Review: Schneemann (Film)

Kommen wir heute zu einem Film, von dem ich mir wahrlich mehr versprochen hatte und der selbst mich und in Anbetracht der hochkarätigen Besetzung enttäuscht hat, obwohl ich ja eigentlich dafür bekannt sein dürfte, auch an mittelschweren Totalausfällen noch was Gutes zu finden. Das tue ich zwar auch hier, aber ich hätte mir gewünscht, dass es noch mehr gewesen wäre, was ich dem Film zugutehalten könnte.

Schneemann

The Snowman, UK/USA/SE/CN 2017, 119 Min.

Schneemann | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Tomas Alfredson
Autoren:
Peter Straughan (Drehbuch)
Hossein Amini (Drehbuch)
Søren Sveistrup (Drehbuch)
Jo Nesbø (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Michael Fassbender (Harry Hole)
Rebecca Ferguson (Katrine Bratt)
Charlotte Gainsbourg (Rakel)
Toby Jones (DC Svensson)
Val Kilmer (Rafto)
J.K. Simmons (Arve Stop)
in weiteren Rollen:
Chloë Sevigny (Sylvia Ottersen / Ane Pedersen)
Sofia Helin (Boy’s Mother)
Genevieve O’Reilly (Birte Becker)
Jonas Karlsson (Mathias)
Peter Dalle (Uncle Jonas)
David Dencik (Vetlesen)
Jakob Oftebro (DC Magnus Skarre)
James D’Arcy (Filip Becker)

Genre:
Krimi | Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Schneemann | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Harry Hole hat ein gravierendes Alkoholproblem und für Außenstehende mag es unverständlich sein, dass er noch immer bei der Osloer Polizei beschäftigt ist. Doch bleibt Harry auch nicht viel anderes als seine Arbeit, nachdem seine Freundin Rakel ihn verlassen hat und so hängt er sich bereitwillig an die frisch zum Team gestoßene Katrine Bratt, die eine Reihe Vermisstenfälle untersucht, die sich gleich mehrfach als perfide Morde entpuppen. Trotz seines ausufernden Alkoholkonsums ist Hole aber auch noch immer ein genialer Ermittler und stößt schnell auf Spuren und Hinweise, zumal ihn der Täter selbst mit Postkarten zu verhöhnen scheint und am Tatort Schneemänner hinterlässt, deren anklagender Blick Harry alsbald verfolgt. Die Spuren führen dabei in unterschiedlichste Richtungen und stellen Hole und Bratt vor gehörige Rätsel, während sie Angehörige und Ärzte zu vernehmen beginnen und selbst ein wohlhabender Unternehmer in Verdacht gerät, mit den Mordfällen in Verbindung zu stehen…

Rezension:

Ungeachtet der doch mittelmäßigen Kritiken, was die Literatur-Verfilmung Schneemann nach dem gleichnamigen Roman von Jo Nesbø angeht, wollte ich mir doch mein eigenes Urteil bilden, denn allein gemessen an der eisigen Bedrohlichkeit und daraus resultierenden Atmosphäre, vor allem aber der ungemein hochkarätigen Besetzung – allen voran Michael Fassbender (Das Gesetz der Familie), der eigentlich nie enttäuscht – war für mich schnell klar, mir mein eigenes Urteil bilden zu wollen, denn viel zu oft schon haben mir Filme richtig gut gefallen, die bei den Kritikern allgemein eher durchgefallen sind. Hier nun muss ich aber leider in den allgemeinen Tenor einstimmen, denn so atmosphärisch sich der Reigen tatsächlich gibt, hält die Dramaturgie des Gezeigten doch nicht annähernd Schritt, was man freilich erst erkennt, nachdem die Geschichte so richtig in Gang gekommen ist. Die Einführung des Protagonisten Harry Hole geschieht dabei genauso lakonisch und wortkarg, wie man es sich erwarten würde, während sich Regisseur Tomas Alfredson redlich müht, ihm im weiteren Verlauf ein wenig Background angedeihen zu lassen, was aber nicht darüber hinweghilft und -täuscht, dass man es hier mit der Verfilmung des nunmehr siebten Romans um Harry Hole zu tun hat, so dass selbst ein Mime vom Schlag eines Fassbender hier ein wenig wie im luftleeren Raum zu agieren gezwungen und nicht in der Lage ist, die schwarzen Flecken wirklich zu füllen.

