Review: Mortal Engines: Krieg der Städte (Film)

Es kann ja nicht immer nur weihnachtlich zugehen hier und deshalb gibt es heute – ja, passend zum Wochenende – mal eine richtig aktuelle Filmkritik zu einem leider im Kino bislang doch sehr gefloppten Werk, das ich hingegen durchaus gemocht habe. Dazu muss man aber auch sagen, dass ich die durchaus geniale Idee hatte, mir ausgerechnet diesen Film im Autokino anzusehen, was in der Kombination von fahrenden Städten, die man gemütlich aus dem eigenen Auto heraus betrachtet, schon ein ziemlich tolles Erlebnis war und auch das Flair begünstigt hat. Wenn ich also wieder einen Tacken wohlwollender bewerte, vielleicht hat es mitunter auch daran gelegen.

Mortal Engines: Krieg der Städte

Mortal Engines, NZ/USA 2018, 128 Min.

Mortal Engines: Krieg der Städte | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Christian Rivers
Autoren:
Fran Walsh (Drehbuch)
Philippa Boyens (Drehbuch)
Peter Jackson (Drehbuch)
Philip Reeve (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Hera Hilmar (Hester Shaw)
Robert Sheehan (Tom Natsworthy)
Hugo Weaving (Thaddeus Valentine)
Jihae (Anna Fang)
Leila George (Katherine Valentine)
Ronan Raftery (Bevis Pod)
Patrick Malahide (Magnus Crome)
Stephen Lang (Shrike)

Genre:
Steampunk | Endzeit | Action | Abenteuer

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Mortal Engines: Krieg der Städte | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Die Welt, wie wir sie kennen, existiert seit dem verheerenden Sechzig-Minuten-Krieg nicht mehr und im Laufe von mehr als tausend Jahren haben sich die kläglichen Reste der menschlichen Zivilisation zusammengerottet, um in nunmehr motorisierten Städten – sogenannten Traktionsstädten – zu überleben und sich einen erbitterten Kampf um die letzten Rohstoffe zu liefern. Hier, wie so oft, regiert das Recht des Stärkeren und so ist London, das vor rund sechs Monaten die Landbrücke nach Europa überquert hat, um neue Jagdgründe aufzutun, eine der gefürchtetsten Raubstädte der Welt. Hier lebt nicht nur der unbedeutende Historiker-Gehilfe Tom Natswhorthy, sondern auch der Oberste Historiker Thaddeus Valentine mit seiner Tochter Katherine. Sie alle werden alsbald in eine von Rachedurst getriebene Geschichte gezogen, als das marodierende London eine kleine Traktionsstadt verschlingt, an deren Bord sich auch Hester Shaw befindet. Die sinnt nämlich auf Rache an Valentine, nachdem der vor Jahren ihre Mutter ermordet hat, doch das beherzte Eingreifen von Tom verhindert Schlimmeres.

Doch während im Tumult der entbrennenden Auseinandersetzung sowohl Tom als auch Hester in einen der Schächte von Londons Maschinenviertel stürzen und sich unversehens in der Ödnis wiederfinden, beginnt Katherine zu argwöhnen, dass Thaddeus womöglich doch nicht der große Menschenfreund und Wohltäter ist, zumal der zurückhaltende Bevis Pod sie noch in dieser Annahme bestärkt. Während für Tom und Hester eine Odyssee durch die verheerten Landstriche Europas ihren Anfang nimmt, versuchen Katherine und Bevis dahinterzukommen, was Thaddeus in der St. Paul’s Cathedral vor der Londoner Bevölkerung verbirgt und welche Pläne er verfolgt…

Szenenbild aus Mortal Engines: Krieg der Städte | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Rezension:

