Review: Freaks – Sie sehen aus wie wir (Film)

Auch heute ist es später geworden als gedacht, doch dafür habe ich immerhin diesen Donnerstag keinen Totalausfall von Film im Gepäck, sondern immerhin eine ganz vielversprechende Produktion, auch wenn da letztlich noch deutlich mehr drin gewesen wäre.

Freaks
Sie sehen aus wie wir

Freaks, CA/USA 2018, 105 Min.

Freaks - Sie sehen aus wie wir | © Splendid
© Splendid

Regisseure:
Zach Lipovsky
Adam B. Stein
Autoren:
Zach Lipovsky
Adam B. Stein

Main-Cast:

Emile Hirsch (Dad)
Bruce Dern (Grandpa)
Grace Park (Agent Ray)
Amanda Crew (Mom)
Lexy Kolker (Chloe)

Genre:
Drama | Mystery | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Szenenbild aus Freaks - Sie sehen aus wie wir | © Splendid
© Splendid

Inhalt:

Chloe und ihr Vater leben abgeschottet vom Rest der Welt in einem heruntergekommenen und verbarrikadierten Haus. Während es Chloe drängt, vor die Tür zu gehen und die Welt zu erkunden, verbietet ihr Vater ihr dies strikt, übt mit ihr die falsche Identität, die er ihr verpasst hat und schärft ihr ein, welch immense Gefahren draußen lauern. Chloe, kaum fähig, das Ausmaß der Situation zu erfassen oder warum der Rest der Gesellschaft eine Gefahr für sie sein soll, erblickt eines Tages einen verlockenden Eiswagen vor ihrer Türe und ist drauf und dran, die Regeln ihrs Vaters in den Wind zu schlagen und Reißaus zu nehmen…

Rezension:

Viel kann man zu Freaks – Sie sehen aus wie wir nicht erzählen, ohne gleich auch Teile der Handlung vorwegzunehmen, was dafür den Mystery-Thriller umso spannender macht, wenn man sich bestmöglich unvorbereitet und unwissend auf die Sache einlässt. Die gestaltet sich zunächst nämlich als klassisches Kammerspiel und punktet mit intensiver, beklemmender Atmosphäre, wobei man immer ganz nah an Choe (Lexy Kolker) dran ist, die hier die eigentliche Hauptrolle innehat und mit Staunen und Unverständnis auf Worte, Taten und Regeln ihres Vaters reagiert, der ganz dem reduzierten Stil der Erzählung folgend nicht einmal einen Namen spendiert bekommt. Nun hat man als Zuschauer natürlich dennoch einen gewissen Wissensvorsprung gegenüber dem kleinen Mädchen und weiß im Grunde nach wenigen Minuten, dass es – der Titel trägt es ja schon in sich – in irgendeiner Form um Superhelden oder vielleicht besser Mutanten geht, wobei das bei Chloes Vater stetig auftretende Augenbluten ein sicheres Indiz für derartige Kräfte oder Mutationen darstellt. Von all dem weiß das Kind allerdings nichts und entsprechend bockig reagiert sie zuweilen, wenn ihr Dad ihr aufs Neue einschärft, bloß niemals die Tür zu öffnen oder sich auch nur am Fenster blicken zu lassen.

Szenenbild aus Freaks - Sie sehen aus wie wir | © Splendid
© Splendid

Mysteriös und spannend bleibt die Sache trotzdem, denn auch wenn "wir" darum wissen mögen, dass Chloes Dad über eine Art Kräfte verfügt – welche, bleibt derweil lange im Unklaren – geschehen innerhalb des maroden Hauses doch noch genug rätselhafte Dinge, hat Chloe mit Alpträumen und Erscheinungen zu kämpfen, während auch der Eisverkäufer vor der Tür gleichermaßen surreal wie bedrohlich erscheint, wobei Darsteller Bruce Dern (The Hateful 8) im weiteren Verlauf noch genug Gelegenheit erhält, seiner Figur gleich mehrere Hundertachtzig-Grad-Wenden angedeihen zu lassen, wenn Chloe letztlich der Versuchung erliegt, sich dem sphärisch-entrückt wirkenden, doch stetig lockenden Wagen des Eisverkäufers zu nähern. Bis dahin allerdings ist auch beinahe schon die Hälfte des Films verstrichen, weshalb ich hier gar nicht weiter ins Detail gehen mag, auch wenn ich vorwegschicken kann, dass – logischerweise – die kammerspielartige Atmosphäre ab diesem Punkt merklich aufgebrochen wird, leider damit einhergehend aber auch an Reiz verliert.

