Review: Girl on the Train (Film)

Zum Start ins Wochenende gibt es natürlich wie immer noch eine dritte (und für diese Woche letzte) Film-Kritik von meiner Seite, bevor ich euch erholsame freie Tage wünsche – und natürlich viel Spaß bei der Lektüre meines heutigen Artikels.

Girl on the Train

The Girl on the Train, USA 2016, 112 Min.

Girl on the Train | © Constantin
© Constantin

Regisseur:
Tate Taylor
Autoren:
Erin Cressida Wilson (Drehbuch)
Paula Hawkins (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Emily Blunt (Rachel)

in weiteren Rollen:

Rebecca Ferguson (Anna)
Haley Bennett (Megan)
Justin Theroux (Tom)
Luke Evans (Scott)
Allison Janney (Detective Riley)
Édgar Ramírez (Dr. Kamal Abdic)
Lisa Kudrow (Martha)

Genre:
Krimi | Drama | Mystery

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Girl on the Train | © Constantin
© Constantin

Zwei Mal am Tag fährt Rachel auf ihrem Weg nach und von Manhattan an einem New Yorker Vorort vorbei, beobachtet Megan und ihren Freund Scott – deren Namen sie aber selbstredend nicht kennt – und malt sich deren in ihren Augen perfekte Beziehung aus. Eines Tages allerdings erfährt Rachel aus den Nachrichten, dass Megan spurlos verschwunden sei, ausgerechnet an dem Tag, als sie sie mit einem wildfremden Mann auf der Terrasse gesehen hat. Unter einem Vorwand wendet sich Rachel an Scott und gibt sich als Freundin von Megan aus, wobei sie durch diese Aktion nicht nur die Aufmerksamkeit ihres in der Nähe lebenden Ex-Mannes, sondern auch der ermittelnden Polizistin Riley auf sich lenkt und dummerweise nicht einmal ein Alibi besitzt, denn aufgrund eines Blackouts erinnert sie sich nur fragmentarisch an die fragliche Nacht…

Rezension:

Lange Zeit schon hatte ich Girl on the Train schon auf meiner persönlichen Agenda stehen, ohne Großartiges vom Plot oder dem zugrundeliegenden Buch gewusst zu haben, außer, dass es sich – mal wieder – um die Bestseller-Verfilmung eines sich wie geschnitten Brot verkaufenden Buches handelt. Gut so, denn hätte ich mehr gewusst, hätte mich der von Tate Taylor inszenierte Film wohl weit weniger zu packen gewusst, denn inszenatorisch macht der Thriller zunächst einmal eine durchaus tolle Figur und begeistert mit irritierenden, aber stilsicher dargebrachten Zeitsprüngen und Blickwinkel-Wechseln, die langsam aber sicher die Natur eines Verbrechens aufklären, dessen Begleitumstände lange Zeit im Verborgenen bleiben. Nun schreibe ich aber auch von der Warte einer Person, die weder das Buch gelesen noch im Vorfeld einen Trailer zum Film gesehen hat, was sicherlich beides einiges vorwegnehmen dürfte und den Film tendenziell uninteressant machen dürfte, lebt der schließlich wie so oft von seinen überraschenden Wendungen und Offenbarungen, weshalb ich mich auch am Folgenden an möglichst wenigen Details zur konkreten Handlung auslassen möchte.

Szenenbild aus Girl on the Train | © Constantin
© Constantin

Lob verdient auf alle Fälle aber Emily Blunt (Sicario) in der Rolle der Protagonistin Rachel und liefert eine überzeugende, irritierend glaubhafte Darstellung ab, wenn es um die allmähliche Dekonstruktion ihrer anfänglich so normal scheinenden Figur geht, die nicht nur aufgrund des vermeintlichen Verbrechens in einen regelrechten Abwärtsstrudel gerissen wird und den Film in weiten Teilen trägt, auch wenn sich der Plot neben Rachels Figur ebenso sehr auf die von Haley Bennett (Die glorreichen Sieben) verkörperte Megan sowie die von Rebecca Ferguson (Mission: Impossible – Rogue Nation) gespielte Anna fokussiert, was schon einmal das Hauptaugenmerk auf ein ziemliches starkes Frauen-Trio lenkt, auch wenn freilich nicht jede Wendung in der vermeintlichen Vorstadt-Idylle so richtig zu überzeugen weiß und mancherorts gar mit dem Anspruch einer Daily Soap kokettiert. Das allerdings vermag ich dem Film durchaus zu verzeihen, da er ansonsten eben durchaus sehr clever inszeniert ist, wobei sich diese Aussage vornehmlich auf etwa die erste stunde des Films beschränkt, denn der eigentliche Twist, die große Offenbarung, erfolgt hier in meinen Augen viel zu früh, auch wenn unaufmerksame Zuschauer sich zu diesem Moment vielleicht noch nicht alles Weitere zusammenreimen können mögen, aber das wage ich gar nicht zu beurteilen.

