Review: Krieg der Götter (Film)

Und damit ihr nicht denkt, ich würde jetzt nur noch Schmonzetten und Artverwandtes schauen, geht die heutige Film-Review mal wieder in eine ganz andere Richtung. Ansonsten begnüge ich mich damit, euch einen schönen Nikolaustag zu wünschen und verabschiede mich bis morgen.

Krieg der Götter

Immortals, USA 2011, 110 Min.

Krieg der Götter | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Regisseur:
Tarsem Singh
Autoren:
Charley Parlapanides
Vlas Parlapanides

Main-Cast:
Henry Cavill (Theseus)
Stephen Dorff (Stavros)
Luke Evans (Zeus)
Isabel Lucas (Athena)
Kellan Lutz (Poseidon)
Freida Pinto (Phaedra)
Mickey Rourke (King Hyperion)
in weiteren Rollen:
John Hurt (Old Man)
Joseph Morgan (Lysander)
Anne Day-Jones (Aethra)
Greg Bryk (The Monk)
Alan Van Sprang (Dareios)
Peter Stebbings (Helios)
Daniel Sharman (Ares)
Steve Byers (Heracles)

Genre:
Fantasy | Action | Abenteuer

Trailer:

 

Szenenbild aus Krieg der Götter | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Inhalt:

Seit König Hyperion sich von den Göttern verraten und im Stich gelassen fühlt, verfolgt er den ehrgeizigen Plan, die einst in den Tartarus verbannten Titanen zu befreien, auf dass sie sich auf die Bewohner des Olymp stürzen mögen. Zeus beobachtet Hyperions zunehmend brutaleres Treiben, das vermehrt ganze Landsriche unter sein Joch zwingt, doch besagt ein altes Gesetz, dass Götter sich niemals direkt in die Geschicke der Menschen einmischen dürfen. Und so setzt der Herrscher des Olymp seine Hoffnung auf einen einfachen Mann namens Theseus, um Hyperion in seinem blutigen Rachefeldzug Einhalt zu gebieten…

Rezension:

Als ausgewiesener Freund von Fantasy-Epen jedweder Art und Geschichten der griechischen Antike im Besonderen stand Krieg der Götter schon gefühlte Ewigkeiten auf meiner Watchlist, doch irgendwie ist nie was aus uns geworden und die Jahre zogen ins Land. Schließlich aber sollte das Schicksal mir gewogen sein und ich ergriff die Chance, mich Tarsem Singhs Version der alten Götter und Geschichten zu widmen und muss sagen, dass mich der Film trotz der vielen oft unverhohlen kritischen Worte erstaunlich gut zu unterhalten wusste, wobei ich zugeben muss, dass die krude Mischung, die hier offeriert wird, sicherlich nur ein eingeschränktes Zielpublikum ansprechen dürfte. So wurde vielerorts kritisiert, Singh –eigentlich natürlich viel eher die Drehbuchautoren Charley und Vlas Parlapanides – schere sich herzlich wenig um die griechische Mythologie und sei bei dem Versuch, den Geschichten eine Art Eigenständigkeit zu verleihen, übers Ziel hinausgeschossen und zumindest ein Stück weit kann ich mich diesem Tenor sogar anschließen, dahingehend nämlich, dass mir hier die Interpretation der Titanen so absolut überhaupt nicht zusagen wollte, denkt man schließlich allein bei dem Wort "Titan" an ungemein mächtige, auch physisch beeindruckende Wesenheiten und nicht an behutsam aufgemotzte Ork-Verschnitte, so dass in dieser Hinsicht der nur ein Jahr zuvor erschienene und thematisch artverwandte Kampf der Titanen den besseren Job macht.

Szenenbild aus Krieg der Götter | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Wenn es aber auch auf den ersten Blick leicht fällt, diese Filme in einen Topf zu schmeißen, bewahrt sich Krieg der Götter aber allein aufgrund von Tarsem Singhs unbedingtem Stilwillen genügend Eigenständigkeit und liefert wahrhaft großartige Schauwerte, die über den mageren Plot durchaus wohlwollend hinwegsehen lassen, wenn man sich denn eben damit anfreunden kann, dass hier Fragmente unterschiedlicher Geschichten neu interpretiert, munter verrührt und in einen Topf geschmissen werden, denn so wie mich die Aufmachung der Titanen gestört hat, wird jemand anderem die Interpretation des Minotaurus übel aufstoßen, den ich wiederum überaus gelungen fand. Es gibt aber noch etwas, dass Kampf der Titanen und Krieg der Götter gemein haben, nämlich ihre jeweils ziemlich irreführenden Titel – was auf Singhs im Original als Immortals betiteltes Werk zugegebenermaßen nur bedingt zutrifft – denn es ist zwar die Rede von einem Krieg der Götter, doch im Grunde handelt die Geschichte von Theseus‘ Abenteuern, wenn doch auch immerhin Götter mit an Bord sind und sich ab und an nicht beherrschen können, in die Geschicke der Menschen einzugreifen.

