Review: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise – Extended Edition (Film)

Nachdem es pünktlich zum nahenden Weihnachtsfest heute mit der Star Wars-Manie weitergeht, habe ich mir gedacht, es würde allerhöchste Zeit, mich den Filmen zu widmen, die in den Jahren vor der Wiederbelebung des Franchise die (Vor)Weihnachtszeit beherrscht haben. Also, auf auf nach Mittelerde!

Der Hobbit
Eine unerwartete Reise
Extended Edition

The Hobbit: An Unexpected Journey, USA/NZ 2012, 182 Min.

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Peter Jackson
Autoren:
Fran Walsh (Drehbuch)
Philippa Boyens (Drehbuch)
Peter Jackson (Drehbuch)
Guillermo del Toro (Drehbuch)
J.R.R. Tolkien (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Ian McKellen (Gandalf)
Martin Freeman (Bilbo)
Richard Armitage (Thorin)
James Nesbitt (Bofur)
Ken Stott (Balin)
Special Guests:
Cate Blanchett (Galadriel)
Ian Holm (Old Bilbo)
Christopher Lee (Saruman)
Hugo Weaving (Elrond)
Elijah Wood (Frodo)
Andy Serkis (Gollum)

in weiteren Rollen:

Graham McTavish (Dwalin)
William Kircher (Bifur / Tom Troll)
Stephen Hunter (Bombur)
Dean O’Gorman (Fili)
Aidan Turner (Kili)
John Callen (Oin)
Peter Hambleton (Gloin / William Troll)
Jed Brophy (Nori)
Mark Hadlow (Dori / Bert Troll)
Adam Brown (Ori)
Sylvester McCoy (Radagast)
Barry Humphries (Great Goblin)
Jeffrey Thomas (Thror)
Michael Mizrahi (Thrain)
Lee Pace (Thranduil)
Manu Bennett (Azog)
Benedict Cumberbatch (Necromancer)

Genre:
Fantasy | Abenteuer

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Der Hobbit: Eine unerwartete Reise | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Sechzig Jahre vor Bilbos einundelfzigsten Geburtstag, an dem er sich entschließt, Beutelsend den Rücken zu kehren und in Bruchtal sesshaft zu werden, sucht der Zauberer Gandalf ihn im Auenland auf und macht ihn unfreiwillig zum Teil einer aus dreizehn Zwergen bestehenden Gemeinschaft, die es sich unter Führung von Thorin Eichenschild zum Ziel gesetzt hat, den Erebor, die von Gold und Schätzen nur so trotzende Heimstatt der Zwerge zurückzuerobern, nachdem vor vielen Jahren der Drache Smaug die Herrschaft über die Festung im Einsamen Berg an sich gerissen hat. Bilbo fungiert dabei als "Meisterdieb", auch wenn sich der Hobbit nicht erklären kann wieso, doch das Abenteuer liegt und trotz anfänglichem Widerwillen begleitet er die Gruppe und bricht zu einer beispiellosen Reise quer durch Mittelerde auf, während der er auch das erste Mal nach Bruchtal gelangen und die Bekanntschaft mit dem Elben Elrond machen wird, wobei es die Begegnung mit einer Kreatur namens Gollum sein wird, die die Geschehnisse des Dritten Zeitalters von Mittelerde nachhaltig beeinflussen werden. Derweil wird Radagast – ebenfalls einer der fünf Zauberer – gewahr, dass sich eine böse Macht in Dol Guldur zu erheben droht, der es Einhalt zu gebieten gilt, woraufhin der Weiße Rat zusammentritt…

Rezension:

