Review: In Secret – Geheime Leidenschaft (Film)

Diesmal komme ich mit einem Film daher, den ich mir zugegebenermaßen hauptsächlich wegen der Darstellerinnen und Darsteller zugelegt habe und bei dem ich schon befürchtete, dass er mir nicht allzu sehr gefallen würde, doch auch hier sollte mich mein Gespür trügen, denn ich war doch überraschend angetan von dieser im besten Sinne deprimierenden Verfilmung eines mir bis dato völlig unbekannten Buches. Apropos Darsteller sei an dieser Stelle auch noch einmal auf mein unten verlinktes Portrait zu Elizabeth Olsen verwiesen, wo ich übrigens jüngst die Zeichnung ausgetauscht habe, weil ich mit dem ersten Bild so überhaupt nicht zufrieden war, aber das nur am Rande. Und jetzt, viel Spaß mit meiner Review zu:

In Secret
Geheime Leidenschaft

In Secret, USA 2013, 107 Min.

In Secret - Geheime Leidenschaft | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Charlie Stratton
Autoren:
Charlie Stratton (Drehbuch)
Neal Bell (Theater-Stück)
Émile Zola (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Elizabeth Olsen (Thérèse Raquin)
Oscar Isaac (Laurent)
Tom Felton (Camille)
Jessica Lange (Madame Raquin)

Genre:
Drama | Historie | Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus In Secret - Geheime Leidenschaft | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nach dem Tod ihrer Eltern wird die junge Thérèse zu ihrer Tante Madame Raquin und deren Sohn, dem kränklichen Camille in die französische Provinz gebracht. Die Jahre ziehen ins Land, Thérèse wächst heran, sehnt sich nach Liebe, Leidenschaft und der Flucht in die große Stadt, die weite Welt, doch stattdessen eröffnet ihr ihre Tante eines Tages, dass sie sie mit Camille zu verheiraten plane. Die Verbindung zwischen Cousin und Cousine bleibt leidenschaftslos und überwiegend platonisch, doch gemeinsam mit Madame Raquin zieht man immerhin nach Paris, wo Thérèse eines Tages auch Laurent kennenlernt, eigentlich ein Freund Camilles, mit dem sie nichtsdestotrotz alsbald eine leidenschaftliche Affäre beginnt.

Während Thérèse und Laurent jeden noch so kurzen Moment für gemeinsame Stelldicheins zu nutzen wissen, wird ihnen aber auch mit jedem Tag klarer, dass dies nicht die Zukunft sein kann und zunächst zaghaft kommt die Frage auf, was wohl passieren würde, wenn Camille verschwände, Opfer eines tragischen Unfalls würde oder dergleichen. Und langsam aber sicher reift ein Plan heran, dessen Konsequenzen die jungen Liebenden noch lange verfolgen werden…

Rezension:

Ich hatte mir von In Secret – Geheime Leidenschaft allein schon des wie immer selten dämlichen deutschen Untertitels wegen nicht viel erwartet, doch reizte mich zugegebenermaßen die Besetzung von Elizabeth Olsen und Oscar Isaac bis hin zu der mir hauptsächlich in ihren eindringlichen Rollen aus American Horror Story in Erinnerung gebliebenen Jessica Lange und umso überraschter war ich, als sich die Literaturverfilmung des Romans Thérèse Raquin von Émile Zola als wenn auch sperriges, doch dafür umso intensiveres Drama entpuppte, das gegen Ende hin beinahe Shakespeare’sche Ausmaße an Tragik vorzuweisen hatte. Davon ahnt man selbstredend zu Beginn des Films noch nicht viel und speziell die Zeit auf dem Land zieht sich tatsächlich gehörig hin, so dass ich mich schon bei der Sichtung eines Rohrkrepierers wähnte, doch spätestens mit dem Umzug nach Paris und dem in Erscheinung treten von Oscar Isaacs Figur nimmt die Geschichte durchaus an Fahrt auf, während zunächst eine beinahe übertrieben leidenschaftliche Affäre skizziert wird.