Für mich persönlich gab es nun mal aber nach etwas mehr als der Hälfte des Films einen recht aufschlussreichen Aha-Moment, der mir so ziemlich alles noch Folgende zu erklären vermochte und so verbrachte ich die sich anschließenden rund vierzig Minuten im Grunde nur damit, mir seitens der Filmemacher detailliert vorkauen zu lassen, was ich längst verstanden hatte. So überzeugend also Girl on the Train zunächst sein mag, so großartig ich nicht nur, aber speziell Emily Blunts Darstellung gefunden habe, so sehr verliert der Film doch viel zu früh an Faszination und mündet schlussendlich in ein nicht ganz nachvollziehbares, mäßig spannendes Finale, das mit lediglich einer einzigen, unerwartet drastischen Szene noch einmal kurz zu überraschen wusste und ansonsten doch eher generisch geraten ist.

Szenenbild aus Girl on the Train | © Constantin
© Constantin

Immerhin aber vermag Girl on the Train in Sachen Besetzung auch auf männlicher Seite zu punkten und so tummeln sich in den größeren Rollen hier Justin Theroux als Rachels Ex Tom, Luke Evans (High-Rise) als Megans Freund Scott und nicht zuletzt Édgar Ramírez (Point Break) als Therapeut Dr. Abdic, die mir in ihren jeweiligen Rollen allesamt ebenfalls zu gefallen wussten, aber logischerweise ebenfalls nicht darüber hinwegtrösten, dass der Film so schnell sein gesamtes Pulver verschießt und vom ansprechenden Mystery-Thriller zu reichlich plumper Soap mutiert, denn in der Beziehung wäre bei einem Film, der so auf seine Geheimnisse und Offenbarungen baut, deutlich mehr drin gewesen, wenn die Hinweise nicht ganz so auffällig und teilweise regelrecht selbsterklärend in die Handlung gestreut würden, wie es hier geschehen ist, so dass sich schlussendlich auch die zahlreichen Zeit- und Personensprünge als bloßes Stilmittel outen, um eine im Kern doch sehr überschaubare Geschichte künstlich zu mystifizieren. Dennoch hatte ich durchaus meinen Spaß mit dem Film, was ich aber wie gesagt vornehmlich darauf zurückführe, absolut gar nicht gewusst zu haben, überhaupt in welche Richtung sich der Streifen entwickeln würde. In Anbetracht dessen, dass es sich aber um eine Bestseller-Verfilmung handelt, werden wohl nicht viele mit dieser Art allumfassender Unwissenheit gesegnet sein.

Fazit & Wertung:

Der von Tate Taylor adaptierte Girl on the Train beginnt ungemein atmosphärisch und undurchsichtig, baut dadurch gehörig Spannung und Atmosphäre auf und zieht immer tiefer in eine zunehmend morbide und bedrohlich werdende Erzählung, doch der große Überraschungsmoment des Films wird dann leider viel zu früh vorweggenommen und nimmt dem Geschehen im letzten Drittel spürbar den Wind aus den Segeln, wenn man als Zuschauer in weiten Teilen schon weiß, welche vermeintlichen "Überraschungen" noch zutage gefördert werden dürften. Immerhin was die Wahl der DarstellerInnen und speziell Emily Blunts Ausgestaltung ihrer Figur angeht, braucht sich der Film aber nichts vorwerfen lassen, funktioniert derweil mit möglichst geringem Vorwissen noch am besten.

6,5 von 10 verschwommenen Erinnerungen

Girl on the Train

  • Verschwommene Erinnerungen - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Der von Tate Taylor adaptierte Girl on the Train beginnt ungemein atmosphärisch und undurchsichtig, baut dadurch gehörig Spannung und Atmosphäre auf und zieht immer tiefer in eine zunehmend morbide und bedrohlich werdende Erzählung, doch der große Überraschungsmoment des Films wird dann leider viel zu früh vorweggenommen und nimmt dem Geschehen im letzten Drittel spürbar den Wind aus den Segeln, wenn man als Zuschauer in weiten Teilen schon weiß, welche vermeintlichen "Überraschungen" noch zutage gefördert werden dürften. Immerhin was die Wahl der DarstellerInnen und speziell Emily Blunts Ausgestaltung ihrer Figur angeht, braucht sich der Film aber nichts vorwerfen lassen, funktioniert derweil mit möglichst geringem Vorwissen noch am besten.

6.5/10
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