Review: A Bigger Splash (Film)

Passend zum heutigen Wetter komme ich mit einem Film daher, den man – so man ihn denn unbedingt ansehen möchte (wirklich gut ist er in meinen Augen nämlich nicht) – sich am besten bei derart schwülen, drückenden Temperaturen ansieht, wie sie derzeit zumindest in unseren Breitengraden herrschen.

A Bigger Splash

A Bigger Splash, IT/FR 2015, 125 Min.

A Bigger Splash | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Luca Guadagnino
Autoren:
David Kajganich (Drehbuch)
Alain Page (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Ralph Fiennes (Harry Hawkes)
Dakota Johnson (Penelope Lannier)
Matthias Schoenaerts (Paul De Smedt)
Tilda Swinton (Marianne Lane)
in weiteren Rollen:
Aurore Clément (Mireille)
Elena Bucci (Clara)
Lily McMenamy (Sylvie)
Corrado Guzzanti (Maresciallo)

Genre:
Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus A Bigger Splash | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Da Sängerin Marianne sich von einer Stimmband-OP erholen muss, sucht sie mit ihrem Freund Paul nach einem idyllischen Ort für ihre Genesung und in Gestalt der sizilianischen Insel Pantelleria werden die beiden rasch fündig. Doch die paradiesische Ruhe und traute Zweisamkeit werden jäh unterbrochen, als Mariannes früherer Produzent und Lover Harry gemeinsam mit seiner halbwüchsigen Tochter Penelope auf der Insel eintrifft, denn der exaltierte und genusssüchtige Harry ist mitnichten gemacht für Ruhe und Idyll. Während Harry alles daran setzt, frühere Zeiten wieder aufleben zu lassen und Marianne aus der Reserve zu locken versucht, wirft Paul derweil immer öfter ein Auge auf die attraktive Penelope…

Rezension:

Es kostete mich etwa zehn Minuten, bevor mich dieser Film an François Ozons Swimming Pool zu erinnern begann, bei dem es sich irritierenderweise nicht um ein Remake des beinahe gleichnamigen Films Der Swimmingpool handelt (auch wenn beide überaus viele Parallelen aufweisen), derweil nun Luca Guadagninos A Bigger Splash weit eher als Neuverfilmung gehandelt werden darf, wenn er sich auch diverse Abwandlungen gestattet. Die flirrende Hitze auf der sizilianischen Insel Pantelleria gibt dabei auch prompt den Ton an und wie sich das gehört, wird die Inselidylle alsbald durchbrochen, als die von Ralph Fiennes (Grand Budapest Hotel) verkörperte Figur des Harry Hawkes nebst Tochter in Erscheinung treten, zumal Harry mit seiner wahnsinnig extrovertierten und exaltierten Art geradezu prädestiniert ist, Unfrieden zu stiften. So weit, so gut, beginnt der als Psycho-Thriller gehandelte Streifen eigentlich ziemlich vielversprechend und speziell Fiennes weiß mehr als einmal, beispielsweise während einer skurril-großartigen Tanzeinlage, die gesamte Szenerie zu dominieren und sich als unumstößliches Alpha-Tier zu positionieren. Dummerweise aber versanden ansonsten weite Teile des Films wenn schon nicht in purer Langeweile, so doch zumindest in relativer Belanglosigkeit, was in Anbetracht der Möglichkeiten sehr schade ist.

Szenenbild aus A Bigger Splash | © STUDIOCANAL
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Anfänglich war ich auch wirklich der Meinung, Luca Guadagninos Variation des Themas würde mich trotz der entschleunigten Erzählweise noch abholen, würde ab einem bestimmten Punkt noch an Fahrt aufnehmen, doch zieht schlichtweg zu viel Zeit ins Land, bevor ein wenig Bewegung in die Sache kommt, zumal diese "Bewegung" dann auch längst nicht so konsequent und gravierend, ja einschneidend daherkommt wie sie hätte sein können. So vertreibt man sich die Tage mit Essen und Trinken, unterschwelligen Anfeindungen und auch mal unverhohlener Antipathie, während der Reigen um die vier Hauptfiguren unentwegt und beständig umeinander kreist. Gar keine Frage, neben Fiennes ist auch Tilda Swinton (Young Adam) über jeden Zweifel erhaben und liefert auch hier wieder eine eindrucksvolle Darstellung ab und schafft es trotz Stimmverlust – ihre Figur kuriert nach einer Stimmbandoperation und hat striktes Redeverbot – mit gewohnter Präsenz und Eindrücklichkeit zu agieren, während man weder Matthias Schoenaerts (Suite Française) noch Dakota Johnson (Black Mass) einen Vorwurf machen kann, doch geben ihre Rollen weit weniger her und dienen wohl eher dem Faktor "Frischfleisch" in diesem gerne auch als "erotisch" betitelten Werk, während bedeutungsschwangere Blicke hier einfach nicht reichen, um Tiefe zu suggerieren.

