Review: Red Sparrow (Film)

Und damit hätte ich – natürlich pünktlich zum Start ins Wochenende – einen weiteren Film aus dem vergangenen Jahr nachgeholt, der mir zu meiner großen Freude weit besser gefallen hat, als das doch sehr durchwachsene Medien-Echo mich erwarten ließ. Bestätigt mich aber auch wieder darin, mir stets meine eigene Meinung zu bilden.

Red Sparrow

Red Sparrow, USA 2018, 140 Min.

Red Sparrow | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Francis Lawrence
Autoren:
Justin Haythe (Drehbuch)
Jason Matthews (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Jennifer Lawrence (Dominika Egorova)
Joel Edgerton (Nate Nash)
Matthias Schoenaerts (Vanya Egorov)
Jeremy Irons (General Korchnoi)
in weiteren Rollen:
Charlotte Rampling (Matron)
Mary-Louise Parker (Stephanie Boucher)
Ciarán Hinds (Zakharov)
Joely Richardson (Nina Egorova)
Bill Camp (Marty Gable)

Genre:
Action | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Red Sparrow | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Dominika Egorova ist gefeierte Primaballerina und begeistert ein ums andere Mal die Massen, doch ein folgenschwerer Unfall beendet ihre Karriere jäh. Plötzlich sehen sich Dominika und die mit ihr lebende Mutter vor dem Aus stehend, kam die Akademie schließlich auch für Wohnung und ärztliche Versorgung auf. Da macht Onkel Vanya ihr ein dubioses wie lukratives Angebot und versucht Dominika für das russische Red-Sparrow-Programm anzuwerben, das sie nach jüngsten Ereignissen kaum ausschlagen kann. Die Ausbildung zur Agentin besteht an dieser speziellen Schule allerdings überwiegend daraus, die Zielperson zu verführen und dadurch gefügig zu machen, wodurch sich Dominika zu der Äußerung hinreißen lässt, es handele sich um eine Hurenschule. Ungeachtet aller Widrigkeiten aber schließt Dominika die Ausbildung ab und wird prompt auf den CIA-Agenten Nathaniel Nash angesetzt, der das Bindeglied zu einem amerikanischen Maulwurf darstellt, dessen Identität die russische Regierung und deren Geheimdienst bislang nicht haben ermitteln können. Gemäß ihres Auftrages beginnt Dominika, sich Nathaniel anzunähern, doch gelingt ihr dies so gut, dass bald weder der CIA-Mann noch Onkel Vanya noch wissen, ob ihr Vertrauen in die junge Frau gerechtfertigt ist, denn die hat längst ein mehr als doppelbödiges wie perfides Spiel begonnen…

Rezension:

Nachdem sich Red Sparrow nach und nach zu einem veritablen Flop gemausert hat, hatte ich es nicht allzu eilig, dem Film meine Aufmerksamkeit zu widmen, gleichwohl ich mir noch immer ein eigenes Urteil bilden wollte. Zum Glück, denn Regisseur Francis Lawrence ist ein herrlich atmosphärischer, gleichermaßen düsterer wie glamouröser Spionage-Thriller gelungen, womit seine vierte Kollaboration mit Jennifer Lawrence nach Die Tribute von Panem 2-4 sich weitaus gelungener präsentiert, als ihr Ruf es erahnen lassen würde. Neben dem überzeugend in Szene gesetzten Setting liegt das aber natürlich vorrangig an Jennifer Lawrence (Passengers), die sich die Rolle der Dominika Egorova nicht einfach nur zu eigen macht, sondern sich ihr mit vollstem Körpereinsatz gänzlich hingibt. Diese an Selbstaufgabe grenzende Aufopferung für die zu spielende Rolle ist dann nämlich auch schon die größte Parallele zu Filmfigur Dominika, die im Verlauf des mit rund 140 Minuten Spielzeit recht üppig bemessenen Treibens eine zunächst nur langsam in Fahrt kommende Höllenfahrt zu absolvieren hat.

Szenenbild aus Red Sparrow | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Diesem Umstand geschuldet, weist Lawrence‘ Film durchaus so manche kleinere Länge auf, die den Gesamteindruck zu trügen vermag, doch nachdem ich Red Sparrow schon beinahe abgestempelt hatte, im soliden Mittelfeld des filmischen Bewertungsschemas zu versanden, dreht das Geschehen in der zweiten Hälfte noch einmal merklich auf, womit nicht unbedingt gemeint ist, dass speziell das Tempo anziehen würde, doch die Eindringlichkeit und Intensität des Gezeigten erreicht hier schnell zu Beginn ungeahnte Ausmaße. So ist die sich das Buch von Jason Matthews – der selbst mehr als 30 Jahre für die CIA gearbeitet hat und mutmaßlich weiß, wovon er spricht – zum Vorbild nehmende Geschichte die meiste Zeit eher ruhig und beinahe schon besonnen erzählt, wodurch allerdings die wenigen Gewaltspitzen umso effektiver und schockierender herausragen. Hinzu kommt, dass selbige im Vergleich zu deutlich bewusster auf Hochglanz polierten Blockbuster-Produktionen aus einem ähnlichen Metier überraschend rau, blutig und – ja – grausam daherkommen, so dass hier Folter und andere Gräueltaten auch als solche erlebt werden, auch wenn darüber gestritten werden darf, ob das jetzt so erstrebenswert ist. Für die Intensität und Authentizität des Gezeigten ist dieser Umstand allerdings von großem Vorteil, gleichwohl man auch in anderen Belangen merkt, es mit einer "erwachsenen" Geschichte zu tun zu haben.

