Review: Wächter und Wölfe – Das Erwachen der Roten Götter | Anna Stephens (Buch)

Und schon wird es wieder Zeit für die wöchentliche Buch-Rezension, was gleichsam aber auch bedeutet – da die ja immer mittwochs erscheint – dass ich in Bezug auf die Arbeitswoche bereits heute Mittag habe Bergfest feiern können. Somit liegt das Wochenende nun näher als der zurückliegende Wochenstart und das allein ist ja schon Grund zur Freude.

Wächter und Wölfe
Das Erwachen der Roten Götter

Darksoul (Godblind-Trilogy Book 2), USA 2018, 480 Seiten

Wächter und Wölfe - Das Erwachen der Roten Götter von Anna Stephens | © Blanvalet
© Blanvalet

Autorin:
Anna Stephens
Übersetzerin:
Michaela Link

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16131-5

Genre:
Fantasy | Action | Abenteuer

 

Inhalt:

Ihm brach das Herz; es war ihm jede Stunde dieser endlosen, aussichtslosen Belagerung gebrochen. Er war zu müde, um klar denken zu können, an Leib und Seele zu erschöpft, um irgendeine Entscheidung zu treffen, bei der es nicht unmittelbar darum ging, die Stadt für einen weiteren Tag zu halten. Er hatte keine Ahnung, was er tun sollte, wusste nicht, warum diese Entscheidung gerade ihm zufallen musste.

Seit mehr als zwei Wochen schon wird Rilporin von den feindlichen Mirak unter Führung von Corvus und der der Gesegneten Lanta belagert, die sich mit dem abtrünnigen Prinzen Rivil verbündet haben, um dessen Herrschaftsanspruch in Rilpor mit Waffengewalt durchzusetzen und das Volk zum Glauben an die Roten Götter zu konvertieren. Der ohnehin schon geschwächte König derweil siecht hinter den schützenden Mauern dahin und ist dem Tode nahe, woraufhin Durdil als Oberbefehlshaber der Truppen die kommissarische Leitung in Rilporin übernimmt. Während Dom als einsamer Pilger in der Rolle des "Gottesblinden" auf dem Weg zum Lager der Mirak ist, befinden sich auch der scheinbar vom Glück geküsste Crys und Durdils Sohn Make auf Reisen, nur dass ihr Ziel Rilporin lautet, um die dort stationierten Truppen bei der Verteidigung der Stadt zu unterstützen. Doch es ist so, wie Lanta schon länger prophezeit, dass der Schleier durchlässig zu werden beginnt und die Roten Götter kurz davor stehen, nach all der Zeit wieder einen Fuß in diese Welt zu setzen…

Rezension:

Etwas mehr als ein Jahr liegt nun meine Lektüre von Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens zurück und nun stand kürzlich mit Das Erwachen der Roten Götter der zweite Band der als Trilogie angelegten Reihe ins Haus und ich muss zuvorderst einmal festhalten, wie erstaunt ich gewesen bin, mich direkt an beinahe sämtliche Figuren und deren Bedeutung und Stand erinnern zu können, denn normalerweise brauche ich durchaus immer ein Weilchen, mich in das Thema wieder einzufinden, gerade, wenn man es mit einem eher breit gefächerten Figurenkonsortium zu tun hat. Vom ersten Band war ich ja nun durchaus angetan, aber in der Zwischenzeit scheint Autorin Anna Stephens ihr Talent noch gehörig verfeinert zu haben, denn diesmal hat mich die Story nicht nur schneller, sondern auch nachhaltiger in ihren Bann ziehen können. Das ist gleich noch einmal so bewundernswert, da sich ein Großteil des Buches mit der Belagerung von Rilporin befasst und man meinen könnte, diese ewigen Kampfhandlungen könnten schnell ermüdend wirken, doch Stephens gelingt es tatsächlich – auch dank der häufigen und schnellen Szenenwechsel – eine durchweg kurzweilige und spannende Geschichte zu erzählen.

Galtas würde in einem Belagerungsturm nach oben rennen und über ein Laufbrett hinaus auf die Mauer, während Bogenschützen Pfeil um Pfeil auf ihn abschossen. Oder er würde zusammen mit den Kämpfern eine Leiter emporsteigen, mitten hinein ins feindliche Territorium, während Pfeile, Felsblöcke und siedendes Öl auf ihn herabregneten, und dann hinauf auf den Wehrgang springen und sich tausend Verteidigern entgegenstellen.
Galtas würde sterben.

Ansonsten gereicht Wächter und Wölfe – Das Erwachen der Roten Götter natürlich sehr zum Vorteil, dass die Figuren gesetzt und die Fronten geklärt sind, weshalb man ohne Umschweife ins Geschehen tauchen kann und das hat es tatsächlich in sich, so dass man unter anderem den Titel des Bandes durchaus wörtlich verstehen und sich darauf einstellen darf, nicht nur der Dunklen Dame, sondern auch Gosfath in persona zu begegnen, derweil das Schicksal der menschlichen Figuren nicht weniger packend geraten ist, zumal Dom nun ja mittlerweile zum "Gottesblinden", einer Art Sprachrohr für die Roten Götter geworden ist, der im Original übrigens auch der Trilogie an sich ihren Namen verleiht. Was es mit dem Soldaten Crys auf sich hat, wird hier ebenfalls behandelt und geklärt und entsprechend darf man sich inmitten der eindringlich geschilderten Belagerung auf manch epische Szene freuen, derweil Art und Ausrichtung des Buches auch hier wieder ausnehmend düster geraten sind, was mir sehr gefallen hat, zumal selbst ich bei einigen wenigen heftigeren Szenen durchaus schlucken musste, was bei mir äußerst selten der Fall ist.

