Review: Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens | Anna Stephens (Buch)

Okay, die heutige Buch-Kritik passt weder zu Aschermittwoch noch zum Valentinstag, da gibt es wirklich nichts schönzureden, aber da ich ja immer mittwochs meine obligatorische Buch-Kritik veröffentliche, passt sie doch zumindest zum Wochentag, wenn schon thematisch sonst zu nichts. Ansonsten hatte ich durchaus meine Freude an dem Buch und kann es ruhigen Gewissens den geneigten Fantasy-LeserInnen weiterempfehlen, aber das lest ihr ja jetzt gleich noch in der ausführlichen Variante.

Wächter und Wölfe
Das Ende des Friedens

Godblind (Godblind-Trilogy Book 1), USA 2017, 512 Seiten

Wächter und Wölfe - Das Ende des Friedens von Anna Stephens | © Blanvalet
© Blanvalet

Autorin:
Anna Stephens
Übersetzerin:
Michaela Link

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16130-8

Genre:
Fantasy | Action | Abenteuer

 

Inhalt:

»Wölfe kämpfen, Wächter kämpfen nicht«, erklärte Crys. Jud runzelte die Stirn. »Sie stammen alle aus Wachstadt, es ist nur so, dass sie ihre Kriegerkaste Wölfe nennen und dass die Wölfe wenig oder gar keine Rücksicht auf die Gesetze Rilpors nehmen. Wie Ihr gesagt habt, sie nehmen es auf sich zu kämpfen.«

Beinahe tausend Jahre sind vergangen, seit die Roten Götter aus Gilgoras und damit auch dem Königreich Rilpor verbannt worden sind und sich das Volk der Mirak in die unwirtlichen Gebirge westlich von Rilpor zurückgezogen hat, doch Lanta – von den Mirak schlicht die Gesegnete genannt – ahnt, dass die Verbannung sich dem Ende neigt, während sie verzweifelt versucht, den frisch an die Macht gekommenen Corvus von ihren Plänen zu überzeugen. In Rilporin wiederum, der Hauptstadt des angrenzenden Reiches, ist König Rastoth von einer zunehmenden Umwölkung des Geistes verfallen, was insbesondere seine Söhne Janis und Rivil an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln lässt. Während die Truppen der Mirak sich im östlichen Gebirge sammeln, scheint das Reich Rilpor schwach und angreifbar, derweil abgesehen von den verborgen agierenden Verrätern noch niemand etwas von der drohenden Gefahr ahnt, abgesehen von dem Seher Dom, dem Calestar, dem die Einflüsterungen der Götter einen zumindest diffusen Blick in die Zukunft eröffnen…

Rezension:

Ausnahmsweise habe ich mich mal von einem Newsletter verleiten lassen, bei Anna Stephens‘ Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens einen Blick zu riskieren, denn zugegebenermaßen haben mich Cover und Titel nicht sonderlich gereizt, mich dieser Lektüre zu widmen, doch nach ein Blick auf das deutlich düsterere Cover der Originalausgabe, in Kombination mit dem nicht minder vielversprechenden Originaltitel Godblind – The Red Gods Are Rising haben mich letztlich überzeugt und ich bin froh, dem Band eine Chance gegeben zu haben, denn Stephens liefert tatsächlich eine ungemein kurzweilige und abwechslungsreiche Fantasy-Story ab, die zwar mit allerhand bekannten Versatzstücken jongliert, aber regelrecht traumwandlerisch ihren eigenen Weg geht und mit einem mehr als interessanten Götter-Aspekt Interesse weckt, derweil die Fronten recht klar umrissen sind, aber auch effektiv zum Spannungsaufbau genutzt werden und innerhalb der Erzählung mit teils wirklich unerwarteten Fällen von Intrige und Verrat aufgelockert werden.

»Es ist fast tausend Jahre her, seit der Schleier herabgelassen wurde«, sagte Dom plötzlich. Er hatte keine Ahnung, woher die Worte kamen, aber Jahre der Offenbarung hatten ihn gelehrt, sich zu entspannen und sich von seiner Stimme erklären zu lassen, was er noch nicht verstand. »Jetzt wird er schwächer. Die Roten Götter werden mächtiger, und das Licht nimmt ab. Blut wallt auf. Finde den Herold; dämme die Flut ein.«

Stephens bedient sich dabei einmal mehr des zunehmend beliebter werdenden Kniffs, ihre Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen, angefangen mit Rillirin, einer frisch entlaufenen Sklavin, die wiederum dem sogenannten Calestar Dom begegnet, der dank seherischer Kräfte in nicht ganz freiwilligem Kontakt zu göttlichen Entitäten steht, derweil es mit Crys Tailorson einen typischen Draufgänger hat, der sich bei den königlichen Soldaten verdingt. Damit ist das Figurenkonsortium von Wächter und Wölfe natürlich noch nicht annähernd erschöpft, doch empfand ich es als sehr stimmig, wie die einzelnen Perspektiven nach und nach in Einklang gebracht werden und alsbald ein allumfassendes Bild des Reiches ergeben, das sich erstaunlich gut mit der auf dem Innenteil der Klappenbroschur befindlichen Karte deckt, die ausnahmsweise mehr als schmückendes Beiwerk darstellt. Hingegen auf ein Glossar oder einen Figurenindex muss man hier verzichten, was ich als verschenkte Chance betrachte, denn so übersichtlich die Vielzahl der Figuren auch sein mag, wären ein paar erklärende Worte und eine Übersicht im Anhang nicht schlecht gewesen.