So sucht man effekthascherisch in Szene gesetzte Heldentaten ebenso vergeblich wie unkaputtbare Stehaufmännchen, derweil man sich stattdessen am facettenreichen Spiel seitens Lawrence ergötzen darf, die eben nicht nur den Film, sondern auch die übrige Belegschaft zunehmend dominiert. Nichtsdestotrotz hinterlassen sowohl Matthias Schoenaerts (Suite Française) als zwielichtiger Onkel Vanya als auch Joel Edgerton (Midnight Special) als charismatischer und gleichsam stoischer CIA-Mann Nash einen bleibenden Eindruck, zumal man ihm Fall von Vanya über dessen unterschwellige Bedrohlichkeit staunen darf, während Nash ausreichend gutherzig und charmant daherkommt, um Dominikas mögliche Schwäche für den Amerikaner zu erklären. Und insbesondere zwischen diesen beiden Polen entscheidet sich nicht nur letztlich das Kräftemessen, nein, sie dienen auch als konkurrierende wie divergierende Fixpunkte in dem großen Rätselraten darüber, wen Dominika schlussendlich eigentlich genau – und wie- hintergeht. Denn nachdem die Grenzen einmal verwischt sind, kommt es gefühlt sekündlich zum Umschwung ihrer Loyalität, weshalb gerade das sich anbahnende Finale noch einmal von besonderem Kaliber ist, wenn sich die Fronten zu klären beginnen. Hier offenbart Red Sparrow noch einmal eine besondere Art der inszenatorischen Faszination, wenn allerhand längst aus dem Fokus geratene Szenen einem Puzzleteil gleich hervorgeklaubt werden, um aus ihnen ein nachvollziehbares Bild der perfiden Winkelzüge zusammenzusetzen, die sich direkt vor den Augen des Zuschauers und dennoch unbemerkt abgespielt haben.

Szenenbild aus Red Sparrow | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Es dürfte deutlich geworden sein, dass Lawrence‘ Film für mich gerade auf den letzten Metern noch einmal deutlich Boden gut gemacht hat, denn gerade zu Beginn hätte man die Handlung durchaus noch ein wenig straffen können. So mag es für die Handlung wichtig und unabdingbar sein, Dominikas Ausbildung im Red-Sparrow-Programm aufzuzeigen – zumal hier Charlotte Rampling (Assassin’s Creed) als eiskalte Matron begeistern darf – ist dies kaum mehr als die erste Station auf einer langen und wendungsreichen Reise, die man sicherlich hätte abkürzen können, was mehr oder weniger für vieles gilt, was sich in der ersten Filmhälfte ereignet, so sehr es auch dazu dienen mag, Setting und Atmosphäre zu etablieren. Ansonsten gewinnt Red Sparrow aber freilich noch durch seine sorgsam ausgewählten und punktgenau agierenden Nebendarsteller, die von Ciarán Hinds (Die Frau, die vorausgeht) und Jeremy Irons (High-Rise) auf Seite der Russen bis hin zu Mary-Louise Parker (R.E.D. 1+2) als Stabschefin eines US-Senators reichen. Einzig und ausgerechnet Joely Richardson (In Darkness), die hier als Dominikas Mutter Nina in Erscheinung tritt, bleibt in ihrer Erscheinung ärgerlich blass. Als Freund mehr als doppelbödiger, selbstbewusst düster und ernsthaft inszenierter spionage-Thriller darf man hier also ungeachtet der durchwachsenen Kritiken nicht nur wegen Jennifer Lawrence‘ außergewöhnlicher Performance durchaus einen Blick riskieren, auch wenn man anfänglich kleinere Längen in Kauf zu nehmen hat.

Fazit & Wertung:

Mit Red Sparrow gelingt Francis Lawrence ein insbesondere atmosphärisch und inszenatorisch extreme gelungener Spionage-Thriller, der in vielerlei Hinsicht selbstbewusst eigene Wege geht, auch wenn ein Großteil der Faszination freilich von Jennifer Lawrence‘ eindringlicher Darstellung ausgehen mag. Doch darüber hinaus punkten auch der sorgsam konstruierte, sich zunehmend zuspitzende Plot und die virtuos gewählten NebendarstellerInnen, während die Story an sich durchaus ein wenig hätte gestrafft werden können.

7,5 von 10 vermeintlichen oder tatsächlichen Überläufern

Red Sparrow

  • Vermeintliche oder tatsächliche Überläufer - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Red Sparrow gelingt Francis Lawrence ein insbesondere atmosphärisch und inszenatorisch extreme gelungener Spionage-Thriller, der in vielerlei Hinsicht selbstbewusst eigene Wege geht, auch wenn ein Großteil der Faszination freilich von Jennifer Lawrence‘ eindringlicher Darstellung ausgehen mag. Doch darüber hinaus punkten auch der sorgsam konstruierte, sich zunehmend zuspitzende Plot und die virtuos gewählten NebendarstellerInnen, während die Story an sich durchaus ein wenig hätte gestrafft werden können.

7.5/10
Leser-Wertung 8.33/10 (3 Stimmen)
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Red Sparrow ist am 19.07.18 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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