Review: Cowboys & Indies | Gareth Murphy (Buch)

Heute noch immer keine neue Montagsfrage und diesmal auch keine Comic-Review, sondern stattdessen eine außerplanmäßige, zusätzliche Buch-Rezension diese Woche, man muss ja schließlich auch mal mit Gewohntem brechen können.

Cowboys & Indies
Eine abenteuerliche Reise
ins Herz der Musikindustrie

Cowboys and Indies – The Epic History of the Record Industry, USA 2014, 480 Seiten

Cowboys & Indies von Gareth Murphy | ©  Heyne Hardcore
© Heyne Hardcore

Autor:
Gareth Murphy
Übersetzer:
Bernd Gockel

Verlag (D):
Heyne Hardcore
ISBN:
978-3-453-67704-3

Genre:
Sachbuch

 

Inhalt:

Unsere Geschichte beginnt in Paris. All die Verästelungen, die den genealogischen Baum der späteren Musikbranche bilden – Produzenten, Label, Musiker –, lassen sich auf dieses konkrete Datum zurückführen. Wir schreiben das Jahr 1853.

Angefangen mit der Erfindung der ersten Aufnahme- und Abspielgeräte umreißt der Musik-Journalist Gareth Murphy den Werdegang dessen, was man als Musik-business bezeichnen würde und konzentriert sich dabei neben dem wissenschaftlichen Fortschritt und den neu aufkommenden Formaten vornehmlich auf die sogenannten "Record Men", die nach Meinung des Autors vom Erfinder und Labelgründer, vom Produzenten und Marketing-Fachmann so ziemlich jeden umfassen kann, der in irgendeiner Art und Weise an den Stellschrauben dessen gedreht hat, wie sich Musik in unserer Gesellschaft etabliert hat und wie wir diese – damals wie heute – erleben und noch erleben werden…

Rezension:

Mich als durchaus musikbegeistert und –interessiert bezeichnend, stolperte ich schon vor geraumer Zeit über Cowboys & Indies: Eine abenteuerliche Reise ins Herz der Musikindustrie, das hierzulande aus Gründen unter dem Heyne-Hardcore-Label veröffentlicht worden ist. So derb oder schockierend geht es allerdings mitnichten zur Sache, denn Gareth Murphy, Sohn einer Musiker-Familie aus Dublin, hat nichts anderes im Sinn, als (s)eine Historie der Musikindustrie abzuliefern, die immerhin zum Glück des Lesers nicht so staubtrocken ausfällt, wie man das sicherlich hätte machen können und stattdessen angereichert ist mit allerhand interessanten, teils lustigen Anekdoten. Allerdings darf man sich hier eben auch keine vollumfängliche Abhandlung erwarten, denn sowohl Künstler als auch Perspektiven scheinen mir doch teils sehr selektiv und subjektiv ausgewählt worden zu sein, ohne von mir selbst behaupten zu wollen, den absoluten Durchblick in dieser Industrie zu besitzen.

So bietet Cowboys & Indies ohne Frage unterhaltsame Lektüre, doch so begeistert ich in die Geschichte gestartet bin – es handelt sich freilich mitnichten um einen Roman und man hangelt sich mehr von Thema zu Thema – , so schnell erlahmte auch meine Begeisterung, denn wo sich andernorts die echte Faszination erst nach den ersten ca. fünfzig Seiten einstellt, folgt hier leider eher die Ernüchterung, dass das jetzt noch mehr als 400 Seiten so weitergeht (zumal in der zweiten Hälfte vermehrt das eigentliche Musik-Business dahingehend in den Hintergrund rückt, dass hier eher Vermarktungsstrategien und dergleichen umrissen werden). Damit will ich gar nicht sagen, dass Murphy langweilig schreiben würde oder nichts Interessantes zu erzählen wüsste, doch strukturell ist da kaum ein roter Faden erkennbar und vom Thema abzuschweifen scheint hier zum guten Ton zu gehören. Vor allem aber ist es eben so, dass bei aller Leichtfüßigkeit im Aufbau und der Schreibe dieser Wälzer seine Schwere schlicht dadurch erhält, dass keinerlei auflockernde Skizzen, Bilder oder Grafiken enthalten sind, meinetwegen nur ein schnöder Zeitstrahl, an dem man sich grob orientieren könnte, denn selbst die Artikel-Überschriften sind lieber prosaisch gestaltet worden, statt einen Mehrwert bieten zu wollen.

