Review: The Witcher | Staffel 1 (Serie)

Wer mich und meine Sehgewohnheiten ein wenig kennt, wird von meiner heutigen Serienkritik alles andere als überrascht sein, denn natürlich musste ich mir prompt die Abenteuer des Hexers Geralt von Riva zu Gemüte führen und fühlte mich ebenso prompt regelrecht dazu genötigt, von meinen Eindrücken zu berichten.

The Witcher
Staffel 1

The Witcher, USA/PL 2019-, ca 60 Min. je Folge

The Witcher | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Lauren Schmidt
Andrzej Sapkowski (Buch-Vorlagen)
Showrunner:
Lauren Schmidt

Main-Cast:
Henry Cavill (Geralt of Rivia)
Anya Chalotra (Yennefer)
Freya Allan (Ciri)
Joey Batey (Jaskier)
MyAnna Buring (Tissaia)
Anna Shaffer (Triss)
Royce Pierreson (Istredd)
Mahesh Jadu (Vilgefortz)
Eamon Farren (Cahir)
Mimi Ndiweni (Fringilla)
in weiteren Rollen:
Lars Mikkelsen (Stregobor)
Jodhi May (Queen Calanthe)
Adam Levy (Mousesack)
Björn Hlynur Haraldsson (Eist)
Emma Appleton (Renfri)
Wilson Radjou-Pujalte (Dara)
Maciej Musial (Sir Lazlo)
Tobi Bamtefa (Sir Danek)
Therica Wilson-Read (Sabrina)
Shaun Dooley (King Foltest)
Josette Simon (Eithne)

Genre:
Fantasy | Action | Abenteuer

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Witcher | © Netflix
© Netflix

Das Königreich Cintra wird von den Truppen Nilfgaards bedroht und während die feindlichen Heerscharen schon vor den Toren lauern, gelingt es Königin Calanthe mit Not, ihre Enkeltochter Ciri in Sicherheit zu bringen. Die, fortan auf sich allein gestellt, soll sich auf die Suche nach dem Hexer Geralt von Riva begeben, der ihre Rettung sein soll und eng mit dem Schicksal der jungen Ciri verbunden ist. Geralt derweil, andernorts und Jahre zuvor, ahnt noch nichts von den künftigen Ereignissen und verdingt sich wie eh und je als Monsterjäger, der gegen Bezahlung die verängstigten Bewohner einer jeden Ortschaft gegen jegliche monströse Unbill verteidigt. Als er allerdings Prinzessin Renfri begegnet, kündet die schon von seinem zukünftigen Schicksal und lenkt seinen Blick in Richtung Cintra, gleichwohl noch Jahre ins Land ziehen werden, bis Ciri überhaupt geboren werden wird. Und derweil wird die hochrangige Zauberin Tissaia das erste Mal der Existenz der missgestalteten Bauern-Magd Yennefer gewahr, die sie ebenfalls zur Zauberin auszubilden gedenkt. Yennefer, zunächst verunsichert und schüchtern, leidet fortan unter den erbarmungslosen Ausbildungsmethoden ihrer Lehrmeisterin, verdient sich aber auch zunehmend ihren Respekt, während Geralts Wege ihn nicht nur die Bekanntschaft des Barden Rittersporn machen lassen, sondern ihn tatsächlich alsbald nach Cintra führen, wo sein Schicksal in neue Bahnen gelenkt werden wird…

Rezension:

Lange habe ich dem Erscheinen der ersten Staffel der von Netflix produzierten Serie The Witcher entgegengefiebert und dementsprechend auch die insgesamt acht Episoden binnen Wochenfrist regelrecht verschlungen. Dabei kann ich vorausschicken, dass ich mit dem Endergebnis durchaus zufrieden bin und es sehr begrüße, dass Netflix bereits im Vorfeld die Produktion einer zweiten Staffel angekündigt beziehungsweise bestätigt hat, denn tatsächlich kratzen wir hier im Grunde nur an der Oberfläche dessen, was Autor Andrzej Sapkowski seinerzeit in der insgesamt fünfteiligen Hexer-Saga zu erzählen trachtet. Denn auch wenn sich der Look der Serie ganz unzweifelhaft auch an dem der ungleich erfolgreicheren Videospielreihe mit ihren mittlerweile drei Teilen orientiert, fußt die Story doch eben auf der auch dort zugrundeliegenden Buchreihe, was manchen sicherlich irritieren dürfte, der mit dem etablierten Look der Figuren aus den Spielen vertraut ist und womöglich noch nie einen Blick in die hierzulande beim DTV erschienenen Bücher geworfen hat. Als jemand, der aber sowohl die Spiele als auch die Bücher kennt, wage ich zu behaupten, dass der Spagat, beide Fraktionen von Fans zu berücksichtigen, durchaus geglückt ist, auch wenn sich sicherlich jeder etwas anderes von einer derartigen Serie erwarten dürfte.

