Review: The Guest (Film)

Auch in dieser Woche habe ich natürlich wieder einige Film-Kritiken im Gepäck und wir starten mal gleich mit einem nicht ganz so bekannten Werk, auf das ich letztlich wegen seinem Hauptdarsteller aufmerksam geworden bin und das mich trotz dramaturgischer Unpässlichkeiten doch durchaus zu unterhalten gewusst hat.

The Guest

The Guest, USA/UK 2014, 100 Min.

The Guest | © Splendid Film
© Splendid Film

Regisseur:
Adam Wingard
Autor:
Simon Barrett

Main-Cast:
Dan Stevens ("David")
Maika Monroe (Anna Peterson)
in weiteren Rollen:
Leland Orser (Spencer Peterson)
Sheila Kelley (Laura Peterson)
Brendan Meyer (Luke Peterson)
Lance Reddick (Major Carver)

Genre:
Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Guest | © Splendid Film
© Splendid Film

Caleb Peterson ist im Afghanistankrieg gefallen und insbesondere seine Mutter Laura trauert noch immer um den Verlust ihres ältesten Sohnes, als eines Tages ein Unbekannter vor ihrer Tür erscheint, der sich als David vorstellt und angibt, ein Kamerad ihres Sohnes gewesen zu sein, dem er versprochen habe, den Hinterbliebenen nach seiner Rückkehr seine Aufwartung zu machen. Unversehens lädt Laura ihn ein, doch einige Tage zu bleiben und auch wenn ihr Mann Spencer zunächst alles andere als begeistert scheint, schließt er den jungen Mann nach ein paar gemeinsamen Bieren schnell ins Herz. Auch bei Luke, dem jüngeren Sohn der Petersons, hat David schnell einen Stein im Brett, nachdem er ihn gegenüber ein paar Schulschlägern rabiat verteidigt, während auch Tochter Anna schnell ein Auge auf den attraktiven David hat. Der allerdings ist nicht, was er vorgibt zu sein und es bedarf einiger ungewöhnlicher Zwischenfälle, bis die Petersons – allen voran Anna – misstrauisch zu werden beginnen, doch womöglich ist es zu diesem Zeitpunkt schon zu spät, sich Davids schädlichem Einfluss zu entziehen…

Rezension:

Immer mal wieder hatte mich The Guest beim Filme stöbern im Internet von der Seite angelacht und nachdem mir Dan Stevens (Colossal) jüngst in Legion (dazu kommen wir noch) extrem positiv aufgefallen ist, wollte ich diesem kleinen fiesen Filmchen, in dem er als Psychopath und vermeintlicher Kriegsheimkehrer seinen Mann steht, nun endlich auch seine Chance zugestehen und bereue dies auch in keiner Weise. Gleichwohl bleibt der von Adam Wingard inszenierte Schocker in vielen Belangen weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und dekonstruiert sich insbesondere zum Ende hin derart selbst, dass es eine wahre Schande ist, denn Beginn und Mittelteil sind weitaus überzeugender und konsistenter geraten als das doch sehr vorhersehbare und klischeebehaftete Finale, das noch dazu gerne noch etwas knalliger hätte ausfallen dürfen. Entsprechend werden auch in dieser Hinsicht Punkte verschenkt, denn der klare Wille zum gewollt überzogenen Exzess ist hier zwar erkennbar, wird aber nicht in aller Konsequenz verfolgt.

Szenenbild aus The Guest | © Splendid Film
© Splendid Film

Im Grunde ist es auch begrüßenswert, wie viel Zeit sich Wingard zunächst nimmt, um die Stimmung und das Setting zu etablieren, so dass sich The Guest zunächst als lediglich unterschwellig wie diffus bedrohlicher Thriller präsentiert, der vorrangig von Stevens‘ versteinernden Gesichtszügen lebt, die prompt zutage treten, wenn dessen Figur David sich unbeobachtet fühlt. Dabei gelingt anfänglich gar das seltene Bravourstück, den "Gast" beinahe als Identifikationsfigur in Erscheinung treten zu lassen, denn so dubios und überzogen seine Handlungen auch sein mögen, macht er sich doch insbesondere für die Kinder der Familie stark, was auch die ersten intensiven Gewaltspitzen mit sich bringt, die der Film zu bieten hat. Insbesondere der aus Synthie-Klängen bestehende, aggressiv an die Achtziger gemahnende, regelrecht grelle Soundtrack tut hierbei sein Übriges, um ein gewisses Flair aufzubauen, um den Home-Invasion-Thriller, der zu diesem Zeitpunkt noch längst keiner ist, im besten Licht erscheinen zu lassen.

