Review: Happy! | Staffel 2 (Serie)

Was hatte ich meinen Spaß mit dieser zweiten Staffel und was ist es blöd, dass die Zukunft der Serie wohl ad acta gelegt werden kann, aber das erlebt man heutzutage ja so häufig, dass es irgendwie auch kaum noch überrascht. Entgehen lassen sollte man sich dieses neue Abenteuer für Sax und Hap dennoch nicht!

Happy!
Staffel 2

Happy!, USA 2017-, ca. 43 Min. je Folge

Happy! | © Syfy
© Syfy

Serienschöpfer:
Grant Morrison
Darick Robertson
Regisseure:
Brian Taylor
Wayne Yip
Marianna Palka
Christopher Meloni
Joseph Kahn

Main-Cast:
Christopher Meloni (Nick Sax)
Ritchie Coster (Francisco Scaramucci / Mr. Blue)
Lili Mirojnick (Det. Meredith McCarthy)
Medina Senghore (Amanda Hansen)
Patrick Fischler (Smoothie)
Christopher Fitzgerald (Sonny Shine)
Bryce Lorenzo (Hailey Hansen)
Patton Oswalt (Happy [Stimme])
in weiteren Rollen:
Paul Wight (Big Pink)
Daniel Sunjata (Simon)
Ann-Margret (Bebe DeBarge)
Ashlie Atkinson (Ace)
Antonia Rey (Assunta)
Curtis Armstrong (Dayglow Doug)
Bob Turton (Scoot)
Lee R. Sellars (Kap Gostynski)
Debi Mazar (Isabella Scaramucci)
Jeff Goldblum (God [Stimme])

Genre:
Krimi | Komödie | Fantasy | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Happy! | © Syfy
© Syfy

Hailey ist aus den Fängen des bösen Santa gerettet worden und Blue sitzt hinter Gittern. Eigentlich könnte für Nick Sax, seine Tochter und deren Mutter Amanda so etwas wie Normalität einkehren, doch ist es für Nick freilich gar nicht so leicht, von Alkohol und Drogen loszukommen, um seiner Tochter ein besserer Vater zu sein, während auch Hailey die Erlebnisse noch längst nicht verarbeitet hat und selbst Amanda regelrecht traumatisiert ist von dem, was sie hat sehen müssen. Vor allem aber ist Strippenzieher Sonny Shine noch nicht dingfest gemacht worden und erzeugt gerade jede Menge mediale Aufmerksamkeit mit seiner Kampagne "Make Easter Great Again" – kurz MEGA – zumal er gleich noch eine prestigeträchtige Nonnen-Sprengung initiiert, um das Thema Ostern nach vorne zu bringen. Und während Nick also noch versucht, den Drogen fernzubleiben und sich die stetigen Belehrungen von Pferdchen Happy anhören darf – den außer ihm natürlich niemand sieht – stolpert er bald in den nächsten Schlamassel und muss lernen, dass so manches Versprechen, das er gegeben hat – wie etwa nicht mehr zu töten – gar nicht so leicht einzuhalten ist…

Rezension:

Einen Tag, bevor die zweite Staffel Happy! am 5. Juni hierzulande bei Netflix online gegangen ist, verkündete der produzierende Spartensender Syfy die Absetzung der Show nach zwei Staffeln und ich könnte nicht trauriger sein, denn während ich nach der ersten Staffel noch dachte, dieses absurd-aberwitzige Treiben könne man nicht mehr toppen, wusste mich die nunmehr zehnteilige zweite Staffel prompt eines Besseren zu belehren, zumal einerseits die Geschichte logisch und konsequent fortgeführt wird, andererseits die bekannten Figuren hier noch einmal deutlich mehr Raum zur Entfaltung bekommen und alles eng miteinander verzahnt wirkt. Aber von Logik zu sprechen ist bei solcherlei Art von Serie natürlich weit hergeholt, denn auch diesmal handelt es sich im Grunde um Hochglanz-Trash par excellence, was die Serie aber eben auch so einzigartig und unterhaltsam macht. Da werden schon mal Horden von Nazis totgeprügelt und deren Brustkörbe zerfetzt, mischen sich wabbelige wie gesichtslose Außerirdische ins Geschehen ein, während auch kurze Abstecher ins Jenseits nicht fehlen dürfen und Happy eine Affäre mit einer anderen imaginären Freundin namens Bo Peep anfängt, die ihm zeigt, wozu sein Horn so alles gut ist.

