Review: Grenzenlos (Film)

Heute hätte es gerne um einen richtig tollen Film gehen können, doch leider ist die Ausführung so dermaßen übel an meiner Erwartung vorbeigerauscht, dass es nicht mehr schön ist. Und so erzähle ich stattdessen von einer der größten Enttäuschungen für mich in letzter Zeit.

Grenzenlos

Submergence, DE/ES/FR/USA 2017, 112 Min.

Grenzenlos | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Wim Wenders
Autoren:
Erin Dignam (Drehbuch)
J.M. Ledgard (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
James McAvoy (James More)
Alicia Vikander (Danielle Flinders)
in weiteren Rollen:
Alexander Siddig (Dr. Shadid)
Celyn Jones (Thumbs)
Reda Kateb (Saif)

Genre:
Drama | Romantik | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Grenzenlos | © Warner Home Video
© Warner Home Video

In einem abgeschiedenen wie pittoresken Luxushotel nahe der französischen Atlantikküste lernte die ambitionierte Biomathematikerin Danielle Flinders unverhofft den charmanten James More kennen, der sich ihr gegenüber als Wasser-Ingenieur ausgibt, eigentlich aber für den MI5 arbeitet und kurz davor steht, in Somalia eine terroristische Vereinigung zu infiltrieren. So ungleich die beiden zunächst wirken mögen, kommen sie sich doch schnell näher und Danielle erzählt voller Begeisterung von ihrer anstehenden Expedition in die tiefsten Tiefen des Meeres, während James sich freilich bedeckt hält, was ihn und seinen Job angeht. Die Zeit im Hotel verfliegt und man verspricht sich, Kontakt zu halten, doch kaum hat sich das junge Paar getrennt, reißt der Kontakt ab und Danielle wartet sehnsuchtsvoll auf Nachricht von James, der allerdings – wie sie freilich nicht einmal ahnt – mittlerweile von somalischen Jihadisten entführt worden ist…

Rezension:

Nicht im Traum hätte ich mir vorstellen können, einmal derart von einem Film enttäuscht zu werden, der mit McAvoy und Vikander einfach mal zwei meiner liebsten Darsteller vereint. Entsprechend groß waren Vorfreude und Neugierde auf Grenzenlos, gefolgt von der Ernüchterung, dass der tatsächlich hierzulande wieder einmal nur auf DVD erscheinen würde. Letztlich habe ich also erneut bei Amazon Video zugeschlagen, um den Film dergestalt in HD erleben zu können, doch während die beiden namhaften Darsteller dann tatsächlich noch das Beste an dem Film sind – und sicherlich noch einiges mehr hätten retten können –, weiß vom Rest der Chose schlussendlich kaum etwas zu überzeugen. Es bleibt ein pathetisch aufgeblasenes, pseudo-verkopftes Filmerlebnis, das schlussendlich gleichermaßen unbeteiligt wie unbefriedigt zurücklässt und nicht einmal Anstalten zu machen scheint, die auf dem Papier schon unvereinbar wirkenden Handlungsstränge irgendwie in Einklang zu bringen.

Szenenbild aus Grenzenlos | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Nun kenne ich die gleichnamige Buch-Vorlage von J.M. Ledgard nicht, verspüre aber nach dem Film auch nicht unbedingt das Bedürfnis, dies nachzuholen, auch wenn ich mir schwerlich vorstellen kann, dass es in der literarischen Fassung des Stoffes ähnlich trivial und behäbig zugeht, wie es hier leider der Fall ist, was insbesondere für den Part des von James McAvoy (Split) verkörperten James More gilt, der zudem noch weite Teile des Geschehens für sich beansprucht. Bereits zu Beginn der nicht-chronologischen Erzählung erfährt man als Zuschauer nämlich, dass dieser in die Hände von Jihadisten gefallen sein wird, also nachdem er Danielle begegnet ist, was allerdings erst im Nachgang erzählt wird. Und hier werden im selben Maße Klischees bedient und Versatzstücke aneinandergereiht, während sowohl die Terroristen als auch deren Camp kaum zu überzeugen wissen und die Spannung des Gezeigten sich trotz dramatischer bis traumatisierender Szenen in engen Grenzen hält. Einzig im direkten Vergleich mit dem Tiefsee-Plot um die von Alicia Vikander (Tomb Raider) verkörperte Danielle Flinders vermag das Geschehen noch Boden gut zu machen, denn während diese im Vorfeld voller Faszination und Begeisterung von den Geheimnissen der Tiefsee schwärmt, ist die eigentliche Expedition an Banalität kaum zu überbieten, derweil selbst die federführende Danielle sich zu diesem Zeitpunkt kaum noch für etwaige Erkenntnisse und Entdeckungen zu interessieren scheint.