Für meinen Geschmack wurde der jüngst gestartete Mortal Engines: Krieg der Städte einmal zu oft mit dem prestigeträchtigen Namen Peter Jackson beworben, denn auch wenn der sich 2009 die Rechte an dem Stoff gesichert haben mag und den Film mitproduziert hat, derweil man insbesondere hinter der Kamera auf viele bekannte Gesichter aus Jacksons filmischen Umfeld trifft, ist die immense Erwartungshaltung, die bei dem Gedanken an den Regisseur der Der Herr der Ringe-Trilogie sowie der Der Hobbit-Trilogie unweigerlich entsteht, nicht gerade geeignet, auf diesen Film einzustimmen, da man doch unweigerlich enttäuscht sein dürfte von dem, was der sonst als Special-Effects-Designer tätige Christian Rivers mit seinem Regie-Debüt abliefert. Dabei sind die Vorzeichen eigentlich gut und vielversprechend gewesen, denn während ich die Buchvorlage des ersten Teils der Tetralogie von Philip Reeve gelesen habe, hatte ich bei dem gleichnamig betitelten Auftaktband Mortal Engines – Krieg der Städte schon meine helle Freude, mir vorzustellen, wie das alsbald auf der Leinwand aussehen dürfte – und wurde letztlich nicht enttäuscht! Vor allem aber ist die literarische Vorlage zwar offiziell dem "Young Adult"-Genre zugeordnet, wirkt in seiner Schreibe aber doch deutlich erwachsener und ernsthafter, was man sich nun zum Glück auch für die Verfilmung bewahrt hat, so dass sich dieses Abenteuer eben nicht so einfach in die einschlägigen Jugendbuchverfilmungen einreihen lässt, wie ich zwischenzeitlich befürchtet habe.

Szenenbild aus Mortal Engines: Krieg der Städte | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Und ja, Mortal Engines will groß und episch sein und macht daraus keinen Hehl, doch an die urtümliche "Epicness" eines Der Herr der Ringe reicht das Geschehen eben schlichtweg nicht heran und hätte besser daran getan, es auch nicht ganz so offensiv zu versuchen, denn im Grunde ist die Geschichte – wenn auch optisch opulent, weitläufig, abwechslungsreich und zum Staunen einladend inszeniert – eigentlich klein und intim und widmet sich im Kern beinahe ausschließlich Tom und Hester, die, so unterschiedlich sie auch sein mögen, sich langsam zu vertrauen lernen. Nun mögen viele begrüßen, dass man die dem innewohnende Love-Story auf ein Minimum begrenzt hat und sich lieber den üppigen Schauwerten widmet, doch geht dadurch auch ein wenig Identifikationspotential verloren, denn obwohl ich beide Figuren und auch deren Darsteller zu schätzen gewusst habe, fühlte ich mich ihnen doch am Ende emotional längst nicht so verbunden, wie ich es erwartet hätte, nachdem ich dank des Buches schließlich schon wusste, was in etwa ihnen widerfahren wird. Über die Entscheidung, Hesters quer über das Gesicht verlaufende Narbe zu entschärfen, kann ich derweil wohlwollend hinwegsehen, auch wenn es diesbezüglich mal wieder einen Aufschrei im Internet gegeben hat, obwohl man beispielsweise bei Tyrion in Game of Thrones seinerzeit genauso verfahren ist. Dessen ungeachtet aber macht die mir bislang nur aus Da Vinci’s Demons bekannte Hera Hilmar einen formidablen Job als Hester und wirkt genauso zynisch und abgeklärt, wie ich sie mir vorgestellt habe, ohne zu versäumen, auch den verletzlicheren Teil ihrer Figur zuweilen anzudeuten.

Szenenbild aus Mortal Engines: Krieg der Städte | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Auch die Interpretation von Tom als zweiter Hauptfigur durch Robert Sheehan wusste mir zu gefallen, auch wenn der angehende Historiker Natsworthy mir doch manches Mal zu gewieft und clever erschien im Gegensatz zu seinem literarischen Vorbild, aber das fällt freilich nur störend ins Gewicht, wenn man die Buchvorlage kennt. So ist Tom bereits zu Beginn im Bilde, dass es die mysteriöse Waffe namens MEDUSA war, die seinerzeit den Sechzig-Minuten-Krieg begründet wie beendet hat, während im Buch ein weit größeres Rätselraten darüber besteht, was es mit der Apparatur überhaupt auf sich haben mag. Dies ist natürlich eine von vielen Straffungen, die zugunsten einer schnittigeren Filmhandlung vorgenommen worden sind (die Streifzüge von Tom und Hester durch die Ödlande sind ebenfalls ursprünglich viel ausufernder und wendungsreicher gewesen, wie man sich denken mag), doch bleibt der Kern der Handlung grundsätzlich intakt und funktioniert auch ohne Kenntnis der Vorlage. Nichtsdestotrotz wird man in Mortal Engines: Krieg der Städte zeitweise mit Informationen regelrecht bombardiert, ohne dass einem der entsprechende Kontext geliefert würde, so dass man sich schon überfordert fühlen könnte von den vielen Namen, Städten, Parteien, Erwähnungen und natürlich spezifischen Wortschöpfungen wie eben Traktionsstädte, Plunderer und Stalker.

