Review: Suburbicon (Film)

Tja, diesmal ein leider wirklich sehr enttäuschender Film als Thema der heutigen Kritik, denn ich hatte wirklich gedacht, dass mich diese Clooney-Regiearbeit würde begeistern können, doch die vielen negativen Stimmen scheinen leider Recht gehabt zu haben.

Suburbicon

Suburbicon, UK/USA 2017, 105 Min.

Suburbicon | © Concorde
© Concorde

Regisseur:
George Clooney
Autoren:
Joel Coen
Ethan Coen
George Clooney
Grant Heslov

Main-Cast:
Matt Damon (Gardner)
Julianne Moore (Rose / Margaret)
Noah Jupe (Nicky)
Oscar Isaac (Bud Cooper)

Genre:
Krimi | Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Suburbicon | © Concorde
© Concorde

Suburbicon ist das Paradebeispiel des wohlgesitteten und sorgsam durchgeplanten amerikanischen Vorortes und wirbt nicht zuletzt mit seiner Diversität und Offenheit, die allerdings bald auf eine harte Probe gestellt werden wird, als mit den Meyers die erste schwarze Familie in den Vorzeige-Vorort zieht und prompt empörte Schnappatmung bei ihren direkten Nachbarn verursacht. Davon unbeeindruckt wohnt ganz in der Nähe die Familie Lodge, die nur wenige Nächte zuvor überfallen worden ist, wodurch Rose, die an den Rollstuhl gefesselte Ehefrau von Gardner Lodge ihr Leben ließ. Der müsste sich fortan allein durchs Leben schlagen, wenn da nicht Rose‘ Zwillingsschwester Margaret und natürlich sein Sohn Nicky wären. Nichtsdestotrotz fällt auf, dass Gardner sein Verlust gar nicht so hart zu treffen scheint, derweil unweit des Hauses der Lodges die Nachbarn bereits ihre Fackeln entzünden und Mistgabeln wetzen, um den Meyers zu zeigen, was sie von ihnen halten…

Rezension:

Theoretisch verspricht die Kombination von George Clooney auf dem Regiestuhl und Joel und Ethan Coen am Schreibpult des Drehbuches eine formidable und lohnenswerte Mischung, doch gerne wird in dem Zusammenhang verschwiegen, dass es sich eben bei der Story von Suburbicon um ein Skript der Coens gehandelt hat, dass bereits seit Mitte der 80er Jahre in der Schublade vor sich hinvegetiert, derweil Clooney selbiges zusammen mit Grant Heslov noch einmal gehörig überarbeitet hat. Dies mag in bester Absicht geschehen sein, doch die beiden großen Handlungsstränge um die Familie Lodge und die Familie Meyer wissen sich kaum je zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden und laufen die meiste Zeit trotz direkter Nachbarschaft völlig unbeeindruckt voneinander nebeneinander her. Das ist insofern besonders schade, dass der oft beißende Sarkasmus zumindest durchschimmern lässt, was hier vielleicht möglich gewesen wäre, wenn man sich auf den einen oder anderen Part der Geschichte konzentriert hätte, doch so wirken hier insbesondere die Meyers wie gesichtslose Platzhalter, weshalb das Thema Rassismus in der amerikanischen Mittelschicht hier eher wie eine Dreingabe wirkt, als wirklich zum Nachdenken anzuregen.

Szenenbild aus Suburbicon | © Concorde
© Concorde

Hinzu kommt, dass wirklich vieles von dem, was sich in Suburbicon – dem Film wie gleichsam dem Ort – zuträgt, wirklich absehbar scheint und selten zu überraschen versteht, was Hand in Hand geht mit der leider nicht erfüllten Annahme, es würde hier deutlich pointierter und schwarzhumoriger zugehen. Freilich, der Film hat seine Momente und insbesondere Matt Damon (Der Marsianer) als Spießbürger par excellence weiß zu gefallen, während auch Julianne Moore (Kingsman: The Golden Circle) dem in nichts nachsteht und sichtlich Freude an ihrer einerseits stereotypen, andererseits überzeichneten Figur hat und zumindest für einige wenige Minuten in ihrer Doppelrolle als Zwillinge Rose und Margaret zu gefallen weiß, doch macht eben eine stimmige Besetzung oft genug noch keinen guten Film, zumal hier ja vielmehr der von Noah Jupe verkörperte Sohn der Familie Lodge im Vordergrund steht, aus dessen Sicht viele Teile des Films erzählt werden. So verkommen sowohl Damons als auch Moores Figur gerne mal zu Randerscheinungen, zumal der Umstand, dass die beiden gar nicht im Mittelpunkt der Erzählung stehen, dazu führt, dass ihre Figuren wirklich nur unzureichend charakterisiert werden.

