Review: Giants – Zorn der Götter | Sylvain Neuvel (Buch)

Und da wäre ich auch schon wieder mit einer neuen Buch-Kritik, denn seit der letzten ist tatsächlich schon wieder eine ganze Woche ins Land gezogen, wobei ich im Moment einen ganz guten Lauf habe und auch ein glückliches Händchen bei der Wahl meiner Lektüre beweise, aber davon könnt ihr euch ja in den nachfolgenden Absätzen selbst überzeugen. Ach und wer das Glück hat, jetzt ebenfalls schon ins Wochenende zu starten, dem wünsche ich natürlich schon einmal eine schöne freie Zeit. Allen anderen nun immerhin einen schönen Feierabend und denkt dran, bis zum Wochenende ist es so oder so nicht mehr lang hin.

Giants
Zorn der Götter

Waking Gods – The Themis Files Book 2, USA 2017, 480 Seiten

Giants - Zorn der Götter von Sylvain Neuvel | © Heyne Verlag
© Heyne Verlag

Autor:
Sylvain Neuvel
Übersetzer:
Marcel Häußler

Verlag (D):
Heyne Verlag
ISBN:
978-3-453-53480-3

Genre:
Science-Fiction | Thriller

 

Inhalt:

Ich habe die Linie überschritten, die wir nicht überschreiten sollen. Ich bin gestorben. Und ich bin immer noch hier. Ich habe den Tod betrogen. Ich habe Gott die Macht genommen.
Ich habe Gott getötet, und ich fühle mich leer.

Zehn Jahre sind vergangen, seit sich das Team um die zwischenzeitlich verstorbene und unter mysteriösen Umständen von den Toten zurückgekehrte Dr. Rose Franklin auf die Suche begeben hat, die einzelnen Körperteile des außerirdischen Roboters – den man letzthin nach der griechischen Mythologie rund um die Titanen Themis getauft hat – zusammenzutragen und miteinander zu verbinden, was im Grunde ein neues Zeitalter für die Menschheit eingeläutet und den Grundstein für die EVT – die Erdverteidigungsgruppe – gelegt hat. Eines Tages aber taucht unvermittelt ein weiterer Roboter – ähnlich Themis – inmitten von London auf und die Regierung insistiert, man möge den "eigenen" Kampfroboter als Begrüßungskomitee schicken, doch der Aufmarsch militärischer Kräfte rund um den gigantischen Roboter bringt alsbald eine ungeahnte Eskalation mit sich und plötzlich sieht sich die Menschheit einer weit größeren Gefahr gegenüber…

Rezension:

Der eine oder andere mag sich vielleicht noch daran erinnern, wie begeistert und fasziniert ich seinerzeit von Sylvain Neuvels Debüt-Roman Giants – Sie sind erwacht gewesen bin und entsprechend musste ich mich nun natürlich zeitnah zur Veröffentlichung des Nachfolgeromans Giants – Zorn der Götter auch auf diesen stürzen und wurde trotz anfänglicher Skepsis nicht enttäuscht. So macht die Geschichte zwar zunächst einen Sprung von zehn Jahren in die Zukunft, was anfänglich kurz befremdlich wirkt, weil man meinen könnte, einiges verpasst zu haben, doch nach dem Zusammenbau von Themis geriert die Forschung gehörig ins Stocken und in Anbetracht dessen, dass keine neuen Funde die Wissenschaft zu befeuern wussten, integrierte sich die riesige Kampfmaschine langsam aber sicher in das Weltbild der menschlichen Bevölkerung, was man in Anbetracht des Ruf des Menschen als Gewohnheitstier durchaus hinnehmen und akzeptieren kann, sind schließlich zehn Jahre nun auch nicht eben eine kurze Zeit.

— Wahrscheinlich nicht, aber ich weiß es wirklich nicht. Und genau genommen, fehlen ihr nur drei Jahre ihres Lebens. Das vierte Jahr war sie tot.
— Wenn ich mal Trost brauche, komme ich bestimmt nicht zu Ihnen. Kein Wunder, dass Rose Probleme hat. Ich bin nicht diejenige, die gestorben und zurückgekommen ist, aber mir macht es schon wahnsinnige Angst. Ich meine, Vincent und ich haben jeden Tag viele Stunden mit ihr verbracht, bevor sie gestorben ist. Mit wem waren wir die ganze Zeit zusammen?

Ansonsten bleibt Neuvel seinem Stil in Giants – Zorn der Götter aber vollumfänglich treu und präsentiert – wieder abgesehen von den ersten paar, als Intro gedachten Seiten – einen Roman, der die Bezeichnung in Anbetracht dessen, dass er gänzlich aus Interviews und Berichten, Abschriften von Hörfunkbeiträgen und ähnlichem besteht, kaum verdient hat, doch macht dieser pseudo-dokumentarische Erzählton natürlich auch einen Großteil des Reizes aus und stellt ein nicht zu unterschätzendes Alleinstellungsmerkmal im Wust der Veröffentlichungen dar, wenn sich natürlich auch mancher Leser von diesem Stil verprellt fühlen dürfte. Wie sonst häufig aber auch gilt hier, dass denjenigen, denen der erste Band bereits gefallen hat, auch beim zweiten Teil großartige Lektüre bevorsteht, denn dadurch, dass die Exposition abgeschlossen, die Figuren gesetzt, das Setting etabliert ist, kommt dieser Band nun noch einmal deutlich schneller in Fahrt, auch wenn der Mystery-Aspekt des Vorgängers natürlich im direkten Vergleich deutlich zurückgefahren worden ist.

