Review: The Girl with All the Gifts (Film)

Heute gibt es mal wieder – wer hätte es geahnt – eine Film-Kritik von meiner Seite, doch freue ich mich hier ganz besonders, dem Film eine Chance gegeben zu haben, denn trotz einer gewissen Erwartungshaltung wurde ich immer noch positiv überrascht, was aber auch damit zusammenhängen mag, dass ich mal wieder vor der Sichtung so ziemlich nichts über den Film wusste, von den groben Eckdaten abgesehen, weshalb ich mich auch bemüht habe, den Artikel so spoilerfrei wie irgend möglich zu gestalten.

The Girl with All the Gifts

The Girl with All the Gifts, UK/USA 2016, 111 Min.

The Girl with All the Gifts | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Colm McCarthy
Autor:
Mike Carey (Drehbuch & Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Gemma Arterton (Helen Justineau)
Paddy Considine (Sgt Eddie Parks)
Glenn Close (Dr. Caroline Caldwell)
Sennia Nanua (Melanie)

Genre:
Drama | Endzeit | Horror | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

The Girl with All the Gifts | © Universum Film
© Universum Film

Die zehnjährige Melanie lebt in einer nahen Zukunft ein tristes Leben in einer nur wenige Quadratmeter messenden Zelle. Morgens begibt sie sich auf einen eigens präparierten Rollstuhl mit Fixiergurten und wird von wortkargen Militärs zum Schulunterricht gerollt, wo sie mit einer ganzen Schar ähnlich fixierter Kinder in den unterschiedlichsten Fächern unterrichtet wird, unter anderem von der warmherzigen Helen Justineau, der es ein zunehmender Graus ist, die Kinder über ihre Herkunft und Bestimmung im Unklaren zu lassen. Außerhalb des unterirdischen Gebäudekomplexes, in dem sich Melanies Leben abspielt, haben die sogenannten "Hungries", zombieähnliche Kreaturen, die Erde in weiten Teilen überrannt, während sich die Schar Überlebender hinter Zäunen und Mauern verbarrikadiert hat und die Wissenschaftlerin Dr. Caroline Caldwell verzweifelt nach einem möglichen Heilmittel forscht. Ausgerechnet an dem Tag aber, als Melanie zu ihr geschickt wird, drohen die Verteidigungsanlagen zu versagen und der Stützpunkt überrannt zu werden…

Rezension:

Es mag heutzutage schwierig sein, dem Zombie-Sujet noch neue Facetten abzuringen, würde man meinen, doch dann kommt Regisseur Colm McCarthy daher und beweist einem mit Leichtigkeit das Gegenteil, denn auch wenn die Grundidee von The Girl with All the Gifts für sich genommen nun auch nicht hundertprozentig neu sein mag, geht die Buch-Adaption des gleichnamigen Romans von Mike Carey (Der Fluch von Rowans Rise), der hier auch gleich das Drehbuch beigesteuert hat, zumindest inszenatorisch neue Wege. Vor allem aber ist es beeindruckend, was die Macher und Produzenten mit dem vergleichsweise geringen Budget von gerade einmal 4 Millionen Pfund anzustellen gewusst haben, denn der Endzeit-Thriller sieht in jedem Moment absolut hochwertig aus und muss sich mitnichten vor deutlich hochpreisiger gefilmten Hollywood-Produktionen verstecken. Zugegebenermaßen war es aber auch bei mir nun vorrangig Gemma Arterton, die mich auf den Film hat aufmerksam werden lassen, der mit Paddy Considine und vor allem Glenn Close ohnehin formidabel besetzt ist.

The Girl with All the Gifts | © Universum Film
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Umso beeindruckender ist es dann wiederum, dass Newcomerin Sennia Nanua mit ihrer Verkörperung der eigentlichen Hauptfigur Melanie den gestandenen DarstellerInnen spielend den Rang abläuft und sich sicherlich, würde es sich nicht um einen ausgewiesenen Genre-Film handeln, längst für einige Filmpreise qualifiziert hätte, womit sie nicht nur den dramaturgischen, sondern auch den emotionalen Kern des Films bildet, der insbesondere in seiner ersten halben Stunde seine Stärken auszuspielen versteht und ein gleichermaßen beklemmendes wie packendes Szenario entwirft, das mit einem gerüttelt Maß an Mystery-Faktor einhergeht, denn anfänglich weiß man absolut nicht, was es mit den an Rollstühle gefesselten Kindern, die einem nur auf den ersten Blick "normalen" Schulunterricht beiwohnen, auf sich hat, bevor sich die Schleier zu lichten beginnen und unmittelbar darauf die sprichwörtliche Hölle losbricht, was einen extrem effektiven Paradigmenwechsel innerhalb des Plots mit sich bringt. So stark und einnehmend aber auch der Auftakt von The Girl with All the Gifts sein mag, muss ich auch zugeben, dass sich der ansonsten unumwunden empfehlenswerte und vor allem frisch inszenierte Streifen insbesondere im Mittelteil doch das eine oder andere Mal in genreübliche Gesetzmäßigkeiten flüchtet, was man sicherlich auch eleganter hätte lösen können, denn derlei Schockmomente und von langer Hand abzusehende Todesfälle hat man schon einmal zu oft gesehen, als dass sie noch zu überraschen wüssten.

