Review: Knives Out – Mord ist Familiensache (Film)

Eine Woche noch, bis Rian Johnsons neuer Film auch im Heimkino auf- und einschlagen wird. Grund genug und höchste Zeit, dass ich mir selbigen nun auch schon einmal angesehen habe, um in den höchsten Tönen darüber schwärmen zu können, was er hier in Personalunion als Regisseur und Drehbuchautor einmal mehr auf die Leinwand gezaubert hat.

Knives Out
Mord ist Familiensache

Knives Out, USA 2019, 131 Min.

Knives Out - Mord ist Familiensache | © LEONINE
© LEONINE

Regisseur:
Rian Johnson
Autor:
Rian Johnson

Main-Cast:

Daniel Craig (Benoit Blanc)
Chris Evans (Ransom Drysdale)
Ana de Armas (Marta Cabrera)
Jamie Lee Curtis (Linda Drysdale)
Michael Shannon (Walt Thrombey)
Don Johnson (Richard Drysdale)
Toni Collette (Joni Thrombey)
LaKeith Stanfield (Lieutenant Elliott)
Katherine Langford (Meg Thrombey)
Jaeden Martell (Jacob Thrombey)
Christopher Plummer (Harlan Thrombey)

Genre:
Komödie | Krimi | Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Knives Out - Mord ist Familiensache | © LEONINE
© LEONINE

Eine Woche ist vergangen, seit der weltberühmte Kriminalschriftsteller und Familienpatriarch am Abend seines 85. Geburtstags tot in seinem Zimmer aufgefunden worden ist. Und obwohl man zunächst auf Selbstmord tippt, hat die Polizei – vor allem aber der von einer unbekannten Partei beauftragte Privatdetektiv Benoit Blanc – noch einige Fragen an die Familienmitglieder des Thrombey-Clans. So finden sie sich alle auf dem herrschaftlichen Anwesen ein, um den Abend der Geburtstagsfeier Revue passieren zu lassen und auch wenn sich zunächst alles stimmig und glaubhaft anhören mag, hat doch insbesondere Blanc so seine Zweifel an den Versionen der Geschichten, die ihm hier aufgetischt werden. Während die einzelnen Thrombeys sich gegenseitig in Misskredit zu bringen versuchen ist es derweil die persönliche Betreuerin von Harlan, auf die Blanc alsbald sein Augenmerk richtet, da es ihr aufgrund einer seltenen Krankheit nicht möglich ist zu lügen, die ihr körperliches Unbehagen bis hin zu spontanem Erbrechen verursacht. Derweil rückt die Testamentseröffnung näher und noch immer ist der Ermittler keinen Schritt weiter, auch wenn es unzweifelhaft Personen im Haus der Thrombey gibt, die mehr oder minder darüber im Bilde sind, was dem Familienoberhaupt in jener Nacht zugestoßen ist…

Rezension:

Im Grunde habe ich mich ein wenig selbst gegeißelt, mir Rian Johnsons Knives Out – Mord ist Familiensache nicht einfach seinerzeit schon im Kino angesehen zu haben, doch dessen ungeachtet hat sich das Warten auf alle Fälle gelohnt, auch wenn ich das für mich persönlich schon geahnt habe, denn bislang wusste mich noch keines seiner Werke zu enttäuschen, zumal er hier ein Stück weit zu seinen Wurzeln zurückkehrt, ohne sich jedoch selbst zu widerholen oder Gefahr zu laufen, nur eine Variation dessen zu liefern, womit er sich mir bereits vor geraumer Zeit ins Herz gespielt hat. Mag sein zuvor jüngster Streich, der 2017 entstandene Die letzten Jedi als Beitrag zur Star Wars-Trilogie, noch die Gemüter gespalten haben, dürfte das in diesem Fall gänzlich anders aussehen, wenn man sich denn als Fan klassischer Murder-Mystery-Geschichten betrachtet, insbesondere weil er diese zwar ausgiebig referenziert und ihnen huldigt, aber bereits im ersten Drittel davon abrückt, auch wirklich eine dergestalt klassische Geschichte zu erzählen, ohne dass ich jetzt vorwegnehmen möchte, mit welchem Kniff genau er die Zuschauer zu überraschen gedenkt.

Szenenbild aus Knives Out - Mord ist Familiensache | © LEONINE
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Fakt ist aber, das Johnson dem Zuschauer einen gewissen Wissensvorsprung gewährt, denn während die Mitglieder der Familie Thrombey nacheinander zur Befragung gebeten werden, erfährt man über Rückblenden bereits früh, wie es sich wirklich zugetragen hat am Abend des Verscheidens von Familienoberhaupt Harlan Thrombey, der im Übrigen verkörpert wird von einem bestens aufgelegten Christopher Plummer (Alles Geld der Welt). Nicht nur aber macht dieser Wissensvorsprung das ganze Konzept eines Whodunit zunichte, er lenkt Knives Out alsbald auch in ungewöhnliche Bahnen, was die Ermittlungsarbeit von Benoit Blanc und dessen Erkenntnisse betrifft, wobei Daniel Craig (Logan Lucky) selbigen mit reichlich Verve und spitzbübischem Charme zu geben weiß und es folglich kaum verwundert, dass längst ein Nachfolger zum Film im Gespräch ist, denn auch wenn dieser Benoit wie eine merkwürdige Verquickung aus Hercule Poirot und Sherlock Holmes wirken mag, gelingt Johnson mit ihm eine unzweifelhaft charismatische Figurenschöpfung. Überhaupt trieft der ganze Film nur so vor Referenzen und Anleihen an Agatha Christie oder eben auch Sir Arthur Conan Doyle, während das opulente Anwesen der Thrombeys selbst schon dahingehend referenziert wird, als habe Harlan zeitlebens in einem "Cluedo-Haus" residiert. Obwohl man aber schnell über die eigentlichen Umstände des Ablebens von Harlan ins Bild gesetzt wird, verliert der Film dadurch kein bisschen an Fahrt und Spannung, zumal keine Zweifel darüber bestehen dürften, dass einen hier noch einiges mehr an Twists und Überraschungen erwarten dürften.