Seit ich mit etwa dreizehn Jahren das erste Mal Der Herr der Ringe gelesen habe, bin ich ein großer Fan des Lebenswerkes von J.R.R. Tolkien und habe mir in weiterer Folge natürlich ebenso Der Hobbit, Das Silmarillion und die Nachrichten aus Mittelerde zugelegt und schwebte im siebten Himmel, als seinerzeit Peter Jackson die ursprüngliche Buch-Trilogie auf die Leinwand brachte. Tatsächlich ist Der Hobbit sogar eines von wenigen Büchern, die ich deutlich mehr als einmal gelesen habe, wobei die letzte Lektüre nun auch schon wieder einige Jahre zurückliegt (muss ja, sonst hätte ich schließlich hier darüber berichtet), doch hinsichtlich der Verfilmung war ich sehr lange sehr skeptisch, auch, wenn man einmal die anfänglichen Querelen und den Regisseurs-Wechsel bedenkt und schlussendlich die Ausweitung der Chose auf insgesamt drei Filme, denn dass das der ursprüngliche Stoff nun nicht einmal annähernd hergibt, sollte wohl unbestritten sein. Damit erklärt sich auch, weshalb ich so lange gebraucht habe, mich Peter Jacksons nächster Trilogie zu widmen, denn während zumindest Der Hobbit: Eine unerwartete Reise vor Jahren schon einmal bei mir im Player gelandet ist (und ich es versäumt habe, darüber zu schreiben, bis es zu spät war, sprich, die Erinnerung verblasst), habe ich mir jüngst erst die beiden sich anschließenden Teile angesehen, dafür dann aber auch – wie hier – direkt im Extended Cut, den ich schon bei Der Herr der Ringe weitaus mehr geschätzt habe als die jeweiligen Kinofassungen.

Szenenbild aus Der Hobbit: Eine unerwartete Reise | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Und Der Hobbit: Eine unerwartete Reise startet durchaus vielversprechend und beginnt ähnlich wie vorangegangene, chronologisch aber selbstredend nachgelagerte Trilogie mit einer ausgedehnten und wuchtig inszenierten Rückblende, bevor man vom wüsten Schlachtengetümmel ins heimelige Auenland wechselt. Hier gefiel mir sehr der erzählerische Rahmen, den Jackson um seine Hobbit-Trilogie legt, was kurze Gastauftritte von Ian Holm als gealterter Bilbo und Elijah Wood als Frodo mit sich bringt, bevor die Geschichte unvermittelt sechzig Jahre in die Vergangenheit springt und man dem weniger knurrigen, jüngeren, nun von Martin Freeman (Sherlock) verkörperten Bilbo begegnet, der alsbald die Bekanntschaft mit einer ganzen Schar Zwerge machen wird, wie der findige Buch-Kenner natürlich längst weiß. Dieses erste Aufeinandertreffen hielt ich auch für außerordentlich gelungen, ebenfalls mit Blick auf die Vorlage, in diesem Fall aber auch beinahe zwingend nötig, um die vielen Zwerge zumindest einmal grob vorzustellen, denn zugegebenermaßen bleibt ein Großteil von ihnen den gesamten Film über ein relativ gesichtsloser Haufen, abgesehen selbstredend von Thorin Eichenschild, dem Anführer der Gemeinschaft, der es sich in den Kopf gesetzt hat, den Erebor zurückzuerobern. Nichtsdestotrotz hebt sich Richard Armitage als Thorin vorwiegend dadurch ab, dass er eine weitaus imposantere Erscheinung abgibt als seine Artgenossen und weitaus häufiger das Wort führt, doch charakterlich bleibt auch diese Hauptfigur zunächst einmal mehr als blass.

Einzig der mir aus diversen Rollen und vorrangig als Jekyll bekannte James Nesbitt ragt zuweilen wohltuend aus dem Einheitsbrei der Zwerge heraus und weiß in manchen Szenen für sich einzunehmen, wobei ich gar nicht von der Hand weisen möchte, dass dies möglicherweise daran liegt, dass mir seine Visage eben schon seit Längerem bekannt ist. Derweil aber punktet der Film mit gehörig Mittelerde-Flair, das man viel zu lange hat missen müssen und gemessen an der Gesamtlaufzeit der Trilogie – Werke wie Der Hobbit sollte man am besten von vornherein als großes Ganzes betrachten, wie auch später noch recht deutlich werden wird – fand ich die ausufernde Einführung und den gemächlichen Einstieg auch überhaupt nicht schlimm und spätestens, wenn es nach Bruchtal geht, wo die Extended Edition den ohnehin schon vorhandenen Fan-Service in Form erweiterter Szenen mit dem Rat und folglih Elrond, Galadriel und Saruman noch weiter ausbaut, ist man vom Zauber Mittelerdes wieder gänzlich eingelullt, zumal Imladris noch nie so gut ausgesehen hat wie hier.

