Review: Lang lebe Charlie Countryman (Film)

Yeah, das Wochenende naht! Und bis es soweit ist, kommt hier erst mal eine neue Film-Kritik! Hach, was freu ich mich aufs Wochenende! Und wehe das Wetter bricht ein! Ja, ich weiß, ist pauschal von auszugehen, aber bitte, sprecht es nicht laut aus.

Lang lebe
Charlie Countryman

The Necessary Death of Charlie Countryman, RO/USA 2013, 108 Min.

Lang lebe Charlie Countryman | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Fredrik Bond
Autor:
Matt Drake

Main-Cast:
Shia LaBeouf (Charlie Countryman)
Evan Rachel Wood (Gabi Ibanescu)
Mads Mikkelsen (Nigel)
Rupert Grint (Karl)
Vincent D’Onofrio (Bill)
Melissa Leo (Kate)
in weiteren Rollen:
Til Schweiger (Darko)
Aubrey Plaza (Charlie’s ex-girlfriend)
James Buckley (Luc)

Genre:
Komödie | Drama | Romantik | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Lang lebe Charlie Countryman | © Koch Media
© Koch Media

Charlie Countryman sucht verzweifelt nach seiner Bestimmung im Leben, seinem Weg und Ziel, und als seine Mutter Katie an Krebs stirbt, zieht es ihm gänzlich den Boden unter den Füßen weg, doch prompt erscheint ihm die jüngst Verstorbene und rät ihrem Jungen, sein Glück in Bukarest zu suchen. Sichtlich verwirrt, doch dem vermeintlich letzten Wunsch seiner Mutter Folge leistend, bricht Charlie die Zelte ab und nimmt den nächsten Flieger nach Rumänien. Im Flugzeug lernt er Victor kennen, der sich als lebensfroher Mann und liebevoller Vater entpuppt, bevor er an Charlies Schulter für immer einschläft, nur ihm ebenfalls als Geist zu erscheinen und darum zu bitten, seiner Tochter Gabi sein Mitbringsel aus den Vereinigten Staaten zu überbringen.

Gabi Ibanescu, ihres Zeichens Tochter von Victor und begabte Cellistin, verdreht dem noch immer verwirrten Charlie prompt den Kopf, doch ist die eigentlich noch mit dem Unterweltboss Nigel liiert, dem es so gar nicht in den Kram passt, dass ein amerikanischer Milchbubi sich an seine Gabi heranschmeißt. Charlie derweil kommt zunächst in einem Hostel unter, wo er Karl und Luc kennenlernt und sich zu einem ausufernden Drogentrip überreden lässt, der ihn bald schon in erste richtige Schwierigkeiten bringen soll, doch geht ihm die attraktive rothaarige Cellistin Gabi einfach nicht aus dem Kopf und während er sie weiter umwirbt, treten weitere Fraktionen auf den Plan, denen Charlie ebenfalls ein Dorn im Auge ist.

Rezension:

An sich hätte Lang lebe Charlie Countryman – im Original etwas treffender als The Necessary Death of Charlie Countryman betitelt – ein Film sein müssen, prädestiniert dafür, von mir gemocht zu werden: ein abgedrehter, drogengeschwängerter, mit treibenden Beats und wummerdem Soundtrack untermalter Streifen mit exzentrischen Figuren, unwahrscheinlichen Begebenheiten, einer Romantik-Story, einem Action-Part, Gesprächen mit Verstorbenen, surrealen Szenenkompositionen und einem zum Spielball fremder Mächte werdenden Jungen – richtig, Charlie Countryman – , das versprach eine dieser wilden Genre-Mixturen zu werden, denen nicht viele allzu viel abgewinnen können, die mir aber in steter Regelmäßigkeit imponieren, doch leider leider gelingt es dem durchaus ambitionierten Regisseur Fredrik Bond, der hier sein Spielfilmdebüt abgeliefert hat, all diese Zutaten nicht zu dem stimmungsvoll-überladenen Cocktail zu verrühren, den ich mir erhofft hatte.

Szenenbild aus Lang lebe Charlie Countryman | © Koch Media
© Koch Media

Das mag in vielerlei Hinsicht allerdings noch nicht einmal der wild zusammengewürfelten Geschichte geschuldet sein, die mich auch durchaus zu unterhalten wusste, sondern liegt vorrangig darin begründet, dass Bond nie so richtig sein Tempo und seinen Erzählton zu finden scheint, so dass Lang lebe Charlie Countryman auffallend ruhig und tragisch beginnt, während der Film zunächst sein vermeintliches Ende vorwegnimmt, ein vielgenutzter und immer wieder effektiver Kniff, der hier aber auch nicht recht zu zünden weiß, bevor es für Charlie aus vollkommen fadenscheinigen Gründen auf nach Bukarest geht, wo er natürlich prompt der Liebe seines Lebens begegnet, nicht, ohne vorher noch einmal mit einer jüngst verstorbenen Person eine surreale Unterhaltung geführt zu haben, wobei der Exfreund von Gabi selbstverständlich ein Schwerkrimineller ist, übrigens durchaus großartig gespielt von dem über alle Zweifel erhabenen Mads Mikkelsen, womit die Probleme ihren Anfang nehmen.