Dessen ungeachtet bietet Neuvel in Giants – Zorn der Götter aber auch Antworten für aus dem Vorgänger offen gebliebene Fragen und baut behutsam aber konsequent den Mythos um die außerirdischen Wesen beziehungsweise Gerätschaften aus, um einerseits einen anderen Ansatz für die Materie zu finden, andererseits beide Bände trotz der geschichtlichen Lücke dazwischen wie aus einem Guss wirken zu lassen. Zu meiner Freude erfährt man hier nun übrigens auch mehr von dem namenlos bleibenden Interviewer, der sozusagen sämtliche Klischees eines undurchsichtigen Regierungsbeamten verkörpert und hier wie da den Kitt repräsentiert hat, der die unterschiedlichen Team-Mitglieder und das Unterfangen an sich zusammengehalten hat. Erfreulicherweise geht Neuvel aber auch hier nicht den einfachen Weg und präsentiert eine Vita, die mich zum Staunen und Schmunzeln gebracht hat, derweil die Geschichte hier nun noch einmal spürbar an Dramatik und Intensität zunimmt, wobei ich mich natürlich hüten werde, hier zu spoilern. Einzig – das muss man fairerweise auch einräumen – das Ende wusste mich nicht hundertprozentig zu überzeugen und lässt mich noch weit skeptischer auf den Nachfolger warten, als es schon nach dem ersten Teil der Fall gewesen ist, doch hat Neuvel mir ja schon einmal bewiesen, dass es möglich ist, die Geschichte stimmig und überzeugend fortzuführen, weshalb ich tendenziell guter Dinge bin, dass ihm das erneut gelingen könnte, auch wenn ich dort mit einigen schmerzlichen Verlusten werde klarkommen müssen, denn spätestens im letzten Drittel beginnt der Autor sein Figurenkonsortium auszudünnen, was ich in dieser Form nicht erwartet hätte, mich aber noch gespannter von Seite zu Seite hat blättern lassen.

— Sie haben mit etwas Tiefsinnigem und Erbaulichem angefangen, sodass die Leute sich schlau vorkommen, wenn sie Sie in zwanzig Jahren beim Abendessen zitieren. Wenn es etwas gibt, das die Leute heute verstehen sollen, dann sagen Sie es, als würden Sie mit Ihren Enkelkindern reden. Die Hälfte der Anwesenden hört Sie über einen Dolmetscher, und die meisten haben die Aufmerksamkeitsspanne eines Fünfjährigen. Wenn sie den Raum verlassen, werden diese Leute in ihren Heimatländern anrufen. Wahrscheinlich sprechen sie mit ihren Verteidigungsministern, den hochrangigen Generälen und Stabschefs, Leuten, die eine Armee befehligen und sie gern einsetzen möchten. Sie bitten sie, einer Gruppe von Wissenschaftlern statt ihren eigenen Militärberatern zu vertrauen. Stellen Sie sicher, dass der Grund dafür nicht bei der Übersetzung verloren geht.

So ist mir bei Giants – Zorn der Götter das passiert, was sonst nur selten der Fall ist, nämlich, dass ich das gesamte Buch mit seinen knapp 500 Seiten an einem Tag und in einem Rutsch durchgelesen habe, was doch sehr für die Qualität und den Thrill von dem spricht, was dieser vielversprechende Autor hier erneut aufs Papier gezaubert hat, wobei man in dem Zusammenhang auch den Übersetzer Marcel Häußler lobend erwähnen darf, denn fernab der Gespräche und emotionalen Aspekte der Gesichte gelingt es ihm ebenso, die wissenschaftlichen Ausführungen verständlich zu übersetzen und die differierende Tonalität einzelner Figuren auch in der deutschen Fassung zu erhalten. Ehrlicherweise muss man natürlich auch sagen, dass durch die überdurchschnittlich häufige wörtliche Rede die Seiten natürlich auch nur so dahinzufliegen scheinen, aber das ändert ja nichts an der Tatsache, dass ich erneut schwer fasziniert und begeistert gewesen bin und jedem, der nur ein wenig mit intelligenter und ungewöhnlicher Science-Fiction anzufangen weiß, diesen Band – respektive natürlich zunächst dessen Vorgänger – nur wärmstens ans Herz legen kann.

Fazit & Wertung:

Qualitativ gelingt es Sylvain Neuvel tatsächlich, mit Giants – Zorn der Götter in dieselbe Bresche zu schlagen wie schon mit seinem Debüt-Roman und ich persönlich habe die Fortsetzung der Ereignisse – inklusive zehnjährigem Zeitsprung – sehr genossen, zumal der Autor es nicht versäumt, einerseits offene Fragen aufzuklären und Anknüpfungspunkte zum vorangegangenen Geschehen zu finden, andererseits seiner Geschichte neue Impulse zu geben und mit spannenden Einfällen und unerwarteten Wendungen für frischen Wind zu sorgen, während mich einzig die finalen Seiten ein wenig skeptisch zurückgelassen haben.

9 von 10 über den Erdball verstreuten Robotern

Giants – Zorn der Götter

  • Über den Erdball verstreute Roboter - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Qualitativ gelingt es Sylvain Neuvel tatsächlich, mit Giants – Zorn der Götter in dieselbe Bresche zu schlagen wie schon mit seinem Debüt-Roman und ich persönlich habe die Fortsetzung der Ereignisse – inklusive zehnjährigem Zeitsprung – sehr genossen, zumal der Autor es nicht versäumt, einerseits offene Fragen aufzuklären und Anknüpfungspunkte zum vorangegangenen Geschehen zu finden, andererseits seiner Geschichte neue Impulse zu geben und mit spannenden Einfällen und unerwarteten Wendungen für frischen Wind zu sorgen, während mich einzig die finalen Seiten ein wenig skeptisch zurückgelassen haben.

9.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Heyne Verlag.

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Giants – Zorn der Götter ist am 09.05.17 im Heyne Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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