So dümpelt A Bigger Splash betulich vor sich hin, stagniert im Grunde vom ersten Moment an und weiß mit dem, was passieren wird, kaum zu überraschen, während es bis dahin wie gesagt ein langer Weg ist. Und nein, ich habe den Film weder als Thriller noch als erotisch empfunden, das alleine gibt der zentrale Pool schlicht nicht her, auch wenn man sich zuweilen leicht bekleidet durch die Szenerie bewegt. Bewahre also, dass man den Pressestimmen Gehör schenkt, es handele sich um ein "Spiel aus Eifersucht, Lust und Intrigen", denn auch wenn das alles sicherlich Motive in Guadagninos Film darstellen, bekommt doch nichts davon eine derartige Präsenz verliehen, geschweige denn, dass es mehr als nur angedeutet würde, um sich hier als ausgeklügelt-durchtriebenes Spiel um Obsessionen betiteln zu lassen.

Szenenbild aus A Bigger Splash | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Es ist gar nicht einmal so, dass ich A Bigger Splash nicht gemocht hätte, aber konnte ich ihm eben auch kaum etwas abgewinnen, was über absoluten Durchschnitt und viele schon viel zu häufig variierte Szenen hinausgeht. Die DarstellerInnen sind toll, machen ein durchwachsenes, oft wenig ausformuliertes Skript aber auch nicht eben wertiger und vielleicht hat sich Regisseur Guadagnino tatsächlich verhoben, einerseits den Klassiker La Piscine wiederbeleben zu wollen und andererseits dem namensgebenden Bild A Bigger Splash von David Hockney ein filmisches Denkmal setzen zu wollen, denn auch wenn er auf ambitionierte Weise allerhand Themen – siehe die Marktschreier-Pressetexte im vorangegangenen Absatz – aufs Trapez bringt, ist da doch nichts, was noch überraschen, was ein tieferes Verständnis oder eine tiefere Botschaft vermuten lässt, wenn der Film sicherlich ansonsten auch aussehen mag wie ein "typischer" Arthouse-Vertreter (was weder auf- noch abwertend gemeint ist). Was letztlich aber sicherlich am schwersten wiegt, mag sein, dass ich mich mit keiner der Figuren großartig hätte identifizieren können, was natürlich den Zugang zum Thema enorm erschwert und mich vielleicht deshalb so unbeteiligt hat bleiben lassen.

Fazit & Wertung:

Luca Guadagninos A Bigger Splash versucht sich an einer frischen und behutsam modernisierten Variation des Themas von Der Swimmingpool und wäre sicherlich gerne ein erotischer Psycho-Thriller gewesen, doch findet sich von diesen Ansätzen herzlich wenig im fertigen Film, der sich die meiste Zeit damit begnügt, in den malerischen Kulissen zu schwelgen und seine Themen und Konflikte mehr anzudeuten als auszuformulieren, was in Kombination mit einer teils holprigen Dramaturgie ein in Summe leider sehr durchschnittliches und damit enttäuschendes Filmerlebnis ergibt, aus dem man fraglos hätte weitaus mehr machen können.

5 von 10 schwülen Sommertagen

A Bigger Splash

  • Schwüle Sommertage - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Luca Guadagninos A Bigger Splash versucht sich an einer frischen und behutsam modernisierten Variation des Themas von Der Swimmingpool und wäre sicherlich gerne ein erotischer Psycho-Thriller gewesen, doch findet sich von diesen Ansätzen herzlich wenig im fertigen Film, der sich die meiste Zeit damit begnügt, in den malerischen Kulissen zu schwelgen und seine Themen und Konflikte mehr anzudeuten als auszuformulieren, was in Kombination mit einer teils holprigen Dramaturgie ein in Summe leider sehr durchschnittliches und damit enttäuschendes Filmerlebnis ergibt, aus dem man fraglos hätte weitaus mehr machen können.

5.0/10
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A Bigger Splash ist am 15.09.16 auf DVD und Blu-ray bei STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Den hätte ich wegen der grandiosen Besetzung fast im Kino angeschaut, konnte mich wegen der mittelmäßigen Kritiken dann aber doch nicht dazu durchringen. War wohl besser so. :-)

    Das Original muß ich aber wirklich mal nachholen, bislang kenne ich nur Ozons sehr freie Interpretation (die mir recht gut gefallen hat) …

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