Review: Sieben Minuten nach Mitternacht (Film)

Pünktlich zum heutigen Heimkinostart kommt hier meine Film-Kritik zu der leider doch sehr untergegangenen Buch-Verfilmung, der das Kunststück gelingt, sich überraschend nah an ihrer Vorlage zu halten, was in diesem Fall – ich hatte seinerzeit für das Buch die Höchstwertung vergeben – höchst erfreulich ist.

Sieben Minuten nach Mitternacht

A Monster Calls, UK/ES/USA 2016, 108 Min.

Sieben Minuten nach Mitternacht | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
J.A. Bayona
Autor:
Patrick Ness (Drehbuch & Buch-Vorlage)
Siobhan Dowd (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Sigourney Weaver (Grandma)
Felicity Jones (Mum)
Toby Kebbell (Dad)
Lewis MacDougall (Conor)
Liam Neeson (The Monster [Stimme])

Genre:
Fantasy | Mystery | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Conor O’Malley hat mit seinen 12 Jahren schon einiges zu verarbeiten, denn während die eigene Mutter schwerkrank ist, lebt sein Vater mit neuer Frau an seiner Seite in den USA, während sich Conor und seine Großmutter nicht gerade grün sind. Als wäre dem nicht genug, wird Conor in der Schule gemobbt und drangsaliert, während die meisten seiner Mitschüler ihn meiden. Am schlimmsten aber ist ein Alptraum, der Conor Nacht für Nacht peinigt und der ein so schreckliches Geheimnis in sich birgt, dass sich Conor nicht einmal durch das Erscheinen eines riesenhaften, aus der nahen Eibe geborenen Monster einschüchtern lässt, das nachdrücklich darauf beharrt, von ihm gerufen worden zu sein. Und während das Monster damit beginnt, Conor drei Geschichten zu erzählen, beginnen Traum und Realität sich zusehends miteinander zu vermischen, bis Conor schlussendlich gezwungen sein wird, der Wahrheit ins Auge zu blicken…

Szenenbild aus Sieben Minuten nach Mitternacht | © STUDIOCANAL
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Rezension:

Etwas mehr als zwei Monate ist es her, dass ich mich dem wunderbar fantastischen, zudem noch zauberhaft illustrierten Buch Sieben Minuten nach Mitternacht gewidmet habe und nach meiner Begeisterung für das literarische Werk war es mir natürlich ein Anliegen, pünktlich zum – heutigen – Heimkinostart der Verfilmung auch einen Blick auf die Adaption zu werfen, zumal selbige nicht nur mehr als hochkarätig besetzt schien, sondern auch dem Geist des Werkes von Patrick Ness – der auch für das Drehbuch zum Film verantwortlich zeichnet – treu zu bleiben schien, wobei in diesem Zusammenhang einmal mehr nicht unerwähnt bleiben soll, dass es sich originär um eine Geschichte – oder um die Idee zu einer Geschichte – der verstorbenen Autorin Siobhan Dowd handelt. Hilfreich bei einer Verfilmung dieser Art ist natürlich, dass das Buch selbst nicht gerade umfangreich ist – hierzulande rund 220 Seiten umfasst – und zudem noch mit einigen Illustrationen daherkommt, an denen man sich dankenswerterweise auch in der Filmfassung orientiert hat, was speziell hinsichtlich des Monsters einen Segen darstellt.

Szenenbild aus Sieben Minuten nach Mitternacht | © STUDIOCANAL
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Übrigens ist Sieben Minuten nach Mitternacht einer der wenigen Fälle, wo mir der deutsche Titel sogar besser gefällt als sein englisches Pendant A Monster Calls, was man ja schließlich auch einmal lobend erwähnen darf, zumal die besagte Uhrzeit in gleich mehrfacher Hinsicht mit Bedeutung aufgeladen wird. Um aber über den eigentlichen Film zu sprechen, hält der sich erfreulich dicht an seiner literarischen Vorlage, wenn auch kleinere Nebenhandlungen der Schere zum Opfer gefallen sind und leider die eigentliche Message des Buches nicht ganz so akkurat herausgearbeitet worden ist oder möglicherweise werden konnte, doch handelt es sich ansonsten um eine der mitunter besten Verfilmungen, zumal vor allem der melancholische, tieftraurige, aber dennoch unterschwellig Hoffnung spendende Ton des Buches akkurat eingefangen worden ist. Damit bewegt sich J.A. Bayonas Verfilmung aber auch spürbar fernab des Mainstream und wird nicht zu Unrecht unter dem "Arthaus"-Label vertrieben, denn so reißerisch manche Szenen sich beispielsweise noch im Trailer ausnehmen, handelt es sich doch um einen über die Maßen ruhig erzählten, emotionalen Film, dessen Kern dann auch mitnichten die Erscheinungen des Monsters darstellen, sondern vielmehr Gemütszustand und Innenleben der Hauptfigur Conor, der von dem wahnsinnig talentierten Lewis MacDougall (Pan) verkörpert wird und eine Bandbreite teils heftigster Emotionen darzustellen weiß.

