Und da wäre ich auch schon wieder mit einer Serien-Review, die ich in Anbetracht der vergleichsweise höheren Aktualität gegenüber der eigentlich geplanten Rezension vorgezogen habe, um euch heute keine 14 Tage nach Verkaufsstart der DVD/Blu-ray davon berichten zu können. Viel Spaß und einen schönen Abend allerseits!
Dominion
Staffel 1
Dominion, USA 2014-2015, ca. 40 Min. je Folge
© Edel Germany GmbH
Vaun Wilmott
Vaun Wilmott
Todd Slavkin
Darren Swimmer
Christopher Egan (Alex Lannen)
Tom Wisdom (Michael)
Roxanne McKee (Claire Riesen)
Luke Allen-Gale (William Whele)
Shivani Ghai (Arika)
Rosalind Halstead (Senator Becca Thorn)
Anthony Stewart Head (David Whele)
Alan Dale (General Edward Riesen)
Carl Beukes (Gabriel)
Katrine De Candole (Uriel)
Kim Engelbrecht (Sgt. Noma Walker)
Amy Bailey (Clementine)
Jonathan Howard (Ethan)
Langley Kirkwood (Jeep)
Anton David Jeftha (Furiad)
Fantasy | Endzeit | Action | Drama
Trailer:
Inhalt:
Fünfundzwanzig Jahre nachdem die himmlischen Heerscharen auf die Erde hinabstürmten, um den ungeborenen Sohn einer Kellnerin zu töten, der – so hieß es – als einziger die Vernichtung der Menschheit verhindern könnte und fünfundzwanzig Jahre nachdem Erzengel Michael sich gegen seine Brüder und selbst Gabriel höchstpersönlich gestellt hat, um ebenjenes Kind zu retten, sind weite Teile der Erde von einem Jahre währenden Krieg verheert und die letzten Überlebenden haben sich in einigen wenigen, sorgsam gesicherten Stadtstaaten zusammengefunden, deren größte die Stadt Vega – das ehemalige Las Vegas – ist. Unter Führung von General Riesen wurde hier eine Art Kastensystem etabliert, was die Bürger der Stadt ihrem Stande nach entsprechend eingruppiert. Vor allem aber durch die Anwesenheit des Erzengels Michael ist Vega einzigartig unter den letzten Bastionen der Menschheit.
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Während der Konsul aus dem rivalisierenden Haus Whele danach strebt, die Macht in Vega an sich zu reißen, nähert sich der Moment, an dem der Auserwählte, ein seit Jahren als Soldat des Erzengel-Corps, ein als Mensch der Kategorie V2 in den Straßen von Vega lebender Mann namens Alex Lannen, der von seiner Berufung nicht das geringste ahnt, offenbart werden wird und damit den Konflikt zwischen Michael und Gabriel, der sich mit seinen Anhängern inmitten einer riesigen Bergfestung eingenistet hat, neu entfachen wird. Doch es gibt noch mehr Parteien, die den Auserwählten für ihre Ziele zu nutzen trachten…
Rezension:
Im Jahr 2010 realisierte der der seinerzeit als Drehbuchautor wie Regisseur fungierende Scott Charles Stewart sein Spielfilmdebüt Legion, der zwar seiner Prämisse nach, die Engel kämen auf die Erde hernieder, um das Menschengeschlecht auszulöschen, einige Aufmerksamkeit auf sich zog, dem gleichwohl in seiner Art und Ausgestaltung kein sonderlicher Erfolg beschieden war. Und dennoch, die Prämisse schien reizvoll genug zu sein, dass Vaun Wilmott auf loser Basis des Films einen Serienstoff für den Spartensender Syfy ersann, der den Titel Dominion tragen sollte. Vorkenntnisse aus dem Film waren indes nicht vonnöten und die Überschneidungen sind kaum als marginal zu bezeichnen, zumal die Geschichte der Serie gute fünfundzwanzig Jahre nach den Ereignissen des Films einsetzt, wobei man sich zumindest über ein Wiedersehen mit Erzengel Michael freuen darf, seinerzeit von Paul Bettany und nun von Tom Wisdom verkörpert, während ansonsten lediglich Erzengel Gabriel und Jeep, seines Zeichens Retter des Auserwählten, in anderer Rollenbesetzung in Erscheinung treten. Davon abgesehen präsentiert sich die Serie des Sparten-Senders vom ersten Moment an als durchaus überzeugende, postapokalyptische Fantasy-Mär und eröffnet gleich mit einer Pilotepisode in Spielfilmlänge, was heutzutage doch schon eher ungewöhnlich ist und zusammen mit der zweigeteilten Finalfolge also im Endeffekt ebenfalls eine zehnteilige Staffel ergeben hätte, wie es derweil überwiegend Usus ist.