Szenenbild aus Der Hobbit: Eine unerwartete Reise | © Warner Home Video
© Warner Home Video

In Elronds Heimstatt allerdings zeigt sich auch, dass die Extended Edition diesmal ein doch sehr zweischneidiges Schwert ist, denn während die Handlungserweiterungen um den Rat sehr gelungen sind, sind die zusätzlichen Szenen und insbesondere die Gesangseinlage der Zwerge ziemlich überflüssig, was nur noch getoppt wird von der später folgenden Gesangseinlage des Goblinkönigs, denn die zerstört letztlich gehörig Flair. Und wer jetzt argumentieren möchte, dass es sich nun einmal um ein Kinderbuch handelt und der (kindische) Humor deshalb passend ist, dem kann ich zwar grundsätzlich zustimmen, doch versucht sich Jackson gerade beim ersten Teil Der Hobbit: Eine unerwartete Reise an einer Mischung aus epischer Fantasy und kindertauglichen Blödeleien, die bei mir so überhaupt nicht zu zünden wusste, weshalb der Humor in der lockeren ersten Hälfte des Treibens noch halbwegs funktioniert, im weiteren Verlauf – je düsterer und "erwachsener" die Geschichte wird – aber zunehmend zum Ärgernis wird.

Dessen ungeachtet macht Der Hobbit: Eine unerwartete Reise aber auch vieles richtig und Martin Freeman gerät als jüngerer Bilbo ungemein stimmig und überzeugend, wenn er auch ein wenig braucht, in die Rolle hineinzuwachsen. Spätestens aber in der Schlüsselszene des Films – der Begegnung zwischen Bilbo und Gollum – ist Freeman gemeinsam mit Serkis ganz auf der Höhe und überzeugt mit jedem Wort und jedem Blick, was man im Fall von Ian McKellen (X-Men) gar vom ersten Moment an behaupten kann, denn man hat das Gefühl, als habe er seine Robe als einer der fünf Istari nie ausgezogen gehabt. Apropos Istari gefiel mir auch Sylvester McCoy als leicht verschwurbelter Radagast sehr gut, den man nun – nicht ganz vorlagengetreu – ebenfalls in die Handlung gewoben hat, um in dem Plot um den Totenbeschwörer, der in Dol Guldur sein Unwesen zu treiben beginnt, als Bindeglied zu dienen, wobei es hier bei wirklich wenigen kurzen Szenen bleibt, die neugierig machen auf das, was aus dieser Ecke des Reiches noch kommen mag.

Szenenbild aus Der Hobbit: Eine unerwartete Reise | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Derweil muss zunächst ein fieser Ork namens Azog als Hauptantagonist herhalten, was nicht gerade viel ist und nicht nur in dramaturgischer Hinsicht eine der Schwächen des Films offenbart, denn ungeachtet dessen, dass Spartacus-Mime Manu Bennett hinter dem den Beinamen "Der Schänder" tragenden Bösewicht steckt, macht sich doch ausgerechnet bei dieser Figur der überzogene, nicht immer glaubhafte Einsatz von CGI bemerkbar und in Anbetracht des Budgets mag man sich schon fragen, warum es niemanden gestört zu haben scheint, dass die animierten Figuren oft wie in die Szenerie kopiert wirken. Ansonsten endet der Film mit einer obligatorischen Kampfsequenz, die zwar ein wenig wie hinten drangebastelt wirkt, aber schlussendlich sinnvoll die Weichen stellt, um dann in der Hobbit: Smaugs Einöde in Richtung Erebor zu marschieren, wobei es auf dem Weg natürlich noch einige Hindernisse zu überwinden gilt, doch dazu später mehr. Alles in allem weiß also der Auftakt durchaus das Flair von Der Herr der Ringe-Trilogie wiederzubeleben und die vielen (kleinen) Gastauftritte und die bekannten Ortschaften tun hierbei ihr Übriges, doch hätte sich Peter Jackson gerne etwas stringenter entscheiden können, ob er nun eine kindgerechte Adaption des Stoffes oder einen weiteren Epic-Fantasy-Reigen inszenieren möchte, denn so wirkt die Mischung zuweilen leider etwas unausgegoren, was man zu Teilen traurigerweise aber speziell der Extended Edition ankreiden darf.

