Review: A Beautiful Day (Film)

Heute erzähle ich euch dann mal wieder von einem Film, um den ich seit Erscheinen herumgeschlichen bin, der mir aber stets zu teuer gewesen ist, bis ich ihn jüngst bei der wunderbaren 5-für-3-Aktion abstauben konnte, woraufhin die Blu-ray natürlich prompt im Player gelandet ist.

A Beautiful Day

You Were Never Really Here, USA/UK/FR 2017, 89 Min.

A Beautiful Day | © Constantin
© Constantin

Regisseurin:
Lynne Ramsay
Autoren:
Lynne Ramsay (Drehbuch)
Jonathan Ames (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Joaquin Phoenix (Joe)

in weiteren Rollen:

Judith Roberts (Joe’s Mother)
Ekaterina Samsonov (Nina Votto)
John Doman (John McCleary)
Alex Manette (Senator Albert Votto)
Dante Pereira-Olson (Young Joe)
Alessandro Nivola (Governor Williams)

Genre:
Krimi | Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus A Beautiful Day | © Constantin
© Constantin

Joe ist Kriegsveteran und ehemaliger FBI-Agent, doch haben ihn diese beiden Abschnitte seines Lebens zu einem psychischen und emotionalen Wrack gemacht, während er die schrecklichen Bilder seiner Vergangenheit kaum mehr aus dem Kopf bekommt, vielleicht höchstens, wenn er sich mittels über den Kopf gezogener Plastiktüte bis kurz vor den Erstickungstod treibt. Um aber irgendwie sein Auskommen zu sichern und vor allem für seine betagte Mutter sorgen zu können, übernimmt Joe immer wieder halblegale Jobs, zu denen auch gehört, die minderjährige Tochter eines Senators aus einem Bordell zu befreien. Nach einem Ausflug in den Baumarkt macht sich Joe auf, das Mädchen zu befreien, doch ist damit der Job noch längst nicht erledigt, denn im Anschluss laufen die Dinge erst so richtig aus dem Ruder…

Rezension:

Lange Zeit bin ich um A Beautiful Day herumgeschlichen, der einerseits von der Times als "Taxi Driver des 21. Jahrhunderts" gehandelt wird, andererseits aber auch viele enttäuschte Kritiken spendiert bekommen hat, gleichwohl ich mir sicher war, dass ein dergestalt anmutender Film und noch dazu mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle mich kaum enttäuschen könne. Und tatsächlich biet sich der Vergleich zum Robert-De-Niro-Kultfilm durchaus an, auch wenn Lynne Ramsay in Personalunion als Regisseurin und Drehbuchautorin durchaus eigene Wege geht, doch das reduzierte und beklemmende Setting, die wortkarge Ausgestaltung und thematische Eckpunkte haben beide Werke tatsächlich miteinander gemein, derweil das originär als You Were Never Really Here betitelte Werk nach rund 30 Minuten mit einer sehr schönen Taxi-Driver-Gedächtnissequenz aufwartet, in der passenderweise auch noch zahlreiche Taxen zu sehen sind.

Szenenbild aus A Beautiful Day | © Constantin
© Constantin

Getreu dem Motto "Show, Don’t Tell" verlegt sich Ramsy aber zunächst einmal darauf, uns Joes Lebensrealität vor Augen zu führen und in Anbetracht seiner Plastiktüten-Vorliebe (von einem Fetisch kann hier keine Rede sein), dem heruntergekommenen und von Narben gezeichneten Äußeren bis hin zu dem Metier, in dem sich Joe als eine Art Geist bewegt, gibt es hier keinen Silberstreif am Horizont, keine Ruhe oder Frieden, dafür aber immer wieder aufblitzende Erinnerungen an seine Zeit im Krieg und beim FBI, die auch das einzige sind, was man als Zuschauer zu den Hintergründen der Figur geliefert bekommt, denn erwartungsgemäß ist dieser von Joaquin Phoenix (Her) gewohnt intensiv und aufopferungsvoll verkörperte Joe kein Mann der großen Worte und geht auch bei seinem "Job" mit einer derartigen Nüchternheit zu Werke, die ihresgleichen sucht.

