Review: Die Lincoln Verschwörung (Film)

Und weiter geht die wilde Fahrt, heute mal wieder mit einer ganz anderen Art von Film, also zumindest anders als die letzten paar Reviews. Ansonsten bleibt mir nicht viel mehr, als allseits einen schönen Abend zu wünschen.

Die Lincoln Verschwörung

The Conspirator, USA 2010, 122 Min.

Die Lincoln Verschwörung | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Robert Redford
Autor:
James D. Solomon

Main-Cast:
James McAvoy (Frederick Aiken)
Robin Wright (Mary Surratt)
in weiteren Rollen:
Kevin Kline (Edwin Stanton)
Evan Rachel Wood (Anna Surratt)
Danny Huston (Joseph Holt)
Justin Long (Nicholas Baker)
Colm Meaney (David Hunter)
Tom Wilkinson (Reverdy Johnson)
Alexis Bledel (Sarah Weston)

Genre:
Historie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Die Lincoln Verschwörung | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Es ist der 15. April 1865, als Abraham Lincoln, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, einem Attentat durch John Wilkes Booth zum Opfer fällt, während in derselben Nacht der Außenminister Seward bei einem weiteren Anschlag schwer verletzt wird. Schnell ist klar, dass die beiden Attentäter mitnichten allein gehandelt haben und raschen Taten geschuldet werden alsbald sieben Männer und eine Frau dingfest gemacht, denen der Vorwurf gemacht wird, Teil einer Verschwörung zu sein, deren Ziel die Ermordung des Präsidenten und weiterer Repräsentanten der Regierung war. Bei der einzig angeklagten Frau handelt es sich um die Pensionsbesitzerin Mary Surratt, die sich nun, da sie den Verschwörern Unterschlupf gewährt hat und folglich von deren Plänen gewusst haben muss, ja gar womöglich in diese involviert war, vor einem Militärtribunal verantworten muss.

Als Pflichtverteidiger wird ihr der junge und idealistische Anwalt Frederick Aiken zugeteilt, der allein schon durch seine Verdienste als Nordstaaten-Kriegsheld den Südstaaten-Sympathisanten im Allgemeinen kaum aufgeschlossen gegenüber steht und folglich nur sehr widerwillig seiner Verpflichtung nachkommt. Im Verlauf der Verhandlung hegt Aiken immer größer werdende Zweifel an der Art der Gerichtsführung und auch an der Schuld seiner Mandantin Mary Surratt, zumal die bestellten Zeugen fallen wie die Dominosteine und sich in Widersprüchlichkeiten verstricken. Verzweifelt versucht Aiken gegen alle Widrigkeiten, eine faire Verhandlung vor einem Zivilgericht zu erwirken, doch scheint das Urteil bereits gefällt worden zu sein…

Rezension:

Während mir schon im Vorfeld bewusst war, dass sich Robert Redfords Die Lincoln Verschwörung ziemlich eng an den historischen Fakten orientieren würde, handelte es sich schließlich um das erste Projekt der American Film Company, die sich eben die möglichst akkurate filmische Aufarbeitung geschichtlicher Episoden der amerikanischen Geschichte auf die Fahnen geschrieben hat, erwartete ich mir also einen womöglich teilweise durchaus mit Längen behafteten Gerichts-Thriller, der zu gleichen Teilen sicherlich Historien-Drama und Polit-Film sein würde und lag damit im Nachhinein auch in vielen Punkten richtig, wenngleich es sich tatsächlich überraschenderweise überhaupt nicht um einen Polit-Film handelt, da sich Redford einerseits die Schuldfrage offenlässt und keine klare Position bezieht, was die Rechtmäßigkeit der Hinrichtung von Mary Surratt anbelangt, wohl aber offene und berechtigte Kritik an der Art und Weise der Urteilsfindung und des Gerichtsverfahrens übt, wozu er sich im Film der Figur des verteidigenden Anwalts Frederick Aiken bedient, der von dem gewohnt großartig agierenden James McAvoy dargestellt wird, der meiner unmaßgeblichen Meinung nach auch wirklich in so ziemlich jeder Rolle zu überzeugen versteht.