Doch wenn man schon meint, der Film habe jetzt sein Habitus gefunden, überrascht Lang lebe Charlie Countryman mit komödiantischem Einschlag und einem herrlich abgehalfterten Rupert Grint, ein paar halbherzigen, wenn auch stimmungsvoll inszenierten Drogenexzessen und mittendrin wieder der holprigen Liebesgeschichte zwischen Charlie und Gabi. Die Chemie zwischen Shia LaBeouf – den ich abseits des Transformers-Franchise tatsächlich zu mögen beginne – und Evan Rachel Wood funktioniert dabei tatsächlich tadellos, auch wenn man Wood die Rumänin dann doch nicht so recht abnehmen möchte, wobei man das schon fast wieder zu verzeihen bereit ist, da sich Bukarest als durchaus stimmungsvoller, andersartiger Handlungsort empfiehlt, zumal Charlies Reise dorthin einem Running Gag gleich immer wieder in Frage gestellt wird, sei es schließlich in Budapest viel schöner. Ja, das sind alles nette Einfälle und der Film macht Spaß, punktet gerade zum Ende hin auch noch einmal mit tempovollen Actioneinlagen, die man sich nach der romantischen verklärten Aussteiger-Story in derart brachialer Form nicht erwartet hätte, doch runden sie auch das Geschehen noch einmal überraschend stimmungsvoll ab.

Szenenbild aus Lang lebe Charlie Countryman | © Koch Media
© Koch Media

Da ist es dann tatsächlich mehr der Mittelteil, der nicht so recht zu überzeugen weiß, denn auch wenn hier viel von Zufällen und Schicksal gepredigt wird, mögen die Romanze, der Grund, warum plötzlich mehrere Fraktionen Charlie nach dem Leben trachten, die eingeflochtenen Party-Exzesse, die euphorischen Klangteppiche und ein auf dem schmalen Grat zur Selbstironie agierender Til Schweiger in ihrer Gesamtheit kein stimmiges Bild ergeben, das nicht mit jeder Pore und Faser zu verstehen gibt, dass hier ganz bewusst und auf Teufel komm raus alles an Genre-Versatzstücken in einen großen Bottich geworfen worden ist. Das ist insofern besonders schade, als das gerade die Darsteller, vielleicht abgesehen von Schweiger, jeder für sich und alle miteinander zu überzeugen wissen, Lang lebe Charlie Countryman optisch und akustisch ausgesprochen ausgefeilt daherkommt und man ihm seine vielseitigen Ambitionen jederzeit anmerkt, denn bei nur etwas stringenterer Ausrichtung hätte aus dem Film Großes werden können. So allerdings, so überzeugend viele einzelne Szenen und Ideen für sich genommen auch sein mögen, scheitert der Film an der schieren Masse an Ideen, die eben jede für sich genommen auch nicht gerade neu oder überraschend sind, ihre Andersartigkeit also nur aus dem wilden Genre-Mashup zu ziehen versuchen.

Fazit & Wertung:

Fredrik Bonds Debütfilm Lang lebe Charlie Countryman ist ein zwar überraschend stimmig besetzter Film, verbaut sich als in jeder Szene auf Andersartigkeit bedachter Genre-Hybrid aber auch viele Chancen, denn der romantischen Krimi-Komödie mit dramatischem Einschlag und Ausflügen ins Drogen-Metier fehlt oftmals der rote Faden und eine gehörige Portion Stringenz, um als Gesamtwerk überzeugen zu können, zumal viele der Ideen und Plot-Details für sich genommen äußerst klischeebehaftet sind.

6,5 von 10 wahnwitzig wahnhaften Nächten in Bukarest

Lang lebe Charlie Countryman

  • Wahnwitzig wahnhafte Nächte in Bukarest - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Fredrik Bonds Debütfilm Lang lebe Charlie Countryman ist ein zwar überraschend stimmig besetzter Film, verbaut sich als in jeder Szene auf Andersartigkeit bedachter Genre-Hybrid aber auch viele Chancen, denn der romantischen Krimi-Komödie mit dramatischem Einschlag und Ausflügen ins Drogen-Metier fehlt oftmals der rote Faden und eine gehörige Portion Stringenz, um als Gesamtwerk überzeugen zu können, zumal viele der Ideen und Plot-Details für sich genommen äußerst klischeebehaftet sind.

6.5/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Lang lebe Charlie Countryman ist am 20.02.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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