Review: Tulpenfieber (Film)

Auch an diesem Donnerstag beehrte ich euch freilich mit einer weiteren Film-Kritik, auch wenn der zugrundeliegende Film leider eher mäßig war und ich mir doch weitaus beschwingtere, emotionalere Unterhaltung erwartet hätte als das, was hier geboten wird. Aber schaut selbst rein.

Tulpenfieber

Tulip Fever, UK/USA 2017, 105 Min.

Tulpenfieber | © Prokino/EuroVideo
© Prokino/EuroVideo

Regisseur:
Justin Chadwick
Autoren:
Deborah Moggach (Drehbuch)
Tom Stoppard (Drehbuch)
Deborah Moggach (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Alicia Vikander (Sophia Sandvoort)
Dane DeHaan (Jan van Loos)
Judi Dench (Abbess)
Christoph Waltz (Cornelis Sandvoort)

in weiteren Rollen:

Jack O’Connell (Willem Brok)
Holliday Grainger (Maria)
Tom Hollander (Dr Sorgh)
Matthew Morrison (Mattheus)
Cara Delevingne (Annetje)
Kevin McKidd (Johan De Bye)
Douglas Hodge (Nicholas Steen)
Joanna Scanlan (Mrs Overvalt)
Zach Galifianakis (Gerrit)

Genre:
Drama | Historie | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Tulpenfieber | © Prokino/EuroVideo
© Prokino/EuroVideo

Amsterdam in der Blüte des 18. Jahrhunderts ist ein heißes Pflaster und die Kaufmänner der Stadt überbieten sich ein ums andere Mal, wenn es gilt, die seltenste, wertvollste oder schönste Tulpenzwiebel zu ersteigern. Inmitten dieses um die Blumen entbrannten Wahns ehelicht der betuchte Kaufmann Sandvoort die junge Waise Sophia und bringt sie in ihr neues Heim. Während Sandvoort sich nichts sehnlicher wünscht, als mit Sophia eine Familie zu gründen, reagiert sie eher verhalten auf dessen Avancen, zumal sie sich alsbald in den jungen Maler Jan Van Loos verguckt, den Sandvoort engagiert, um ein Porträt von sich und seiner Gemahlin fertigen zu lassen. Als auch Jan die Tulpenspekulation für sich entdeckt, fasst er einen gewagten Plan, mit Sophia zu flüchten, bei dem auch die schwangere Hausmagd Maria eine nicht unwichtige Rolle spielt…

Rezension:

Normalerweise bin ich jetzt kein riesiger Fan von Historien- oder Kostümfilmen, doch gibt es da natürlich einige rühmliche Ausnahmen, zu denen auch Tulpenfieber hätte zählen können, dem ich allein aufgrund der Beteiligung von Alicia Vikander eine Chance einzuräumen bereit war, derweil der eigentliche Plot um ein obligatorisches Liebesdreieck sich so dermaßen ausgelutscht angehört hat, dass es ihm – so meine Mutmaßung – auch nicht helfen würde, ihn mit dem damaligen Hype um Tulpen in Verbindung zu bringen, was doch wohl lediglich als amüsante Geschichts-Anekdote taugt. Aber weit gefehlt, hätte diese Verknüpfung aus Romanze und amüsanter Variation klassischer Spekulationsgeschäfte womöglich aufgehen können, doch obwohl der Film den Namen der Blume gar im Titel trägt, bleibt das ganze Brimborium um die immer absurder werdende Tulpen-Schacherei tatsächlich nur auflockernde Randnotiz und beeinflusst zwar den Plot des Films ein Stück weit, wird aber ansonsten kaum nähergehend beleuchtet und taugt nur zu einer Handvoll Szenen um die immer gleichen Versteigerungen in dem immer gleichen Etablissement.

Szenenbild aus Tulpenfieber | © Prokino/EuroVideo
© Prokino/EuroVideo

Was aber für das Etablissement gilt, gilt im Grunde für den gesamten Film, denn so stimmig die Kulissen auch sein mögen, so viel Liebe fürs Detail man in jeder einzelnen Szene auf alles gelegt haben mag, fühlt sich Tulpenfieber schnell irritierend "klein" an und Sophia und Konsorten scheinen immer wieder ein und dieselbe Straße entlangzulaufen. Das trübt den Gesamteindruck aber weitaus weniger als die durchweg überraschend blass bleibenden Charaktere, denn ausgerechnet von einer Alicia Vikander, die beispielsweise in Zwischen den Meeren so ziemlich alles an Emotionalität glaubhaft zu verkörpern gewusst, hätte ich nie erwartet, dass sie in der Rolle der Sophie so unscheinbar und weitestgehend austauschbar bleibt. Ähnliches gilt für Dane DeHaan (A Cure for Wellness), der ja eigentlich ein recht spezifisches Charisma vorzuweisen hat, hier aber einen überaus schablonenhaften Künstler voller Ambition und Draufgängertum verkörpert, wie er generischer kaum hätte sein können.

