Review: The Iceman (Film)

So, nur rund einen Monat, nachdem ich den Film gesehen habe, kommt hier heute meine Review zu The Iceman, aber ich hatte ja letztens schon anklingen lassen, dass ich in punkto Film-Reviews noch einiges auf Halde liegen habe. Kommt mir allerdings heute beispielsweise sehr zupass, da ich mich schon wieder auf dem Sprung befinde, gleich noch ein wenig Sport treiben möchte, danach zum Essen und anschließendem Pokern eingeladen bin, es aber nicht versäumen wollte, euch noch einen Film-Tipp fürs Wochenende mit auf den Weg zu geben. Also, lehnt euch zurück, genießt das Wochenende, lasst es euch gut gehen!

The Iceman

The Iceman, USA 2012, 106 Min.

The Iceman | © Splendid Film
© Splendid Film

Regisseur:
Ariel Vromen
Autoren:
Morgan Land (Drehbuch)
Ariel Vromen (Drehbuch)
Anthony Bruno (Buch-Vorlage)
James Thebaut (Dokumentation)

Main-Cast:
Michael Shannon (Richard Kuklinski)
Winona Ryder (Deborah Pellicotti)
Ray Liotta (Roy Demeo)
Chris Evans (Mr. Freezy)
in weiteren Rollen:
James Franco (Marty Freeman)
David Schwimmer (Josh Rosenthal)
Robert Davi (Leonard Merks)
Danny A. Abeckaser (Dino Lapron)

Genre:
Biografie | Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Iceman | © Splendid Film
© Splendid Film

Richard Kuklinski, Sohn polnischer Einwanderer, wächst in ärmlichen Verhältnissen im Arbeiterviertel von Jersey City auf, beginnt als Erwachsener in der Herstellung illegaler Pornofilme und heiratet bald seine Freundin Deborah, die glaubt, er würde Disney Filme schneiden. Als allerdings der Italoamerikaner Roy DeMeo beschließt, seinen Pornobetrieb einzustampfen, steht Richard vor dem Aus, doch der Gangster macht ihm ein weit lukrativeres Angebot, nachdem Kuklinski ohne zu zögern auf bloße Aufforderung DeMeos hin einen Obdachlosen auf offener Straße erschießt. Fortan arbeitet Kuklinski als Auftragskiller für DeMeo, gibt sich seiner Frau und Freunden gegenüber als erfolgreicher Geschäftsmann und baut sich gemeinsam mit Deborah sein Lebensglück auf, zu dem zuvorderst seine beiden Töchter gehören.

Doch eines Tages begeht Kuklinski einen Fehler, als er ein siebzehnjähriges Mädchen laufen lässt, da er keine Frauen und Kinder tötet, denn DeMeo, der mittlerweile dank seines Ziehsohnes Josh Rosenthal im Clinch mit der Gambino-Familie und anderen Fraktionen liegt, ist nicht gerade erbaut von diesem Versäumnis und suspendiert Kuklinski zunächst. Auf der Suche nach einer neuen Einnahmequelle tut Richard sich mit dem Killer Mr. Freezy zusammen, um zu vermeiden, dass DeMeo davon erfährt, dass er ihren Exklusivvertrag unterwandert. Gemeinsam mit Mr. Freezy tötet Kuklinski im Auftrage unterschiedlichster Parteien Dutzende von Menschen, doch auch die Gefahr, dass seine Fassade in sich zusammenbricht, wächst mit jedem weiteren dieser Aufträge…

Rezension:

Ariel Vromens The Iceman könnte eines dieser typischen Gangster-Dramen sein, wäre da nicht einerseits der Umstand, dass die Geschichte des Killers Richard Kuklinski auf wahren Begebenheiten fußt und inspiriert von Anthony Brunos Buch Der Iceman – Die Jagd auf Amerikas brutalsten Killer sowie der HBO-Dokumentation The Iceman Tapes: Conversations With a Killer von James Thebaut filmisch adaptiert worden ist, sowie andererseits die Tatsache, dass es den Machern gelungen ist, für die Rolle des erbarmungslosen Killers Michael Shannon zu verpflichten, der ungeachtet der sonstigen Qualitäten des Films diese spielend in den Schatten stellt, schlicht weil er mit seinem intensiven wie teils verstörendem Spiel alles andere überstrahlt. Dessen schiere Präsenz und die bedrohliche Ausstrahlung, das über Jahrzehnte intakte Doppelleben und der unterschwellige, aus der Tatsache resultierende Schrecken, dass es einem solchen Soziopathen gelungen ist, sein Umfeld und seine Familie so lange zu täuschen, machen aus dem Film ein höchst ungewöhnliches wie lohnenswertes Biopic, das sich vielen genretypischen Konventionen verweigert und – wenn auch mit dramaturgischen Freiheiten – eine erschreckende Geschichte erzählt.