Szenenbild aus The Witcher | © Netflix
© Netflix

Größter Kritikpunkt im Vorfeld und auch für mich eine gesunde Portion Skepsis mit sich bringender Part war derweil aber vielmehr die Besetzung des Hexers mit Henry Cavill, der sich mehr als mit allem anderen als Superman in den DC-Filmen einen Namen gemacht hat, wobei man darüber schnell und gerne vergisst, dass er beispielsweise auch bei Die Tudors mitgewirkt hat und so zumindest in Sachen historischer, wenn auch nicht fantasylastiger Serienunterhaltung bereits Erfahrung mitbringt. Die ersten Set- und Promo-Bilder derweil ließen mich zweifeln, ob es ihm gelingen würde, Geralt von Riva zu verkörpern, doch in dieser Hinsicht gibt die Serie bereits in ihrer ersten Folge Entwarnung. Es ist tatsächlich unglaublich, wie sehr sich Cavill die Figur zu eigen macht und die meiste Zeit mag man nicht einmal den Schauspieler hinter der Rolle erkennen, während jedes Wort, jede Geste, jeder Blick und Manierismus so derartig gut sitzt, dass man sich tatsächlich schwerlich jemand anderen in der Rolle vorstellen könnte. Da kommt es der Show – wie auch dem allgemeinen Respekt gegenüber Cavill – nur zugute, dass er Wert darauf gelegt hat, jeden Stunt und jeden Kampf selbst zu bestreiten, denn insbesondere was die Kampfchoreografien angeht, setzt The Witcher ebenfalls bereits in der ersten Episode neue Maßstäbe.

Während aber die Figur des Hexers vom ersten Moment an schlichtweg funktioniert und für sich einnimmt, sieht es in dramaturgischer Hinsicht leider nicht ganz so überzeugend aus, wobei sich dieser Eindruck zum Glück schnell legt. Gerade zu Beginn nämlich, grob in den ersten zwei Episoden, wirken die Szenen um Geralt doch teilweise wie eins zu eins aus einem Computerspiel adaptiert, was sich in der Kameraführung, den Dialogen und einem allgemein auf plakative Gemeinplätze abstellenden Storytelling niederschlägt. Das mag zwar sogar hilfreich sein, die Leute abzuholen, die bisher nur über die Spiele mit Geralt in Berührung gekommen sind, wirkt allgemein aber etwas ungelenk, wobei dieser Eindruck zum Glück aber schnell ad acta gelegt werden kann. Weit fordernder, ungewöhnlicher und mutiger wird es, wenn man innerhalb der ersten Staffelhälfte allerdings gewahr wird, dass die Geschichte mitnichten chronologisch erzählt wird und die Hauptfiguren Geralt und Ciri sich in zwei unterschiedlichen Zeitlinien bewegen, denn hierauf wird der Zuschauer in keiner Weise vorbereitet und muss sich diese Tatsache aus Zusammenhängen und Randbemerkungen selbst erschließen, wodurch es dann schnell auch einmal zu Irritation kommen kann, wenn eine totgeglaubte Figur in Erscheinung tritt und sich benimmt, als sei nichts gewesen (ist es ja auch nicht, wird es erst noch).