Diesen Gedanken weiterspinnend gewinnt Sieben Minuten nach Mitternacht natürlich sowohl durch die großartige Felicity Jones (Die Entdeckung der Unendlichkeit) als Conors Mum sowie Sigourney Weaver (The Defenders) als dessen etwas herrische, verschlossene Großmutter, beides Rollen, die man meinem Gefühl nach kaum besser hätte besetzen können. Ansonsten steht und fällt ein solcher Film aber natürlich nicht nur mit der Darstellung des Monsters und dessen Integration in die echte Welt – was hier bis auf zwei kleinere, eher mies animierte Momente trefflich gelingt – , sondern eben auch mit dessen Stimme, die fernab der computergenerierten Optik die einzige Möglichkeit ist, dem Wesen Leben und Gefühl einzuhauchen und da kommt dann Liam Neeson (Dritte Person) ins Spiel, der dem Monster mit angenehm druckvollen Timbre und gehörig Wärme aber auch Wut seine Stimme leiht, derweil sein Synchronsprecher Bernd Rumpf auch in der deutschen Fassung die Stimme des Monsters übernimmt, so dass der "Neeson-Effekt" selbst in der deutschen Sprachfassung greift.

Szenenbild aus Sieben Minuten nach Mitternacht | © STUDIOCANAL
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Wer übrigens genau aufpasst im Film, sieht dort auf einem Foto auch Liam Neeson, der ansonsten naturgemäß hier nicht in Erscheinung tritt, was eine Verbindung suggeriert, die es so im Buch nicht gegeben hat und die hier gar noch ein Stück weitergesponnen wird, denn wo das Buch endet, schließt sich in der Film-Fassung von Sieben Minuten nach Mitternacht eine weitere Szene an, derer es nicht unbedingt bedurft hätte und die – vielleicht geht das aber auch nur den Buch-Kennern so – ein wenig wie drangeklatscht wirkt, aber das ist wirklich nur ein geringfügiger Kritikpunkt in einem ansonsten wirklich überzeugenden und emotional beklommen machenden Werk, dass mich trotz Kenntnis der Vorlage zum Ende hin noch zu Tränen zu rühren wusste, was ich nun wirklich von nur extrem wenigen Filmen behaupten kann. Wie gesagt, nicht ganz unerwartet dürfte der Film bei der breiten Masse eher durchfallen und man sollte auch in der richtigen Stimmung und Gemütslage sein, einem dergestalt melancholischen, traurig stimmenden Film eine Chance zu geben, doch sind Inszenierung und Botschaft über jeden Zweifel erhaben und Freunde besonderer, unangepasster, ungewöhnlicher und gleichzeitig märchenhafter Filmkost dürften hier voll auf ihre Kosten kommen, zumal die Geschichte in ihrer strukturellen Schlichtheit es einfach wert ist, gehört und erlebt zu werden, denn wie sagt schon das Monster so trefflich: "Geschichten sind wilde Wesen, wer weiß, was für Unheil sie anrichten können, wenn man sie loslässt".

Fazit & Wertung:

Die Verfilmung Sieben Minuten nach Mitternacht steht ihrem literarischen Pendant in kaum etwas nach und J.A. Bayona gelingt es, eine intensive Bildsprache und eine inszenatorisch einnehmende Herangehensweise zu finden, die dem Versuch widersteht, die zutiefst emotionale Geschichte zugunsten eines möglichen Effektgewitters zu vernachlässigen, so dass der Fantasy-Part als zwar spektakuläre Parabel trefflich funktioniert, sich aber nicht über Gebühr in den Vordergrund spielt und den Fokus jederzeit auf Conors innerer Zerrissenheit ruhen lässt. Ein märchenhafter, traurig stimmender, Hoffnung vermittelnder Film, der fernab der breiten Masse ohne Frage sein Publikum finden wird.

9 von 10 nächtlichen Besuchen des Monsters

Sieben Minuten nach Mitternacht

  • Nächtliche Besuche des Monsters - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Die Verfilmung Sieben Minuten nach Mitternacht steht ihrem literarischen Pendant in kaum etwas nach und J.A. Bayona gelingt es, eine intensive Bildsprache und eine inszenatorisch einnehmende Herangehensweise zu finden, die dem Versuch widersteht, die zutiefst emotionale Geschichte zugunsten eines möglichen Effektgewitters zu vernachlässigen, so dass der Fantasy-Part als zwar spektakuläre Parabel trefflich funktioniert, sich aber nicht über Gebühr in den Vordergrund spielt und den Fokus jederzeit auf Conors innerer Zerrissenheit ruhen lässt. Ein märchenhafter, traurig stimmender, Hoffnung vermittelnder Film, der fernab der breiten Masse ohne Frage sein Publikum finden wird.

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