Szenenbild aus Happy! | © Syfy
© Syfy

Dass die Serie aber gänzlich durchgeknallt und bewusst over-the-top inszeniert ist, war natürlich in der Staffel zuvor schon klar erkennbar und so dürfte sich jeder Fan freuen, dass man diesem Stil treu bleibt und dabei sogar ein gesteigertes Maß an Einfallsreichtum an den Tag legt, was insbesondere die Auseinandersetzungen von nick anbelangt, die in so ziemlich jeder Episode zu finden sind und wirklich großartig in Szene gesetzt wurden, ob es sich dabei um großangelegte und bluttriefende Kampfchoreografien handelt oder von schwenkenden Kameras umkreiste Standbilder, so dass auch hier für ordentlich Abwechslung und Unterhaltung gesorgt ist. Ansonsten hat es natürlich auch hier wieder allerlei skurrile Gestalten und verstörende Kostüme und man kann durchaus beobachten, dass die Charaktere samt und sonders noch deutlich exaltierter geworden sind, als es ohnehin schon der Fall gewesen ist. Da Happy! als Adaption des gleichnamigen Comics von Grant Morrison aber ohnehin schon immer comichaft gewirkt hat, fällt diese übersteuerte Art nicht einmal negativ ins Gewicht, sondern unterstreicht den "Weirdness-Faktor" des Ganzen gekonnt.

Durch das angewachsene Figurenkonsortium und die deutlich größeren Rollen für Hailey (Bryce Lorenzo) und Amanda (Medina Senghore) verhält es sich aber auch so, dass Traum-Duo Sax und Happy leider nicht mehr so viel Screentime für sich verbuchen dürfen, wie es zuvor der Fall gewesen ist, gleichwohl sie freilich immer noch im Zentrum der Chose stehen. Aber auch an dem sich parallel zur Haupthandlung entfaltenden Plot um den jüngst inhaftierten Blue Scaramucci (Ritchie Coster, True Detective) merkt man deutlich, dass die Staffel weitaus mehr Ambitionen hat und eine deutlich breiter angelegte Geschichte zu erzählen gedenkt, zumal teilweise schlichtweg erzählerische Vorarbeit für die dritte Staffel geleistet wird, was natürlich grundsätzlich eine schöne Sache ist, in Kombination mit der Absetzung – und dadurch mehr als fraglichen Zukunft des Ganzen – aber auch einen schalen Beigeschmack hat. So hätte man es mühelos bei der einen Staffel Happy! bewenden lassen können (was ich auch zunächst dachte), wohingegen der Abschluss in Auferstehung (2.10) nun einiges an Fragen offen lässt, immerhin aber dadurch versöhnlich stimmt, dass man niemand Geringeres als Jeff Goldblum (Hotel Artemis) für die Stimme von Gott verpflichtet hat, der hier einen kleinen, ziemlich genialen Gastauftritt absolvieren darf.