Sind Davids Taten aber vom ersten Moment an kaum zu entschuldigen und neigen dazu, weit über das Ziel hinauszuschießen, forciert Wingard diesen Umstand konsequent immer mehr, womit The Guest dann auch schlussendlich den Paradigmenwechsel schafft und David als die Bedrohung inszeniert, die er vom ersten Moment an für die gutbürgerliche Familie hätte darstellen sollen. Schade beinahe, dass hier noch Erklärungsversuche bemüht werden, um Davids Handeln und dessen Natur zu erklären, denn selbige fallen letztlich nicht nur extrem mager aus, sondern wirken auch akut an den Haaren herbeigezogen, was eine bis dahin in ihrem Handeln ungemein stimmige Figur leider zum eindimensionalen Fiesling verkommen lässt, der alsbald Gefahr für Leib und Leben bedeutet und eine Schneise des Mordens und Tötens mit sich bringt. Das ist insofern doppelt bedauerlich, da die Familie Peterson nicht eben differenziert in Szene gesetzt wird und so entledigt sich das Drehbuch im letzten Drittel der einzigen, wirklich ausformulierten Figur, um letztlich zu einem Vertreter des Slasher-Genres zu mutieren.

Szenenbild aus The Guest | © Splendid Film
© Splendid Film

Hier immerhin weiß Maika Monroe sich nun zu beweisen, die David als eine der Ersten und eine der Wenigen durchschaut und sich ihm in letzter Konsequenz in den Weg stellt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man aber eben auch jeglichen Anspruch an Logik und Stringenz über Bord werfen und akzeptieren, dass The Guest nicht mehr und nicht weniger als eine Film gewordene Hommage an das Action-Kino der Achtziger darstellt, die weniger mit dramaturgischer Finesse, denn mit gewollter Pulp-Attitüde, einem coolen Soundtrack und (brutalen) Schauwerten für sich einzunehmen versucht. Unter der Prämisse macht das zunehmend absurder werdende Treiben übrigens auch tatsächlich eine Menge Spaß, doch beißt sich dies wiederum mit der ausladenden, aber wenig zielführenden Exposition zu Beginn des Films, die, wartet man händeringend auf die etwas "schlagkräftigeren" Szenen, auch einiges an Leerlauf mit sich bringt, bevor das Geschehen sein Tempo findet.

Fazit & Wertung:

Adam Wingard präsentiert mit The Guest einen souverän inszenierten Action-Thriller, der mit gehörig Schauwerten, Synthie-Soundtrack und einem glänzend aufspielenden Dan Stevens zu bestechen weiß, dramaturgisch betrachtet aber weder sonderlich einfallsreich geraten ist, noch imstande, eine klare Linie für die zunehmend abstruser werdende Handlung zu finden, die sich ganz bewusst in Richtung Exzess zu steigern anschickt.

6,5 von 10 erschreckend brutalen Vergeltungsmaßnahmen

The Guest

  • Erschreckend brutale Vergeltungsmaßnahmen - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Adam Wingard präsentiert mit The Guest einen souverän inszenierten Action-Thriller, der mit gehörig Schauwerten, Synthie-Soundtrack und einem glänzend aufspielenden Dan Stevens zu bestechen weiß, dramaturgisch betrachtet aber weder sonderlich einfallsreich geraten ist, noch imstande, eine klare Linie für die zunehmend abstruser werdende Handlung zu finden, die sich ganz bewusst in Richtung Exzess zu steigern anschickt.

6.5/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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The Guest ist am 24.04.15 auf DVD und Blu-ray bei Splendid Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. bullion 21. März 2018

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