Szenenbild aus Die Lincoln Verschwörung | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Neben McAvoy ist es aber natürlich vor allem Robin Wright als Mary Surratt, die eine großartige Vorstellung abliefert und die vermeintliche Mitverschwörerin zuweilen stoisch, zuweilen verzweifelt, aber auch ehrfürchtig oder stolz darzustellen versteht und eine vielschichtige Figur gekonnt zum Leben erweckt, während Evan Rachel Wood als ihre Tochter Anna eine nicht minder gute Figur macht, für die Geschichte aber deutlich weniger Bewandtnis besitzt. Überhaupt ist auffällig, wie sehr sich Die Lincoln Verschwörung auf den eigentlichen Gerichtsprozess konzentriert und ein Großteil des Mittelteils spielt demnach im Gerichtsaal, während lediglich kleinere Episoden dazu dienen dürfen, die Auswirkungen der Verteidigung von Mary Surratt für Aiken und sein Privatleben aufzuzeigen, weshalb sowohl Justin Long in seiner Rolle regelrecht überflüssig wirkt und auch Alexis Bledel gefühlsmäßig eher hölzern als Frau an Aikens Seite in Erscheinung tritt, was aber auch den nur wenigen und oft undankbaren Szenen mit ihr geschuldet sein mag.

So wenig Die Lincoln Verschwörung aber eben Polit-Film sein möchte, so sehr ist er Historien-Drama und Gerichts-Thriller, ganz wie vermutet, doch sollte man schon ein gewisses Faible und Interesse für die amerikanische Geschichte mitbringen oder zu entwickeln bereit sein, denn gerade angesichts der Tatsache, dass der Gerichtsprozess nicht gerade fair verlief und sich ein Mitfiebern mit dem Verteidiger schnell als unnötig erweist, da jedes seiner Argumente von dem zu Gericht sitzenden Tribunal schlicht und ergreifend ignoriert wird und nicht zuletzt, dass Interessierte den Ausgang des Verfahrens jederzeit in der Wikipedia nachlesen könnten und sich so die Spannung, sollten sie den Ausgang nicht sowieso schon kennen, vollends zunichtemachen. Aber – und das ist ein großer Pluspunkt für den Film – ich habe selten eine spannendere Geschichtsstunde erlebt als hier und auch wenn die Faktentreue mit sich bringt, dass der Film einige kleinere Längen aufweist, sein Ende vorherbestimmt ist und die Dramaturgie zuweilen etwas holprig daherkommt, vermittelt er doch ein überraschend akkurates Bild der damaligen Zeit und Verhältnisse, ohne dabei zu einem trockenen Exkurs zu verkommen.

Szenenbild aus Die Lincoln Verschwörung | © Universal Pictures
© Universal Pictures

In dieser Form ist Die Lincoln Verschwörung ebenso für den Geschichtsunterricht geeignet wie als spannendes historisches Dokument, zumal speziell dieses Thema bislang filmisch doch eher selten und vor allem nicht in dieser Ernsthaftigkeit und dem Anspruch an Akkuratesse behandelt worden ist, dem die formidabel aufspielenden und überwiegend namhaften Darsteller zweifelsohne gut zu Gesicht stehen, auch wenn selbstverständlich die Einschübe des Privatlebens von Anwalt Aiken mehr Mittel zum Zweck sind, um dem dramaturgischen Grundkonzept des im Fokus stehenden Verfahrens einen Rahmen zu geben, ebenso wie die vorangestellte Ermordung Lincolns selbst und die Einführung des Anwalts als Soldat auf offenem Felde zwei Jahre vor den einschneidenden Ereignissen in Washington, die Redfords Film durchaus deutlich runder erscheinen lassen, als er es sonst geworden wäre.

Fazit & Wertung:

Robert Redfords Die Lincoln Verschwörung ist ein überraschend packend inszeniertes historisches Gerichts-Drama mit unvermeidlichem Ausgang, jedoch stilsicher inszeniert und nur mit wenigen Längen behaftet. Sich ganz den Fakten unterordnend, verschenkt der Film zwar durchaus dramatisches Potential, gewinnt hierdurch allerdings auch enorm an Glaubwürdigkeit und eignet sich aufgrund der vielen aufgeworfenen Fragen ebenso gut als Film gewordene Geschichtsstunde, die durchaus zu fesseln versteht.

7 von 10 mit Inbrunst vorgebrachten Plädoyers

Die Lincoln Verschwörung

  • Mit Inbrunst vorgebrachte Plädoyers - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Robert Redfords Die Lincoln Verschwörung ist ein überraschend packend inszeniertes historisches Gerichts-Drama mit unvermeidlichem Ausgang, jedoch stilsicher inszeniert und nur mit wenigen Längen behaftet. Sich ganz den Fakten unterordnend, verschenkt der Film zwar durchaus dramatisches Potential, gewinnt hierdurch allerdings auch enorm an Glaubwürdigkeit und eignet sich aufgrund der vielen aufgeworfenen Fragen ebenso gut als Film gewordene Geschichtsstunde, die durchaus zu fesseln versteht.

7.0/10
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Die Lincoln Verschwörung ist am 01.03.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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