Review: The Great Wall (Film)

Und wir beschließen die (filmische) Woche mit ein wenig Fantasy, die zwar durchaus ihren Unterhaltungswert besitzt, aber doch weitaus überzeugender hätte inszeniert werden könne, denn je genauer man über den Film nachdenkt, umso mehr Schwächen werden offenbar. Aber hey, das erzähle ich ja jetzt noch mal lang und breit in ausführlich. Kommt mir gut ins Wochenende und bis morgen!

The Great Wall

The Great Wall, USA/CN/HK/AU/CA 2016, 103 Min.

The Great Wall | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Yimou Zhang
Autoren:
Carlo Bernard
Doug Miro
Tony Gilroy

Main-Cast:
Matt Damon (William)
in weiteren Rollen:
Tian Jing (Commander Lin Mae)
Pedro Pascal (Tovar)
Willem Dafoe (Ballard)
Andy Lau (Strategist Wang)

Genre:
Fantasy | Action | Abenteuer

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Great Wall | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Getrieben von den Gerüchten um ein ominöses und enorm mächtiges – dadurch wertvolles – schwarzes Pulver, verschlägt es William und seine Begleiter ins ferne China, doch nach dem nächtlichen Angriff eines grausigen Ungetüms sind er und sein Kampfgefährte Tovar die einzigen Überlebenden des Trupps, die sich dann auch noch unversehens vor einer gigantischen, von zahllosen Soldaten bemannten Mauer wiederfinden und prompt in Ketten gelegt werden. Die Geschichten von dem Monster allerdings versetzen die chinesischen Verteidiger der Mauer in helle Aufregung und schnell wird klar, warum dies so ist, denn ganze Scharen der Taotie genannten Wesen branden alsbald wortwörtlich gegen die Mauer und nachdem sich William und Tovar im Kampf zu behaupten wussten, bittet man sie, zu bleiben. Die Fremdländer willigen ein, planen allerdings, mit der Hilfe des durchtriebenen Ballard die Aufregung des nächsten Angriffs zu nutzen, um sich unbemerkt mit möglichst viel Schwarzpulver aus dem Staub zu machen. Nachdem aber Kommandantin Lin Mae an seine Loyalität appelliert, beginnt William sich zu fragen, wofür er kämpfen und einstehen möchte…

Rezension:

Okay, dass The Great Wall mehr was fürs Auge denn fürs Gehirn sein würde, war im Vorfeld abzusehen und genau darauf baute auch meine Erwartungshaltung, die sich sehr auf einen unterhaltsamen Fantasy-Actioner gefreut hatte, doch Yimou Zhangs Blockbuster wartet noch zusätzlich mit ein paar Schwächen auf, die selbst mit diesem Anspruch den Film nicht unumwunden empfehlenswert machen. So spektakulär die Action-Szenen nämlich grundsätzlich geraten sein mögen, kranken sie oftmals an wenig überzeugendem Einsatz von CGI, wie man schon in den ersten Sekunden merkt, wenn die Kamera an der komplett digitalen Mauer entlangfährt, derweil in den ruhigeren Momenten gerne mal in Sachen Dramaturgie reichlich Leerlauf herrscht, denn zu erzählen haben die insgesamt drei Drehbuchautoren – sechs, wenn man die Leute, die die "Story" ersonnen haben mitrechnet – nicht wirklich viel und kommen im Dialog auch kaum über Plattitüden hinaus, wenn denn mal wirklich mehrere Sätze gewechselt werden, was zumindest im Fall der Hauptfigur William eine Seltenheit darstellt.

Szenenbild aus The Great Wall | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Über die zahllosen Anachronismen kann man da vielleicht noch wohlwollend hinwegsehen, zumal zu keinem Zeitpunkt konkret genannt wird, zu welcher Zeit The Great Wall spielen soll und vor allem, da man sich bei einem Fantasy-Actionfilm eben mehr über die Schauwerte freut, welche die unverhofft frühe Entdeckung des Schwarzpulvers, funktionierende Heißluftballons und allgemein technisch ausgeklügelte Verteidigungsanlagen wie etwa rotierende Klingen, die aus dem sich öffnenden Mauerwerk gefahren werden, so mit sich bringen. Weniger verständlich, aber dem Duktus der Erzählung geschuldet ist natürlich, wieso die chinesischen Verteidiger mit jeder neuen Angriffswelle auch weitaus effektivere – und spektakulärer anzusehende – Waffen aus dem Repertoire zaubern, die sie zweifelsohne auch schon bei früheren Angriffen hätten verwenden können. Das wiederum führt unter anderem dann auch speziell die bombastisch anzusehenden Klippenspringer ad absurdum, die sich an einer Art Bungee-Seil von der Mauer stürzen, um mit biegsamen Speeren auf die monströsen Gegner einzustechen und postwendend nach oben zurückkehren, ohne je den Boden berührt zu haben.

