Review: A Cure for Wellness (Film)

Auch an diesem Freitag, der Auftakt eines allzu sonnigen Wochenendes zu werden verspricht, warte ich natürlich mit einer weiteren Film-Kritik auf, die in eine ähnliche Kerbe geht wie gestriger Film, dabei aber ungleich gelungener daherkommt, wie ich finde.

A Cure for Wellness

A Cure for Wellness, USA/DE 2016, 146 Min.

A Cure for Wellness | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Gore Verbinski
Autor:
Justin Haythe

Main-Cast:
Dane DeHaan (Lockhart)
Jason Isaacs (Volmer)
Mia Goth (Hannah)

Genre:
Horror | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus A Cure for Wellness | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Nachwuchs-Broker Lockhart ist das Paradebeispiel dessen, was man unter einem Workaholic versteht, doch Lockhart ist gleichsam auch Opportunist und hat mit Selbstverständlichkeit versucht, sich mit dubiosen Geschäften selbst zu bereichern. Das wiederum gibt der Vorstandsetage eine gewisse Handhabe, Lockhart in die Schweizer Alpen zu schicken, um dort ein Vorstandsmitglied aus dem "Volmer Institut" abzuholen, das in einem Brief erklärt hat, nicht mehr zurückkehren zu wollen. In dem Glauben, es handele sich um eine zwar ärgerliche, aber schnell erledigte Unterbrechung seiner Arbeit brich Lockhart auf, doch wird er bereits an den Pforten mit dem lapidaren Verweis abgewiesen, dass die Besuchszeit bereits vorüber sei. Auf dem Weg zurück in das weiter unten am Hang gelegene Dorf werden Lockhart und sein Chauffeur allerdings in einen Unfall vermittelt und der Broker erwacht Tage später mit gebrochenem Bein innerhalb der Mauern des "Volmer Institut", womit auch er nun de facto Patient des autoritären wie charismatischen Dr. Volmer ist, dem das irritierende Kunststück gelungen ist, dass bislang keiner seiner wohlhabenden Patienten die Mauern des Instituts je wieder verlassen wollte…

Rezension:

Schon seit ich seinerzeit den ersten Trailer und die damit verbundene Ankündigung zu A Cure for Wellness gesehen hatte, wollte ich den Film unbedingt sehen, doch wie so oft hat es bis weit nach der Heimkinoveröffentlichung gedauert, bis ich schlussendlich einen Blick riskieren konnte, wobei sich das Warten in dem Fall gleich doppelt gelohnt hat, konnte ich so den Film schließlich allein und im abgedunkelten Wohnzimmer genießen und hatte zudem noch sturmfrei, was das sich nach und nach einstellende, zunehmend beklemmende Gefühl noch begünstigt hat. Regisseur Gore Verbinski (Pirates of the Caribbean) versteht es derweil superb, die ganze Klaviatur einschlägiger wie klassischer Horrorelemente n seinem Film unterzubringen, was das mit rund zweieinhalb Stunden Laufzeit überraschend üppige Werk zuweilen zwar ein wenig überfrachtet wirken lässt, dafür aber hervorragend geeignet ist, die spezifische Atmosphäre zu verdichten und zudem einiges an falschen Fährten zu legen bei der Frage, was genau im "Volmer Institut" eigentlich vor sich geht.

Szenenbild aus A Cure for Wellness | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Der Film ist dabei mitnichten frei von Mängeln, sowohl in narrativer wie dramaturgischer Hinsicht und ich verstehe jeden, der diesem Reigen nichts abgewinnen kann, dem das Treiben zu elegisch geraten ist oder der sich schlichtweg gelangweilt fühlt, doch mich zumindest wusste Verbinski mit der phantasmagorischen Reise des Antihelden Lockhart bis zuletzt in den Bann zu schlagen, zumal der Erzählton des Öfteren wechselt und dabei zusätzliche Abwechslung verspricht. Die schlussendliche Auflösung, die innerhalb der Logik des Films durchaus den Ansprüchen genügt, mag vielleicht nicht so unerwartet oder spektakulär ausfallen, wie ich mir das gewünscht hätte, doch ist der eruptive Schlussakkord des Ganzen – der inszenatorisch ohne Frage vielmehr an ein B-Movie erinnert – gar nicht einmal so unpassend, wie ich das zunächst selbst dachte, zumal ich mich bei den angesprochenen Themen nicht zuletzt an die Werke von Lovecraft erinnert sah, dessen Motive nicht von ungefähr ebenfalls schon des Öfteren für entsprechend geartete Filme Pate gestanden haben. Hier nun wird derweil das Flair eines B-Movie, das sich zuletzt mit einem Paukenschlag Bahn bricht, veredelt durch die formidable Kameraarbeit und Inszenierung, die A Cure for Wellness allein schon optisch zu einem Leckerbissen machen, der dann eben auch mit der Laufzeit versöhnlich stimmt.

