Review: Das Duell (Film)

Heute geht es dann mal um einen kleinen, aber feinen Western, der zwar nicht in allen Belangen überzeugt, mich aber doch gut unterhalten hat.

Das Duell

The Duel, USA 2016, 110 Min.

Das Duell | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Kieran Darcy-Smith
Autor:
Matt Cook

Main-Cast:
Woody Harrelson (Abraham)
Liam Hemsworth (David Kingston)
in weiteren Rollen:
Alice Braga (Marisol)
Emory Cohen (Isaac Brant)
Felicity Price (Naomi)
William Sadler (Governor Lawrence Sullivan Ross)

Genre:
Drama | Western

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Das Duell | © Universum Film
© Universum Film

Texas Ranger David Kingston wird beauftragt, eine Reihe unerklärlicher Morde nahe der texanischen Grenzstadt Mount Herman zu untersuchen und ein Verdächtiger ist schnell in Sicht, denn der Ort wird von dem charismatischen wie furchteinflößenden Abraham Brant regiert, der Jahre zuvor Kingstons Vater im Rahmen eines Helena-Duells erstochen hat. Sehr zum Leidwesen von Kingston lässt sich aber auch dessen mexikanische Frau Marisol nicht davon abbringen, ihn nach Mount Herman zu begleiten. Überraschend empfängt Brant den undercover agierenden Ranger und seine Frau mit offenen Armen, macht Kingston gar beinahe postwendend zum neuen Sheriff des Ortes, doch die dräuende Atmosphäre und die feindseligen Blicke von Brants Schergen machen mehr als deutlich, dass David und Marisol nicht annähernd so willkommen sind, wie man ihnen weiszumachen gedenkt…

Rezension:

Als großer Fan von Neo-Western jedweder Couleur stand freilich jüngst bei mir auch Das Duell auf dem Plan und ich muss sagen, dass ich großes Glück hatte, ohne definierte Erwartungshaltung an den Film herangegangen zu sein, denn ausgehend von Titel und Marketing mag man sich einen über knapp zwei Stunden durchweg hochspannenden Western erwarten, dessen Hauptaugenmerk auf der Auseinandersetzung seiner beiden Hauptfiguren liegt, was zwar im Ansatz richtig ist, aber eben auch nicht dem entspricht, was man letztlich geliefert bekommt, denn das eigentliche, namensgebende Duell – ich hoffe ihr kreidet mir das jetzt nicht als Spoiler an – findet die facto erst im letzten Drittel des Films statt, derweil sich Regisseur Kieran Darcy-Smith bis dahin bemüht, Spannung aufzubauen und die Kontrahenten in Stellung zu bringen. So ist der Film zunächst einmal, von einem den Film eröffnenden Helena-Duell abgesehen – überraschend dialoglastig und vergleichsweise ruhig erzählt, was allerdings der trügerischen Atmosphäre in Mount Herman nur zugute kommt.

Szenenbild aus Das Duell | © Universum Film
© Universum Film

So merkt man als Zuschauer schnell, dass die wohlmeinende Fassade nur Mittel zum Zweck ist und sich der von Liam Hemsworth (Cut Bank) routiniert und solide verkörperte Texas Ranger Kingston sich längst in einer regelrechten Schlangengrube befindet, während der ausgewiesene Antagonist Abraham – seines Zeichens gewohnt souverän als charismatischer Fiesling dargestellt von Woody Harrelson (Solo: A Star Wars Story) – sich zunächst darauf konzentriert, seine Spielchen mit Kingstons Frau Marisol (Alice Braga, Kill Me Three Times) zu treiben, was dem Ganzen eine interessante psychologische Komponente verleiht, insbesondere wenn Kingston im weiteren Verlauf darauf drängt, das Feld zu räumen und sie sich schlichtweg weigert, nachdem sie dem Einfluss des auch als Prediger fungierenden Gangsters erlegen ist. Hier mag zwar nicht jede Komponente ineinandergreifen und man spürt deutlich, dass das Skript von Matt Cook diesbezüglich einige Schwächen aufweist, doch konnte ich für meinen Teil diesen Part der Geschichte durchaus als Zugewinn verbuchen, auch wenn sich hieran die Geister scheiden mögen.

Ebenfalls strittig dürfte aber eben auch die allgemeine Ausgestaltung des Films sein, denn wer sich von Das Duell eine reißerische Auseinandersetzung erhofft, wird enttäuscht werden, wohingegen das durchaus drastische Finale die eher sanfteren Gemüter verschrecken könnte, derweil ich mich in beiden Parts dieses im Grunde wie zweigteilt wirkenden Films durchaus wohlgefühlt habe. Nichtsdestotrotz reicht Darcy-Smiths zweite Spielfilm-Regiearbeit noch nicht an die inszenatorische Souveränität von beispielsweise Slow West oder auch The Salvation heran, die es vor allem besser verstanden haben, die ruhigeren Parts mit den nervenaufreibenden Auseinandersetzungen zu vermengen, doch gefällt das Gezeigte durchaus, zumal der mancherorts durchscheinende B-Movie-Appeal durchaus zum Charme des Ganzen beiträgt.

Szenenbild aus Das Duell | © Universum Film
© Universum Film

So mag zwar Das Duell im Mittelteil mit einigen Längen zu kämpfen haben und hätte ruhig etwas dichter inszeniert und intensiver erzählt werden können, doch für einen unterhaltsamen Filmeabend bei entsprechender Neigung für das Genre ist sicherlich gesorgt, zumal sich Darcy-Smith zumindest im finalen Akt des Ganzen auf die klassischen Aspekte des Genres besinnt und ein überzeugendes – teils garstiges und zuweilen gar überraschendes – Finale abliefert, das einen den Film in besserer Erinnerung behalten lässt, als er letztlich gewesen ist, denn aus den doch eher generischen Figuren und dem Setting hätte man sicherlich noch weitaus mehr machen können, zumal ausgerechnet Hauptdarsteller Hemsworth gegenüber Harrelson als Antagonist das Nachsehen hat, was die Identifikation mit dessen Figur freilich erschwert.

Fazit & Wertung:

Regisseur Kieran Darcy-Smith liefert mit Das Duell einen soliden, teils durchaus ambitioniert wirkenden Western ab, der allerdings ein wenig zu lang(atmig) geraten ist, als dass er vollends überzeugen könnte. Auch den Figuren hätte etwas mehr charakterlicher Feinschliff gutgetan, doch der raue Charme das Ganzen und die durchaus stimmige Atmosphäre mit sich langsam hochschraubender Spannung machen in dieser Hinsicht durchaus einiges wett.

6,5 von 10 unerklärlichen Morden

Das Duell

  • Unerklärliche Morde - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Regisseur Kieran Darcy-Smith liefert mit Das Duell einen soliden, teils durchaus ambitioniert wirkenden Western ab, der allerdings ein wenig zu lang(atmig) geraten ist, als dass er vollends überzeugen könnte. Auch den Figuren hätte etwas mehr charakterlicher Feinschliff gutgetan, doch der raue Charme das Ganzen und die durchaus stimmige Atmosphäre mit sich langsam hochschraubender Spannung machen in dieser Hinsicht durchaus einiges wett.

6.5/10
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vgw

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