Dieser Aspekt des Films ist aber wie so vieles andere auch ein zweischneidiges Schwert, denn so sehr mir Luke Evans (High-Rise) als Göttervater Zeus zu gefallen wusste und mit gehörig Präsenz eine glaubhafte Gottheit zu geben verstand, so stümperhaft sind im Gegenzug die Darbietungen von Kellan Lutz und Isabel Lucas geraten, die für meinen Geschmack viel zu naiv, ungestüm und emotional agieren, um als echte Götter durchzugehen. Dessen ungeachtet hätte ich mir ansonsten aber durchaus – gerade mit Blick auf das Ende des Films – ein wenig mehr Götter-Action gewünscht, denn die oftmals in Zeitlupe gezeigten Kampfhandlungen mit einem gehörigen Splatter-Anteil mögen nicht jedermanns Sache sein, haben mir aber mitunter am besten gefallen und unterstreichen die enormen Schauwerte, die Krieg der Götter zu bieten hat, denn angefangen von Theseus‘ Heimat über den Olymp und alle Schauplätze dazwischen merkt man dem Film in jedem Moment an, wie viel Mühe auf ein stimmungsvolles Set-Design gelegt worden ist und das rentiert sich, wenn die zusammengeschusterte Geschichte da auch nicht annähernd mithalten kann.

Szenenbild aus Krieg der Götter | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

In dem Zusammenhang muss aber auch gesagt werden, dass im Grunde sämtliche Figuren als überlebensgroße Ikonen gezeichnet werden und neben dem griechischen Helden Theseus, bei dem der mir vorrangig aus Die Tudors bekannte Henry Cavill quasi schon mal das Superheldendasein proben durfte, einzig dessen Begleiter, die Seherin Phaedra (Freida Pinto), der Draufgänger und Tagedieb Stavros (Stephen Dorff) sowie ein stummer Mönch (Greg Bryk) für eine gewisse Erdung sorgen, emotional aber kaum tangieren. In der Beziehung ist Singh wieder ein weitaus größerer Freund der großen Gesten und so ist es eben neben Cavill und Evans noch am ehesten Mickey Rourke (Sin City 2) als Bösewicht Hyperion, der länger in Erinnerung zu bleiben weiß, zumal er durch Taten und weniger durch Worte zu überzeugen versteht, was dem Gestus der Figur sehr zugute kommt, denn einige Dialoge und insbesondere eine gefühlt schon hunderte Male gesehene, bewusst reißerisch gehaltene Kampfesrede verleiten doch oft eher zum Fremdschämen, als es dem Film gut tut. Dank der opulenten und in sich doch sehr stimmigen Inszenierung mit all ihren großartigen Bildern und Einfällen zählt Krieg der Götter für mich dennoch fortan zu den besseren Vertretern von Filmen, die sich der griechischen Mythologie widmen, auch wenn er mit selbiger objektiv betrachtet gar nicht einmal so viel mehr zu tun hat, immerhin aber selbstbewusst neue Wege beschreitet und sich lediglich der Ansätze und Versatzstücke bedient, die ihm genehm scheinen.

Fazit & Wertung:

Wer sich von Tarsem Singhs Krieg der Götter eine stimmig adaptierte Version griechischer Mythologie erwartet, dürfte sich von der sehr freien und fragmentarischen Interpretation schnell vor den Kopf gestoßen fühlen, doch losgelöst von dieser Erwartungshaltung handelt es sich um ein schnittig inszeniertes Abenteuer, dessen Schauwerte über dramaturgische Schwächen ein Stück weit hinwegtrösten können. Ein wenig schade ist es trotzdem, dass der Film zumeist dann am besten funktioniert, wenn er seine Bilder für sich sprechen lässt und darauf verzichtet, seine Figuren das Wort ergreifen zu lassen.

7 von 10 in den Tartarus verbannten Titanen

Krieg der Götter

  • In den Tartarus verbannte Titanen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Wer sich von Tarsem Singhs Krieg der Götter eine stimmig adaptierte Version griechischer Mythologie erwartet, dürfte sich von der sehr freien und fragmentarischen Interpretation schnell vor den Kopf gestoßen fühlen, doch losgelöst von dieser Erwartungshaltung handelt es sich um ein schnittig inszeniertes Abenteuer, dessen Schauwerte über dramaturgische Schwächen ein Stück weit hinwegtrösten können. Ein wenig schade ist es trotzdem, dass der Film zumeist dann am besten funktioniert, wenn er seine Bilder für sich sprechen lässt und darauf verzichtet, seine Figuren das Wort ergreifen zu lassen.

7.0/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 1,5/5 Punkte
Der Kinogänger: 8,5/10 Punkte

Krieg der Götter ist am 05.04.12 auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray bei Paramount Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Hihi, ja, die Gerard Butler-Gedächtnis-Ansprache ist definitiv der Tiefpunkt eines Films, der mir ansonsten aber richtig gut gefallen hat – vielleicht auch deshalb, weil ich mich inzwischen mit dem ganz speziellen Tarsem-Filmemachen angefreundet habe, bei dem nunmal definitiv Stil meilenweit über Substanz steht. Gerade die Vermittlung der göttlichen Macht durch die herrlich überzogene Splatter-Inszenierung – im Vergleich zu den eher „normalen“ menschlichen Kampfszenen – halte ich für einen tollen Einfall. Übrigens würde ich wetten, daß du mit deiner Wertung noch bis zu einen Punkt höher gegangen wärst, hättest du den Film auf einer möglichst großen Kinoleinwand gesehen; da wirkt er einfach wesentlich epischer als im Heimkino …

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