Review: Midway – Für die Freiheit (Film)

Zum Wochenende heute mal wieder eine waschechte Neuerscheinung, die es jetzt seit einer guten Woche im Handel gibt und die mir überraschend gut gefallen hat.

Midway
Für die Freiheit

Midway, USA/CA/CN/HK 2019, 138 Min.

Midway - Für die Freiheit | © LEONINE
© LEONINE

Regisseur:
Roland Emmerich
Autor:
Wes Tooke

Main-Cast:
Ed Skrein (Dick Best)
Patrick Wilson (Edwin Layton)
Luke Evans (Wade McClusky)
Aaron Eckhart (Jimmy Doolittle)
Nick Jonas (Bruno Gaido)
Mandy Moore (Ann Best)
Dennis Quaid (William ‚Bull‘ Halsey)
Woody Harrelson (Chester W. Nimitz)
in weiteren Rollen:
Etsushi Toyokawa (Isoroku Yamamoto)
Tadanobu Asano (Tamon Yamaguchi)
Luke Kleintank (Clarence Dickinson)
Jun Kunimura (Chuichi Nagumo)
Darren Criss (Eugene Lindsey)
Keean Johnson (James Murray)

Genre:
Action | Drama | Historie | Krieg

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Midway - Für die Freiheit | © LEONINE
© LEONINE

Am 7. Dezember 1941 werden japanische Marineflieger am Himmel gesichtet und eröffnen unmittelbar das Feuer auf die im hawaiianischen Pearl Harbour vor Anker liegenden Schiffe der amerikanischen Flotte. Geheimdienst-Offizier Layton hat dies zwar kommen sehen, doch hat man ihm kein Gehör geschenkt, was der frisch ernannte Oberbefehlshaber Admiral Nimitz allerdings zu ändern gedenkt. Während die Truppen mobilisiert werden und man selbst mithilfe von Code-Knackern die nächsten Schritte der Japaner vorauszusehen hofft, treten die Vereinigten Staaten von Amerika offiziell in den Zweiten Weltkrieg ein. Was Layton und Nimitz in Besprechungsräumen erörtern, gilt allerdings von Ausnahmepiloten wie Dick Best oder Wade McClusky umgesetzt zu werden, die sich an vorderster Front dem Feind entgegenstellen, der wiederum anscheinend plant, die Midway-Inseln unter seine Kontrolle zu bringen, wie Laytons Informanten zu berichten wissen. Und während Jimmy Doolittle einen Vorstoß nach Tokio in Angriff nimmt, wappnet sich die Schiffsbesatzung der Flugzeugträger der Amerikaner, um womöglich im Kampf gegen den überlegenen Feind nahe Midway eine Art Wendepunkt in der Auseinandersetzung herbeizuführen..

Rezension:

Ich muss ja gestehen, Roland Emmerich gegenüber immer ein wenig indifferent gewesen zu sein, so dass ich weder behaupten könnte, ihn und seine Werke wahnsinnig zu schätzen, noch, dass ich sie nicht mögen würde, auch wenn sein oft mit Holzhammer daherkommendes Pathos schon gewöhnungsbedürftig ist und auch hier wieder – aus der Natur der Sache heraus – mehr als reichlich zur Schau gestellt wird. So war es eben auch weniger Emmerich, der mich auf Midway – Für die Freiheit hat aufmerksam werden lassen, sondern der regelrecht beispiellose All-Star-Cast, den er hier vor der Kamera versammelt hat, auch wenn leider viele der großen Namen kaum mehr als gefällige Cameo-Auftritte haben mögen, was aber ebenfalls zu erwarten gewesen ist. Machen wir weiter mit den Geständnissen, dass mir die Schlacht von Midway wie auch die Insel als solche im Vorfeld nicht wirklich ein Begriff gewesen ist, weshalb eine Abhandlung der historischen Ereignisse – wenn auch freilich für das Unterhaltungskino dramatisiert, verfremdet und überwiegend aus amerikanischer Sicht geschildert – für mich gleich doppelt spannend und interessant gewesen ist. Dergestalt in Erwartung und vorbereitet auf Pathos und reichlich Krawumm mit bekannten Gesichtern, dürfte ich eine mehr als gute Ausgangslage für den Film gehabt haben, der mich schließlich mit seinen beinahe zweieinhalb Stunden Laufzeit zu keinem einzigen Zeitpunkt zu langweilen gedroht hat.

Szenenbild aus Midway - Für die Freiheit | © LEONINE
© LEONINE

Wofür sich dann Michael Bay seinerzeit in Pearl Harbour rund drei Stunden Zeit genommen hat – inklusive Drumherum und obligatorischer Lovestory, handelt Emmerich hier nun quasi als Ausgangslage innerhalb der ersten halben Stunde ab, wobei die Schauwerte des historischen Angriffs auf die Pazifikflotte der Amerikaner im Dezember 1941 sich hier keineswegs zu verstecken brauchen. Vor allem aber gelingt Emmerich eine Mischung aus einerseits reißerischer Inszenierung, die andererseits aber auch viele persönliche Schicksale und Verluste erfahren lässt, die im weiteren Verlauf noch ihre Tragweite dahingehend entfalten, weshalb sich die Soldaten und Piloten so verbissen in ihre Missionen stürzen. Dabei mag es ein wenig verwundern, dass ausgerechnet Ed Skrein den Part der inoffiziellen Hauptfigur des Fliegerass Dick Best zugeschustert bekommen hat, doch sei ihm das sehr gegönnt, nachdem er oftmals in der Vergangenheit in der Rolle des Antagonisten gecastet worden ist, ob es sich nun um Deadpool oder Alita: Battle Angel gehandelt hat. Freilich bleibt der nicht unbedingt nachhaltig in Erinnerung, dürfte jedoch die meiste Screentime für sich beanspruchen und hat damit allein schon einiges seinen zahlreichen Kollegen voraus, die wie erwähnt teils wirklich wenig zu tun bekommen, den Schnappschüssen am Wegesrand durch ihre markanten Konterfeis aber zusätzliches Gewicht verleihen.