Christoph Waltz (Big Eyes) derweil biet so etwas wie ein Medley früherer Rollen an und versteht sich hier als naiver Sandvoort, den man schon mit wenigen Dialogzeilen der Lächerlichkeit preiszugeben weiß, was einerseits weder Figur noch Schauspieler gerecht wird, andererseits so gar nicht zur weiteren Entwicklung der Figur passen will, die ein paar sprunghafte Veränderungen durchmacht, die man glatt als Twists verkaufen könnte, weil sie so unvermittelt und unerwartet über den geneigten Zuschauer hereinbrechen. Einzig Dame Judi Dench (Jane Eyre) kann sich davon freimachen, in ihrer Rolle nicht zumindest ein wenig zu enttäuschen, doch mag das wiederum auch daran liegen, das selbige vergleichsweise klein ausfällt und somit weniger Angriffsfläche bietet. Ist die Rede von kleinen Rollen, können sich da aber unter anderem auch Cara Delevingne (Valerian) und Zach Galifianakis (Die Jones) einreihen, deren Beteiligung je nach Poster und Veröffentlichungsland mehr oder minder offensiv beworben worden ist, obwohl sich die effektive Screentime auf wenige Minuten beschränkt und – zumindest im Fall von Delevingne – auch kaum die Rede davon sein kann, dass ihre Figur maßgeblich zur Geschichte beiträgt.

Szenenbild aus Tulpenfieber | © Prokino/EuroVideo
© Prokino/EuroVideo

Präsenter und prägnanter bleiben da schon eher Holliday Grainger (The Riot club) als Hausmagd Maria Tom Hollander (Alles eine Frage der Zeit) als herrlich unkonventioneller Dr. Sorgh. Doch ändern die beiden auch nichts daran, dass hier ein auf dem Papier sich unverschämt gut und abwechslungsreich ausnehmender Cast über weite Strecken gänzlich verschenkt wird. Denn Regisseur Justin Chadwick, der schon mit Die Schwester der Königin Erfahrung im Historien-Fach gesammelt hat, begeht den Fehler, in seinem nicht einmal zweistündigen Reigen anscheinend alle Nebenhandlungen und Verzweigungen aus der Buch-Vorlage unterbringen zu wollen, was ihm natürlich gründlich misslingt, obwohl sogar Deborah Moggach als Autorin der Buch-Vorlage am Skript beteiligt gewesen ist. So wirkt aber dennoch alles an Tulpenfieber reichlich überfrachtet, wohingegen man den Figuren kaum nahe kommt. Bleibt schlussendlich nur noch, die wenigen Stärken zu betonen, denn Chadwicks Films braucht sich zumindest in Sachen Optik und Ausstattung nicht zu verstecken, derweil es auch durchaus einiges an amüsanten Szenen geben mag, die das historische Setting auf angenehm leichtfüßige Art ein wenig auflockern, doch reicht das eben nicht, um von einem überzeugenden Film reden zu können, denn dafür mangelt es ihm an zu vielen Ecken und Kanten an ebenselbigen, so dass am Ende ein leicht angestaubt wirkender Historienfilm bleibt, der insbesondere emotional kaum abzuholen versteht.

Fazit & Wertung:

Justin Chadwick offeriert mit Tulpenfieber eine Geschichte, die sich auf den ersten Blick interessant liest und formidabel besetzt zu sein scheint, doch vermögen es weder der hochkarätige Bast noch das spannende Setting, die Geschichte aufzuwerten, die schlichtweg daran krankt, dass ihre vielen – oft trivialen oder bedeutungslosen – Nebenhandlungen den eigentlichen Plot verwässern und so in emotionaler Hinsicht den Zugang zu den Figuren verhindern, die allesamt ausnehmend oberflächlich und wenig markant bleiben. So sind es noch am ehesten die schönen Kulissen und Kostüme, die zu gefallen wissen, den Film als solchen aber freilich auch nicht besser machen.

5 von 10 unverschämt teuren Tulpenzwiebeln

Tulpenfieber

  • Unverschämt teure Tulpenzwiebeln - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Justin Chadwick offeriert mit Tulpenfieber eine Geschichte, die sich auf den ersten Blick interessant liest und formidabel besetzt zu sein scheint, doch vermögen es weder der hochkarätige Bast noch das spannende Setting, die Geschichte aufzuwerten, die schlichtweg daran krankt, dass ihre vielen – oft trivialen oder bedeutungslosen – Nebenhandlungen den eigentlichen Plot verwässern und so in emotionaler Hinsicht den Zugang zu den Figuren verhindern, die allesamt ausnehmend oberflächlich und wenig markant bleiben. So sind es noch am ehesten die schönen Kulissen und Kostüme, die zu gefallen wissen, den Film als solchen aber freilich auch nicht besser machen.

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Tulpenfieber ist am 22.12.17 auf DVD und Blu-ray bei Prokino im Vertrieb von EuroVideo erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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