Die Welt rückte näher zusammen, die wachsenden Metropolen lieferten den urbanen Humus – und die Plattenkäufer schickten ihre Ohren auf Reisen. Die US-Kultur war seit jeher durch Immigration geprägt worden, aber das neue Jahrhundert erlebte einen Ansturm unbekannten Ausmaßes: neun Millionen allein in den ersten zehn Jahres des 20. Jahrhunderts. Der rasend wachsende Schmelztiegel in und um New York erwies sich dabei als idealer Nährboden für ethnische Satire.

So bereue ich es zwar in keiner Weise, mich Cowboys & Indies gewidmet zu haben und werde die Lektüre auch in guter Erinnerung behalten, doch wage ich zu behaupten, dass die meisten Zusammenhänge und Erzählungen schon jetzt nicht mehr in meinem Gedächtnis präsent sind, derweil der Band in seiner Gestaltung nicht unbedingt zum Nachschlagen einlädt oder dies überaus ermöglicht. Für Musikliebhaber, die sonst schon alles besitzen oder von denen man weiß, dass sie sich auch theoretisch für das Thema interessieren ist Murphys Abhandlung daher ganz klar eine Lese- oder alternativ Mitbringsel-Empfehlung, zumal dem Autor seine Leidenschaft deutlich anzumerken ist, doch hätte da gerne noch mal jemand Unbefangenes ein wenig Struktur und Ordnung in die Texte bringen können, denn so verliert man sich allzu schnell in den sich überschlagenden Entwicklungen der damaligen Zeit, ohne dass das Buch diesbezüglich irgendeine Art Hilfestellung anbieten würde, was in Anbetracht der eigentlichen Texte wirklich schade ist. Last but not least merkt man dem Buch leider deutlich an, wie schnelllebig die Industrie mittlerweile geworden ist, denn dem Umstand geschuldet, dass es bereits 2014 entstand, sind hier natürlich die neuesten Entwicklungen und der Siegeszug der Streaming-Dienste beispielsweise überhaupt nicht thematisiert.

Fazit & Wertung:

Gareth Murphy präsentiert mit Cowboys & Indies: Eine abenteuerliche Reise ins Herz der Musikindustrie ein ohne Frage ambitioniertes Projekt in dem Versuch, die gesamte Geschichte des Musik-Business in einem Buch zu umreißen, doch so unterhaltsam ihm das grundsätzlich auch gelingen mag, ist seine Themenauswahl spürbar selektiv und kommt im weiteren Verlauf vermehrt vom Kurs ab. Für Interessierte ein lohnenswertes Buch, das aber noch weitaus stringenter und strukturierter hätte gestaltet werden können.

7 von 10 schwelgerischen Anekdoten

Cowboys & Indies: Eine abenteuerliche Reise ins Herz der Musikindustrie

  • Schwelgerische Anekdoten - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Gareth Murphy präsentiert mit Cowboys & Indies: Eine abenteuerliche Reise ins Herz der Musikindustrie ein ohne Frage ambitioniertes Projekt in dem Versuch, die gesamte Geschichte des Musik-Business in einem Buch zu umreißen, doch so unterhaltsam ihm das grundsätzlich auch gelingen mag, ist seine Themenauswahl spürbar selektiv und kommt im weiteren Verlauf vermehrt vom Kurs ab. Für Interessierte ein lohnenswertes Buch, das aber noch weitaus stringenter und strukturierter hätte gestaltet werden können.

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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Heyne Hardcore.

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Cowboys & Indies ist am 13.02.17 bei Heyne Hardcore erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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