Bestes Beispiel hierfür dürfte wohl Aaron Eckhart (London Has Fallen) sein, der Jimmy Doolittle verkörpert, welcher den Angriff gegen die japanische Hauptstadt Tokio geflogen hat, nach einer längeren Szene aber bis zum Schluss nicht mehr in Erscheinung tritt. So macht sich bei Emmerichs Midway aber auch ein seltenes Phänomen bemerkbar, denn trotz seiner üppigen knapp 140 Spielzeit hätte der Film von mir aus gerne noch weitaus länger dauern können, einfach weil er so vieles am Rande der Kernhandlung andeutet, was man gerne noch weitaus eingehender hätte beleuchten können, was wiederum teils Stoff für mehrere Filme geboten hätte, was eben einerseits für Doolittles Part in der Geschichte, andererseits aber auch für den schrulligen Code-Knacker Rochefort gilt, der gerade einmal eine denkwürdige Szene im Film spendiert bekommen hat. Die immerhin setzt ihn direkt in Relation mit dem von Patrick Wilson (Bone Tomahawk) verkörperten Geheimdienst-Offizier Layton sowie dem von Woody Harrelson (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) dargestellten Oberbefehlshaber Admiral Nimitz, die gemeinsam eine Art Subplot innerhalb des Films eröffnen, denn während sich die eigentliche Action natürlich an der Front und somit auf hoher See abspielt, finden ihre Treffen beinahe ausschließlich in verrauchten Hinterzimmern und Besprechungsräumen statt, ohne dass die dort debattierten Optionen und der verbale Schlagabtausch weniger spannend und einnehmend geraten wären.

Szenenbild aus Midway - Für die Freiheit | © LEONINE
© LEONINE

Luke Evans (No One Lives) derweil hat zunächst als Dick Bests Vorgesetzter Wade McClusky den eher undankbaren Part des Stichwortgebers, füllt die eher wenig differenzierte Rolle aber dennoch charismatisch aus und weiß ebenfalls einiges an Screentime für sich zu verbuchen, was man eben mitnichten von all den (überwiegend) Herren und Damen (Mandy Moore) behaupten kann, weil Emmerich sich mit Midway eben an ein Epos sondergleichen wagt, auch wenn die eigentlichen, im Film thematisierten Ereignisse gerade mal ein halbes Jahr umfassen. Dabei wird er auch nicht müde, mit immer wiederkehrenden Einblendungen auf Ort und Zeit hinzuweisen, wo ich das Ausbleiben solcher Informationen gerne mal kritisiere, weil es natürlich dem Überblick und der Nachvollziehbarkeit abträglich ist, wenn man nicht mehr über den genauen Zeitablauf im Bilde zu sein scheint. Bei allem Hurra-Patriotismus für die Amerikaner erliegt Emmerich aber ebenso wenig der Versuchung, die Japaner allesamt als ausgemachte Scheusale zu porträtieren, und vermag mit Etsushi Toyokawa als Isoroku Yamamoto und Tadanobu Asano (Thor) als Tamon Yamaguchi gekonnt Akzente zu setzen. Nichtsdestotrotz bleibt die amerikanische Sichtweise vorherrschend, ebenso wie in der zweiten Hälfte die Kampfhandlungen vermehrt in den Vordergrund rücken, doch trotz massivem CGI-Einsatz sehen die auch die meiste Zeit unverschämt gut aus, während man sich über die Videospiel-Optik im Sturzflug auf feindliche Schiffe durchaus streiten darf. Mag es sich also mitnichten um eine objektive, geschweige denn für den Geschichtsunterricht taugliche Schilderung der Ereignisse handeln, muss ich doch sagen, dass mich der Film im besten Sinne – und dementsprechend positiv – überrascht hat, wobei ihm eben noch am ehesten anzukreiden ist, weshalb nicht einfach noch eine Stunde drangehängt wurde, um die vielen Einzelschicksale und Nebenschauplätze noch eingehender zu beleuchten.

Fazit & Wertung:

Mit Midway – Für die Freiheit offeriert Roland Emmerich gleichermaßen Schlachten-Epos als auch geschichtliche Abhandlung, erhebt zwar in beiden Fällen keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollte durchaus kritisch betrachtet werden, weiß aber in seiner ungemein spannenden und mitreißenden Art der Inszenierung zu überzeugen, denn auch wenn viele Teile der Erzählung – und mit ihnen die beteiligten Darsteller – kaum Gelegenheit zu glänzen bekommen, macht gerade diese üppige und breit gefächerte Erzählform den Reiz des Ganzen aus.

8 von 10 vermeintlich aussichtslosen Kampfeinsätze

Midway – Für die Freiheit

  • Vermeintlich aussichtslose Kampfeinsätze - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Midway – Für die Freiheit offeriert Roland Emmerich gleichermaßen Schlachten-Epos als auch geschichtliche Abhandlung, erhebt zwar in beiden Fällen keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollte durchaus kritisch betrachtet werden, weiß aber in seiner ungemein spannenden und mitreißenden Art der Inszenierung zu überzeugen, denn auch wenn viele Teile der Erzählung – und mit ihnen die beteiligten Darsteller – kaum Gelegenheit zu glänzen bekommen, macht gerade diese üppige und breit gefächerte Erzählform den Reiz des Ganzen aus.

8.0/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Midway – Für die Freiheit ist am 20.03.2020 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei LEONINE erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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