Szenenbild aus In Secret - Geheime Leidenschaft | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Hier findet Regisseur und Drehbuch-Schreiber Charlie Stratton allerdings genau das richtige Maß, um einerseits die Umstände, die Hingabe, die Faszination deutlich zu machen, andererseits nicht in purem Kitsch und allzu selbstzweckhaften Liebesszenen zu versacken, die in einer seltsamen Mischung aus frivol und keusch daherkommen, doch ist dies gar nicht mal so sehr die Triebfeder des Films, auch wenn besagter deutscher (Unter)Titel dies weismachen möchte, denn erst die zunehmend tragischer werdenden Wendungen und ein nicht ganz zufälliger Todesfall bringen die eigentliche Geschichte in Gang und hier wären wir dann auch schon an dem Punkt, an dem sich bezüglich In Secret die Geister scheiden werden, denn von etwa der Hälfte des Films ab nimmt die suggerierte Tristesse ungeahnte Ausmaße an und steuert beinahe ungebremst Richtung Verderben, was den geneigten Zuschauer schon gehörig zu deprimieren imstande ist, wobei ich das dem Film durchaus hoch anrechne, denn auch wenn die vermittelten Gefühlswelten beinahe durchweg negativ behaftet sein mögen, stehen die deprimierende Atmosphäre und die sich auf den Zuschauer übertragende Hoffnungslosigkeit außerfrage.

Szenenbild aus In Secret - Geheime Leidenschaft | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

So musste ich doch auch staunen, wie souverän Elizabeth Olsen den Film zu tragen versteht, denn auch wenn sie bereits in Martha Marcy May Marlene seinerzeit ihr Talent mehr als unter Beweis gestellt hat, war sie doch in letzter Zeit häufiger in nicht unbedingt fordernden Rollen zu sehen, doch hier leidet man unbestreitbar mit ihr. Das wiederum liegt auch an Oscar Isaac (Star Wars: Episode VII), der seinem Ruf als markant-charismatischer Mime auch hier gerecht wird und einen zunächst extrem charmanten wie undurchschaubaren Laurent gibt, im weiteren Verlauf des Films aber zu einer regelrechten Hundertachtziggradwende imstande ist. Nicht unerwähnt bleiben soll in dem Zusammenhang Tom Felton, der Thérèses Ehemann Camille gibt und eine glaubhafte Darbietung eines kränklichen, unsicheren, kleinbürgerlichen Muttersöhnchens zum Besten gibt, was dann gerade im direkten Kontrast die Faszination für Laurent unterstreicht.

Die Geschichte an sich ist klassisch, eine tragische Liebe, die den Liebenden zum Verhängnis wird, der Cast ist auf das Nötigste beschränkt, doch dafür ausnehmend gut gewählt, so dass es teilweise ein Segen gewesen sein mag, dass die ursprüngliche Besetzung, speziell für Thérèse – zunächst Kate Winslet, später Jessica Biel – letztendlich doch nicht zur Verfügung gestanden hat, denn In Secret funktioniert so, wie er sich nun präsentiert, sicherlich am besten, wobei er wie gesagt seiner Art und Ausrichtung nach nicht unbedingt viele Freunde finden wird, denn dafür ist das Geschehen schlichtweg zu getragen inszeniert, die Perspektive zu niederschmetternd und deprimierend, doch dennoch werde ich diesen ungewöhnlichen Film in bester Erinnerung behalten, einfach weil es ihm gelungen ist, diese zunehmend pessimistischer werdende Ausgangslage und die schiere Tragik des Geschehens in großen Teilen auf mich zu übertragen, was von einer intensiven Inszenierung kündet, die nicht viele Filme in dieser Form vorzuweisen wissen.

Fazit & Wertung:

Charlie Strattons Literatur-Verfilmung In Secret – Geheime Leidenschaft nimmt sich gehörig Zeit, um die Geschichte in Gang zu bringen und ist auch hiernach nicht unbedingt von Tempo, geschweige denn Kurzweil geprägt, sondern ergeht sich mehr und mehr darin, die zunehmend erdrückendere Tristesse in Wort und Bild zu fassen, doch gelingt ihm das in einer derartigen Intensität, dass man es insbesondere den durchweg überzeugenden Darstellerinnen und Darstellern nicht hoch genug anrechnen kann. Ein im besten Sinne unbequemer Film.

7,5 von 10 tragischen Entscheidungen

In Secret – Geheime Leidenschaft

  • Tragische Entscheidungen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Charlie Strattons Literatur-Verfilmung In Secret – Geheime Leidenschaft nimmt sich gehörig Zeit, um die Geschichte in Gang zu bringen und ist auch hiernach nicht unbedingt von Tempo, geschweige denn Kurzweil geprägt, sondern ergeht sich mehr und mehr darin, die zunehmend erdrückendere Tristesse in Wort und Bild zu fassen, doch gelingt ihm das in einer derartigen Intensität, dass man es insbesondere den durchweg überzeugenden Darstellerinnen und Darstellern nicht hoch genug anrechnen kann. Ein im besten Sinne unbequemer Film.

7.5/10
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In Secret – Geheime Leidenschaft ist am 04.12.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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