Review: Kingsman: The Golden Circle (Film)

Während alle Welt über Deadpool 2 spricht, rede ich dann heute über den zweiten Kingsman, zumal das ja sehr schön passt, dass hier erneut sowohl Firth als auch Moore mitspielen, womit ich eine schöne Brücke zu gestriger Film-Kritik schlage, die wohl auch – wie mir gar nicht bewusst war – vom Timing her besser hätte kaum veröffentlicht werden können.

Kingsman:
The Golden Circle

Kingsman: The Golden Circle, UK/USA 2017, 141 Min.

Kingsman: The Golden Circle | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Matthew Vaughn
Autoren:
Jane Goldman (Drehbuch)
Matthew Vaughn (Drehbuch)
Mark Millar (Comic-Vorlage)
Dave Gibbons (Comic-Vorlage)

Main-Cast:
Colin Firth (Harry Hart)
Julianne Moore (Poppy)
Taron Egerton (Eggsy)
Mark Strong (Merlin)
Halle Berry (Ginger)
Elton John (Elton John)
Channing Tatum (Tequila)
Jeff Bridges (Champ)
in weiteren Rollen:
Hanna Alström (Princess Tilde)
Pedro Pascal (Whiskey)
Edward Holcroft (Charlie)
Poppy Delevingne (Clara)
Sophie Cookson (Roxy)
Bruce Greenwood (President of the United States)
Emily Watson (Chief of Staff Fox)

Genre:
Action | Abenteuer | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Kingsman: The Golden Circle | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Seit dem Tod von Harry Hart ist mittlerweile einige Zeit vergangen und Eggsy hatte Zeit, in seine Rolle als neuer Galahad bei den Kingsman hineinzuwachsen. Aus der Affäre mit Prinzessin Tilde ist längst eine handfeste Beziehung geworden und gemeinsam mit Merlin und Roxy – jetzt Lancelot – sorgen die Kingsman für die Sicherheit der britischen Bevölkerung. Dann allerdings lauert Eggsy eines Abends der ehemalige Kingsman-Anwärter Charlie auf, der ihn in einen Kampf verwickelt und – wie sich später herausstellen soll – der exzentrischen Drogen-Baronin Poppy untersteht, die sich in der Abgeschiedenheit Südamerikas ein großflächiges Domizil geschaffen hat. Nachdem die Gefahr durch Charlie allerdings längst abgewendet scheint, gelingt es Poppy, sich in die Systeme der Kingsman zu hacken, um die Aufenthaltsorte der Agenten zu bestimmen und einen koordinierten Anschlag durchzuführen. Eggsy und Merlin überleben das Attentat mit Glück und erfahren dank Notfallprotokoll von den Statesman, einer ebenfalls streng geheimen Organisation, die sich nach außen hin als Whiskey-Imperium präsentiert und hoffentlich helfen kann, Poppys weitergehende Pläne zu vereiteln…

Rezension:

In dem Wissen darum, dass Kingsman: The Golden Circle sicherlich nicht an Kingsman: The Secret Service heranreichen könne, war ich dennoch sehr gespannt auf die Fortsetzung und voller Vorfreude, nicht nur aber vor allem, was die Tatsache angeht, den im ersten Teil getöteten Harry Hart zurückzubringen, was ich jetzt mal nicht als Spoiler werte, ist Colin Firth (Devil’s Knot) schließlich namentlich und auch bildlich prominent auf den einschlägigen Postern und Plakaten vertreten. Firth/Hart zurückzubringen erweist sich derweil auch als goldrichtige Entscheidung, denn auch wenn der Film ohne Frage auch ohne sein Zutun funktioniert, läuft Matthew Vaughns zweite Agenten-Komödie erst zu wirklicher Hochform auf, wenn auch Agent Galahad Senior wieder in Fahrt kommt. Ansonsten hat man es hier natürlich zunächst einmal mit einem klassischen Vertreter der Höher-Schneller-Weiter-Fraktion zu tun, was mit einem gewissen Verlust an Charme und Frische einhergeht. Kein Wunder, denn was der erste Teil an Überraschungen zu bieten hatte, lässt sich nur schwerlich wiederholen, zumal man hier als Zuschauer ja nun auch weiß, auf welche Art Abenteuer man sich einlässt.

Szenenbild aus Kingsman: The Golden Circle | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Dergestalt hat mir auch die Eröffnungsszene sehr gut gefallen, die als Zweikampf in, unter, neben und auf einem fahrenden Taxi inszeniert ist und natürlich ohne Frage reichlich "drüber" sein mag, damit aber eben auch genau das liefert, was ich mir von einem Kingsman-Film erwarten würde, inklusive großartiger 360°-Kameraschwenks und großzügig eingesetzter Zeitlupen. Nach furiosen fünf Minuten wird das Tempo zunächst aber einmal wieder gedrosselt, um alte Bekannte und neue Schergen in Position zu bringen, was insbesondere für die von Julianne Moore (Maps to the Stars) verkörperte Poppy gilt, die als Nachfolgerin von Samuel L. Jacksons Valentine ein ohne Frage schweres Erbe anzutreten hatte. Dafür gelingt ihr die nicht minder exzentrische Figur aber ausnehmend gut, zumal sie charakterlich in eine ganz andere Richtung geht, wenn auch ihr Plan natürlich in Richtung Weltherrschaft zielt. So muss sich Taron Egerton aber auch diesmal mit Namensnennung an dritter Stelle zufriedengeben, obwohl Eggsy natürlich die gar nicht mal so heimliche Hauptfigur von Kingsman: The Golden Circle darstellt. Sehr schön im Übrigen, wie man ihn einerseits in die Rolle als Galahad hineinwachsen lässt und er deutlich häufiger in feinem Zwirn zu sehen ist, andererseits aber auch seine Wurzeln nicht vergessen hat und je nach Situation eben auch weitaus lässiger in Erscheinung tritt.