Szenenbild aus The Witcher | © Netflix
© Netflix

Einerseits ist diese Herangehensweise mutig, unverbraucht und auch durchaus gelungen, andererseits führt das natürlich dazu, dass man The Witcher mit gesteigerter Aufmerksamkeit zu verfolgen hat, was sich aber allgemein empfiehlt, wenn man die unterschiedlichen Ländereien, Fraktionen, Interessengruppen, Monster und Mythen halbwegs zu verorten imstande sein möchte. Da ist es dann natürlich mehr als hilfreich, wenn man Spiele und/oder Bücher bereits kennt, doch holt die Show auch gänzlich unbefangene Quereinsteiger meines Erachtens gut ab. Was hingegen stört, ist, dass durch die Tatsache der nicht chronologischen Erzählung die Folgen gerade zu Beginn ein wenig unzusammenhängend wirken und – gerade was Hexer Geralt wie auch Yennefer von Vengerberg betrifft – teils Sprünge von mehreren Monaten oder gar Jahren vollzieht, wodurch die Handlung doch sehr gestückelt wirkt, bevor es im letzten Drittel zusammenzulaufen beginnt. Das gilt derweil nicht für Ciris Part, der im Umkehrschluss nur einige wenige Tage, höchstens Wochen umfasst und damit natürlich weitaus dichter inszeniert wirkt. Dieser Ansatz, in der Geschichte des Hexers vergleichsweise früh anzusetzen, versetzt die Serienverantwortlichen allerdings auch in die Lage, einige der Monster-Begegnungen aufzugreifen und zu thematisieren, denn seinen Ursprung hat der Hexer mitnichten in der fünfteiligen Saga (wo er auch kaum noch zum klassischen Monster-Töten kommt), sondern in einer Anzahl Kurzgeschichten, die hierzulande – ebenfalls beim DTV – als Der letzte Wunsch und Das Schwert der Vorsehung zusammengefasst erschienen sind.

Szenenbild aus The Witcher | © Netflix
© Netflix

Nun liegt meine Lektüre der Bücher aber auch schon beinahe zehn Jahre zurück und ich könnte kaum noch benennen, wie nah sich The Witcher an die Buchhandlung hält oder wie groß der Anteil ist, der mit dieser ersten Staffel wirklich abgedeckt wird, doch Fakt ist, dass man sich erst am Anfang einer epischen Reise befindet, die durchaus das Potential hat, auf lange Sicht zu einer Art Kultserie zu avancieren, denn auch wenn die erste Staffel in Summe noch etwas durchwachsen und gehetzt wirkt, ist es mir doch allemal lieber, dass man sich die Zeit genommen hat, Figuren und Setting wirklich zu etablieren, anstatt sich direkt in die Vollen zu stürzen, wobei das Staffelfinale auch in Sachen Action und Effekte einen guten Eindruck davon vermittelt, was künftig in dieser Serie noch alles möglich sein könnte, so dass nun – wie so oft – das bange Warten beginnt, wann denn "endlich" die zweite Staffel erscheinen wird, denn ungeachtet der zuweilen verwirrenden Erzählweise dürfte jeder Fan von düsteren, grimmigen und bis ins Detail durchdachten Fantasy-Settings hier längst Blut geleckt haben, was zwar maßgeblich an Henry Cavills begnadeter Darstellung des Geralt von Riva liegt, aber gleichsam nicht bedeutet, dass nicht auch der Rest der Besetzung in jedem Moment überzeugt, auch wenn diese nicht annähernd so namhaft sein mag.

Fazit & Wertung:

Die erste Staffel der Netflix-Serie The Witcher mag noch nicht in allen Belangen rund und gleichsam überzeugend sein, ist aber als erstes Kapitel einer epischen Saga ausreichend spannend und mitreißend geraten, um neugierig auf den Fortgang der Ereignisse zu machen, zumal insbesondere Henry Cavill als Hexer Geralt eine echte Besetzungs-Offenbarung darstellt und gänzlich in der Rolle aufgeht.

8,5 von 10 zur Strecke gebrachten Monstern

The Witcher | Staffel 1

  • Zur Strecke gebrachte Monster - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die erste Staffel der Netflix-Serie The Witcher mag noch nicht in allen Belangen rund und gleichsam überzeugend sein, ist aber als erstes Kapitel einer epischen Saga ausreichend spannend und mitreißend geraten, um neugierig auf den Fortgang der Ereignisse zu machen, zumal insbesondere Henry Cavill als Hexer Geralt eine echte Besetzungs-Offenbarung darstellt und gänzlich in der Rolle aufgeht.

8.5/10
Leser-Wertung 9/10 (3 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Des Endes Anfang (8,5/10)
02. Vier Mark (7,5/10)
03. Verrätermond (7,5/10)
04. Bankette, Bastarde und Begräbnisse (8,5/10)
05. Aufgestaute Begehren (8,5/10)
06. Seltene Arten (8/10)
07. Vor dem Fall (9/10)
08. Viel mehr (9/10)

 
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The Witcher | Staffel 1 ist seit dem 20.12.19 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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