Szenenbild aus Happy! | © Syfy
© Syfy

Dass man sich bei dem Genuss einer Staffel Happy! derweil im Grunde auf einen ziemlich abgefuckten, drogeninduzierten Trip einlässt, sollte im Vorfeld bereits klar sein und ebenso, dass die Serie viel von ihrem Reiz aus abgedrehtem Humor und reichlich Brutalität zieht ebenso, doch was die Produktion in meinen Augen derweil so richtig lohnenswert macht, ist, dass dabei die emotionale Komponente eben nicht außeracht gelassen wird, so dass es eben im Kern auch immer darum geht, dass Sax trotz seiner Verfehlungen und Schwächen verzweifelt versucht, Hailey ein guter Vater zu sein und sie zu beschützen, auch wenn es im Verlauf der Staffel schwer werden wird, mit Ex-Frau Amanda am gleichen Strang zu ziehen, da sie eben ihre eigene Höllenfahrt antreten darf. Vor allem aber lebt die Serie trotz reduzierter Screentime von Hauptdarsteller-Duo Christopher Meloni (Sin City 2), der in der Rolle des Nick Sax merklich aufzugehen scheint und mit wirklich vollem Körpereinsatz dabei ist sowie dem Pferdchen Happy, dem einmal mehr Patton Oswalt (Die Jones) im Original seine Stimme leihen darf. Nicht unerwähnt bleiben soll aber auch die nunmehr ehemalige Polizistin Merry McCarthy (Lili Mirojnick), die fernab der Regeln und Beschränkungen der Polizeiarbeit nun zu einer deutlich aggressiveren Ermittlerin avanciert und gegen Ende der Staffel zudem eine interessante Begegnung hat, die in einer etwaigen dritten Staffel noch interessant werden könnte, falls sich eines der einschlägigen Networks wie etwa Netflix (durchaus naheliegend), Hulu oder Amazon Prime der Show eventuell noch annehmen sollte, was ich natürlich sehr hoffe. Denn so eigenwillig, makaber und wild die Serie auch sein mag, so schwer sie es haben dürfte, ein Massenpublikum zu begeistern, so sehr schätze ich diese gewollte Absurdität und den charismatischen wie spielfreudigen Cast, der auch in dieser zwei Folgen längeren zweiten Staffel keine Langeweile aufkommen lässt.

Fazit & Wertung:

Die zweite Staffel Happy! wirkt in vielerlei Hinsicht noch durchgedrehter, noch überspitzter, brutaler und absurder als die vergleichsweise überschaubare erste Staffel, derweil hier gleich mehrere Handlungsstränge aufgemacht und eine übergeordnete Mythologie etabliert werden, die auf eine dritte Staffel dieser exaltierten Show mit ihrer eigenwilligen Inszenierung und Prämisse hoffen lassen. Um die ist es allerdings nach Absetzung durch Syfy schlecht bestellt, was allerdings nicht daran hindern sollte, diesem zehn Episoden umfassenden Treiben beizuwohnen.

8,5 von 10 aufmunternden Worten eines imaginären Freundes

Happy! | Staffel 2

  • Aufmunternde Worte eines imaginären Freundes - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die zweite Staffel Happy! wirkt in vielerlei Hinsicht noch durchgedrehter, noch überspitzter, brutaler und absurder als die vergleichsweise überschaubare erste Staffel, derweil hier gleich mehrere Handlungsstränge aufgemacht und eine übergeordnete Mythologie etabliert werden, die auf eine dritte Staffel dieser exaltierten Show mit ihrer eigenwilligen Inszenierung und Prämisse hoffen lassen. Um die ist es allerdings nach Absetzung durch Syfy schlecht bestellt, was allerdings nicht daran hindern sollte, diesem zehn Episoden umfassenden Treiben beizuwohnen.

8.5/10
Leser-Wertung 6.14/10 (7 Stimmen)
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Episodenübersicht: Staffel 2

01. Krieg dem Ostern (8,5/10)
02. Tallahassee (8/10)
03. Manche Mädchen sollten öfter Buße tun (8,5/10)
04. Blitzkrieg!!! (8,5/10)
05. 19 Stunden und 13 Minuten (8,5/10)
06. Das Fest der Perversen (8,5/10)
07. Arlo und Marie (8/10)
08. Freundschaft mit dem Tod (8,5/10)
09. Fünf Chicken-Sticks und eine Waffe (8,5/10)
10. Auferstehung (9/10)

 
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Happy! | Staffel 2 ist seit dem 05.06.19 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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