Review: Huck – Held wider Willen (Graphic Novel)

Tatsächlich habe ich es geschafft, auch für heute wieder eine Comic-Review zu "produzieren", was die leise Hoffnung aufkeimen lässt, dass ich auch in dieser Sparte langsam wieder in den Tritt komme, was ja sehr zu begrüßen wäre, denn mittlerweile stapeln sich die ungelesenen und noch nicht rezensierten Bände hier regelrecht.

Huck
Held wider Willen

Huck #1-6, USA 2015/2016, 164 Seiten

Huck - Held wider Willen | © Panini
© Panini

Autoren:
Mark Millar
Rafael Albuquerque
Zeichner:
Rafael Albuquerque

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-741-60261-0

Genre:
Abenteuer | Action | Drama

 

Inhalt:

Huck, der einst in einem Körbchen vor einem Waisenhaus abgelegt wurde, führt als Tankwart ein beschauliches und bescheidenes Leben in einer US-amerikanischen Kleinstadt. Doch Huck verfügt nicht nur über Superkräfte, sondern hat auch das Herz am rechten Fleck, so dass der gutmütige Riese Wert darauf legt, jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen. Nicht nur deshalb wird er von der Bevölkerung mehr als geschätzt, die sein Geheimnis bereitwillig wahrt, doch eine neu hinzugezogene Nachbarin weiht die Presse in und plötzlich wird mehr Aufhebens um Huck gemacht, als ihm lieb sein kann. Der neuen Aufmerksamkeit geschuldet meldet sich dann aber auch Hucks Bruder bei ihm und plötzlich scheint es, er könnte endlich mehr über seine Herkunft und Familie erfahren…

Rezension:

Bekanntermaßen bin ich ja ein großer Freund und Fan des mannigfachen Schaffens von Mark Millar (Kick-Ass) und so freute ich mich entsprechend auch sehr auf Huck – Held wider Willen, wobei der deutsche Untertitel tatsächlich ein wenig irreführend, ja regelrecht falsch ist, denn Huck ist mitnichten ein "Held wider Willen", sondern schlichtweg ein Held aus seiner Natur heraus, denn das hervorstechendste Merkmal seiner Person mögen gar nicht mal seine immensen Kräfte und seine schier unbändige Ausdauer sein, sondern sein herzensgutes Wesen, von dem sich fraglos so einige eine gehörige Scheibe abschneiden könnten. So liegt Huck nichts ferner, als im Kostüm durch die Gegend zu hotten und die Welt zu retten, während es hingegen jeden Tag eine gute Tat sein soll, wobei er hierfür nicht einmal zwingend seine Kräfte benötigt, sondern auch einfach mal Geld spendet oder ein Kätzchen rettet, wobei er keinen anderen Zweck verfolgt, als seinen Mitmenschen zu helfen und entsprechend wenig Interesse daran hat, von der Öffentlichkeit bejubelt und verfolgt zu werden, was unweigerlich der Fall wäre, käme sein Geheimnis ans Tageslicht.

Natürlich ist aber genau das der Fall in Huck – Held wider Willen und plötzlich gerät das Leben des genügsamen Tankwarts und Menschenfreunds gehörig aus dem Trott. Entsprechend tut Millar wieder einmal, was er mitunter am besten kann, nämlich, sich nur allzu bekannte Versatzstücke zu greifen und neu zu arrangieren, um daraus etwas gänzlich Neues und Unverbrauchtes zu schaffen, wie es auch hier der Fall ist, denn Huck erinnert nicht von ungefähr an Superman, führt nur eine ganz und gar andere Art von Leben. Der sich entspinnende Plot derweil ist von einer angenehmen Geradlinigkeit geprägt, wartet aber trotzdem mit ein paar überraschenden Wendungen auf, derweil Huck als Zugpferd des Ganzen in die Lage versetzt, tatsächlich eine Superheldengeschichte voller Herz und Emotion zu erzählen, die so fernab dessen rangiert, was man sonst aus dem Metier zu kennen meint, dass es eine wahre Freude ist.

Dabei gelingt vor allem die Gratwanderung bezüglich der Figur Huck in besonderem Maße, der zwar ein einfaches Gemüt haben mag, dabei aber nicht dümmlich oder zurückgeblieben scheint, der zwar keiner Fliege etwas zuleide tun will, aber gleichermaßen Mut und Aufopferungsbereitschaft unter Beweis stellt, wenn es vonnöten sein sollte. Freilich wird hier das Rad nicht neu erfunden, doch punktet Millar auch hier einmal mehr mit einem regelrecht cineastischen Erzählstil, den er sich wie kein anderer zu Eigen gemacht hat und der auch vom verantwortlichen Zeichner Rafael Albuquerque überzeugend transportiert wird in seinen oft großformatigen Panels und der im besten Sinne reißerischen Ausgestaltung der Seiten, wenn es einmal tempo- und actionlastiger zur Sache geht.

Erfreulich ist auch die relative Abgeschlossenheit der Geschichte, die in ihren gerade einmal sechs – hier samt und sonders enthaltenen – Heften durchexerziert wird, ohne größere Fragen offenzulassen, derweil sich Millar natürlich ein Hintertürchen für einige etwaige Fortsetzung offenlässt, sollte es den umtriebigen Autor einmal danach gelüsten, sich ein weiteres Mal mit Huck auseinanderzusetzen. Bis dahin allerdings funktioniert der vorliegende Band wunderbar für sich allein und wird in gewohnter Manier abgerundet durch eine Cover-Galerie der Originalausgaben sowie einige Skizzen und Konzeptzeichnungen seitens Albuquerque. Wer also mal eine ganz und gar andersartige, aber gleichermaßen dramatische wie emotional packende Superheldengeschichte lesen will, der sollte auf alle Fälle Huck einen Besuch abstatten, denn wer diesen ungewöhnlichen Helden nicht postwendend ins Herz schließt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.

Fazit & Wertung:

Mit Huck – Held wider Willen nähert sich Mark Millar dem Superhelden-Sujet au seiner gänzlich unerwarteten Richtung und erzählt im gleichen Maß stringent wie kompakt die Geschichte eines mehr als ungewöhnlichen Mannes, der weniger durch seine übermenschlichen Kräfte, sondern vielmehr seine immense Herzensgüte zu einem echten Unikat wird. Auch optisch weiß der sechsteilige Band zu gefallen und ist folglich nicht nur für ausgewiesene Millar-Fans eine Empfehlung wert.

8 von 10 täglichen guten Taten

Huck – Held wider Willen

  • Tägliche gute Taten - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Huck – Held wider Willen nähert sich Mark Millar dem Superhelden-Sujet au seiner gänzlich unerwarteten Richtung und erzählt im gleichen Maß stringent wie kompakt die Geschichte eines mehr als ungewöhnlichen Mannes, der weniger durch seine übermenschlichen Kräfte, sondern vielmehr seine immense Herzensgüte zu einem echten Unikat wird. Auch optisch weiß der sechsteilige Band zu gefallen und ist folglich nicht nur für ausgewiesene Millar-Fans eine Empfehlung wert.

8.0/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Huck – Held wider Willen ist am 19.09.17 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

Hinterlasse einen Kommentar