Als positiv zu bewerten bei Wächter und Wölfe sind wiederum die oft ungemein knapp gehaltenen Kapitel, die teils nur einige wenige Seiten umfassen und mit dem steten Wechsel an Figuren und Handlungsorten vortrefflich das Interesse schüren, während manche Begegnungen auch ineinander übergehen und sich lediglich die Perspektive verschiebt. Entsprechend zügig gestaltet sich die Lektüre im Allgemeinen, doch sollte auch erwähnt werden, dass Stephens manchmal gehörig in die Vollen geht und sich mit drastischen Schilderungen nicht zurückhält, auch wenn es sich hierbei um vereinzelte Gewaltspitzen handelt und mitnichten das gesamte Buch derart "reißerisch" daherkommt. So darf das eröffnende Kapitel, das gleich eine Folterung und eine versuchte Vergewaltigung beinhaltet, mitnichten als exemplarisch betrachtet werden, doch wer sich vor tendenziell eher explizitem Inhalt scheut, sollte sich dennoch besser anderweitig orientieren.

Corvus funkelte sie an. »Bin ich nicht ein guter Sohn der Dunklen Dame? Ich zahle meine Blutschulden, ich plündere in ihrem Namen, ich huldige ihr und ihrem Bruder, dem heiligen Gosfath, dem Gott des Blutes. Ich bin Mirak, in Blut und Feuer geweiht, Kriegshäuptling des Krähenfelsens und jetzt König der Mirak. Das ist alles, was Ihr über meine Abstammung zu wissen braucht.«

Natürlich ist aber auch bei Wächter und Wölfe nicht alles Gold was glänzt und nicht jede Entwicklung mag gelungen sein, nicht jeder Dialog weiß vollumfänglich zu überzeugen und vor allem fühlt sich die Welt noch merkwürdig klein an, konzentriert sich das Geschehen immerhin ausschließlich auf Rilpor und das östlich gelegene Gilgoras-Gebirge, beide lediglich getrennt durch die Heimstätten der namensgebenden Wächter und Wölfe, derweil man noch herzlich wenig über die umliegenden Länder und Völker erfährt und auch das Götter-Pantheon in diesem Teil der Welt lediglich aus den Roten Göttern – derer es zwei zu geben scheint – , der Tänzerin und dem Fuchsgott zu bestehen scheint, was ebenfalls wirkt wie ein kleiner Ausschnitt aus einer theoretisch viel breiter gefächerten Welt. So ist die grundsätzliche – geografische, strukturelle wie auch inhaltliche – Übersichtlichkeit der Erzählung Fluch und Segen zugleich und vieles hätte zumindest angerissen, gerne weiter ausgearbeitet werden können, doch in dramaturgischer Hinsicht empfand ich diesen Band als durchaus sehr gelungen, zumal ich mich in dem Wissen darum, dass es sich um eine Trilogie handeln wird, auch im Vorfeld auf das beinahe schon obligatorisch offene Ende einrichten konnte, das einen auch hier selbstredend erwartet.

Fazit & Wertung:

Mit Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens erzählt Anna Stephens vom Wiedererstarken der Roten Götter und führt zu diesem Zweck ein ganzes Figurenkonsortium ins Feld, wobei es ihr vorbildlich gelingt, die vielen unterschiedlichen Handlungsstränge miteinander zu verweben und eine – auch dank kurzer Kapitel – ungemein kurzweilige Story zu erzählen, die mit einer gelungenen Mischung aus Action, Thrill, Horror und Witz zu überzeugen versteht. Mag auch nicht jede Entwicklung und jedes Detail vollends überzeugen, macht dieser Vertreter eher grimmiger und düsterer Fantasy dennoch eine durchweg gute Figur.

7,5 von 10 Einflüsterungen der Roten Götter

Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens

  • Einflüsterungen der Roten Götter - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens erzählt Anna Stephens vom Wiedererstarken der Roten Götter und führt zu diesem Zweck ein ganzes Figurenkonsortium ins Feld, wobei es ihr vorbildlich gelingt, die vielen unterschiedlichen Handlungsstränge miteinander zu verweben und eine – auch dank kurzer Kapitel – ungemein kurzweilige Story zu erzählen, die mit einer gelungenen Mischung aus Action, Thrill, Horror und Witz zu überzeugen versteht. Mag auch nicht jede Entwicklung und jedes Detail vollends überzeugen, macht dieser Vertreter eher grimmiger und düsterer Fantasy dennoch eine durchweg gute Figur.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens ist am 15.01.18 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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