, dafür aber umso unterhaltsamer, wenn sich auch die Ungereimtheiten zum Ende hin häufen. Innovation sieht freilich gänzlich anders aus und so ziemlich jedes Versatzstück dieses Films hat man so oder ähnlich arrangiert schon auf der Leinwand gesehen, doch die Mixtur weiß durchaus zu unterhalten, wenn man eben weder auf blutiges Schlachtenepos noch historisch korrektes Storytelling fixiert ist.

Szenenbild aus Northmen - A Viking Saga | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Tom Hopper als Anführer der illustren Wikinger-Schar wirkt durchaus ein wenig so wie ein junger, unbedarfter Spartacus und es steht ihm gut zu Gesicht, dass er weder der älteste, noch erfahrenste, noch bärbeißigste in der Runde ist, nicht unbedingt, weil das dem Konflikt zwischen ihm und einem seiner Untergebenen eine gewisse Tiefe verleiht, sondern weil es ein netter Kniff ist und noch dazu in der Geschichte begründet, zumal der vergleichsweise gutmütige Nordmann sich doch gern einmal entgegen typischer Wikinger-Gepflogenheiten zu verhalten gedenkt, was ab dem zweiten Drittel besonders schön zum Tragen kommt, wenn Ryan Kwanten in ganz und gar ungewohnter Optik als kampferprobter Mönch im Exil dazukommt, der an Coolness kaum zu überbieten ist und mein persönliches Highlight in Northmen – A Viking Saga darstellt, der spätestens jetzt ein wenig wie ein Film gewordenes Rollenspiel wirkt, denn natürlich gibt es in Gestalt von Ken Duken beispielsweise noch den mörderisch begabten Bogenschützen Thorald und auch bei der entführten Prinzessin Inghean, dargestellt von Charlie Murphy, ließ man es sich nicht nehmen, ab und an anzudeuten, sie verfüge über hellseherische Kräfte.

Da werden freilich regelrechte Archetypen in einer wenn auch von Kriegern dominierten Heldengruppe besetzt, die ein wenn schon nicht gerade einfallsreiches, so doch zumindest unterhaltsames Abenteuer erleben, das für die Exposition der zugegebenermaßen nur rudimentär skizzierten Figuren keine zehn Minuten benötigt, woran sich eine anderthalbstündige Odyssee quer durch Schottland anschließt, während der sich die Wikinger und ihre als Geisel genommene Prinzessin im Grunde nur auf der Flucht vor den Wölfen, den unbarmherzigen, vom König und Vater angeheuerten Söldnern befinden. Das allerdings ist gespickt mit zahlreichen netten Einfällen und Überraschungen und bietet grundsolide Unterhaltung, zumal die Kämpfe abwechslungs- und einfallsreich geraten sind und – selbst wenn sie oft die erhoffte Härte vermissen lassen – doch zumindest stimmig und reißerisch geschnitten sind, zumal das Tempo kaum einmal längerfristig gedrosselt wird; ein Eindruck, der sich durch den treibenden Soundtrack und die Tatsache, dass sich die doch ziemlich platten Dialoge an einer Hand abzählen lassen, noch verstärkt.

Szenenbild aus Northmen - A Viking Saga | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Northmen – A Viking Saga ist mitnichten tiefgründig oder innovativ, punktet weder mit schmissigen One-Linern noch einer übertriebenen Menge an Blut und Gewalt, beeindruckt fernab der durchaus stimmigen und schön anzusehenden Landschaftsaufnahmen kaum mit opulenten Kulissen oder Schlachtenszenarien, ist aber auf die beste Art und Weise handwerklich gelungen, wirkt roh und unverbraucht, lässt trotz fehlender Charakterisierung Sympathie für die Figuren aufkeimen, erinnert aber wie erwähnt am ehesten noch an eine trashige, spaßige Rollenspielrunde und während das erste Drittel noch ein wenig vor sich hindümpelt, ist spätestens wenn Ryan Kwanten aka Super-Hyper-Mega-Kriegs-Mönch mit Special Moves ohne Ende die Szenerie betritt und nebst seiner Kampfkraft an klerikalem Pathos überquillt der Spaßfaktor auf alle Fälle gegeben, um Claudio Fähs ruppigem Abenteuerfilm gewisse Qualitäten zu bescheinigen, die sich zwar objektiv kaum erklären lassen, subjektiv aber unbestreitbar vorhanden sind.

Fazit & Wertung:

Sich kaum einen Deut um historische Begebenheiten und Fakten scherend, liefert Claudio Fäh mit Northmen – A Viking Saga nichtsdestotrotz einen waschechten Genrefilm ab, der – ebenso wie seine Schar an nur grob charakterisierten Wikingern – rund neunzig Minuten stetig nach vorne prescht und mit Tempo und Trash unterhält, wohingegen weder Substanz noch Logik so richtig zu seinen Stärken zu gehören scheinen.

6,5 von 10 kampferprobten Nordmännern

Northmen – A Viking Saga

  • Kampferprobte Nordmänner - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Sich kaum einen Deut um historische Begebenheiten und Fakten scherend, liefert Claudio Fäh mit Northmen – A Viking Saga nichtsdestotrotz einen waschechten Genrefilm ab, der - ebenso wie seine Schar an nur grob charakterisierten Wikingern – rund neunzig Minuten stetig nach vorne prescht und mit Tempo und Trash unterhält, wohingegen weder Substanz noch Logik so richtig zu seinen Stärken zu gehören scheinen.

6.5/10
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Northmen – A Viking Saga ist am 03.03.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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