Unter anderem bedient sich Johnson hierfür reichlich an seinem durch und durch namhaften Cast, der die einzelnen Mitglieder der Familie Thrombey verkörpern darf und den man samt und sonders namentlich würdigen könnte, auch wenn ihre jeweilige Leinwandzeit sich teils auf wenige Minuten beschränkt. So hat sich einiges getan seit Johnsons Spielfilm-Debüt Brick von 2005 und man merkt deutlich, dass er willens und geneigt ist, das ihm diesmal zur Verfügung stehende Budget auch auszunutzen, was sich nicht nur in der Besetzung des Ganzen niederschlägt sondern speziell auch der fulminanten Ausstattung, deren Herzstück besagtes Anwesen ist, auf dem sich weite Teile der Handlung des Films zutragen, während die Suche nach der Wahrheit immer neue, immer absurdere Haken schlägt. Untermauert und überlagert wird das Ganze derweil von einem zwar unterschwelligen, aber stets vorhandenen Humor, der mit dazu beiträgt, die Geschichte trotz allem familientauglich zu halten, während sämtliche Akteure mehr oder minder exaltiert zu Werke gehen und mit so manchem One-Liner wie auch Running Gag zu punkten wissen. Dadurch rückt Knives Out aber auch zunehmend weg vom Mörderratespiel hin zum satirischen Mystery-Thriller, der hinsichtlich seiner vermeintlichen Ambition, ein "Einfacher" Krimi sein zu wollen, letztlich nur Trittbrettfahrerei betreibt mit seinen Unmengen an Referenzen und Klischees, die hier bedient, verdreht oder ad absurdum geführt werden.

Szenenbild aus Knives Out - Mord ist Familiensache | © LEONINE
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So abträglich es also manchmal auch sein mag, wenn sich ein und dieselbe Person den Regieposten und die Funktion als Drehbuchautor teilt, hat Rian Johnson hier mittlerweile auch einiges an Expertise und so geht diese Kombination erneut mehr als trefflich auf, wenn man nicht einmal genau benennen kann, ob der von Daniel Craig, Ana de Armas (The Informer) und Chris Evans (Begabt) angeführte Cast, die fulminante wie opulente Ausstattung des Thrombey-Anwesens oder das im besten Sinne vertrackte Skript die eigentliche Hauptattraktion des Films darstellt, der gerade durch seine ungewöhnliche Herangehensweise ein zuweilen als angestaubt geltendes Genre mit reichlich Hingabe und einem ordentlichen Schuss Exzentrik quasi im Alleingang neu belebt und damit auch gegenüber einem Mord im Orient-Express beispielsweise merklich die Nase vorn hat, der sich im direkten Vergleich damit begnügt, das Althergebrachte und Klassische zu betonen, derweil hier eine ganze Filmgattung modernisiert und ins Hier und Jetzt gehievt wird, ohne dabei an Spannung oder Cleverness einzubüßen. Und dank der vielen Details und Foreshadowing-Momente lohnt sich gar eine mehrfache Sichtung, denn vieles wird einem hier nicht unbedingt beim ersten Mal gewahr werden, während eine jede Szene und Einstellung dazu geneigt ist, den Fortgang der Handlung vorwegzunehmen oder zumindest Unerwartetes und Neues beizusteuern, während man sich gemeinsam mit dem akribischen Ermittler Blanc durch ein regelrechtes Schlangennest aus Lügen, Intrigen und Opportunismus zu kämpfen anschickt.

Fazit & Wertung:

Rian Johnson gelingt mit Knives Out – Mord ist Familiensache weniger ein überzeugendes Whodunit als vielmehr eine spektakuläre Hommage an die Murder-Mystery-Storys vergangener Tage, die allerdings weit darüber hinausgeht, lediglich Werke von unter anderem Agatha Christie zu referenzieren, sondern stattdessen einen ganz neuen Ansatz für diese Art Geschichten findet, während er wie nebenbei mit Benoit Blanc einen jetzt schon kultverdächtigen Ermittler geschaffen hat.

9 von 10 akribischen Befragungen durch Benoit Blanc

Knives Out – Mord ist Familiensache

  • Akribische Befragungen durch Benoit Blanc - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Rian Johnson gelingt mit Knives Out – Mord ist Familiensache weniger ein überzeugendes Whodunit als vielmehr eine spektakuläre Hommage an die Murder-Mystery-Storys vergangener Tage, die allerdings weit darüber hinausgeht, lediglich Werke von unter anderem Agatha Christie zu referenzieren, sondern stattdessen einen ganz neuen Ansatz für diese Art Geschichten findet, während er wie nebenbei mit Benoit Blanc einen jetzt schon kultverdächtigen Ermittler geschaffen hat.

9.0/10
Leser-Wertung 8.5/10 (2 Stimmen)
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Knives Out – Mord ist Familiensache erscheint am 08.05.2020 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei LEONINE. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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Eine Reaktion

  1. mwj 3. Mai 2020

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