Das aber ist nur ein kleiner Wermutstropfen in einem Film, der sich ansonsten gleich mehrerer Alleinstellungsmerkmale versichert, die diesen "Zombie-Film" zu einem höchst ungewöhnlichen und überraschend emotionalen Erlebnis machen, wobei auch dies samt und sonders Nanuas Darstellung zu verdanken ist, denn so sehr ich Gemma Arterton (The Voices) beispielsweise schätze und so routiniert sie ihre Rolle der fürsorgenden Lehrerin zu spielen versteht, ist sie doch oftmals kaum mehr als Stichwortgeberin und Gesprächspartnerin für das ungewöhnliche Mädchen, dem dieser Film auch seinen Titel verdankt. Paddy Considine (Macbeth) wiederum gibt hier den üblichen Militär, wie man ihn schon zuhauf gesehen hat und weiß vergleichsweise selten zu überraschen, wohingegen Glenn Close (Guardians of the Galaxy) aus einer eigentlich sehr grobschlächtig skizzierten Figur ein ungemein ambivalentes Wesen mit widerstreitender Motivation generiert, womit ihre Rolle eine echte Überraschung für mich gewesen ist, zumal ich zugegebenermaßen anfangs davon ausgegangen bin, sie würde nach nur wenigen Minuten Screentime das Zeitliche segnen, und sei nur des bekannten Namens wegen an Bord geholt worden (ähnliches dachte ich aber auch bei Arterton, was sich zum Glück ebenfalls nicht bewahrheiten sollte).

The Girl with All the Gifts | © Universum Film
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Fernab der DarstellerInnen aber ist es der ungewöhnliche Blick auf das Thema Zombies – hier "Hungries" – , der hier zu gefallen weiß, denn die eigentliche Apokalypse liegt längst hinter den wenigen Überlebenden, die in Melanie und den anderen Kindern eine fragwürdige Chance für ihr eigenes Überleben sehen, gleichermaßen aber nicht zu verstehen oder zu akzeptieren bereit sind, dass ihre Zeit womöglich abgelaufen, der alles befallende Virus bei einer objektiveren Betrachtung auch als Evolutionsschritt angesehen werden könnte, was insbesondere zum Ende hin sehr schön herausgearbeitet wird. So endet The Girl with All the Gifts auch erfreulich konsequent und erinnert beispielsweise an das Ende von I Am Legend, wohlgemerkt dem Buch, nicht dem Film, lädt vor allem aber zu einer ausgiebigen Nachbesprechung ein und bleibt der anfangs initiierten Ambivalenz des Gezeigten mehr als treu. Das wiederum kann man dem Film nicht hoch genug anrechnen, der sich abgesehen von ein paar wenigen Zombiefilm-Versatzstücken im Mittelteil weitaus klüger, vielschichtiger und reflektierter dem Thema nähert, als man das gemeinhin erwarten würde, womit er zu einer echten Empfehlung für Freunde des Genres wird, die keinen gesteigerten Wert auf überbordenden Splatter legen.

Fazit & Wertung:

Mit der Verfilmung des gleichnamigen Buches The Girl with All the Gifts nähern sich Regisseur Colm McCarthy und der Buch- und Drehbuchautor Mike Carey dem Thema "Zombies" nicht nur von einer erfrischend unverbrauchten Warte, sondern liefern ein kluges und vor allem emotionales Glanzstück ab, das nun das Genre als Ganzes sicherlich nicht neu erfindet und sich mancherorts in genretypische Gesetzmäßigkeiten flüchtet, ansonsten aber überaus reflektiert über das Wesen des Menschseins philosophiert. Dabei beeindruckt neben der erzählerischen Konsequenz vor allem Sennia Nanua, die als Melanie nicht nur den narrativen Dreh- und Angelpunkt des Films bildet.

8 von 10 Hoffnungsschimmern in einer verseuchten Welt

The Girl with All the Gifts

  • Hoffnungsschimmer in einer verseuchten Welt - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit der Verfilmung des gleichnamigen Buches The Girl with All the Gifts nähern sich Regisseur Colm McCarthy und der Buch- und Drehbuchautor Mike Carey dem Thema "Zombies" nicht nur von einer erfrischend unverbrauchten Warte, sondern liefern ein kluges und vor allem emotionales Glanzstück ab, das nun das Genre als Ganzes sicherlich nicht neu erfindet und sich mancherorts in genretypische Gesetzmäßigkeiten flüchtet, ansonsten aber überaus reflektiert über das Wesen des Menschseins philosophiert. Dabei beeindruckt neben der erzählerischen Konsequenz vor allem Sennia Nanua, die als Melanie nicht nur den narrativen Dreh- und Angelpunkt des Films bildet.

8.0/10
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