Schnell ließ sich dadurch für mich auch ausmachen, weshalb A Beautiful Day neben lobenden Worten auch viele enttäuschte Stimmen mit sich bringt, denn wer hier einen Action-reißer, einen Revenge-Thriller, eine Selbstjustiz-Story erwartet, wird in weiten Teilen enttäuscht sein, zumal Ramsy die Auseinandersetzungen oft nicht einmal bebildert (was wohl auch am Budget gelegen haben mag), sondern stattdessen lediglich die Auswirkungen, das Ergebnis der Konfrontationen zeigt, liebevoll wie treffend als " post rage aftermath scenes" bezeichnet. Das befriedigt natürlich in keiner Weise die Erwartungshaltung eines actionorientierten Publikums, passt aber zu der Art und Ausgestaltung des Films wie die Faust aufs Auge, denn der Schrecken, die Gewalt und Brutalität müssen überhaupt nicht gezeigt werden, da das ungleich beklemmendere Gefühl sich ohnehin längst aus der zugrundeliegenden Thematik ableiten lässt, wenn es insbesondere Kinder sind, die Joe hat sterben sehen, die missbraucht werden, die er nicht hat retten können, was dann auch seine Passion erklärt, trotz seines desolaten Erscheinungsbildes doch zumindest ein Stück weit Buße zu tun, indem er beispielsweise die minderjährige Nina (Ekaterina Samsonov) befreit.

Szenenbild aus A Beautiful Day | © Constantin
© Constantin

So ist A Beautiful Day eben weit mehr ein düsteres charakter-Drama mit tendenziell gewalttätiger Synopsis, doch steht das eben nicht im Vordergrund, weder für Joe, noch für den Film, sondern dient lediglich als Mittel zum Zweck, als letzter Ausweg, sich der Ungerechtigkeit und Erbarmungslosigkeit der Welt entgegenzustellen, wobei dieser Joe wohl mindestens so oft den selbstgewählten Freitod fabuliert, wie er anderen Menschen Gewalt antut. Die sphärischen, fast traumwandlerischen Bilderwelten, Joes die Realität überlagernde Erinnerungen und Fantasien und nicht zuletzt der treibende, zuweilen dissonante Soundtrack von Radioheads-Gitarrist Jonny Greenwood tun hierbei ihr Übriges, um einen cineastisch ansprechenden, im abgründigsten Sinn betörenden Film zu offerieren, dessen Dramaturgie aufs wirklich Allernötigste heruntergebrochen wird, weshalb es auch nicht einmal neunzig Minuten dauert, bis Joe ans Ende seiner Reise gelangt. Doch in punkto Intensität und beklemmender Atmosphäre, tief empfundenem Bedauern und Mitgefühl und nicht zuletzt der Akzeptanz des unabwendbaren scheinenden Fatalismus haben es diese anderthalb Stunden wahrlich in sich.

Fazit & Wertung:

Mit A Beautiful Day gelingt Lynne Ramsay ein ungemein intensives und bedrückendes Charakter-Porträt eines an seiner eigenen Lebensrealität verzweifelnden Mannes, der jederzeit an der Schwelle zum Selbstmord zu stehen scheint und die letzten Kräfte mobilisiert, um in dieser in seinen Augen dem Untergang geweihten Welt zumindest ein wenig Gutes zu tun. Dabei ist es ganz Joaquin Phoenix zu verdanken, dass Protagonist Joe trotz reduzierter Vorgeschichte und nur rudimentärer Ausgestaltung nicht zur Karikatur verkommt, sondern mit seinem Schicksal tief bewegt.

8 von 10 die Seele quälenden Erinnerungen

A Beautiful Day

  • Die Seele quälende Erinnerungen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit A Beautiful Day gelingt Lynne Ramsay ein ungemein intensives und bedrückendes Charakter-Porträt eines an seiner eigenen Lebensrealität verzweifelnden Mannes, der jederzeit an der Schwelle zum Selbstmord zu stehen scheint und die letzten Kräfte mobilisiert, um in dieser in seinen Augen dem Untergang geweihten Welt zumindest ein wenig Gutes zu tun. Dabei ist es ganz Joaquin Phoenix zu verdanken, dass Protagonist Joe trotz reduzierter Vorgeschichte und nur rudimentärer Ausgestaltung nicht zur Karikatur verkommt, sondern mit seinem Schicksal tief bewegt.

8.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
Sende

A Beautiful Day ist am 06.09.18 auf DVD und Blu-ray bei Constantin erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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