Review: Don’t Breathe (Film)

So langsam komme ich tatsächlich wieder in den Trott und hoffe, dann auch am kommenden Samstag wieder eine Serien-Kritik abliefern zu können, doch gleich gilt es erst einmal das Kino des Vertrauens aufzusuchen und den jungen Han Solo kennenzulernen. Wenn alles läuft, wie ich mir das so vorstelle, werde ich schon morgen berichten können. Bis dahin und für heute erst einmal aber:

Don’t Breathe

Don’t Breathe, USA 2016, 88 Min.

Don't Breathe | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Fede Alvarez
Autoren:
Fede Alvarez
Rodo Sayagues

Main-Cast:
Jane Levy (Rocky)
Dylan Minnette (Alex)
Daniel Zovatto (Money)
Stephen Lang (The Blind Man)

Genre:
Horror | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Don't Breathe | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Als Gelegenheits-einbrecher sind Rocky, Alex und Money ein eingespieltes Team und achten tunlichst drauf, niemals Wertgegenstände im Wert von mehr als 10.000 Dollar mitzunehmen, um im Ernstfall nur eines minderschweren Vergehens beschuldigt zu werden. Zutritt zu den Häusern verschaffen ihnen die Schlüssel von Alex‘ Vater, der für einen Sicherheitsdienst tätig ist. So ist es auch Alex, der sich vehement dagegen ausspricht, als Money einen vielversprechenden Tipp bekommt, dass ein alter blinder Mann in einer völlig verlassenen Gegend auf einem Haufen Bargeld zu hocken scheint, das er als Abfindung für den Unfalltod seiner Tochter erhalten hat. Roxy überredet Alex letztlich aber und gemeinsam planen sie ihren letzten großen Coup. Während der Einbruch allerdings noch vergleichsweise problemlos vonstattengeht und die Teenager sich wenig dabei denken, dass der blinde Mann daheim zu sein scheint, erweist sich der Kriegsveteran alsbald aber als ausgesprochen wehrhaft und skrupellos…

Rezension:

Ich schaue ja nun vergleichsweise selten Horror-Thriller und kann mich auch für die wenigsten so wirklich erwärmen, wobei hier wohl sicherlich die Beteiligung von Jane Levy ausschlaggebend gewesen sein mag, Fede Alvarez‘ Don’t Breathe eine Chance zu geben (und ja, dessen Evil Dead-Neuauflage werde ich sicherlich beizeiten auch noch nachholen). Und tatsächlich entpuppt sich Alvarez‘ Film als handwerklich bestechend inszenierter, fieser, kleiner Thriller mit ungewöhnlicher Prämisse, die weitestgehend von Schnickschnack befreit, unglaublich effektiv unterhält und überzeugt. Die ersten paar Minuten nimmt man dabei wohlwollend in Kauf, um das Setting zu etablieren, auch wenn sich hier bei näherer Betrachtung schon einige Ungereimtheiten ergeben. Wäre das Teenager-Trio nämlich wirklich so umtriebig mit seinen Einbruchstouren wie attestiert, müsste dort nämlich selbst mit der selbstauferlegten "Budgetierung" ein hübsches Sümmchen zusammengekommen sein, wovon man hier allerdings nichts merkt. Macht aber auch nichts, schließlich geht es hier nur darum, eine Ausgangslage zu schaffen, um die unbedarften Einbrecher ins Haus des blinden Mannes zu führen.

Szenenbild aus Don't Breathe | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Ab diesem Moment – und er kommt zum Glück schnell, denn mit großartiger Vorrede hält man sich hier kaum auf – schwingt sich der Thriller auch schnell zu neuen Höhen auf, derweil auch ich für meinen Teil gezweifelt habe, ob man den sich entfaltenden Thrill wirklich für immerhin rund 90 Minuten aufrechterhalten könnte, ohne dass dadurch die Glaubwürdigkeit der Handlungen oder Figuren darunter leiden würde. Tatsächlich gelingt das Alvarez und Co-Drehbuchautor Rodo Sayagues aber ausnehmend gut und sogar ohne den blinden Mann als übernatürlich mächtigen Antagonisten anlegen zu müssen. So bleibt das, was passiert, im Grunde sehr geerdet und entfaltet gerade dadurch eine unbestreitbare Intensität, zumal Stephen Lang (Into the Badlands) in der Rolle des "Blind Man" eine urtümliche Bedrohlichkeit verströmt, wie man sie nur selten findet, womit er das nicht so heimliche Highlight von Don’t Breathe darstellt. Hinzu kommt, dass weite Teile des Films als kammerspielartiger Reigen aufgebaut sind, denn ein Großteil der Handlung vollzieht sich eben in dem heruntergekommenen und verwahrlosten Haus des blinden Mannes, wobei man hier für meine Begriffe doch durchaus sorgfältig darauf geachtet hat, den Aufbau, die Struktur, den Grundriss des Gebäudes glaubhaft und nachvollziehbar zu gestalten, was ich für enorm wichtig halte, wenn man auf dermaßen begrenztem Raum agiert.

