Review: Happy! | Staffel 1 (Serie)

Nachdem ich letzte Woche eine Serien-Kritik schuldig geblieben bin, geht es nun weiter im munteren Reigen und das Kontrastprogramm zur letzten Besprechung könnte größer kaum sein, denn heute erzähle ich euch mal wieder von einer richtig schön ungewöhnlichen Serie, die vor exakt einem Monat bei Netflix Premiere gefeiert hat.

Happy!
Staffel 1

Happy!, USA 2017-, ca. 43 Min. je Folge

Happy! | © Syfy
© Syfy

Serienschöpfer:
Grant Morrison
Darick Robertson
Regisseure:
Brian Taylor
David Petrarca

Main-Cast:
Christopher Meloni (Nick Sax)
Ritchie Coster (Francisco Scaramucci / Mr. Blue)
Lili Mirojnick (Det. Meredith McCarthy)
Medina Senghore (Amanda Hansen)
Patrick Fischler (Smoothie)
Patton Oswalt (Happy [Stimme])
in weiteren Rollen:
Joseph D. Reitman (Very Bad Santa)
Bryce Lorenzo (Hailey Hansen)
Christopher Fitzgerald (Sonny Shine)
Laura Poe (Jessica McCarthy)
Gus Halper (Mikey Scaramucci)
Debi Mazar (Isabella Scaramucci)

Genre:
Krimi | Komödie | Fantasy | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Happy! | © Syfy
© Syfy

Nick Sax war mal Polizist, doch die Zeiten sind lang vorbei und mittlerweile verdingt er sich las Auftragsmörder und vertreibt sich die Zeit damit, Tabletten und andere Drogen in sich zu schütten und über Selbstmord zu fabulieren, womit er dem Prädikat "abgefuckt" sein höchsteigenes Konterfei spendiert. Das ändert sich allerdings in der Vorweihnachtszeit, als es Nick – wieder einmal – an den Kragen zu gehen droht und ihm unvermittelt ein sprechendes, fliegendes, blaues Pferd erscheint, dass sich als Happy zu erkennen gibt und ausführt, der imaginäre Freund eines kleinen Mädchens zu sein, dass von einem garstigen Weihnachtsmann entführt worden ist und gerettet werden muss. Der Grund, dass Nick das Pferdchen sehen kann, liegt quasi auf der Hand, schließlich soll es seine eigene Tochter sein, die da entführt worden ist. Nick allerdings weiß weder etwas davon, ein Kind gezeugt zu haben, noch kann er sich mit dem Gedanken anfreunden, dass Happy nicht etwa nur seinem drogenvernebelten Verstand entsprungen ist, doch der kleine Kerl bleibt hartnäckig und während Nick ein ums andere Mal vom Regen in die Traufe gerät, beginnt er langsam, dem fliegenden Geschöpf Gehör zu schenken…

Rezension:

Es ist jetzt schon einige Jahre her, dass ich den hierzulande bei Panini erschienenen Comic Happy! von Kult-Autor Grant Morrison gelesen habe, doch musste ich nicht lange überlegen, als mir plötzlich bei Netflix ein blaues, fliegendes Einhorn und der Schriftzug Happy! ins Auge fielen, denn die Story hat seinerzeit bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und auch beinahe die Höchstwertung kassiert. Keine Frage also, dass ich nun auch bei der Serien-Adaption einschalten "musste" deren Entwicklung und Ausstrahlung bei dem Spartensender Syfy diesmal gänzlich an mir vorüber gegangen ist. So handelt es sich also einmal mehr mitnichten um ein Netflix-Original, wie man uns glauben lassen möchte, doch sagt das nichts über die Qualität der Serie als solche aus, denn selbige kann sich wirklich sehen lassen und ist vom ersten bis zum letzten Moment absolut stimmig und herrlich durchgeknallt konzipiert.

Szenenbild aus Happy! | © Syfy
© Syfy

So fabuliert Hauptfigur Nick Sax bereits in der ersten Einstellung der Auftaktepisode Der heilige Nick (1.01) darüber, sich selbst in den Kopf zu schießen, was zwar einerseits in einer nicht enden wollenden Blutfontäne, andererseits einer absurden Tanzeinlage mündet, die plötzlich in bester Disco-Manier einige Tänzer in die Szene lockt, bevor Nick sich in der trostlosen Realität der Vorweihnachtszeit wiederfindet. Und ja, Happy! ist in seinen derben Momenten ultrabrutal und reichlich explizit, wie es auch schon bei der Comic-Vorlage der Fall gewesen ist. Die behandelten Themen, von Menschenhandel über Pädophilie, Alkohol- und Drogensucht tun hierbei ihr Übriges und entsprechend ist die Serie einerseits nur einem erwachsenen, andererseits einem "robusten" Publikum zu empfehlen, zumal der Erzählton auch ansonsten tiefschwarz und zynisch daherkommt. Einziger Lichtblick und gleichzeitig Alleinstellungsmerkmal in diesem Reigen ist freilich das namensgebende blaue Pferdchen, bei dem es sich nämlich um den imaginären Freund eines kleinen Mädchens handelt, so dass die Cartoon-Figur entsprechend unbedarft, fröhlich und grenzenlos optimistisch daherkommt, was zu einigen herrlich absurden Szenen führt, wenn Einhorn-Pferdchen Happy mit der derben und düsteren Realität konfrontiert wird – oder mit seinem ersten Kokain-Rausch klarkommen muss.