Nicht falsch verstehen, The Great Wall macht durchaus Spaß und das Auge bekommt einiges geboten, nur sollte man eben nicht längerfristig über auch nur einen der Aspekte des Films nachdenken, der sich dann recht schnell selbst demontiert. Diesem Ansatz folgend, macht dann auch Matt Damon (Der Marsianer) als Protagonist William eine solide, aber mitnichten außergewöhnliche Figur, denn sein wortkarger Kämpfer wird mit einer so rudimentären Hintergrundgeschichte ausgestattet, dass man sich die drei Dialogzeilen, die seitens seines Begleiters, dem von Pedro Pascal verkörperten Tovar darauf verschwendet werden, auch hätte schenken können. Der sich hieraus entfaltende Subplot um die moralische Läuterung unseres "Helden" könnte nämlich ebenfalls generischer kaum sein und daraus resultierend enttäuscht auch Willem Dafoe (John Wick) ausnahmsweise, denn wenn man meint, William sei schon allzu blass und beliebig, schlägt sein intriganter Ballard diese Figur noch einmal um Längen und trägt zur Story in letzter Konsequenz absolut gar nichts bei, wenn man von der Moral von der Geschicht, dass Gier sich nicht auszahlt, einmal absieht.

Szenenbild aus The Great Wall | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Da machen dann die chinesischen DarstellerInnen – deren Dialoge übrigens nicht synchronisiert, sondern lediglich untertitelt worden sind, was der Atmosphäre sehr zuträglich ist – eine weitaus bessere Figur, angefangen natürlich mit Tian Jing als Kommandantin Lin Mae, auch wenn der neben ihr angeblich so bedeutsame Trupp aus Heerführern ebenfalls bestenfalls dadurch in Erinnerung bleibt, dass sie gemeinsam in ihren bunten Rüstungen wie eine fernöstlich-antike Variante der Power Rangers wirken. Natürlich ist The Great Wall kein Darsteller-Kino, doch ein wenig mehr Feingefühl für die Figuren wäre wünschenswert gewesen, denn so berührt ihr Schicksal in den seltensten Fällen, weshalb auch in diesem Fall nichts anderes bleibt, als sich stattdessen auf die Schauwerte zu konzentrieren, denn gerade in den Massenschlachten machen sich sowohl die in den unterschiedlichsten Farben schillernden Rüstungen als auch die unzähligen Statisten positiv bemerkbar, derweil auch die Taotie genannten Kreaturen, die das Reich der Mitte bedrohen, vom Design her sehr gelungen sind, während man natürlich auch hier Abstriche bei der Logik machen muss, handelt es sich schließlich um eine wilde Mischung aus Prädatoren mit Schwarmbewusstsein, denen mit einem mehr als kuriosen Kniff beizukommen ist, aber spoilern will ich hier nun ja auch nicht, denn das bisschen an Handlung, dass sich in dem Blockbuster verbirgt, mag schon jeder für sich selbst entdecken. Bleibt am Ende ein beinahe schon kurios unterhaltsamer Fantasy-Film, dessen beste Momente sich zeigen, wenn die gleichermaßen opulent wie optisch einfallsreich inszenierten Kämpfe sich entfalten, der dazwischen aber nicht viel zu bieten hat und in Anbetracht der rudimentär-generischen Geschichte dann schon beinahe zu langatmig geraten ist.

Fazit & Wertung:

Mit The Great Wall inszeniert Yimou Zhang zwar ohne Frage einen optisch opulent geratenen Fantasy-Blockbuster, auch wenn das CGI nicht an allen Ecken durchweg zu überzeugen weiß, denn dies macht er durch ansprechende Bild- und Farb-Kompositionen oft mehr als wett. Leider hat das Epos fernab der fulminanten Schlachten herzlich wenig zu erzählen und die Figuren bleiben allesamt ausnehmend blass, so dass das Mitfiebern schwerfällt und der allgemeine Eindruck durchaus leidet.

6 von 10 blutrünstigen Taotie

The Great Wall

  • Blutrünstige Taotie - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Mit The Great Wall inszeniert Yimou Zhang zwar ohne Frage einen optisch opulent geratenen Fantasy-Blockbuster, auch wenn das CGI nicht an allen Ecken durchweg zu überzeugen weiß, denn dies macht er durch ansprechende Bild- und Farb-Kompositionen oft mehr als wett. Leider hat das Epos fernab der fulminanten Schlachten herzlich wenig zu erzählen und die Figuren bleiben allesamt ausnehmend blass, so dass das Mitfiebern schwerfällt und der allgemeine Eindruck durchaus leidet.

6.0/10
Leser-Wertung 5/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
moviescape.blog: 6/10 Punkte

The Great Wall ist am 18.05.17 auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Kommentare (2)

  1. bullion 12. Januar 2018

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