Review: BlacKkKlansman (Film)

Da wäre ich auch schon wieder, um pünktlich zum Wochenende noch eine Empfehlung abzugeben, auch wenn es sich thematisch mitnichten um leichte Kost handelt.

BlacKkKlansman

BlacKkKlansman, USA 2018, 135 Min.

BlacKkKlansman | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Spike Lee
Autoren:
Charlie Wachtel (Drehbuch)
David Rabinowitz (Drehbuch)
Kevin Willmott (Drehbuch)
Spike Lee (Drehbuch)
Ron Stallworth (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
John David Washington (Ron Stallworth)
Adam Driver (Flip Zimmerman)
Laura Harrier (Patrice Dumas)
Topher Grace (David Duke)
in weiteren Rollen:
Corey Hawkins (Kwame Ture)
Robert John Burke (Chief Bridges)
Michael Buscemi (Jimmy Creek)
Ryan Eggold (Walter Breachway)
Jasper Pääkkönen (Felix Kendrickson)
Paul Walter Hauser (Ivanhoe)
Ashlie Atkinson (Connie Kendrickson)
Harry Belafonte (Jerome Turner)
Alec Baldwin (Dr. Kennebrew Beauregard)

Genre:
Biografie | Krimi | Drama | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus BlacKkKlansman | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Ron Stallworth kommt in den 1970ern als erster Schwarzer zum Colorado Springs Police Department und muss sich selbst von Kollegen gefallen lassen, als Bimbo bezeichnet zu werden, was ihn schnell dazu bringt, sich für verdeckte Ermittlungen zu melden. Sein Vorgesetzter stimmt zu und schleust ihn zunächst bei Kundgebungen der Black-Power-Bewegung ein, doch Ron will mehr erreichen, weiter gehen und nimmt – ohne groß darüber nachzudenken – Kontakt zur hiesigen Ortsgruppe des Ku-Klux-Klan auf. Die sind prompt angetan von ihm und laden zu einem Treffen. Verständlich, dass Ron als Schwarzer dort nicht selbst erscheinen kann, weshalb er sich seinen jüdischen Kollegen Flip ins Boot holt, der Ron bei persönlichen Treffen verkörpern soll. Sorgfältige Vorbereitungen und Absprachen ermöglichen es Flip, in Rons Rolle zu schlüpfen und der Plan scheint aufzugehen, doch während sich die Hinweise verdichten, dass die "Mitglieder der Organisation" (wie sie sich selbst nennen) eine Art Anschlag planen, hat Ron bei einem seiner Telefonate plötzlich und unerwartet mit David Duke den Grand Wizard des KKK am Hörer, der ankündigt, bei Rons Initiation zugegen sein zu wollen…

Rezension:

Vergangenes Wochenende habe ich nun auch endlich den vielgepriesenen und zu Recht gelobten BlacKkKlansman nachgeholt und muss sagen, dass ich im Nachgang schwer beeindruckt gewesen bin, wie es Spike Lee gelungen ist, einerseits eine unterhaltsam-aberwitzige Ermittlungs-Story inmitten der 7oer zu inszenieren und andererseits einem immer öfter Das Lachen im Halse stecken bleiben zu lassen bei den mehr als offenkundigen Vergleichen, die er zu heutigen Gegebenheiten und Entwicklungen zieht. So macht es durchaus Sinn, dass Lee sein neuestes Werk nicht als Buddy-Comedy verkannt sehen will – auch wenn das Duo aus Ron und Flip diese Ansicht begünstigen mag –, denn sein auf den Schilderungen des echten Ron Stallworth beruhendes Werk ist weitaus bissiger, ernsthafter und grimmiger, als es vielleicht auf den ersten Blick den Anschein machen mag. So ist der oft beinahe beschwingte Ton der Erzählung – gepaart mit der Absurdität der Situation an sich – durchaus geeignet, dass ungemein schwere und ernste Thema ein wenig aufzulockern, doch liegt Lee freilich nichts an Verharmlosung und allein die finalen Einstellungen des Films kommen einem Schlag in die Magengrube gleich, der noch lange nachwirkt.

Szenenbild aus BlacKkKlansman | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Zunächst einmal aber geht es los mit reichlich Seventies-Flair und allgegenwärtigen Afros, wofür Lee sich auch die Freiheit herausnahm, die Ereignisse einige Jahre vorzuverlegen, denn eigentlich war es erst 1978, dass Ron Stallworth Kontakt mit dem Klan aufnahm, während es hier so scheint, als habe er wenige Wochen nach seiner Einstellung beim Police Department bereits diesen Entschluss gefasst. Diese Verdichtung der Ereignisse nimmt man allerdings wohlwollend in Kauf, weil es die Verve des Films trefflich unterstützt, während das Hinzudichten der gänzlich fiktiven Patrice Dumas (Laura Harrier, Spider-Man: Homecoming) nicht notgetan hätte, freilich aber auch nicht wirklich stört, zumal es die Dramaturgie der Ereignisse zusätzlich verdichtet, wenn Ron dann doch noch über Umwege ins Fadenkreuz des Klans gerät. Die wahre Identität des Kollegen vom Drogendezernat, der Ron bei den Treffen mit den Klan-Mitgliedern "vertreten" hat, ist derweil noch immer unbekannt, was zu Adam Drivers (Marriage Story) Rolle als Philip "Flip" Zimmerman führt, der allerdings denselben Part erfüllt wie sein reales Pendant. Überhaupt aber bringt es wenig, BlacKkKlansman auf seine historische Akkuratesse hin abzuklopfen, denn trotz ernster Themen und historisch verbriefter Ereignisse handelt es sich eben auch und vorrangig noch immer um einen Spielfilm und der weiß mit seiner Message, seiner unangepassten Art der Inszenierung und der entlarvenden wie aufrüttelnden Darbietung durchweg zu begeistern.