Schlimmer aber wie gesagt trifft es die Familie Meyers, denen man erst gar keine charakterisierenden Alleinstellungsmerkmale angedeihen lässt, womit sich auch die emotionale Betroffenheit bereits im Vorfeld erledigt, derweil sich immerhin Oscar Isaac (Auslöschung) als Versicherungsvertreter Bud Cooper als echter Szenendieb entpuppt und seine – leider viel zu wenig Leinwandzeit einnehmenden – Auftritte zu den unangefochtenen Highlights des Films werden lässt. Ansonsten erkennt man vielerorts, wohin Suburbicon sich gerne bewegt hätte, nur gelingen mag ihm das nie so ganz und da helfen dann auch keine zwar spärlich gesäten aber zweifellos vorhandenen Gewaltspitzen mehr, um zumindest noch mit der Holzhammermethode den satirischen Unterton zu transportieren, der sich im Fahrtwind einer doch reichlich vorhersehbaren, einmal zu oft vor sich hin dümpelnden Story ohnehin längst verflüchtigt hat.

Szenenbild aus Suburbicon | © Concorde
© Concorde

Dabei beginnt Suburbicon mit seinem Werbevideo für den gleichnamigen Ort wirklich extrem vielversprechend und augenzwinkernd, während auch die 50er-Jahre-Nostalgie-Atmosphäre durchweg zu gefallen weiß, doch darüber hinaus vermag Clooney wenig mit dem anzufangen, was die Coen-Brüder da zu Papier gebracht haben, zumal er wie gesagt mit seinen Änderungen und Ergänzungen – speziell den Meyers – die Geschichte mehr verwässert, denn auf den Punkt bringt. So dachte ich im Vorfeld wirklich, ich würde wieder zu der Minderheit zählen, die diesem Film durchaus etwas abgewinnen kann, so dass es mir zufiele, eine flammende Rede auf die Qualitäten des Films zu halten, doch muss ich mich diesmal leider der Mehrheit anschließen und attestieren, dass dies wohl hochoffiziell mein erster wirklich schlechter Coen-Film gewesen ist, derweil ich auch von Clooney – der mich ja immerhin bereits mit The Ides of March zu überzeugen gewusst hat – durchaus mehr erwartet hätte.

Fazit & Wertung:

Gleichwohl Suburbcion durch die Kombination aus George Clooney auf dem Regiestuhl und den Coen-Brüdern als Drehbuchverfasser zu locken versteht, löst der Film die indirekt damit verbundenen Versprechen leider nicht ein und ist – wenn auch atmosphärisch sehr gelungen – leider deutlich weniger pointiert und schwarzhumorig geraten, als man sich das erhoffen würde, derweil selbst der eigentliche Plot sowohl unter seiner Vorhersehbarkeit als auch Oberflächlichkeit leidet.

5 von 10 Tragödien in einer kleinen Stadt

Suburbcion

  • Tragödien in einer kleinen Stadt - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Gleichwohl Suburbcion durch die Kombination aus George Clooney auf dem Regiestuhl und den Coen-Brüdern als Drehbuchverfasser zu locken versteht, löst der Film die indirekt damit verbundenen Versprechen leider nicht ein und ist – wenn auch atmosphärisch sehr gelungen – leider deutlich weniger pointiert und schwarzhumorig geraten, als man sich das erhoffen würde, derweil selbst der eigentliche Plot sowohl unter seiner Vorhersehbarkeit als auch Oberflächlichkeit leidet.

5.0/10
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Suburbicon ist am 22.03.18 auf DVD und Blu-ray bei Concorde erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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