Szenenbild aus Schneemann | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Ein wenig besser sieht es da schon bei Rebecca Ferguson (Mission: Impossible – Fallout) aus, die als Katrin Bratt die Partnerin an Holes Seite mimt und (zunächst) weitaus weniger unbekannte Altlasten mit sich herumträgt. Nun sind norwegische Krimis für ihr ganz besonderes Flair bekannt und geschätzt und grundsätzlich mag es Alfredson auch gelingen, ebendieses Flair für das Kino zu adaptieren, doch agiert man eben in unterschiedlichen Medien und was im Buch eine besondere Atmosphäre erzeugt, wirkt hier oft schwergängig und getragen bis hin zur Lethargie, während der Plot nicht wirklich in die Gänge zu kommen scheint und durch zunächst beliebig wirkende Rückblenden ausgepolstert wird, die das gegenwärtige Geschehen allerdings nur noch weiter ausbremsen. Dadurch weiß auch Val Kilmer (Kiss Kiss Bang Bang) in einer kleinen, aber feinen Rolle kaum längerfristig im Gedächtnis zu bleiben, denn was der von ihm verkörperte Rafto fünf Jahre zuvor und andernorts entdeckt, scheint erst einmal wenig Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen um den ominösen Schneemann zu haben. Sicherlich mag das auch daran liegen, dass ein immerhin rund 500 Seiten starker Wälzer auf zwei Stunden Film komprimiert werden musste, doch was mich ursprünglich an dem Film (mitunter) gereizt hat, entpuppt sich in vielerlei Hinsicht als unnötiger Ballast.

So tummeln sich nämlich neben Kilmer der von mir hochgeschätzte Toby Jones (Wayward Pines) oder auch der Oscar-prämierte J.K. Simmons (Whiplash) in dem Reigen und verleihen ihren Figuren auch ein gewisses Charisma, sind ansonsten aber nur Randerscheinungen in der zunehmend aus dem Ruder laufenden Ermittlungsarbeit. Einzig Charlotte Gainsbourg (Antichrist) trifft es da als Harrys Ex etwas besser, auch wenn es anfänglich nicht danach aussehen mag, doch ist und bleibt Schneemann dennoch ein Film verschenkter Möglichkeiten, der immer wieder in einzelnen Szenen und mit teils beeindruckend tristen Aufnahmen zu gefallen weiß, aber zunehmend ins Leere zu laufen droht um dann mit abrupter Kehrtwende noch schnell die gar nicht so überraschende Auflösung herbeizuführen, die dann auch noch mäßig spannend und teils regelrecht irrational abgehandelt wird. Das wirkt dann alles oft mehr wie ein leidlich überzeugender TV-Krimi und nicht wie ein hochbudgetiertes Kinoprojekt, was dann schlussendlich selbst Fassbender und Ferguson als Triebfedern der Handlung abzufangen wissen.

Szenenbild aus Schneemann | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Große Lust, mir nun eines der Bücher von Jo Nesbø zu Gemüte zu führen, habe ich auf jeden Fall nicht bekommen und allein gemessen am Erfolg der immerhin elf Bände umfassenden Reihe tue ich dem Autor und seiner Figur damit sicherlich unrecht. Doch das zeigt eben auch, wie unsinnig es doch ist, mit dem siebten Band einer Reihe eine Verfilmung zu starten, denn während allerorten Schicksale angerissen und behandelt werden, bleibt ausgerechnet der Werdegang der Hauptfigur Harry Hole im Dunkeln, zumal es nicht gerade schlüssig scheint, dass man ihn mit seinem doch sehr bedenklichen Trinkverhalten und der unterstellten Verwahrlosung noch immer im aktiven Dienst behält. Da wäre es schön gewesen, der Figur doch irgendwie näher zu kommen, doch findet Alfredson schlichtweg keine klare Linie, ob ihn nun mehr der Fall, die agierenden Figuren oder deren Motivation interessieren. So gibt es von allem ein bisschen und das vor durchaus schicker, frostiger Kulisse, aber in keiner der Disziplinen kommt Schneemann aus dem Mittelmaß heraus, in dem er sich nach dem vielversprechenden ersten Drittel zunehmend gemütlich zu machen scheint. Unterkühlt ist dieser norwegische Krimi-Thriller also allemal, nur eben nicht auf die überzeugende, packende Art und Weise.

Fazit & Wertung:

Tomas Alfredson versucht sich mit Schneemann an der Verfilmung eines Harry-Hole-Romans von Jo Nesbø, interessiert sich aber kaum einen Deut für seine Hauptfigur und kürzt dem Gefühl nach aufs Geratewohl Handlungsstränge zusammen, die im Buch sicherlich ihre Bewandtnis hatten, hier aber oft wie bloßes Füllwerk wirken, derweil weder Fall noch (die wenig überraschende) Auflösung je wirklich zu packen wissen. In zahlreichen Momenten schimmert zwar das Potential durch, doch verzetteln sich die drei verpflichteten Drehbuchautoren zusehends in der Dramaturgie des Gezeigten.

5 von 10 Untersuchungen in eisiger Kälte

Schneemann

  • Untersuchungen in eisiger Kälte - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Tomas Alfredson versucht sich mit Schneemann an der Verfilmung eines Harry-Hole-Romans von Jo Nesbø, interessiert sich aber kaum einen Deut für seine Hauptfigur und kürzt dem Gefühl nach aufs Geratewohl Handlungsstränge zusammen, die im Buch sicherlich ihre Bewandtnis hatten, hier aber oft wie bloßes Füllwerk wirken, derweil weder Fall noch (die wenig überraschende) Auflösung je wirklich zu packen wissen. In zahlreichen Momenten schimmert zwar das Potential durch, doch verzetteln sich die drei verpflichteten Drehbuchautoren zusehends in der Dramaturgie des Gezeigten.

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Schneemann ist am 16.02.18 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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