Szenenbild aus Happy! | © Syfy
© Syfy

Damit aber nicht, wartet Happy! noch mit weiteren Absurditäten auf, die mir persönlich ganz besonders imponiert haben, so dass beispielsweise die zweite Episode Wozu ist ein Lächeln gut? (1.02) mit einer Traumsequenz eröffnet, die in der Talkshow von Jerry Springer zu verorten ist, der es sich auch nicht hat nehmen lassen, dieses Cameo zu absolvieren. Zu großen Teilen liegt das natürlich auch an der Comic-Vorlage seitens Morrison, die ihrerseits schon mit zahlreichen Einfällen gespickt war, doch ist es dennoch hohe Kunst, dies so überzeugend und vor allem kompromisslos für die TV-Leinwand zu adaptieren, zumal hier manche Szenen quasi eins zu eins übernommen worden sind. Fernab der Düsternis und Brutalität aber verbucht die Syfy-Serie auch noch ganz andere Qualitäten für sich, die insbesondere bei dem ungewöhnlichen Gespann aus Hauptfiguren zu suchen ist, denn während Nick Sax der klassische Antiheld und Zyniker ist, der sich vom Leben betrogen fühlt und längst alles verloren zu haben meint, könnte der Kontrast zu Über-Optimist Happy kaum größer sein, womit die Serie im Grunde das Konzept eines Buddy-Movies auf die Spitze treibt und dann noch ein paar Schritte weitergeht.

Happy! | Zeichnung von Wulf Bengsch

Nick derweil wird dann auch noch verkörpert von Christopher Meloni, den man wohl am ehesten aus Law & Order kennen dürfte, der aber auch schon an Produktionen wie Sin City 2 und True Blood mitgewirkt hat, mit dem Part des durchgeknallten und freudig Tabletten konsumierenden Nick Sax aber eine Paraderolle für sich gefunden haben dürfte, in der ich ihn gerne noch viele Jahre sehen würde, denn obwohl die Comic-Reihe gerade einmal sechs Hefte umfasst und als abgeschlossen betrachtet werden kann, plant man bei der Serien-Fassung längst eine zweite Staffel, in der man dann wohl eigene Wege gehen wird, doch bei dem Gespür, was die Autoren und Regisseure bei der Adaption des vorhandenen Stoffes an den Tag gelegt haben, bin ich guter Dinge, dass auch nachfolgende Geschichten ähnlich gut zu unterhalten wissen werden. Happy derweil wird im Original gesprochen von niemand Geringerem als Patton Oswalt, der ohnehin für sein komödiantisches Gespür bekannt sein dürfte und dem Pferdchen allein mit seiner Stimme noch einmal gehörig Profil und Charakter verleiht. Entsprechend mag Happy! mit seiner überbordenden Brutalität, seiner derben wie zynischen, einzig durch ein Comic-Einhorn aufgebrochenen Gangart und den vielen düsteren Themen und Figuren nicht jedermanns Sache sein, doch mich persönlich hat die Serie bereits nach wenigen Minuten vollends abzuholen gewusst und durch die insgesamt acht Folgen getrieben, die sich samt und sonders keinerlei Durchhänger oder Verschnaufpause gönnen.

Fazit & Wertung:

Die nach dem gleichnamigen Comic von Grant Morrison adaptierte Syfy-Serie Happy!, die über Netflix nun auch den Weg zu uns gefunden hat, geht inszenatorisch gehörig in die Vollen und dürfte jene schnell verschrecken, die mit überzogener Gewalt und absurdem Humor nichts anfangen können, doch wer sich auf die ungewöhnliche Prämisse eines imaginären fliegenden Pferdchens einlassen kann, das ein Team-Up mit einem abgehalfterten Ex-Cop eingeht, bekommt hier eine gehörige Portion derber wie einfallsreicher Unterhaltung geboten.

8,5 von 10 aufmunternde Worte eines imaginären Freundes

Happy! | Staffel 1

  • Aufmunternde Worte eines imaginären Freundes - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die nach dem gleichnamigen Comic von Grant Morrison adaptierte Syfy-Serie Happy!, die über Netflix nun auch den Weg zu uns gefunden hat, geht inszenatorisch gehörig in die Vollen und dürfte jene schnell verschrecken, die mit überzogener Gewalt und absurdem Humor nichts anfangen können, doch wer sich auf die ungewöhnliche Prämisse eines imaginären fliegenden Pferdchens einlassen kann, das ein Team-Up mit einem abgehalfterten Ex-Cop eingeht, bekommt hier eine gehörige Portion derber wie einfallsreicher Unterhaltung geboten.

8.5/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Der Heilige Nick (8,5/10)
02. Wozu ist ein Lächeln gut? (8,5/10)
03. Als Weihnachten noch Weihnachten war (8,5/10)
04. Das Jahr des Pferdes (8,5/10)
05. Weiße Sauce? Scharfe Sauce? (8,5/10)
06. Schrottplatz der kindlichen Dinge (8,5/10)
07. Zerstörer der Welten (9/10)
08. Ich bin die Zukunft (9/10)

 
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Happy! | Staffel 1 ist seit dem 26.04.18 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

Kommentare (2)

  1. Der Kinogänger 26. Mai 2018
  2. Wortman 4. Juni 2018

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