Fazit & Wertung:

Peter Jacksons Der Hobbit: Eine unerwartete Reise versucht sich insbesondere in der Extended Edition an dem schwierigen Spagat, einerseits der kindgerechten Vorlage zu entsprechen und andererseits die Erwartungen der Der Herr der Ringe-(Film-)Fans nicht zu enttäuschen. Die Mischung geht dabei leider nicht immer auf, wenn auch immer wieder einzelne Sequenzen regelrecht zu begeistern wissen. Dessen ungeachtet aber, dass das Gesamtwerk ausgerechnet in der längeren Schnittfassung nicht immer konsistent und kohärent wirkt, holt Jackson das Mittelerde-Flair erfolgreich wieder auf die Leinwand.

7,5 von 10 tapferen Taten eines gutherzigen Hobbits

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise

  • Tapfere Taten eines gutherzigen Hobbits - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Peter Jacksons Der Hobbit: Eine unerwartete Reise versucht sich insbesondere in der Extended Edition an dem schwierigen Spagat, einerseits der kindgerechten Vorlage zu entsprechen und andererseits die Erwartungen der Der Herr der Ringe-(Film-)Fans nicht zu enttäuschen. Die Mischung geht dabei leider nicht immer auf, wenn auch immer wieder einzelne Sequenzen regelrecht zu begeistern wissen. Dessen ungeachtet aber, dass das Gesamtwerk ausgerechnet in der längeren Schnittfassung nicht immer konsistent und kohärent wirkt, holt Jackson das Mittelerde-Flair erfolgreich wieder auf die Leinwand.

7.5/10
Leser-Wertung 6.75/10 (4 Stimmen)
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Der Hobbit: Eine unerwartete Reise ist am 19.04.13 auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray bei Warner Home Video erschienen sowie am 15.11.13 in der Extended Edition. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:


Blu-ray:


  • Deine wie vielte Sichtung war das? Die erste? Oder nur der Extended Cut zum ersten Mal? Ich muss ja zugeben, dass ich anfangs auch so meine Probleme hatte, doch inzwischen habe ich den Film viermal gesehen und er ist mir richtig ans Herz gewachsen. Die Erweiterungen sind aber gerade in den zwei folgenden Filmen gelungener, das stimmt.

  • Ordentlicher Unterhaltungsfilm mit seinen Längen, aber auch starken Szenen. Finde auch, dass diese Unentschiedenheit zwischen Kinderbuchvorlage und Fantasyactionknaller dem Film letztlich die Schlagkraft nimmt. Qualitativ nicht im entferntesten mit dem durchweg stimmigen „Lord of the Rings“ vergleichbar.

  • Für mich klar der beste Film der „Hobbit“-Trilogie, weil er am stärksten an die „Herr der Ringe“-Atmosphäre erinnert und nicht zu actionbetont ist, sondern sich noch relativ viel Zeit beim Erzählen läßt. Finde ich einfach stimmiger als das ganze Schlachtengetöse, das war schon bei der HdR-Trilogie so (obwohl ich da alle drei Teile liebe). Ach, den singenden Goblinkönig (Dame Edna!) fand ich übrigens toll! :-)

  • Michael Brandtner

    Ich finde es erstaunlich, dass dich als Fan der Vorlage die Gesangseinlagen gestört haben, da hat das Buch ja deutlich mehr von. Ansonsten habe ich damals in meiner Kritik zur Kinofassung ziemlich ähnliche Gedanken gehabt wie du. Insgesamt bin ich der Meinung, das Buch hätte besser unter anderem Regisseur als einteiliger Kinderfilm umgesetzt werden sollen. Hätte aber natürlich weniger Geld eingebracht.

  • mwj

    Trotz der bekannten Längen ein recht gelungener Film, auch in der Extended Edition:

    http://www.kino.vieraugen.com/dvd/der-hobbit-eine-unerwartete-reise-extended-edition/

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