Szenenbild aus Mortal Engines: Krieg der Städte | © Universal Pictures
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Stalker allerdings fiel als Begriff nur ein einziges Mal im Film, derweil man ansonsten – unter anderem – von "Wiedererweckter" sprach, denn hierbei handelt es sich um Reeves Variation des Zombie-Themas wenn man so möchte, wobei wir lediglich einen einzelnen Stalker namens Shrike zu Gesicht bekommen, der seinerseits Jagd auf Hester macht und im Original von Stephen Lang (Into the Badlands) gesprochen wird. Und ja, dieser Stalker ist ziemlich gelungen und großartig inszeniert, wirkt aber in seiner maschinellen Unmenschlichkeit und Unverwüstbarkeit zuweilen wie ein grünäugiger Terminator, womit nur eines der ikonischen Filmwerke genannt wäre, an die ich mich während des Films erinnert fühlte. Die Liste ließe sich noch um Star Wars: Eine neue Hoffnung ergänzen und einige weitere Werke, die ich allerdings aus Spoilergründen unerwähnt lasse. So hatte ich immer mal wieder das Gefühl, man wolle sich mit Blick auf die erhoffte (und bereits erwähnte) "Epicness" an möglichst vielen einschlägigen Klassikern gütlich tun, worunter natürlich die Eigenständigkeit des Films leidet, dem in seiner gehetzten Manier und der größtmöglichen Reduktion auf das vorherrschende Abenteuer- und Endzeit-Flair ohnehin schon ein wenig der emotionale Kern abhandenkommt, denn man dann mit einigen wenigen ruhigen Szenen sowie sparsam gesetzten Rückblenden zu kitten versucht.

Bevor ich jetzt aber Gefahr laufe, man würde meinen, Mortal Engines: Krieg der Städte habe mir überhaupt nicht gefallen, muss ich doch eine Lanze brechen für sowohl den Stoff und dessen Prämisse als auch die allgemeine Ausgestaltung des Ganzen, denn auch wenn Rivers als Regisseur zuweilen noch etwas ungelenk wirken mag und ein wenig zu sehr sein Hauptaugenmerk auf die Schauwerte richtet, sind die zumindest über so ziemlich jeden Zweifel erhaben und inszenieren eine gleichermaßen fremdartige, wie irritierend vertraut wirkende Zukunft, derweil es vor allem gelingt, das Konzept der Traktionsstädte glaubhaft zu bebildern, was eines der mitunter schwierigsten Unterfangen gewesen sein dürfte, denn sich bewegende, sich gegenseitig jagende und verschlingende Städte klingen auf dem Papier doch reichlich abstrakt. Zudem ist ohnehin das gesamte Worldbuilding ungemein gelungen und detailreich dargebracht, denn auch wenn man sich von den Informationen und Begrifflichkeiten zuweilen erschlagen fühlen mag, ist es doch schön, ihnen allen in der filmischen Adaption erneut zu begegnen. Darüber hinaus – wieder eher für Buch-Kenner interessant – gibt es ein paar sehr schöne Foreshadowing-Momente, wenn man denn bereits weiß, wie die Geschichte fortgeführt werden wird. Umso bedauerlicher erachte ich es daher, dass dem Film an den Kinokassen so überhaupt kein Erfolg beschieden gewesen ist, denn so steht natürlich zu befürchten, dass dieser ambitionierte Erstling der Tradition zahlloser Buchreihen-Verfilmungen folgt, die nach Realisation des ersten – und gefloppten – Teils wieder eingestellt worden sind.