Szenenbild aus The Iceman | © Splendid Film
© Splendid Film

Gleich in der ersten Szene des Films, kurz nachdem man ein Bild des gealterten Kuklinski zu sehen bekommen hat, wohnt man dem ersten Date von Richard und dessen späterer Ehefrau Deborah bei, bevor man Richard dabei beobachtet, wie er einen Mann wegen einer Lappalie kaltblütig ersticht. Plakativer könnte man die Weichen kaum stellen, doch immerhin ist diese Exposition der zwei Seiten des Mannes, der nach außen hin und gegenüber seiner Familie über Jahrzehnte hinweg die Fassade des liebenden und fürsorglichen Ehemannes aufrechterhalten hat, während er in ebenjener Zeit wohl weit über 100 Menschen ermordete, überaus stringent geraten und so beginnt schon nach wenigen Minuten eine anfänglich sprunghafte Reise durch die Zeit, die in kurzen Episoden und Szenen klärt, wie Kuklinski für Roy DeMeo zu arbeiten begonnen hat, wie Richards erste Tochter geboren worden ist und er sich allgemein ein Leben aufbaut, das an Gutbürgerlichkeit kaum zu überbieten ist, mit dem feinen Unterschied natürlich, dass er sich als erfolgreicher Geschäftsmann gibt, eigentlich aber so etwas wie der persönliche Vollstrecker von Roy DeMeo ist.

Wer sich hier allerdings großartige Shootouts oder dergleichen erwartet, wird The Iceman von vornherein nichts anfangen können, denn so etwas sucht man hier vergeblich, was allerdings ob der Thematik auch kaum verwunderlich, vor allem aber begrüßenswert ist, denn so schon läuft der Film viel zu oft Gefahr, ein Übermaß an Sympathie für den eiskalten Killer zu generieren, wandert diesbezüglich auf einem schmalen Grat und hält sich vermutlich auch deshalb mit der Beleuchtung der Kindheit von Richard Kuklinski zurück, um hier nicht den Eindruck zu erwecken, Erklärungen finden zu wollen für dessen soziopathisches Verhalten. In der Beziehung bleibt der Film aber leider ganz allgemein recht oberflächlich und so intensiv das Schauspiel von Michael Shannon auch sein mag, erhascht man kaum einen Blick hinter die Fassade des Killers. Umso ärgerlicher ist es, dass der zunächst recht akribisch inszenierte Werdegang des Richard Kuklinski, immer wieder auch von Zeit- und Ortsangaben begleitet, im weiteren Verlauf zugunsten einer homogeneren Erzählstruktur aufgegeben wird, denn schlussendlich kann man lediglich anhand der wechselnden Outfits und Frisuren schlussfolgern, in welchem Jahr man sich mittlerweile befindet.

Szenenbild aus The Iceman | © Splendid Film
© Splendid Film

Dramaturgisch gestaltet sich also The Iceman recht überraschungsarm und es ist davon auszugehen, dass ein anderer Regisseur und Drehbuchautor aus dem Stoff noch mehr hätte rausholen können als ohnehin schon, denn auch wenn die Psyche des Killers sicherlich besser ausgelotet hätte werden können und die Erzählung stringenter hätte sein können, schafft der Film doch eine von Anfang bis Ende beklemmende und intensive Atmosphäre, deren Düsternis kaum je von einem Lichtblick durchdrungen wird, so dass man sich ganz in dem Erleben von Kuklinski gefangen wähnt, der eiskalt berechnend und ohne mit der Wimper zu zucken seiner Wege geht. Michael Shannon, der spätestens seit Boardwalk Empire jedem ein Begriff sein dürfte, liefert hier auch eine wahrhaft beeindruckende Leistung ab und geleitet stoisch durch den Film, während Winona Ryder als Richards zunehmend desillusionierte Ehefrau lange nicht mehr so gut war wie hier und Chris Evans (Captain America) in einer kleinen, aber herrlich ungewohnten Rolle als Killerkollege Mr. Freezy begeistert. Ray Liotta gefällt in seiner Paraderolle als Gangster gewohnt gut und einzig James Franco hätte kaum der Erwähnung verdient, da seine Rolle sich auf ein kurzes Gastspiel beschränkt. Dennoch hat Ariel Vromen bei der Besetzung ein durchweg gutes Händchen bewiesen und kaschiert damit gekonnt manche Schwäche im Drehbuch, schlichtweg weil Shannons Schauspiel auf eine abstoßende Weise durchweg fasziniert.

Fazit & Wertung:

Der auf dem Leben und den Aufzeichnungen von Richard Kuklinski basierende The Iceman funktioniert sowohl als Biopic wie auch Gangster-Drama, schafft eindringliche und bedrückende Szenen und lässt Michael Shannon in einer Ausnahmerolle brillieren, für die allein sich die Sichtung schon lohnen würde. Bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt, ist der Film für Genre-Freunde auf alle Fälle eine Empfehlung wert, wenngleich er in dramaturgischer Hinsicht sicherlich noch etwas straffer und tiefgründiger hätte inszeniert werden können.

7,5 von 10 Auftragsmorden

The Iceman

  • Auftragsmorde - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Der auf dem Leben und den Aufzeichnungen von Richard Kuklinski basierende The Iceman funktioniert sowohl als Biopic wie auch Gangster-Drama, schafft eindringliche und bedrückende Szenen und lässt Michael Shannon in einer Ausnahmerolle brillieren, für die allein sich die Sichtung schon lohnen würde. Bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt, ist der Film für Genre-Freunde auf alle Fälle eine Empfehlung wert, wenngleich er in dramaturgischer Hinsicht sicherlich noch etwas straffer und tiefgründiger hätte inszeniert werden können.

7.5/10
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The Iceman ist am 30.08.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Splendid Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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