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Handlungsort ist in weiten Teilen die ummauerte Stadt Vega, die selbstredend auf den Ruinen von Las Vegas erbaut worden ist, wie verblichene Straßenschilder und die durchaus opulenten Aufnahmen des Gesamtbildes der Stadt verdeutlichen und hier lernt der Zuschauer dann auch Alex Lannen, den bis dato völlig ahnungslosen Auserwählten in spe kennen, der sich als V2-Soldat in der Erzengel-Corps unter Michael verdingt, unter dessen Schutz die Stadt steht. Ebenfalls wichtige Protagonisten sind des Weiteren das Haus Riesen, einerseits durch General Edward Riesen vertreten, der von Alan Dale verkörpert wird, der schon in dem ebenfalls von Scott Charles Stewart stammenden Priest eine kleine Rolle hatte, sowie dessen ambitionierter Tochter Claire in Gestalt von Roxanne McKee, an die sich der geneigte Fantasy-Fan womöglich noch dunkel als Doreah, eine der Dienerinnen von Daenerys in den ersten beiden Staffeln Game of Thrones erinnern mag. Diesen gegenüber steht das nicht minder einflussreiche Haus Whele, dessen Oberhaupt David – Anthony Stewart Head (Buffy) in einer grandios durchtriebenen, finsteren und dennoch nicht einseitig böse gefärbten Rolle – die Macht in Vega an sich zu reißen gedenkt, während dessen Sohn William im Geheimen Vorsteher der Schwarzen Akolythen ist, die sich der Anbetung Gabriels, allgemeiner Auffassung nach Todfeind der Menschheit, verschrieben hat. Und während sich die Oberhäupter der Häuser Riesen und Whele argwöhnisch betrachten, plant man derweil dennoch eine Vermählung von William und Claire, während die wiederum eine Affäre mit dem Soldaten und späteren Auserwählten Alex unterhält, der natürlich nicht annähernd ihrem adeligen Stand entspricht.
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Sicherlich, das sind alles weithin bekannte und gern genutzte Verflechtungen, während die Figuren insbesondere in der Auftaktfolge doch teils noch sehr generisch und eindimensional wirken, aber dennoch macht der – übrigens ebenfalls unter Regie von Scott Charles Stewart entstandene – Pilotfilm Lust auf mehr und ist für sich genommen im direkten Vergleich zu Legion schon der unweit bessere Film, zumal die Autoren es verstehen, aus der stereotypen Grundkonstellation in den sich anschließenden Folgen gehörig Potential herauszuholen, was schon in Abschied (1.02) seinen Anfang nimmt. Überdies gelingt es mit jeder Folge mehr und mehr, aus der Welt von Dominion eine glaubhafte Gesellschaft zu generieren, die einerseits nicht bis ins letzte Detail durchexerziert werden muss und trotzdem mit zahllosen Details und Andeutungen lebendig und nachvollziehbar wird. Zwar gibt es natürlich auch vergleichsweise schwächere Folgen wie etwa Die Flut (1.04), in denen gefühlsmäßig wenig passiert, was angesichts der zahlreichen Handlungsstränge, die allein im Pilot (1.01) aufgemacht worden sind, irritieren mag, doch allgemein bewegt sich die Serie auf einem durchweg überzeugenden Niveau. In der zweiten Staffelhälfte wiederum ist es dann der wachsende Konflikt zwischen Gabriel, der anfänglich noch extrem blass wirkt, konsequent aber mehr und mehr Profil verliehen bekommt, und Michael, der anfangs als der wortkarge wie barmherzige Samariter erscheint und ebenfalls im weiteren Verlauf eine zunehmend differenziertere Charakterzeichnung angediehen bekommt, die im zweigeteilten – ergo doppelt so langen – Staffelfinale Täuschung (1.08) ihre Vollendung findet.