Zudem spielt Don’t Breathe durchaus gekonnt mit den Klischees und der Erwartungshaltung des Zuschauers, so dass er sich mitnichten damit begnügt, die Gesetzmäßigkeiten des Home-Invasion-Genres einfach nur umzustellen, sondern auch ansonsten versiert darin ist, falsche Fährten zu legen und den Zuschauer in die Irre zu leiten. In der zweiten Filmhälfte findet sich zudem noch ein durchaus überraschender Twist, der dem Kontext des Geschehens eine weiter Ebene hinzufügt, aber auch eine gewisse moralische Ambivalenz begradigt, die damit einhergeht, dass die von dem blinden Mann gejagten Teenager bei objektiver Betrachtung ja nun einmal die eigentlichen Bösewichte sind oder sein müssten, auch wenn fadenscheinige Gründe zu finden versucht werden, das Verhalten von Rocky, Alex und Money zu begründen. Um noch kurz bei den Figuren zu verweilen, ist Rocky ohne jeden Zweifel die Hauptfigur des Trios und Jane Levy (Bang Bang Baby) kommt ihre Expertise in dem Genre durchaus zugute, so dass sie in jeder Einstellung eine gute Figur macht und gekonnt zwischen Todesangst und aufmüpfiger Wehrhaftigkeit zu wechseln versteht.

Szenenbild aus Don't Breathe | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Dylan Minnette als Alex derweil, der den meisten zumindest aus Tote Mädchen lügen nicht bekannt sein dürfte, weiß ebenfalls zu überzeugen und gerade wenn man anfänglich meint, er entspräche dem Klischee des schüchternen, netten Jungen von nebenan, weiß er im Verlauf der Handlung durchaus noch einige Male zu überraschen. Das kann man zwar von Daniel Zovatto als Pseudo-Gangster Money weniger behaupten, weil hier schon in vielerlei Hinsicht extrem tief in die Klischee-Kiste gegriffen wird, aber um das Trio zu vervollständigen reicht es allemal, zumal ohnehin die Figuren keine wirkliche Tiefe spendiert bekommen, was ich in Anbetracht der Prämisse und Ausgestaltung des Films aber auch nicht unbedingt als Mangel empfunden habe. Bleibt am Ende ein fieser kleiner Thriller, der mit Einfallsreichtum und unerwarteten, nachvollziehbaren Wendungen zu punkten weiß und mit Langs bedrohlicher Präsenz einen ungemein effektiven Bösewicht kredenzt. Kein Wunder also, dass seit Januar die Rede von Don’t Breathe 2 und einer Rückkehr von Stephen Lang in seiner Rolle ist, auch wenn mir schwant, dass diese Fortsetzung nur halb so effektiv sein wird wie dieser doch erfrischend unverbrauchte Streifen.

Fazit & Wertung:

Fede Alvarez gelingt bei Don’t Breathe mit einfachsten Mitteln und einer überschaubaren Prämisse ein ungemein effektiver Thriller, der mit wendungsreichem Plot und einem angsteinflößenden Antagonisten besticht, dessen Stoizismus und Unbeugsamkeit nicht von dieser Welt zu sein scheinen, während sich die eigentliche Story doch angenehm geerdet gibt. Dass die Motivation der nur oberflächlich charakterisierten Figuren dabei ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirkt, verkommt dabei schnell zur Nebensache.

7,5 von 10 leisesten Atemgeräuschen

Don't Breathe

  • Leiseste Atemgeräusche - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Fede Alvarez gelingt bei Don't Breathe mit einfachsten Mitteln und einer überschaubaren Prämisse ein ungemein effektiver Thriller, der mit wendungsreichem Plot und einem angsteinflößenden Antagonisten besticht, dessen Stoizismus und Unbeugsamkeit nicht von dieser Welt zu sein scheinen, während sich die eigentliche Story doch angenehm geerdet gibt. Dass die Motivation der nur oberflächlich charakterisierten Figuren dabei ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirkt, verkommt dabei schnell zur Nebensache.

7.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Don’t Breathe ist am 19.01.17 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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