Dabei herrscht zwischen McAvoys und Vikanders Figuren eine unbestreitbare Chemie und das Kennenlernen der beiden in der Abgeschiedenheit der französischen Provinz ist so feinfühlig und pointiert geraten, dass ich ihnen allein dabei locker zwei Stunden hätte zusehen können, was dann auch das erste Drittel von Grenzenlos zum überzeugendsten macht. Ab dem Moment allerdings, an dem sich ihre Wege trennen – immerhin ein Stück weit hinausgezögert durch die nicht-chronologische Erzählweise – geht es in Sachen Spannung und Faszination steil bergab. Interaktion zwischen den Figuren gibt es ab diesem Zeitpunkt keine mehr und so sich Regisseur Wim Wenders darum bemüht, immerhin inszenatorische Parallelen zu schaffen, wirken die verkopft und aufgesetzt, während die jeweiligen Plots ansonsten gemächlich voranschreiten, Hauptfokus aber hierbei wie erwähnt auf dem Einsatz von MI5-Agent More liegt, während Wenders und sein Drehbuchautor Erin Dignam zu Danielles Forschung nichts Sinnstiftendes oder Interessantes zu berichten wissen.

Szenenbild aus Grenzenlos | © Warner Home Video
© Warner Home Video

So funktioniert Grenzenlos leider weder als romantischer Film, geschweige denn als Thriller oder sonst etwas, während sich mir bis zuletzt kaum erschließen wollte, ob oder was davon er denn eventuell gern hätte sein wollen, wobei ich der guten Ordnung halber erwähnen möchte, dass ich mich grundsätzlich der vielerorts verpönten Arthouse-Sparte gegenüber offen sehe. Hier allerdings geht die Mischung in keiner Weise auf und auch wenn die Chemie stimmt, die Liebelei zwischen James und Danielle überzeugt, rutscht das Geschehen doch zusehends und größtenteils ungebremst in ein verquastes Irgendwas, dem man selbst mit viel gutem Willen nicht viel abgewinnen dürfte, zumal das alles eben reichlich pathetisch und pseudophilosophisch daherkommt und nicht einmal mit einer befriedigenden Auflösung aufzuwarten vermag, denn zum Ende hin wäre mir selbst ein haltloses abdriften in Poesie und Pathos recht gewesen, während es stattdessen leider banal und belanglos bleibt, trotz des krampfhaften Heraufbeschwörens von tiefen Gefühlen und einer nur behaupteten unsterblichen Liebe. Und falls es sich jemand fragen sollte, Punkte gibt es im Grunde einzig für die Szenen im Hotel, die gerne alternativ den ganzen Film hätten stellen dürfen, denn es liegt mitnichten an den beiden Hauptdarstellern, dass dieses Werk nicht funktioniert.

Fazit & Wertung:

Wim Wenders versucht sich mit Grenzenlos an einer bis zuletzt leider extrem unausgegoren wirkenden Mischung aus pathetischer Romanze und mäßig einnehmendem Thriller, der überhaupt nicht zu wissen scheint, was er sein oder was er erzählen möchte. Das fähige wie charismatische Duo aus James McAvoy und Alicia Vikander macht zwar in der ersten Hälfte einiges wett, vermag aber auch nicht gegen ein reichlich krudes Skript und behäbige Inszenierung anzuspielen.

3,5 von 10 sehnsuchtsvollen Blicken in die Ferne

Grenzenlos

  • Sehnsuchtsvolle Blicke in die Ferne - 3.5/10
    3.5/10

Fazit & Wertung:

Wim Wenders versucht sich mit Grenzenlos an einer bis zuletzt leider extrem unausgegoren wirkenden Mischung aus pathetischer Romanze und mäßig einnehmendem Thriller, der überhaupt nicht zu wissen scheint, was er sein oder was er erzählen möchte. Das fähige wie charismatische Duo aus James McAvoy und Alicia Vikander macht zwar in der ersten Hälfte einiges wett, vermag aber auch nicht gegen ein reichlich krudes Skript und behäbige Inszenierung anzuspielen.

3.5/10
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Grenzenlos ist am 21.02.19 lediglich auf DVD bei Warner Home Video erschienen und alternativ bei Prime Video verfügbar. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Prime Video:

vgw

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