Szenenbild aus Mortal Engines: Krieg der Städte | © Universal Pictures
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Das fände ich auch dahingehend bedauerlich, welche Freiheiten sich die Autoren – auch hier ist neben Fran Walsh und Philippa Boyens freilich auch Peter Jackson wieder vertreten – bei der Adaption des Stoffes herausgenommen haben, denn so einiges liefe dann in einem etwaigen zweiten Teil vermutlich anders, als ich es bereits aus Jagd durchs Eis kenne. So mag sich Rivers zwar noch ein wenig auffallend an den Stärken des Der Herr der Ringe-Flairs entlanghangeln (wozu es bei Moviepilot einen sehr schönen Artikel von Esther Stroh gibt, der die inszenatorischen Überschneidungen aufzeigt), doch würde ich mir ebenso wünschen, dass er die Zeit und Möglichkeit bekäme, seinen eigenen Stil zu finden, denn vielversprechend ist Mortal Engines: Krieg der Städte als Auftakt einer angedachten Tetralogie allemal, wobei die Verweise auf Jacksons Hauptwerk nicht hinter der Kamera und bei inszenatorischen Details aufhören, denn bekanntermaßen ist hier auch Hugo Weaving (Black 47) erneut an Bord, der einen eindrucksvoll bösartigen Thaddeus Valentine zum Besten gibt und das Funkeln des Irrsinns in dessen Augen erkennen lässt. Worum es allerdings wirklich schade ist, ist der Part um Valentines Tochter Katherine und den Maschinisten Bevis, denn deren Part ist im Buch deutlich umfangreicher und mitreißender geraten, während hier speziell Bevis (Ronan Raftery) kaum eine Rolle spielt und man auch den Part der von Leila George verkörperten Katherine gerne hätte ausweiten können, bei der es sich übrigens um die Tochter von Vincent D’Onofrio handelt. Aber Abstriche müssen gemacht werden und wer nicht weiß, was er verpasst, wird sich auch in diesem Fall weit weniger daran stören, doch da es im Moment ohnehin nicht nach einer (filmischen) Fortsetzung des Spektakels aussieht, kann ich in dem Zusammenhang ja gleich die Buch-Vorlage noch einmal wärmstens empfehlen, auch wenn ich im Großen und Ganzen wirklich angetan gewesen bin von der Adaption und Rivers‘ Regie-Debüt, denn bekanntermaßen ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Fazit & Wertung:

Der von Christan Rivers inszenierte Mortal Engines: Krieg der Städte macht als Verfilmung eines dystopischen Young Adult-Romans eine überraschend gute Figur und gleichermaßen schnittig wie optisch opulent. Dramaturgisch mag es zuweilen ein wenig hapern und der Informations-Overkill mag manches Mal zu viel des Guten sein, zumal des Öfteren der größere Kontext fehlt, doch als abwechslungs- und temporeiches Abenteuer vor ungewöhnlicher wie einfallsreicher Kulisse macht dieser Ausflug mehr als tausend Jahre in die Zukunft gehörige Freude und ich bedauere schon jetzt, dass der Flop an den Kinokassen einer etwaigen Fortsetzung recht schnell einen Riegel vorschieben dürfte, denn gerade das Potential für mehr Gefühl, Drama und Epik wäre hier enorm gewesen.

7,5 von 10 vagabundierenden Traktionsstädten

Mortal Engines: Krieg der Städte

  • Vagabundierende Traktionsstädte - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Der von Christan Rivers inszenierte Mortal Engines: Krieg der Städte macht als Verfilmung eines dystopischen Young Adult-Romans eine überraschend gute Figur und gleichermaßen schnittig wie optisch opulent. Dramaturgisch mag es zuweilen ein wenig hapern und der Informations-Overkill mag manches Mal zu viel des Guten sein, zumal des Öfteren der größere Kontext fehlt, doch als abwechslungs- und temporeiches Abenteuer vor ungewöhnlicher wie einfallsreicher Kulisse macht dieser Ausflug mehr als tausend Jahre in die Zukunft gehörige Freude und ich bedauere schon jetzt, dass der Flop an den Kinokassen einer etwaigen Fortsetzung recht schnell einen Riegel vorschieben dürfte, denn gerade das Potential für mehr Gefühl, Drama und Epik wäre hier enorm gewesen.

7.5/10
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Mortal Engines: Krieg der Städte erscheint demnächst auf DVD und Blu-ray, 3D Blu-ray und 4K UHD Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures, läuft seit dem 13.12.18 aber zunächst einmal hierzulande im Kino. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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