Gleichsam fängt Verbinski dadurch das spezifische Gefühl einer unbekannten Gefahr oder Bedrohung ein, die von dem abgeschieden gelegenen Institut und dessen Leiter ausgeht, der wiederum ungemein charismatisch und undurchsichtig von Jason Isaacs (Sweetwater) verkörpert wird. Ihm gegenüber als "Held" der Geschichte steht wiederum Lockhart, für dessen Verkörperung Dane DeHaan (Valerian) allein schon dadurch prädestiniert scheint, dass seine Gesichtsfarbe sich seit jeher schon ganz natürlich durch ein eher ungesundes Flair auszeichnet, was man sich hier mit zunehmender Laufzeit vermehrt zunutze zu machen weiß, bis man selbst als Zuschauer beinahe zu zweifeln beginnt, ob es nicht vielmehr Lockharts Psyche ist, die ihn Mitleidenschaft gezogen wurde, als dass die Gefahr wirklich vom Institut und dessen Leiter ausgeht. Ebenfalls eine blendende Figur macht derweil Mia Goth, die mir bis dato gänzlich unbekannt war und um deren Figur Hannah – den "Spezialfall" – ein gehöriges Geheimnis gemacht wird.

Szenenbild aus A Cure for Wellness | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Fernab des überschaubaren Ensembles, das in A Cure for Wellness eine wirklich tragende Rolle spielen darf, überzeugt ansonsten der Look des Films und vermag mit einem merkwürdig aus der Zeit gefallen wirkendem Flair zu beeindrucken, dem man dann auch viele offensichtliche Fehler verzeiht, was speziell die Ausgestaltung des angeblichen Schweizer-Umlands der Klinik, aber auch die Beschriftung der einzelnen Flügel darstellt. In Sachen Set-Design lässt man sich nämlich ansonsten nicht lumpen und greift auch hier von mannshohen Tanks über dunkle Verliese nebst pechschwarzen Gewässern bis hin zu im Nebel versunkenen Türmen und Gängen auf alles zurück, was das Genre an Versatzstücken zu bieten hat, was aber in der Mischung erstaunlich gut aufgeht, wenn man eben damit leben kann, dass manche der gelegten Spuren ganz bewusst und ohne weitere Erklärung ins Leere führt. So ist Verbinskis Mär ein Film, der von seiner Stimmung und Atmosphäre getragen wird, denn bei näherer Betrachtung ist dem Treiben mit Logik nicht beizukommen, wenn man sich nicht der Leichtigkeit halber darauf verlegen mag, vielerorts schlichte Halluzinationen als Erklärung vorzuschieben. Für mich wie gesagt hat der Film in seiner irritierend entrückten Art funktioniert und ich bin ihm nicht böse, am Ende nicht alle Rätsel gelöst und nicht alle Zusammenhänge erklärt zu haben, verstehe aber gut, wenn man ihn wegen seiner teils offenkundigen Schwächen verurteilt, denn je länger die Sichtung zurückliegt, umso mehr Ungereimtheiten fallen mir auf, derweil aber in einem ebensolchen Maße auch das beklemmende und surreale Gefühl, dass der Film mir vermittelt hat, noch immer nachhallt, was nicht gerade häufig der Fall ist.

Fazit & Wertung:

Regisseur Gore Verbinski offeriert mit A Cure for Wellness ein wahres Füllhorn an Ideen und Versatzstücken einschlägig bekannter Horrorfilme, widmet sich vielen klassischen Themen und lässt bewusst so manche Spur ins Leere laufen, während der Film sicherlich auch eine Spur zielgerichteter hätte inszeniert werden können. Optisch und atmosphärisch allerdings handelt es sich um ganz großes Kino, das allein seines eindringlichen Flairs wegen einen Blick lohnt und mit wenigen, aber treffsicher dargebrachten Schockmomenten überzeugt, die einem teils durch Mark und Bein gehen.

8 von 10 Phiolen mit einer rätselhaften Flüssigkeit

A Cure for Wellness

  • Phiolen mit einer rätselhaften Flüssigkeit - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Regisseur Gore Verbinski offeriert mit A Cure for Wellness ein wahres Füllhorn an Ideen und Versatzstücken einschlägig bekannter Horrorfilme, widmet sich vielen klassischen Themen und lässt bewusst so manche Spur ins Leere laufen, während der Film sicherlich auch eine Spur zielgerichteter hätte inszeniert werden können. Optisch und atmosphärisch allerdings handelt es sich um ganz großes Kino, das allein seines eindringlichen Flairs wegen einen Blick lohnt und mit wenigen, aber treffsicher dargebrachten Schockmomenten überzeugt, die einem teils durch Mark und Bein gehen.

8.0/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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A Cure for Wellness ist am 10.08.17 auf DVD und Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. geekgermany 7. Mai 2018

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