Einzig ein wenig verwirrend war mich tatsächlich der Klappentext, der zu suggerieren sucht, dass Rillirin im Zentrum der Handlung stünde oder womöglich gar die Hauptfigur des Bandes schlechthin sei, was nun so überhaupt nicht der Fall ist, denn meinem Empfinden nach spielt sie eine zwar wichtige, aber dennoch untergeordnete Rolle, die wohl eher im Finalband wieder deutlich mehr Bewandtnis haben wird, als es hier der Fall ist. Düster, blutig, packend, episch, im Grunde liefert Stephens alle Zutaten für eine großartige Fantasy-Geschichte und ebenso entsprechend habe ich auch kaum was an dem Band auszusetzen, zumal ihr speziell hinsichtlich der Götter und ihrer Manifestation in der Welt wirklich großartige Beschreibungen und Schilderungen gelingen, wobei sie sich dieses Lob natürlich mit der Übersetzerin Michaela Link teilen muss, die einen nicht minder wunderbaren Job macht, das Ganze sinn- und stilvoll einzudeutschen. Zwar könnte ich auch hier wieder bemängeln, dass die "Welt" von Wächter und Wölfe sich noch immer ausnehmend klein anfühlt, doch durch den Fokus auf den Belagerungszustand fällt das nicht annähernd so störend ins Gewicht wie im Auftaktband.

Die Gesegnete beendete ihre Gebete und erhob sich. Die Sonne strahlte ihr warm auf die Kopfhaut, und eine sanfte Brise strich ihr über die Wangen. Die Götter mochten nicht gesprochen haben, aber sie befanden sich trotzdem in der Nähe, ihre blutigen Flügel über der Armee ausgestreckt, um sie in ihr göttliches Recht zu hüllen. Der Sieg war versprochene Sache, und Lanta würde jeden Preis dafür zahlen, ihn sicherzustellen. Würde ihn froh und mit Vergnügen entrichten, im sicheren Bewusstsein, im Recht zu sein.

Darüber hinaus wohnt Wächter und Wölfe – Das Erwachen der Roten Götter ein gewisser Fatalismus inne und durchaus nicht wenige Figuren werden das Zeitliche segnen müssen, so dass sich gleichsam ein Gefühl echter Gefahr und Dringlichkeit einzustellen vermag, während man die Hoffnung auf ein Happy-End schnell zu Grabe zu tragen bereit ist, doch hängt das natürlich auch damit zusammen, dass es sich hierbei um den oft schwierigen mittleren Band handelt, bevor die Geschichte in ihrem dritten Teil ihren Abschluss finden wird. Ansonsten aber ist es durchweg faszinierend, was Stephens hier erneut für eine lebendige und schillernde Welt erschaffen hat, die von allerlei Gräueln und Schrecken bevölkert wird und eben einmal nicht auf Orks, Elfen, Zwerge und dergleichen zurückgreifen muss und allein dadurch deutlich frischer und eigenständiger wirkt als viele andere Vertreter des Genres. Last but not least punktet die Autorin zudem mit gehörigem Dialogwitz, der das düstere Treiben gekonnt aufzulockern versteht, ohne dabei die Atmosphäre zu trüben, was insbesondere beim verbalen Schlagabtausch zwischen Lanta und Gilda zum Tragen kommt, die unterschiedlichen Glaubensrichtungen anhängen und sich folglich alles andere als grün sind. Das alles ergibt ein stimmiges und überzeugendes Gesamtpaket, das mich wie erwähnt noch einmal weit mehr zu fesseln gewusst hat als der erste Teil der Reihe und entsprechend hoffe ich, dass genauso zuverlässig zu Beginn des kommenden Jahres auch der dritte Band auf Deutsch veröffentlicht werden wird.

Fazit & Wertung:

Dank abgeschlossener Exposition und dadurch deutlich rasanterem Einstieg überzeugt Wächter und Wölfe – Das Erwachen der Roten Götter als zweiter Teil der Trilogie noch einmal deutlich mehr als der Auftaktband, zumal man hier ungemein düstere, grimmige und ernsthafte Fantasy vorgesetzt bekommt, die ganz ohne den üblichen Fabelwesen-Schnickschnack auskommt und stattdessen mit differenzierten Figuren und regelrecht epischer Story zu überzeugen weiß.

8,5 von 10 Einflüsterungen der Roten Götter

Wächter und Wölfe – Das Erwachen der Roten Götter

  • Einflüsterungen der roten Götter - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Dank abgeschlossener Exposition und dadurch deutlich rasanterem Einstieg überzeugt Wächter und Wölfe – Das Erwachen der Roten Götter als zweiter Teil der Trilogie noch einmal deutlich mehr als der Auftaktband, zumal man hier ungemein düstere, grimmige und ernsthafte Fantasy vorgesetzt bekommt, die ganz ohne den üblichen Fabelwesen-Schnickschnack auskommt und stattdessen mit differenzierten Figuren und regelrecht epischer Story zu überzeugen weiß.

8.5/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

– – –

Wächter und Wölfe – Das Erwachen der Roten Götter ist am 18.02.19 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

Hinterlasse einen Kommentar