Spike Lee gelingt es zwar nicht in jeder einzelnen Szene, zwischen Ernst und Absurdität zu changieren, aber gerade diesen Ecken und Kanten, diese nicht immer makellose Inszenierung verleiht BlacKkKlansman auch sein spezifisches Flair und es ist mir dergestalt lieber, als hätte der Film sich in einer allzu glatt und massentauglich getrimmten Art seines Biss beraubt. Noch vor der stilistisch überhöhten Inszenierung aber weiß im Kern des Ganzen John David Washington, der trotz seiner vergleichsweise geringen Schauspielerfahrung durchweg überzeugt und mit jeder Faser zu Ron Stallworth wird, derweil der reale Ron sich immer gewünscht hat, von Denzel Washington gemimt zu werden, was nun eben dessen Sohn übernommen hat. Last but not least wäre aber auch Topher Grace (American Ultra) zu nennen, der hier den "Grand Wizard" des KKK verkörpert und eine geniale Gratwanderung hinlegt, ihn einerseits in seiner engstirnigen, überheblichen und natürlich vor allem rassistischen Attitüde zu demaskieren, andererseits aber auch dessen erschreckendes Charisma und das vermeintlich harmlose auftreten aufblitzen lässt, was ihn zu so einem gefährlichen Zeitgenossen macht.

Szenenbild aus BlacKkKlansman | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Fernab dessen aber, dass Lee in BlacKkKlansman reale Ereignisse nachzeichnet und sich realer Figuren bedient – anhand der Ortsgruppe der "Organisation", der Flip begegnet, die Anhänger des Klan auch genüsslich durch den Kakao zu ziehen vermag –, bettet er seine Handlung derweil in eine Mischung aus dokumentarischen Aufnahmen und halbfiktionalisierter – und somit ebenfalls persiflierter – Propaganda. So gibt Alec Baldwin in einem vorangestellten Cameo als weißer Extremist, der sich seine agitatorischen Entgleisungen mehrfach soufflieren lassen muss, gleich die tonale Marschrichtung des Folgenden vor, auch wenn Spike Lees Erzählton im letzten Drittel zunehmend verbissener und verbitterter werden mag, was in Anbetracht dessen, was er zu erzählen trachtet, aber auch kaum verwundert. Das Ende, die Auflösung, der abschließende Sprung zu Originalaufnahmen der "Unite the Right&Quot;-Demo in Charlottesville 2017 erfolgte mir persönlich zwar zu unmittelbar, verstärkte aber dafür umso mehr den emotionalen Punch, den der Film hinterlässt, während der Regisseur mit diesem bildhaften Statement die zuvor propagierte Leichtfüßigkeit des Gezeigten bewusst und nachhaltig selbst dekonstruiert.

Fazit & Wertung:

Mit BlacKkKlansman gelingt Spike Lee ein zunehmend durch Mark und Bein gehendes Biopic um eine der aberwitzigsten Unterwanderungs-Aktionen der Geschichte, deren zunächst bewusste Leichtfüßigkeit in der Inszenierung die Botschaft nur allzu deutlicher herausarbeitet, dass es sich bei dem hier gezeigten institutionellen Rassismus mitnichten nur um ein Schreckgespenst früherer Tage handelt. Dramaturgisch mag der Film nicht in sämtlichen Belangen überzeugen, ist in seiner Botschaft aber umso wichtiger, drängender und aktueller geraten.

8,5 von 10 Telefonaten zwischen einem schwarzen Cop und einem weißen Rassisten

BlacKkKlansman

  • Telefonate zwischen einem schwarzen Cop und einem weißen Rassisten - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit BlacKkKlansman gelingt Spike Lee ein zunehmend durch Mark und Bein gehendes Biopic um eine der aberwitzigsten Unterwanderungs-Aktionen der Geschichte, deren zunächst bewusste Leichtfüßigkeit in der Inszenierung die Botschaft nur allzu deutlicher herausarbeitet, dass es sich bei dem hier gezeigten institutionellen Rassismus mitnichten nur um ein Schreckgespenst früherer Tage handelt. Dramaturgisch mag der Film nicht in sämtlichen Belangen überzeugen, ist in seiner Botschaft aber umso wichtiger, drängender und aktueller geraten.

8.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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BlacKkKlansman ist am 21.12.18 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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