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Dieser Erzengel-Zwist wird noch verstärkt durch das Erscheinen von Uriel in der vierten Folge, die allerdings ebenfalls ihre eigenen Ziele zu verfolgen scheint, während sie suggeriert, zwischen den Brüdern vermitteln zu wollen. Auch auf Seiten der Menschen gewinnen die Figuren im Verlauf der recht zügig zu konsumierenden ersten Staffel Dominion gehörig an Tiefgang und speziell die zunächst einseitig böse oder gut erscheinenden Figuren tun sich hier mit teils erstaunlichen Entwicklungen und Offenbarungen hervor, während einzig der von Christopher Egan dargestellte Auserwählte Alex in der Hinsicht ein wenig enttäuscht, doch ist er eben auch Spielball fremder Mächte und weitestgehend dazu verdammt, zu reagieren, statt wirklich selbst agieren zu können. So ist die Serie sicherlich kein Meilenstein des Genres oder der Fernsehunterhaltung, aber eine extrem stimmig inszenierte Produktion mit einer gelungenen Mischung aus Action-, Drama- und Fantasy-Elementen in einer glaubhaften und interessanten, postapokalyptischen Welt voller rivalisierender Parteien und Fraktionen, die noch längst nicht in Gänze abgehandelt worden sind, denn neben Vega gibt es ja unter anderem noch die Stadtstaaten Helena und New Delphi, die bis dato noch keine übergeordnete Rolle innerhalb des Seriengeschehens gespielt haben. Umso bedauerlicher, dass seitens Syfy nach der zweiten Staffel – die übrigens bereits am 18. März ihren Weg in die hiesigen Läden finden wird – den Stecker gezogen und die Serie abgesetzt hat. Bleibt nur noch die vage Hoffnung der Netflix: Save Dominion Petition, doch bis dahin kann man sich ja zunächst einmal zumindest zwei Staffeln zu Gemüte führen.
Dominion | Staffel 1
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Von Gott verlassene Engel - 8/10
8/10
Fazit & Wertung:
Die von Syfy produzierte Serie Dominion zeigt in ihrem ersten Jahr nachdrücklich auf, welches Potential in der Idee zu dem Film Legion gelegen haben mag, auf dem die Story lose basiert, denn in der Kombination von Fantasy- und Endzeit-Elementen entspinnt sich binnen weniger Folgen ein spannendes Geflecht aus Intrigen, Geheimnissen und Verrat, an deren Spitze die Erzengel Michael und Gabriel stehen und um die Seele eines ominösen Auserwählten schachern. Gepaart mit einem stimmigen Setting und überzeugenden Effekten ergibt sich eine zunehmend vielversprechendere Ausgangslage, die nach derzeitigem Stand nach nur zwei Staffeln leider wieder einmal viel zu früh ihr Ende gefunden zu haben scheint.
Episodenübersicht: Staffel 1
02. Abschied (8/10)
03. Bestimmung (8/10)
04. Die Flut (7,5/10)
06. Die Austreibung (8,5/10)
07. Gefallene Engel (8,5/10)
08. Täuschung (9/10)
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Dominion | Staffel 1 ist am 12.02.16 auf DVD und Blu-ray bei Pandastorm im Vertrieb von Edel Germany erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!