Fernab der Wandelbarkeit der Hauptfigur ist aber auch das Geschehen des Films als solches ungemein abwechslungsreich und gleicht vielerorts einer regelrechten Weltreise, derweil man merkt, wie viele Ideen Matthew Vaughn und Jane Goldman in diesen Film zu packen versucht haben. So verwundert es kaum, dass die ursprüngliche Schnittfassung des Films weitaus länger gewesen sein soll, aber ebenso wenig, dass Kingsman: The Golden Circle zuweilen wirklich ein wenig überfrachtet wirkt. Das liegt nicht unmaßgeblich an den Statesman, deren Erscheinen und bloße Existenz eine grandiose Idee ist, zumal die Übereinstimmungen wie auch die Differenzen beider Institutionen ein Füllhorn der Möglichkeiten darstellt, doch sind mir hier Vaughn und Goldman zu rigoros zu Werke gegangen, als dass ich alles begeistert loben könnte. So hätte man hier die Möglichkeit gehabt, einen Nachfolger zu schaffen, der wirklich eng verknüpft ist mit seinem Vorgänger und denselben Geist atmet, was man mit mancher Rückblende – insbesondere um Harry Hart – auch trefflich macht und verbaut sich dann selbst viele Möglichkeiten, indem man die Geschichte mit einem Handstreich zu Kingsman Meets Statesman werden lässt. So brütet Vaughn bereits über einem möglichen Statesman-Spin-off, doch während ich mir dieses nur allzu gern ansehen würde, war mir das amerikanische Pendant hier für einen Kingsman-Film doch eigentlich schon zu präsent, zumal sich die Riege an Gaststars als reichliche Mogelpackung entpuppt, so dass sich allein die Leinwandzeit von Channing Tatum noch am ehesten mit seiner "Präsenz" in The Hateful 8 vergleichen lässt, während auch Jeff Bridges (Iron Man) herzlich wenig zu tun bekommt und hauptsächlich mit seinem guten Namen wirbt. Einzig Pedro Pascal (The Great Wall) als Statesman-Agent Whiskey spielt letztlich eine größere Rolle in dem munteren Treiben und erinnert nicht von ungefähr an den jungen Burt Reynolds, womit er eine willkommene Ergänzung des schlagkräftigen Teams darstellt.

Szenenbild aus Kingsman: The Golden Circle | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Dafür allerdings habe ich hier auch mehr von dem bekommen, was ich mir schon für den ersten Teil gewünscht hatte und damit meine ich Merlin, der nämlich hier doch deutlich mehr zu tun bekommt, als nur aus dem Hintergrund ein paar Anweisungen zu geben und Gadgets bereitzustellen, was eben auch Mark Strong (Mindscape) als dessen Darsteller noch einmal zu Höchstform auflaufen lässt. Um aber noch einmal auf Inszenierung und narrative Strukturen zu sprechen zu kommen, merkt man Kingsman: The Golden Circle doch zuweilen deutlich an, dass ihm eine Comic-Vorlage wie eben Mark Millars Secret Service beim ersten Teil fehlt, denn in den besten Moment referenziert sich der Film selbst oder stellt auf seinen Vorgänger ab, wenn man sich nur die kultige Kneipenschlägerei aus dem ersten Teil in Erinnerung ruft. Zwar wird auch hier oft und gerne mit ironischer Brechung gearbeitet, doch wo Kingsman: The Secret Service noch genüsslich nahezu jedes Agenten-Klischee aufgebrochen und durch den Wolf gedreht hat, werden derartige Ansätze hier mancherorts im Keim erstickt. So mag Vaughns zweiter Kingsman inszenatorisch zwar über die meisten Zweifel erhaben sein und mit großartiger Besetzung und abwechslungsreichen Handlungsorten punkten, doch fehlt ihm schlichtweg ein wenig des charmanten Esprits seines direkten Vorgängers, der den Film so unverbraucht und erfrischend hat wirken lassen. Mir als großer Fan des ersten Teils hat mit zurückgeschraubten Erwartungen auch dieses Abenteuer eine Menge Freude bereitet, doch den Coup zu wiederholen, das gelingt Vaughn hier erwartungsgemäß nicht, obwohl Harry Hart wieder mitmischen darf.

Fazit & Wertung:

Matthew Vaughn mag Kingsman: The Golden Circle gespickt haben mit großartigen wie überzogenen Ideen, doch schießt er hierbei mancherorts über das Ziel hinaus und lässt den Film zuweilen ein wenig überfrachtet wirken. Spaß macht auch das zweite Abenteuer der Kingsman, gar keine Frage, doch an die Leichtigkeit und Frische, den Pep und Esprit des ersten Teils kommt die Story leider nur selten heran.

7,5 von 10 mit Drogen vergifteten Zivilisten

Kingsman: The Golden Circle

  • Mit Drogen vergiftete Zivilisten - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Matthew Vaughn mag Kingsman: The Golden Circle gespickt haben mit großartigen wie überzogenen Ideen, doch schießt er hierbei mancherorts über das Ziel hinaus und lässt den Film zuweilen ein wenig überfrachtet wirken. Spaß macht auch das zweite Abenteuer der Kingsman, gar keine Frage, doch an die Leichtigkeit und Frische, den Pep und Esprit des ersten Teils kommt die Story leider nur selten heran.

7.5/10
Leser-Wertung 7.67/10 (3 Stimmen)
Sende

Kingsman: The Golden Circle ist am 01.02.18 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:


Blu-ray:


vgw

Eine Reaktion

  1. Franziska-T 22. Mai 2018

Hinterlasse einen Kommentar