Denn wer meint, durch ein Verlassen des Hauses würde man mehr von der im Unbekannten liegenden Welt erfahren, begreifen, was genau sich zugetragen haben mag, was es mit den namensgebenden Freaks konkret auf sich hat, der wird sich bitter enttäuscht sehen, denn auch wenn die hinter dem Film stehenden Autoren (und Regisseure) Zach Lipovsky und Adam B. Stein sich eine sicherlich spannende Prämisse zurechtgelegt haben, gelingt ihnen im weiteren Verlauf kein überzeugendes Worldbuilding, der die bis dahin vorhandenen Informationsfetzen in Einklang oder Zusammenhang bringen würde. Da helfen dann auch die kryptischen Äußerungen und Verbote von Chloes Dad – übrigens hier verkörpert von einem überzeugend und ambivalent aufspielenden Emile Hirsch (Never Grow Old) – nicht viel, weil es der Handlungsverlauf schlicht kaum hergibt, dieses eigentlich ungemein spannende Basiswissen überhaupt zu vermitteln.

Szenenbild aus Freaks - Sie sehen aus wie wir | © Splendid
© Splendid

Stattdessen beginnt die Handlung von Freaks zunehmende Haken zu schlagen, wirkt zunehmend gehetzter, aber auch weniger kohärent, wobei wir uns vom Flair und der Atmosphäre der ersten Stunde zu diesem Zeitpunkt schon längst verabschiedet haben dürfte. Geheimnisse und Offenbarungen gibt es zwar auch hier noch zuhauf, doch nehmen sich Stein und Lipovsky nicht mehr die Zeit, diese auch entsprechend vorzubereiten und wirken zu lassen, sondern flüchten sich lieber in einen grob gezimmerten B-Movie-Charme, der zwar durchaus auch seinen Reiz haben mag, selbst bei manch unausgegorenem Effekt möchte ich hinzufügen, sich aber kaum mit der ungleich intensiveren ersten Hälfte zu arrangieren weiß. So hat der Film zwar auch hier noch so seine Momente, doch merkt man ihm eben nicht nur auf der Zielgeraden sein begrenztes Budget immer deutlicher an, wenn sich die Handlung trotz Öffnung der Haustür auf allerkleinstem, reduzierten Raum abspielt und keine Ansatzpunkte bietet, mehr zu erzählen als die Geschichte der siebenjährigen Chloe. Die wirkt zugegebenermaßen zu beginn spannend und mysteriös, doch ab einem gewissen Punkt, wenn der Groschen fällt, ist auch der Rest der Handlung kaum noch überraschend und zieht den Gesamteindruck des Films im letzten Drittel merklich nach unten. Da wäre, einerseits mit mehr Geld, andererseits mit einem nuancierteren Drehbuch, mehr drin gewesen, was aber nicht heißen soll, dass der Film für Genre-Fans nicht trotzdem einen Blick wert sein könnte.

Fazit & Wertung:

Zach Lipovsky und Adam B. Stein kredenzen mit Freaks – Sie sehen aus wie wir einen zunächst ansprechenden Mystery-Thriller mit Sci-Fi-Einschlag, der von intensiver Atmosphäre und gelungener Interaktion zwischen Vater und Tochter lebt. Doch je mehr die Geschichte voranschreitet, entzaubert sie sich im Grunde selbst und bietet recht wenig Einblick in die Welt, vor der Chloes Dad sie zu schützen versucht, während sich die trashigen Action-Einlagen mehr wie ein Fremdkörper in einem bis dahin einnehmenden Werk positionieren.

6 von 10 Geheimnissen vor der eigenen Tochter

Freaks – Sie sehen aus wie wir

  • Geheimnisse vor der eigenen Tochter - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Zach Lipovsky und Adam B. Stein kredenzen mit Freaks – Sie sehen aus wie wir einen zunächst ansprechenden Mystery-Thriller mit Sci-Fi-Einschlag, der von intensiver Atmosphäre und gelungener Interaktion zwischen Vater und Tochter lebt. Doch je mehr die Geschichte voranschreitet, entzaubert sie sich im Grunde selbst und bietet recht wenig Einblick in die Welt, vor der Chloes Dad sie zu schützen versucht, während sich die trashigen Action-Einlagen mehr wie ein Fremdkörper in einem bis dahin einnehmenden Werk positionieren.

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Freaks – Sie sehen aus wie wir ist am 31.01.2020 auf DVD und Blu-ray bei Splendid erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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vgw

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